The Anime Diversity: „Neon Genesis Evangelion“

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„Neon Genesis Evangelion“ – Worum gehts?

Den Auftakt der Serie bildet Shinji Ikari, der von seinem Vater aufgefordert wird nach Neo-Tokyo zu kommen. Nach einer (angeblichen) extremen Umweltkatastrophen wurde die Menschheit stark dezimiert und viele Teile der Erde überschwemmt. Neo-Tokyo ist die „letzte Bastion der Menschheit“, ein Ort der für den Ausnahmezustand geschaffen wurde. Dort ist NERV angesiedelt, eine Firma unter der Leitung von Shinjis Vater, der seinen Sohn einst im Stich ließ. Shinji sieht dem Treffen mit gemischten Gefühlen entgegen. Zu recht. Noch während er NERV sucht, wird in der Stadt der Ausnahmezustand ausgerufen. Ein „Engel“ greift an! Das sind monströse, oftmals hochhaushohe Wesen, die ständig Neo-Tokyo angreifen. Shinji wurde herbeordert, um eins der Kinder zu werden, welche die „Evangelion“ (oder kurz EVAs, Riesenroboter) steuern sollen. Shinji steht also nicht wirklich eine Familienzusammenführung bevor. Stattdessen muss er kämpfen, obwohl er kaum etwas über die Umstände oder die Maschine oder über das Kämpfen weiß. Mit der Zeit fügt er sich in seine Rolle ein, aber die Fragen werden immer mehr. Warum können nur bestimmte Kinder die EVAs steuern? Wo kommen die Engel her? Und eine Frage die Shinji schon ab der ersten Folge beschäftigt: wenn die EVAs Maschinen sind, warum sah das Auge seines EVA unter der Metallabdeckung so verdammt menschlich aus?

„Neon Genesis Evangelion 1995 HD Anime Trailer“, by Sam Jones (Youtube)

Hintergrund

„Neon Genesis Evangelion“ (kurz „NGE“, im Original 新世紀エヴァンゲリオン , in Romaji: Shin Seiki Evangerion) ist eine 26-teilige Serie aus dem Jahr 1995, die vordergründig dem Mecha-Genre zugeordnet werden kann. Aber die Riesenroboter (Mecha) sind nur ein Teil der komplexen Story. Im Fokus stehen vor Allem zwischenmenschliche Beziehungen, weswegen anfangs noch sehr viel Platz für Comedy geschaffen wird und die Stimmung auch oftmals beschwingt ist. Allerdings wandelt sich der Ton der Serie mit den nach und nach gelösten Fragen zu einem Drama mit düsterer Stimmung. Moral, Psychologie und Philosophie spielen eine immer größer werdende Rolle bis zu dem Finale, dass lediglich Shinjis Seelenleben schildert.

Der Zuschauer sei also gewarnt, dass die Serie alleine evtl. nicht die gewünschte Auflösung bietet. Da der Mix aus Endzeitstimmung, Coming-Of-Age und Mecha-Anime eine Riesenfangemeinde hat, gab es aufgrund des kryptischen Finales auch einen Riesenaufstand. Infolge dessen entstanden die Anime-Spielfilme „Death and Rebirth“ und „End of Evangelion“. Ersterer erzählt nochmal die Geschehnisse der Serie bis zu einem gewissen Punkt, bei dem dann „End of Evangelion“ einsetzt und das dem Zuschauer bis dahin verwehrte Ende erzählt. Und das haut einen echt um. Wer also keine Lust auf eine 26-teilige Serie hat, kann sich ja die Filme zu Gemüte führen. Da werden nur leider nicht alle Charaktere und Verschwörungen so detailiert beleuchtet. Ich empfehle die Serie und als Abschluss den Film „End of Evangelion“. Denn die Serie ist genial! Übrigens wurde das Franchise noch weiter ausgeschlachtet. Seit 2007 erscheinen im Rhythmus von 2-3 Jahren insgesamt 4 sogenannte „Rebuild-Filme“ die das Geschehen nocheinmal in abgeänderter Form erzählen und dabei state-of-the-art Animationstechniken nutzen. Der dritte Film („Evangelion:3.0 – You can (not) redo“) erschien 2012 in Japan, ist seit kurzem in Deutschland auf DVD erhältlich und der vierte hat noch kein Startdatum.

„- Neon Genesis Evangelion – Opening HD BluRay „A Cruel Angel’s Thesis““, by Guille (Youtube)

Fazit

Mich hat selten ein Anime so umgehauen wie es „Neon Genesis Evangelion“ tat. Die Serie beginnt als Mecha-Anime in dessen Zentrum eine extreme Form des Antihelden steht. Shinji ist nicht nur einfach faul oder rabiat wie andere Antihelden, sondern er hat kein Selbstbewusstsein oder Selbstwertgefühl, will eigentlich immer nur weglaufen und hat nicht einmal Interesse an der Aufklärung irgendwelcher Fragen. Eigentlich ist er die ganze Zeit nur verletzlich. Um ihn herum finden sich zahlreiche interessante Charaktere, deren Vergangenheit und Traumata nach und nach enthüllt werden. Genauso wie die Absichten von Shinjis Vater und die Wahrheit über NERV, die Engel und die EVAs. Und das haut ziemlich rein – mal salopp gesagt. Bis dahin werden für den Zuschauer ausreichend Brotkrumen gestreut, sodass man eifrig spekulieren kann, was dort eigentlich vor sich geht. Sagen wir mal: es nimmt biblische Ausmaße an. Die Spannung wird außerdem noch durch die stets sehr unterschiedlichen „Engel“ gesteigert. So tauchen einige der Angreifer als monströse Gestalten auf, wieder andere als ein Computervirus, oder gar in allzu menschlicher Gestalt. Kleine Abstriche muss man bei der Animationsqualität machen. Der Anime ist eben nicht brandneu und kann mit dem Look heutiger Serien nicht ganz mithalten, obwohl die technischen Details großartig umgesetzt wurden und das Charakterdesign spitzenklasse ist. Leider sind einige der Folgen in finanziellen Engpässen entstanden und leiden u.a. unter Standbildern und qualitativ weniger hochwertigen Sequenzen – das sind aber die wenigsten Folgen. Da das Seelenleben der Charaktere sehr wichtig ist und in traumartigen Sequenzen beschildert wird, muss man manchmal Geduld und Interpretationsvermögen haben und düsteren Stoff gut abkönnen. Für diejenigen ist es dann vielleicht … ein Meisterwerk!

Wo schauen?

der Anime ist in Deutschland auf DVD erschienen und somit höchstwahrscheinlich auch ausleihbar 🙂

Ein wenig Vorsicht ist geboten – auf DVD sind u.A. die Sammler-Sondereditionen als sogen. „Platinum“ Edition erschienen, die mitlerweile zu horrenden Preisen veräußert wird (komplett rund 500€, pro Box rund 85€). Dem geneigten Erstanschauer würde ich das streamen oder leihen empfehlen.

Anime sind unheimlich vielseitig – genau das möchte ich in „The Anime Diversity“ ausdrücken und stelle jeden Monat einen Anime vor. 😀 Lustig, kultig, alt, neu, grenzwertig, gruselig, romantisch, verrückt: Anime eben.