ausgelesen: Sebastian Fitzek „Nachtwandler“

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2013-10-27 20.09.28

Inhalt

Leon traut seinen Augen nicht – seine Frau hockt grün und blau geprügelt vor ihm, packt ihre Sachen und verschwindet aus der Wohnung. Er fragt sie, was passiert sei und wer ihr das angetan hätte. Leon sei es selber gewesen, der sie so zugerichtet hat. Und dann ist sie weg. Leon versteht die Welt nicht mehr. Das soll er angerichtet haben? Wenn es tatsächlich so ist, gibt es nur eine Erklärung dafür: er hat wieder angefangen zu schlafwandeln. Er kann es sich nicht anders erklären – er würde ihr doch nie absichtlich und mit vollem Bewusstsein so etwas antun? Er zögert nicht lange und ergreift Maßnahmen, er filmt sich selber während er schlafwandelt – und sieht später auf den Aufnahmen, dass sich hinter seinem Kleiderschrank eine Tür befindet durch die er ins tiefste Dunkel verschwindet. Das wird nicht die letzte Entdeckung bleiben, die Leons Leben und Realität nach und nach zum bröckeln bringt.

Hintergrund

Sebastian Fitzek ist für seine wendungsreichen Psychothriller bekannt und hat eine große Fangemeinde – nicht nur hierzulande. In 20 Sprachen wurden seine Bücher bisher übersetzt. Man kann sagen ich war von Anfang an dabei. Mit Die Therapie hat er damals einen Nerv bei mir getroffen. Es folgten weitere Bücher und bei mir in den letzten Jahren eine Fitzek-Pause. Der Klappentext hat mich dann aber wieder gekriegt. Dabei machen mich die kleineren Details eher neugierig. Am meisten hat mich der Umstand mit der Tür hinter dem Kleiderschrank gereizt – natürlich weil ich denke, dass man das irgendwann merken muss, dass da noch eine Tür hinterm Schrank ist. 😉 Das Thema Somnambulie/Schlafwandeln finde ich interessant, hat mich aber nicht vordergründig gereizt. Umso verstörender war es zu lesen wie Leons Leben komplett demontiert wird.

Meinung

Eine Sache muss man aber sagen: dieser Fitzek, der weiß wie’s geht. Die Geschichte so zu konstruieren, dass man am Ende eines jeden Kapitelchens entweder einem Plot-Twist bevorsteht, eine grausame Offenbarung angedeutet wird oder unheilvolle Vermutungen über den Fortgang der Geschichte anstellen muss – das ist schon eine Kunst für sich. Aber auch der Fallstrick. Diese Eigenschaft von vielen Fitzek-Büchern und natürlich die Neugier auf die Auflösung haben mich weiterlesen lassen. Gegen Ende war ich allerdings eher unzufrieden mit dem Buch. Einige kleine Logiklücken häufen sich und im folgenden wird der Leser mit einer immer neuen Auflösung und insgesamt mehreren Plot-Twists und offenen Fragen konfrontiert. Könnte normalerweise genial sein, wirkt hier aber eher wie ein cheap trick auf mich. Bis zur Auflösung wie und wann seiner Freundin denn nun wirklich all diese Wunden zugefügt wurden, fand ich das Buch sehr gut und es hat mit allen meinen Vermutungen gespielt und sie immer wieder zunichte gemacht. (Was nicht etwa schlimm ist 😉 sondern alles noch spannender macht) Die angebotenen Lösungen und Wendungen gegen Ende hin wirken wahnwitzig geplant und die Twists zu gewollt. Zum Schluss hatte ich mehr das Gefühl eine billige Story zu lesen, die sich auf dem guten Ruf von Plottwists ausruht und am besten noch einmal eine Wende hinterherschiebt, um sicher zu gesehen und ideenreich genug zu wirken. Weniger ist manchmal mehr. Schade, dass ich das sagen muss.

Kennt ihr das Buch? Und wenn ja – wie waren eure Eindrücke? Seid ihr vielleicht sogar große Fitzek-Fans?

Fazit:
Für Fans

„ausgelesen“ ist eine Kategorie meines Blogs, in der ich immer zwischen dem 15. und 20. eines jeden Monats ein Buch unter die Lupe nehme. Der Begriff „ausgelesen“ ist sehr dehnbar. So wie die Themenvielfalt meines Blogs. Ein „Buch unter die Lupe nehmen“ schließt Belletristik, Sachbücher, Manga, Comics unvm mit ein. 🙂