Fantastischer Film: Die Jagd

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Inhalt

Lucas Leben ist nicht perfekt aber normal. Er ist geschieden, kämpft um das Sorgerecht für seinen Sohn, arbeitet als Kindergärtner und genießt es in seiner Freizeit mit den Freunden aus dem Jagdverein zusammenzusitzen und mal ein Glas zu kippen. Als aber ein Mädchen aus dem Kindergarten eine gedankenlose Behauptung äußert, wird Lucas (gespielt von Mads Mikkelsen) zum Gejagden. Die kleine Klara hat aus Trotz gelogen und traut sich nicht das Gesagte zurück zu nehmen. Lucas Leben wird erschüttert, gerade als die Dinge sich bessern sollten. Sein Sohn sollte zu Besuch kommen und er hat eine Frau kennen gelernt. Plötzlich ist von alldem nur noch ein Scherbenhaufen übrig. Als er durch die Polizei entlastet wird, fängt die Jagd aber erst richtig an und Lucas muss um sein Leben fürchten.

Hintergrund

Thomas Vinterbergs „Jagten“ ist aus dem Jahr 2012 und hat einige Preise abgeräumt. In Cannes erhielt Mads Mikkelsen für seine Darstellung des Lucas den Preis für den besten männlichen Hauptdarsteller. Außerdem gewann Vinterberg den Europäischen Preis (2012) für die beste Regie, des Weiteren war der Film für 4 weitere Preise nominiert. Schade, dass der Film erst am 28. März 2013 in die deutsche Kinos kam (Vergleich: im Januar 2013 in Dänemark). Die Handlung von Die Jagd betrifft uns alle. Sie zeichnet intensiv das Bild falscher Beschuldigungen und wie schnell die Gemeinschaft (bzw. eine kleine Lüge wie es der Trailer so schön nennt) ein Menschenleben den Ausguss hinunter spülen kann. So hält der Film letztendlich uns allen einen Spiegel vor und konfrontiert uns mit einem sehr menschlichen Horror. Dem abscheulichen Gefühl, dass man im Recht ist aber niemand einem glaubt. Die unerhörte Begebenheit könnte hier nur einer von vielen Vorwürfen sein, die man tagtäglich aus einer x-beliebigen Klatschzeitung fischen kann und bedient sich der Debatte, die nicht selten über männliche Vorschullehrer entbrennt.

Meinung

Die Jagd ist unheimlich packend und haarsträubender als so mancher Horrorfilm, denn hier ist der Horror real. Das Szenario ist aus beiden Seiten verständlich. Natürlich erst einmal von Lucas‘ Seite: ihm widerfährt eine extreme Ungerechtigkeit, die zum Fürchten ist. Aber auch bei der Perspektive der Eltern muss man sich fragen, ob man wirklich anders reagiert hätte? Ich würde gerne sagen, dass ich niemals jemanden so leichtsinnig beschuldigen würde aber ich kann es auch nicht ausschließen, wenn es um mein Kind gehen würde. So läßt uns Thomas Vinterbergs Drama in einem moralischen Desaster zurück. Mads Mikkelsens Darstellung geht einem unheimlich nah und wirkt absolut authentisch – fast so, als ob die Scheibe seines eigenen Hauses mit Steinen eingeschlagen wurde. Zusätzlich ist das Motiv der (Treib)Jagd sehr beklemmend. Anfangs noch Mitglied der Gruppe wird Lucas plötzlich zum Freiwild, das zum Abschuss freigegeben wird. Für mich einer der besten Filme der Jahre 2012/2013. Außerdem läßt er mich beschämt zurück, dass ich so wenig über dänische Filme weiß. Das ändert sich.

Jeden Monat stelle ich einen Film vor, den ich für einen fantastischen Film halte – losgelöst von Mainstream, Genre, Entstehungsjahr oder -land. Einfach nur: fantastisch. 😆