ausgelesen: Haruki Murakami „1Q84“ Buch 1

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Heute widme ich mich schöneren Themen …

Inhalt

Japan im Jahr 1984 – wir begleiten abwechselnd die junge Fitnessstudio-Angestellte Aomame und den jungen Mathematiklehrer und Schriftsteller Tengo, die beide mit ungewöhnlichen Situationen konfrontiert werden. Aomame arbeitet nebenbei als Auftragskillerin und widmet sich vorrangig gewalttätigen Männern, die das Leben von Frauen zerstört haben. Eines Tages bemerkt sie nach Erledigung eines Auftrags Veränderungen in ihrer Umwelt. Dass zum Beispiel die Polizei ganz andere Uniformen trägt. Dieser Umstand scheint aber für alle anderen Leute total normal zu sein. Nach noch viel gewichtigeren Beobachtungen wird ihr klar: Das ist nicht 1984 wie sie es kennt, das ist irgendetwas anderes – sie tauft es 1Q84. Tengo hingegen wird damit beauftragt den Roman der mysteriösen Fukaeri zu überarbeiten. Nach und nach drängt sich ihm der Verdacht auf, dass die surrealen im Roman geschilderten Begebenheiten wahr sind. Nichtsahnend, dass das eng mit Aomames Entdeckungen in 1Q84 verknüpft ist.

Hintergrund

1Q84 ist eine Trilogie, deren erste beiden Bücher im Jahr 2009 veröffentlicht wurden. Wie in der japanischen Erstausgabe werden diese meistens in einem Band veröffentlicht und der dritte Teil separat. Im Buch wird auch erklärt wo der Name 1Q84 herkommt. Aomame nennt das Paralleluniversum oder die andere Dimension in der sie sich befindet so, weil es nicht das Jahr 1984 ist so wie sie es kennt. Sie ersetzt die 9 mit dem Q, das für Question Mark steht. Das hat einen schönen naheliegenden Nebeneffekt: die japanische Zahl 9 wird kyuū gesprochen, so wie der Buchstabe Q im Englischen.

Der aufmerksame Leser weiß, dass ich dieses Mal geschummelt habe, da ich nur Buch 1 rezensiere, obwohl Buch 1 und 2 in einem Band erschienen sind. Eigentlich habe ich den Band also nur halb durch … und schreibe trotzdem eine Rezension. Und DAS in einer Kategorie des Blogs die offensichtlich „ausgelesen“ heißt. Wie gemein. 😉 Dafür kommt die Besprechung von Band 2 dann mal zwischendurch und nicht erst wieder zwischen dem 15. und 20. des nächsten Monats.

Meinung

Murakami ist schon ein Künstler. Er baut die Geschichte der beiden Hauptcharaktere Aomame und Tengo sehr langsam, fast schleppend, auf. Von dieser anderen Welt 1Q84 merkt man lange so gut wie nichts. Im Vordergrund stehen insgesamt die Charaktere und deren Vergangenheit und Gedanken. Murakami gibt den Beiden aber auch sehr spezielle, interessante, schockierende, seltsame Lebensgeschichten. Während Aomame verhältnismäßig schnell entdeckt (schnell = nach ca. 100 Seiten), dass etwas in dieser Welt nicht stimmt, ist Tengos Verbundenheit zu 1Q84 eine ganze andere. Das macht das Entdecken der Zusammenhänge spannend, auch wenn nur sehr wenige Details und Hinweise gestreut bzw. scheinbar zufällig erwähnt werden. Somit ist 1Q84 mehr ein Fantasy-Drama mit sehr sehr kurzen Ausflügen ins Krimi-esque. Während mich die Neugier auf die stückweise Auflösung angetrieben hat, könnte ich mir vorstellen, dass es vielen Lesern schwer fällt bei Laune zu bleiben.

Obwohl ich über Murakamis Werke noch nicht so sehr weiß, habe ich schon viel darüber gelesen, dass er surreale Komponenten in seine Geschichten mit einbringt. Darauf muss man in 1Q84 sehr lange warten. Wenn es dann aber passiert, wirkt das Geschehen wirklich sehr surreal und anders, als das meiste was man bisher gelesen hat. Er schildert die skurrilen , traum- oder albtraumhaften Geschehnisse hierbei, als wäre es das natürlichste der Welt. Eine Mischung, die ich sehr spannend finde. Was mir außerdem aufgefallen ist, dass er die Personen und beispielsweise ihre Mimik und Gestik so genau beschreibt, dass es einem so vorkommt, als würden sie einem gegenüber sitzen. Seine Schreibweise ist sehr bildlich und er nutzt Metaphern, die ich so nich nirgends gelesen habe. Neben all den Krimis und Thrillern vom Reißbrett, die ich zu oft gelesen habe, ist dieses surreale Drama eine willkommene Abwechslung. Das für mich wahrscheinlich beste: Murakami stiftet den Leser geschickt dazu an, Vermutungen anzustellen und streut immer wieder Brotkrumen zur Lösung, die auch mal in die Irre führen.

Fazit:

Gefällt mir außerordentlich gut. Vermutlich kann sich aber nicht jeder mit Murakamis Schreibstil anfreunden oder mit seiner sehr eigenen Art die Geschichte aufzubauen.

„ausgelesen“ ist eine Kategorie meines Blogs, in der ich immer zwischen dem 15. und 20. eines jeden Monats ein Buch unter die Lupe nehme. Der Begriff „ausgelesen“ ist sehr dehnbar. So wie die Themenvielfalt meines Blogs. Ein „Buch unter die Lupe nehmen“ schließt Belletristik, Sachbücher, Manga, Comics unvm mit ein. 🙂