7ème art: Marion Cotillard

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Jaja, ich gebs zu. Marion Cotillard ist abwechselnd mein Girl-Crush und abwechselnd möchte ich gern so sein wie sie. Sie ist schön und sie hat sehr großes Talent. Ähnlich wie Mads Mikkelsen (crush²) muss sie nicht viel tun um viel auszudrücken und scheut sich nicht auch mal ‚hässlich‘ zu sein. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung mehr in welchem Film ich sie das erste Mal gesehen habe. Vermutlich in ‚Taxi Taxi‘ und wahrscheinlich leider nicht beachtet. Und dann war da plötzlich Midnight in Paris und La vie en rose und die Leute redeten über die Schauspielerin, die einen Oscar für ihre Transformation zu Edith Piaf gewann. Dann war sie in ‚Inception‘ – höchst verdient immer und immer mehr öfter in internationalen Produktionen oder Hollywoodblockbustern. Dabei ist sich Marion Cotillard stets treu geblieben und für mich die perfekte Symbiose aus einem allürenfreien, eleganten, anmutigen Filmstar und einem Sexsymbol des europäischen Films wie es früher Brigitte Bardot war. Sie denkt noch ans Zuhause, an die ambitionierten Filmemacher und Indie-Produktionen, an die weniger schicken Rollen. Und deswegen ist sie für mich eine der ganz großen Sympathieträgerinnen.

Ein gutes Jahr (2006)

Max Skinner (Russell Crowe) ist Börsenmakler, gewinn- und erfolgsorientiert und das was man durchaus als skrupellos bezeichnen kann. Es gab aber eine andere Zeit, als er mit seinem Onkel Henry auf seinem Weingut in der Provence fantastische Sommer erlebt hat, wo auch noch andere Werte zählten. Auch wenn Onkel Henry ihn lehrte, dass Erfolg nichts schlechtes ist. Die Nachricht über den Tod seines Onkels trifft ihn, anfangs nur wie ein Nachhallen aus vergangenen Zeiten. Henry hat keine weiteren bekannten Angehörigen, weshalb Max das Weingut erbt. Als er wegen eines riskanten Deals kurzzeitig in den Zwangsurlaub geschickt wird, beschließt er nach La Siroque zu fahren, um den Verkauf zu regeln. Dort warten Erinnerungen an früher auf ihn, an den Onkel zu dem er keinen Kontakt mehr hatte, aber auch ein Weingut, an dem der Zahn der Zeit nagte und der Wein relativ ungenießbar ist. Retten oder verkaufen? Seine Entscheidung wird auf die Probe gestellt durch die Landsleute wie die Restaurantbesitzerin Fanny (Marion Cotillard).

Klingt das nach einem Ridley Scott Film? Nein. Der Regiesseur und Produzent ist bekannt für Genreklassiker wie Alien und Blade Runner, in letzter Zeit v.A: für sicherlich ernstzunehmende Actioner, die aber auch Massenpublikum bedienen. Bei seinem Ausflug in das Drama- und Romantikgenre ist er sich insofern Treu geblieben, dass er massentaugliches produiert, aber diesmal im Genre Romantik und Drama. Geht aber nicht wirklich ein Risiko ein und macht auch nicht wirklich irgendwas Neues. Die Geschichte des Geschäftsmannes, der sich durch irgendeine Begebenheit zurückbesinnt und andere Werte zu schätzen lernt, hat man schon in allen Variationen gesehen. Stereotypen sind hier breit gestreut. Der Lebemann, der Börsenmakler, die Kellnerin und Love-Interest – schon zu oft gesehen, wenn auch solide gefilmt und dargestellt. Durch das Provence-Feeling und die Kulisse des Weinguts bekommt der sehr durchschnittliche Film einen Extrapunkt, denn was man nicht abstreiten kann ist, dass der Film an und für sich unterhaltsam ist. Besonders im Sommer mit einem Glas (guten) Weins.

(7/10)

Sternchen-7

Kleine wahre Lügen (2010)

In Kleine wahre Lügen wirbelt der Unfall eines Freundes die Beziehungen innerhalb eines Freundeskreises mächtig auf. Anfangs denken sie noch, dass ihr größtes Problem die Entscheidung ist, ob sie denn nun trotzdem wie geplant alle zusammen in den Urlaub fahren sollen. Sie entscheiden sich dazu und alle ihre Sorgen, Geheimnisse und Probleme bahnen sich in dem idyllischen Badeort ihren Weg ans Tageslicht. In dieser französischen Ensemble-Tragikomödie weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll. Und das dank Marion Cotillard als Lebefrau Marie, François Cluzet als cholerischen Hotelier, Benoît Magimel als Mann, der sich der Erkenntnis stellen muss, dass er zwar mit einer Frau verheiratet, aber in einen Mann verliebt ist, Laurent Lafitte als Mann, der fast schon besessen von seiner Ex ist und noch viele mehr. Damit wären auch gleich meine Lieblingsrollen geklärt. Die Charakterzeichnung anderer Figuren finde ich verglichen mit den hier aufgeführten eher schwach. Der Film nimmt sich die Zeit alle Konflikte wohldosiert zu betrachten und ein perfektes Gleichgewicht zwischen traurigen oder dramatischen Situationen und komischen aufrechtzuerhalten. Vor dem Hintergrund des Urlaubsortes am Meer der fast perfekte Sommerfilm voller grandioser Leistungen, der einen (fast) die überbordende Laufzeit von zweieinhalb Stunden vergessen lässt. Bittersüß wie so manche Urlaubsliebe und mit einem Drehbuch von dem andere Dramedys träumen. Und dass obwohl die Handlung wirkt wie etwas, dass man schon zig Mal gesehen hat. Ich sag’s ja immer wieder: die Franzosen können Filme machen. In diesem Fall Guillaume Canet, der führte hier Regie, ist aber v.A. als Schauspieler (Liebe mich, wenn du dich traust; Zusammen ist man weniger allein) bekannt und mit Cotillard liiert ist. Warum die Freunde überhaupt in den Urlaub gefahren sind, obwohl einer aus ihrer Runde im Krankenhaus liegt, werde ich aber wahrscheinlich nie verstehen.

(8/10)

Sternchen-8

Contagion (2011)

Eine Geschäftsreisende (Gwyneth Paltrow) kommt erkältet aus China wieder. Rasend schnell verschlimmert sich ihr Zustand und sie stirbt. Ihr Mann (Matt Damon) ist entsetzt, verliert direkt danach den Stiefsohn an dieselbe Krankheit. In China und in England kommt es zu ähnlichen Fällen und die Erkrankung verbreitet sich rasend schnell. Das CDC, Center for Disease Control and Prevention, reagiert und schickt seine Leute raus, um die Ausbreitung zu verhindert und die Erkrankung zu untersuchen. Darunter Dr. Erin Mears (Kate Winslet). Genauso wie überall in der Welt Teams um die Aufklärung und einen möglichen Impfstoff kämpfen, während bald ein erheblicher Teil der Weltbevölkerung ums Überleben kämpft. Das bekommt auch die Virologin Dr. Leonora Orante (Marion Cotillard) zu spüren, die in China entführt wird. Währenddessen versuchen andere wie der Blogger Alan Krumwiede (Jude Law) eine einfache Heilmethode bekannt zu machen – oder doch nur ihren eigenen Umsatz zu steigern?

Filme über Pandemien sind für mich Katastrophenfilme. Und die üben auf mich gar keinen Reiz aus. Warum sollte ich mir dieses Martyrium und diese Schrecken angucken? Dafür brauche ich keine Filme. Das sieht man alleine in den Nachrichten. Klar können sie darauf hinweisen wie man sich in Extremsituationen verhalten soll, womit man rechnen muss (Supermärkte und Häuser werden geplündert), etc. Das ist für mich aber keine Unterhaltung, obwohl ich schweren Stoffen eigentlich nicht abgeneigt bin. Katastrophenfilme haben für mich nur mit „leiden“ zutun. Als mir ein Freund zum Kinostart in Deutschland erzählte, dass der Film „echt gut“ sei, hatte ich trotzdem nicht mehr Lust auf ein solches Szenario. Ich hatte auch ein wenig den Eindruck, dass man bei dem Film bewusst mit der Darstellerriege geworben hat. Die Namen können sich sehen lassen. Tatsächlich habe ich den Film einzig und allein für diese Werkschau geguckt und wollte ihn entweder für eine künftige Steven-Soderbergh-, oder Kate-Winslet- oder Marion-Cotillard-Reihe besprechen. Ihr seht ja, wo wir gelandet sind. Tatsächlich finde ich, dass Steven Soderbergh da gute Arbeit geleistet hat und einen Ausnahme-Film geschaffen hat, der viele Aspekte beleuchtet. Wie lange es dauert einen Impfstoff zu generieren. Die ersten Tag nach Entdeckung der Gefahr. Wie Orte abgeriegelt werden, Menschen durchdrehen, Medien sich einmischen. Einzelschicksale die berühren und Schockmomente sind genauso da – es ist immer noch ein Katastrophenfilm und bedient sich der üblichen Elemente eines Katastrophenfilms. Aber es ist kein Bombast wie 2012 oder The Day After Tomorrow, sondern ein (leider) sehr realistisches Szenario. Denken wir mal nur an die Schweinegrippe, H1N1 oder sehr aktuell: den Mers-Virus. Im Gegensatz zum üblichen Bombast-Katastrophenfilm-Zirkus sind Soderberghs Schockmomente kurze, kompromisslose Bilder und Ausschnitte des Pandemie-Horrors. Beispielsweise wenn Gwynteh Paltrow mit Schaum vor dem Mund zusammenbricht und später obduziert wird. Kein Glamour, aber auch kein Torture-Porn. Unter den amerikanischen Regiegrößen und Produzentenlieblingen (looking at you Ridley Scott) merkt man Soderbergh noch am ehesten die Lust an der Geschichte an und wie er alle Elemente des Szenarios auslotet, die Situationen studiert und konstruiert, zusammenführt, was knallt. Beim Zuschauer macht sich das bemerkbar, indem man sich tief im Szenario fühlt. Also auch von mir eine Empfehlung, auch wenn man nach dem Film in der Straßenbahn ein wenig weiter von denen wegrückt die niesen.

(8/10)

Sternchen-8

Der Geschmack von Rost und Knochen (2012)

Ali (Matthias Schoenaerts) reist mit seinem Sohn im Schlepptau zu seiner Schwester. Wo die Mutter ist? Keine Ahnung. Ob der Junge zur Schule geht? Woher soll er das wissen. Ihn interessiert nicht viel, aber er weiß, dass man sich um seinen Sohn kümmert und der Verdacht liegt nahe, dass er das trotz seiner Grobheit vielleicht sogar noch besser macht als die Mutter des Jungen. Er interessiert sich für Kampfkunst und Sport, schläft mit allen Frauen, die nicht bei 3 auf den Bäumen sind, wird Türsteher und Sicherheitsmann. Da begegnet er Stéphanie (Marion Cotillard) das erste Mal. In der Disco, beim Ärger machen. Sie ist schön, jung, aktiv. Tanzt gerne. Wirkt aber etwas verloren und zerstört. Er gibt ihr seine Nummer. Für alle Fälle. Als er sie das nächste Mal treffen wird, hat sie bereits ihre Unterschenkel verloren. Sie arbeitete in einem Wasser-Freizeitpark und trainierte Schwertwale. Bei einer Show kommt es zu einem Zwischenfall, Trümmer stürzen ins Wasser. Und Stéphanie. Sie brauch Hilfe, um wieder in das Leben zu finden. Ausgerechnet Alis Hilfe?

Versteht mich nicht falsch, das ist jetzt keine leichte, nette Geschichte über eine sich zart aufbauende Beziehung. Das ist auch keine glühende Romanze. Das ist auch kein Mitleidsdrama. In Jacques Audiards Film spielt Marion Cotillard die Stéphanie als eine zerstörte Frau, die schon vorher den Fokus in ihrem Leben verloren hatte. Mit ihrer Aktivität, ihrem Job und dem Tanzen wurde ihr genommen, was Freiheit für sie bedeutete. Sie legt keinen Wert mehr auf Schönheit und als sie Hilfe braucht, will sie jemanden ohne diesen mitleidigen oder wertenden Blick. Beides ist nicht Alis Ding. Also ist er genau der Richtige. Der Grobe, pragmatische Ali. Er holt sie zurück ins Leben, um sie ständig wieder hängen zu lassen. Anders als es in den Märchenbüchern steht. Was Stéphanie daraus macht und zu was sich Ali entwickelt ist eine immer und immer wieder überraschende Geschichte, die sich mit ihren ungeschliffenen Charakteren echt anfühlt. So sehr, dass es manchmal wehtut. Nie hätte ich gedacht, dass sich die Charaktere in diese Richtungen entwickeln, aber es fühlt sich richtig an und man merkt: da haben sie hingehört. Der Geschmack von Rost und Knochen ist bitter. Und sehr sehr sehr gut. Alle Beteiligten haben mich in diesem Film sehr beeindruckt. Genauso wie das Ende, dass ich als eines der stärksten und emotional erschütterndsten der letzten Zeit in Erinnerung habe.

(8/10)

Sternchen-8

The Dark Knight Rises (2012)

Nach den Geschehnissen von Batman – The Dark Knight ist Bruce Wayne (Christian Bale) ein gebrochener Mann, der die Verluste und sein Scheitern nicht verkraftet. Batman ist mitlerweile eine geächtete Figur. Harvey Dent ein gefeierter Held, auch wenn einige wenige mit dem Wissen und Gewissen leben müssen, dass das eine Farce ist. Und das alles nur um den von Harvey Dent verfassten Dent Act nicht zu gefährden, der es der Polizei ermöglicht gegen das organisierte Verbrechen vorzugehen. Aber der Frieden ist trügerisch. Eine kriminelle Miliz um den unzerströrbar anmutenden Bane (Tom Hardy) hat es auf den von Wayne Enterprise abgestoßenen Kernfusionsreaktor abgesehen und geht mit einer Härte vor, der sich kaum jemand entgegenstellen kann, obwohl Gotham einiges gewöhnt ist. Bruce Wayne tritt wieder als Batman in Erscheinung und wird eine bittere Niederlage einstecken, wird zerstört werden und muss um die Stadt zu retten wiederauferstehen.

Nachdem ich aus dem Kino kam, war ich erstmal schwer begeistert. Es gibt einige Aspekte die mich während des Films gestört haben, aber meine barbarische Freude am dritten Nolan-Batman-Streich nicht hemmen konnten. Zum Beispiel wie unwahrscheinlich, pathetisch und mystifiziert mir Batmans (potentielle) Heilung in seinem späteren Gefängnis vorkommt. Ein anderer großer Punkt, der mich störte, ist dass ich die Darstellung von Catwoman mehr als unglücklich gewählt finde. Anne Hathaway wäre so oder so nicht meine erste Wahl als Selina Kyle gewesen. Zumindest als Selina empfinde ich ihre Leistung doch wirklich gut, wohingegen ich Catwomans Kostüm und Auftreten albern finde. Schon mal mit den Absätzen gekämpft? Und dann die Bein-Moves? Das sieht schon mehr nach der abstrusen Over-the-top-Action amerikanischer Superheldencomics aus, die Christopher Nolan eigentlich in den letzten Batmanfilmen gegen düsteren Realismus getauscht hatte. Stattdessen spielt Marion Cotillard als Investorin Miranda Tate eine interessante Figur, deren Potential meines Erachtens nach nicht ganz ausgeschöpft wurde außer für einen Handlungskniff, den man hat kommen sehen. Was mich aber so begeistert hat, sind insbesondere die Nebenfiguren, die kleinen und größeren Offenbarungen, derer sie Zeuge werden. Michael Caine als Alfred Pennyworth und Gary Oldman als James Gordon bekommen mehr Gewicht. Sehr gefreut habe ich mich über Joseph Gordon-Levitt in seiner Rolle als John Blake. Lassen wir mal außer Acht, dass ich ein bisschen verknallt in ihn bin: er ist eine Identifikationsfigur für uns als Zuschauer. Machtlos aber bestrebt zu handeln, vom Glauben an Batman getrieben. Und aus Sicht eines Batman-Fans habe ich sehr gehofft, dass sich meine Vermutung über seinen Hintergrund bestätigt. Mit sowas umzugehen ist auch ein Spiel, dass die Batmanfilme Nolans eindeutig beherrschen, obwohl sie von der Vorlage abweichen. Auch die schockierende Vehemenz der Gegner um Bane und die Tatsache, dass Batman einen so starken Feind serviert bekommt, hat mich begeistert. Wie sich Gotham entwickelt hat bevor Bane passiert und wie es danach weitergeht und die Stadt in der Kriminalität untergeht ist eine Größenordnung, die das Joker-Chaos meiner Ansicht nach toppt. Und: tot geglaubte kommen wieder. Ja, ich finde, dass der Film abgesehen von seinen offensichtlichen Schwächen etwas episches hat. Und ja, ich bin trotz meiner Kritikpunkte immer noch begeistert. Nur eben nicht mehr so sehr wie direkt nach dem Kinobesuch.

(8/10)

Sternchen-8

The Immigrant (2013)

Als die Schwestern Ewa (Marion Cotillard) und Magda (Angela Sarafyan) 1921 aus Polen nach Ellis Island übersetzen und auf ein besseres Leben in den Staaten hoffen, beginnt für sie ein Martyrium. Der Onkel, der sie in Ellis Island abholen wollte, ist nicht da. Magdas Lungenkrankheit wird entdeckt und sie muss zur Behandlung auf der Insel bleiben , wird eventuell sogar abgeschoben. Ewa ist verzweifelt, als ledige junge Frau ohne Angehörige soll auch sie abgeschoben werden. Bis sie in Bruno (Joaquin Phoenix) rennt, der einen Wachmann schmiert und sie rausschleust. Anfangs denkt man, dass er einfach ein netter Mann ist. Sie darf vorerst in einer seiner Wohnungen bleiben. Er bietet ihr einen Job in seinem Theater an. Aber Ewa braucht nicht lange um zu begreifen, was das für ein Theater ist und warum praktisch nur Frauen für Bruno arbeiten.

Schaut man sich den Trailer zu The Immigrant an, erwartet man einen etwas märchenhafteren, magischeren Film, als er tatsächlich ist. Tatsächlich ist der Film realistisch und ernst. Ewa wird von einer Situation der Ausbeutung und Ausnutzung in die nächste geschuppst. Als Zuschauer habe ich mich dabei ertappt zu denken „Warum tun die Frauen nichts dagegen? Warum finden die anderen das alles so normal? Warum hauen sie nicht ab?“ Ein wenig Nachdenken hilft, um zu verstehen, dass man als Frau ohne ein Dach über dem Kopf zur damaligen Zeit schutzlos und ausgeliefert war. Noch dazu ohne Aufenthaltsgenehmigung und Papiere. Der Film gibt sich aber meiner Meinung nach zu wenig Mühe das zu zeigen und ist etwas überkonstruiert: von einer furchtbaren Lage in die nächste, stetige Wiederholung. Die Leistungen der männlichen Darsteller sind solide, Joaquin Phoenix war schon immer gut als Arsch, Jeremy Renner hat mir in seiner Rolle irgendwie Spaß gemacht, den würde ich gern öfter sehen, obwohl ich seine Figur schwach geskriptet finde. Marion Cotillard als Ewa liefert ein nuanciertes Spiel ab, dass zwischen zerbrechlich, verzweifelt, zielgerichtetem Überlebenswillen und dem Wunsch sich ein bisschen Würde zu bewahren changiert. Eine große Leistung in einem durchwachsenen Film mit einem Ende, dass die Stärke von Frauen, von Glaube, von Hoffnung vielleicht etwas leise, vielleicht etwas unterschwellig, aber berührend und gewichtig darstellt. Mal ein Film, der nicht ganz so goldene Zwanziger Jahre zeigt.

(7/10)

Sternchen-7

Zwei Tage, Eine Nacht (2014)

Sandra (Marion Cotillard) geht Klinken putzen, um ihren Job behalten zu dürfen. Sie arbeitete in einer Fabrik für Solarzellen. Aufgrund von Depressionen war sie lange krank geschrieben. In der Zwischenzeit hat man sich die eine Person mehr abgewöhnt. Es ginge auch ohne sie. Und so wird abgestimmt: Sandra im Team behalten oder eine Bonuszahlung bekommen? Die Kollegen haben sich für den Bonus entschieden. Sandra und ihre Familie ist entsetzt. Sie bekommt noch eine Chance, am Montag soll nochmal abgestimmt werden. Dazwischen liegen für Sandra zwei Tage und eine Nacht um ihre Kollegen davon zu überzeugen, dass sie den Job braucht. Dass ihre Familie sonst nicht über die Runden kommt. Dass sie eine Daseinsberechtigung in der Firma hat. Dass es nur fair wäre. Und dass obwohl ihre Depressionen sie jetzt schon fast ausknocken.

Zwei Tage, Eine Nacht ist realistisches Kino. Weit weg von Hollywood-Pathos. Wäre es ein Hollywood-Film, dann wohl ein Tränenzieher. Stattdessen erinnert der Film an Dogma 95-Werke mit seiner nüchternen, ungeschönten Erzählweise. Natürlich haben Sandras Kollegen auch so ihre Sorgen. Manch einer macht vielleicht gar nicht erst die Tür auf. Diese einzelnen Szenen und die realitätsnahe Handlung macht den Film zu einem Stück, das einen trifft. Es fühlt sich so an, als würde es einer Freundin von uns passieren. Oder einer Kollegin. Oder uns selbst. So echt sind die Menschen und ihre Reaktionen und Beweggründe. Alles ist sehr einfach. Die Drehorte, die Ausstattung, die Formel. Natürlich ist die Handlung einfach und langsam. Aber es funktioniert bestens, denn diese Existenzangst ist den wenigstens fremd. Und solche realen Geschichten und moralische Dilemmas haben eine Existenzberechtigung und verdienen ein großes Lob, denn „so ist das Leben“.

(8/10)

Sternchen-8

Welche Filme mit Marion Cotillard kennt ihr? Wann und in welcher Rolle habt ihr sie das erste Mal so richtig wahrgenommen? Für mich ist sie eine Schauspieldiva ohne Divenallüren und symbolisiert für mich ähnliche Eleganz und Anmut wie des europäischen Kinos vergangener Jahrzehnte. Habt ihr ähnliche Beispiele oder Gedanken bei anderen Darstellern? Welchen?

„7ème art“ (Sprich: septième art) heißt „siebte Kunst“. Gemäß der Klassifikation der Künste handelt es sich hierbei um das Kino. In dieser Kategorie meines Blogs widme ich mich also Filmen – evtl. dehne ich den Begriff dabei etwas. Regulär stelle ich zwischen dem 1. und 5. jeden Monats jeweils 7 Filme in kurzen Reviews vor.