Was sind Anime?

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Mit dem Erklärbär-Artikel Was sind Manga? geht auch die Frage einher, was Anime sind. Das wollen wir heute ergründen. Mal so nebenbei … schon gewusst, dass Anime schon mehrmals für einen Oscar nominiert wurden und sogar schon mal gewonnen haben?

Definition

Anime sind Zeichentrickfilme oder -serien.

Das japanische Wort anime ist schlicht die Abkürzung von アニメーション (lies: animēshon) oder dt./engl: Animation. 🙂 Es ist also letztendlich nur die japanische Bezeichnung für Zeichentrick. Somit ist aus Sicht der Japaner Disneys Cinderella genauso ein „Anime“ wie es japanische Zeichentrickfilme sind. Manga und Anime werden letztendlich v.A. deswegen immer in einem Zug genannt, weil die Begriffe japanischen Ursprungs sind. Anime sind aber Zeichentrickfilme und Manga sind Comics. Oftmals werden Anime produziert, die auf einem Manga basieren, aber es gibt auch genügend Anime die auf Büchern basieren, einem Computerspiel-Franchise angehören oder einfach nur dafür bestimmt waren ein Anime zu sein.

Wo kommen Anime her?

Wikipedia kennt die Geschichte der Anime in Langform – ich mache es hingegen kurz: in den 1920er Jahren schwappten europäische und amerikanische Zeichentrickfilme nach Japan und zeigten, was für eine Bandbreite an Möglichkeiten mit diesem Erzählmedium zur Verfügung steht. Danach wurden erste, zarte Schritte auf dem Gebiet der Animation gemacht bis hin zum Aufbau des ersten Studios: Tōei Animation, das noch heute zu den größten Trickfilm-Schmieden Japans zählt.

Hayao Miyazaki, <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hayao_Miyazaki.jpg" target="_blank" rel="noopener">Image Source</a>, Author: Thomas Schulz detengase @ Flickr, This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

Hayao Miyazaki, Image Source, Author: Thomas Schulz detengase @ Flickr, This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license.

Während in anderen Ländern Trickfilme mit Ton bereits an der Tagesordnung waren, entwickelte sich das in Japan erst etwas später. Außerdem wurden Trickfilme eine Angriffsfläche für Propaganda, d.h. Opfer der Umstände in Kriegszeiten. Ab den 60er Jahren machten Namen wie Hayao Miyazaki und Osamu Tezuka den Anime groß und schufen das noch heute existente Bild des japanischen Trickfilms, nur dass sich die Technik weiterentwickelt hat und die Vielfalt enorm anstieg. Hayao Miyazaki ist studierter Ökonom und Politikwissenschaftler, wurde aber Zeichner von Animationsfilmen und sollte später eines der Gründungsmitglieder des legendären Studio Ghibli werden, das für seine herzerwärmenden Geschichten wie Chihiros Reise ins Zauberland mit Preisen (u.a. Oscar, Goldenen Bären) überhäuft wird. Osamu Tezuka ist ein bekannter Mangazeichner, dessen vielfältige Geschichten zahlreich in Anime-Form umgesetzt wurden, bspw. Astro Boy oder Black Jack.Sie sind die Pioniere, die dem Anime zu großer Beliebtheit verhalfen und zeigten, dass man mächtige Geschichten mit dem Medium erzählen kann.; Der nächste große Boom ist in den 90er Jahren zu verzeichnen, als Anime ein noch größeres Themenspektrum abdeckten und Formate wie Sailor Moon, Die Kickers, Dragonball, Tsubasa unvm um den Globus gingen und die Begriffe Manga und Anime bekannt machten.

Die Animeindustrie und was wir bereits ahnen …

… Nämlich, dass sie riesig ist.

Wennn ihr den Was sind Manga-Artikel gelesen habt, erlebt ihr wahrscheinlich gerade ein Déjà-Vu. 😉 Auch was Zeichentrickfilme betrifft, ist die japanische Bevölkerung da wesentlich schmerzloser, als wir Europäer. Während manch einer vor Zeichentrickfilmen die Nase rümpft, ist dort das Angebot so groß, dass für jeden was dabei ist und die Zeichentrickfilme sich auch im Kino großer Beliebtheit erfreuen und Unsummen einspielen. Im Fernsehen laufen die bekanntesten Anime-Serien sogar regelmäßig zur Primetime. Kaum zu glauben aus europäischer Sicht. Auf Tom Fronczaks Liste der Top 100 Most Influential Animation Studios of All-Time finden sich beispielsweise 2 japanische Animationsschmieden unter den TOP 10.

Genre und Zielgruppen

Alles. Alles da. Für jeden ist alles da.

Gängiges Vorurteil: „Aber ich habe gehört Anime sind nur was für Jungs | für Mädchen | sind alles Pornos | sind gewaltverherrlichend !“

Oh es gibt auf jeden Fall sehr viele Anime mit pornografischen Inhalten oder Gewaltexzessen. Aber es verhält sich wie mit der Filmindustrie: dort sind diese Inhalte auch nur eine (große) Nische von vielen. Es gibt vorrangig Action-Anime, Dramen, Komödien, Thriller, Horror-Anime unvm. Allerdings haben sich auch Sub-Genre entwickelt, die es so in anderen Filmindustrien außerhalb Japans gar nicht gibt und die für Europäer etwas fremd klingen. Dazu zählen beispielsweise Mecha-Anime, im Zentrum derer stehen in der Regel haushohe Roboter, die von Menschen gesteuert werden (wer sich an Pacific Rim erinnert fühlt, weiß jetzt wo die Inspiration herkam). Vielen dürfte das Magical-Girl-Genre bekannt sein, in dem vorrangig Mädchen Zauberkräfte erhalten – so gesehen in Sailor Moon oder Wedding Peach. Und das waren nur zwei Beispiele für sehr spezielle Subgenres. Es ist also eine ganze Menge Vielfalt da und auch hier gilt wieder: ob alt oder jung, es ist für jeden was dabei. Die Allgemeinheit reibt sich oft daran auf, dass es pornografische und gewalttätige Anime gibt. Insbesondere im westlichen Raum werden Zeichentrickfilme für Familien bzw. Kinder produziert und das dementsprechend als die Zielgruppe angesehen. Versucht man etwas anderes, gilt das als zu kontrovers oder ein finanzielles Risiko. Natürlich gelingt es dem Markt hier und da noch einen Zeichentrickfilm mit anderen Inhalten als Bambi oder Cars hervorzubringen (bspw. Waltz with Bashir), aber leider zu selten. Wer Anime verurteilt, sollte immer den Vergleich zur Filmindustrie ziehen. Obwohl die Pornoindustrie existiert und es einen riesengroßen Markt für Slasher- und Gore-Streifen gibt, sagt schließlich auch niemand, dass ‚alle‘ Filme Pornografie oder gewaltgespickt sind. Dementsprechend möchte ich mal einen Blick auf die Vielfalt der Anime werfen.

Ein paar Beispiele für Anime und vor Allem auch Anime von denen ihr vielleicht gar nicht wusstet, dass sie welche sind. 🙂

„Die letzten Glühwürmchen (Anime) — Trailer“, via KAZÉ Deutschland (Youtube)

Szene aus dem Anime-Film ‚Cowboy Bebop – Knockin‘ on heavens door‘ : „Cowboy Bebop fight scene“, via Cameron Parker (Youtube)

„Heidi – Japanese Opening“, via saeid daneshgar (Youtube)

„Lady Oscar german Intro“, via RetroBoter (Youtube)

„Na toll. Jetzt möchte ich einen Anime gucken. Und … ? Wo laufen denn welche?“

Im deutschen Free-TV laufen nur hin und wieder Anime, bspw. auf VIVA oder Tele 5. Die meisten richten sich vorrangig an Kinder oder Jugendliche. Der Pay-TV-Sender Animax ist hingegen auf Anime spezialisert. Ansonsten gibt es auf vielen Sendern wie arte, superRTL und 3Sat hin und wieder Anime- bzw. Themenabende. Allerdings bietet MyVideo ein großes Angebot an frei verfügbaren Anime zum streamen. Insbesondere für Neulinge auf dem Gebiet eine wunderbare Option! Ansonsten helfen auch Anime-Portale weiter oder Zeitschriften wie die AnimaniA, die regelmäßig Neuerscheinungen vorstellen. Auf DVD erscheinen hierzulande relativ viele Anime. Daher ist man gut beraten, wenn man sich von einem Anime-Auskenner eine Serie oder einen Film empfehlen läßt. Ich versuche gerne weiterzuhelfen, stelle auch in meiner Kategorie The Anime Diversity jeden Monat einen Anime vor.

Was war eure bisherige Meinung zu Anime? Hat der Artikel euch noch etwas neuen erzählt? Hat ein Anime euch schon mal abgeschreckt? Oder kennt ihr vielleicht Anime und welchen mögt ihr besonders? Habt ihr schon mal mit dem Gedanken gespielt einen Anime zu schauen? Das interessiert mich. 😀