Fantastischer Film: Life of Pi

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Inhalt

Ein Autor auf der Suche nach einer Story bekommt den Tipp sich Piscine Molitor Patels Lebensgeschichte anzuhören: wie er in Indien aufwuchs, wie er zu dem Spitznamen ‚Pi‘ kam, warum er alle Religionen austestete und wie er seine erste Liebe fand. Das alles ist schon fast einen eigenen Film wert. Das Abenteuer von Pi (Suraj Sharma) beginnt aber erst, als seine Familie beschließt mitsamt des Zoos den sie betreiben umzuziehen. Sein Zuhause und seine Freunde zurückzulassen und mit wilden Tieren umzuziehen scheint für ihn in dem Moment seine bisher größte Prüfung zu sein aber der größte Schicksalsschlag kommt erst noch. Das Schiff mit dem die Familie reist gerät in einen fatalen Sturm und sinkt. Während Pi in einem Rettungsboot landet, hat er grausame Gewissheit, dass seine Familie es nicht geschafft hat. Ein paar Tiere sitzen ebenfalls sprichwörtlich mit ihm in einem Boot, wobei die größte Gefahr von dem Tier an der Spitze der Nahrungskette ausgeht: dem Tiger ‚Richard Parker‘. Für Pi beginnt ein Überlebenskampf der seinen Glauben auf die Probe stellt.

Hintergrund

Life of Pi ist meines Erachtens nach das, was man bis vor ein paar Jahren noch als unverfilmbar bezeichnet hätte. Wie sollte man glaubwürdig die Geschichte von Pi, der sich mit einem Tiger ein Rettungsboot teilt, verfilmen? Das Meer, der Tiger … da bleibt nur der Einsatz von jeder Menge Computeranimation. Tatsächlich sieht man es dank der hervorragenden Technik dem Film kaum an, dass der Suraj Sharma Pi verkörperte, während er auf einem Boot in einer Kapsel gefüllt mit Wasser saß. Richard Parker musste er sich vorstellen, denn der kommt selbstverständlich aus dem Computer. Da muss ich mich doch ehrlich fragen, warum er dafür keine Oscarnominierung bekommen hat? Und gilt Ang Lee nicht eher als CGI-Verweigerer? Es ist in jedem Fall ein mutiges Projekt Yann Matels Erfolgsroman zu verfilmen. Die Inszenierung hat soviel Herz, dass kaum in Frage stellen dürfte, dass Ang Lee (Eat Drink Man Woman, Tiger and Dragon, Brokeback Mountain) seinen Oscar für Life of Pi verdient gewonnen hat. Halt. Eine Sache ist da noch – wegen der ich heute mal ausnahmsweise in dieser Kategorie meckern muss:

Worauf die Öffentlichkeit spätestens bei der Oscar-Verleihung 2013 aufmerksam wurde, ist dass die CGI-Schmiede Rhythm & Hues all diese computergenerierten Elemente (also den ganzen Film) erst möglich machte aber die Mitarbeiter bis zur Fertigstellung des Films ohne Lohn arbeiten mussten. Und wie das so ist mit laufenden Kosten: die lösen sich nicht von selber in Luft auf, werden höchstens noch größer und nur kurze Zeit nach der BAFTA-Nominierung musste Rhythm & Hues Insolvenz anmelden. Die VFX (visual effects) Künstler haben ebenfalls einen Oscar abgeräumt, wollten bei ihrer Oscarrede auf den Missstand der Branche und die Zahlungsmoral der Studios hinweisen, wurden aber in der Sendung abgewürgt. Ein großer Aufschrei geht noch heute durch die Gemeinde der VFX- und SFX-Künstler. Ang Lee soll von all dem nichts gewusst haben, weswegen ich für meinen Teil ihm am liebsten den Oscar schon fast wieder wegnehmen würde. Denn dadrin steckt vor allem sehr viel Herzblut der VFX-Artists. Computeranimation hat nicht nur diesen Film möglich gemacht, sondern mehr oder weniger jeden dritten den wir in Kino und TV sehen. Es ist fast Standard geworden aber wir sollten uns in Zukunft fragen, ob die Leute die das ermöglichten wohl schon bezahlt wurden?

Meinung

Life of Pi ist ein unglaublich mitreißender Film, der uns keine Minute losläßt und mitten ins Herz trifft. Pis Vorstellungen vom Leben, seine Vergangenheit, die komischen Dinge die ihm selbst im Rettungsboot widerfahren, sein Verlust, die Gefahr und Anmut die von dem Tiger ausgeht, die Frage wie er den nächsten Tag überlebt – der Film vereint soviele Genres und rührt zu Tränen, kurz nachdem er einen zum Lachen bracht. Durch Pis Sicht auf die Welt, das Leben und Religion geht es schon bald nicht mehr nur um den großen Schicksalsschlag in Pis Leben und die Frage ob er den ‚Schiffbruch mit Tiger‘ überleben wird. Genauso ungewöhnlich wie das Szenario mit einem Tiger im Boot zu landen, ist die Wirkung auf den Zuschauer. Plötzlich hat man das Gefühl das Leben verstanden zu haben, fühlt regelrecht Nähe zum Rest der Welt und den Reichtum den das eigene Leben alleine mit sich bringt. Ein Film, der ein bischen erleuchtet.

Jeden Monat stelle ich einen Film vor, den ich für einen fantastischen Film halte – losgelöst von Mainstream, Genre, Entstehungsjahr oder -land. Einfach nur: fantastisch. 😆