Neulich im Kino … Review zu „True Story“

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Ich empfehle immer wieder gerne im Sommer ins Kino zu gehen. Besonders an richtig heißen Sommertagen. Kinosäle sind so angenehm klimatisiert …Review ist spoilerfrei.

Worum gehts?

True Story basiert auf einer wahren Begebenheit. Auf Menschen, die tatsächlich existieren. Auf einem gleichnamigen Buch. Jeder von uns kann die Personen googeln, nachlesen und in die Buchhandlung gehen und sich das Buch bestellen. Selten war aber eine Geschichte so verworren wie diese. Michael Finkel (Jonah Hill) ist ein ehemaliger Journalist der New York Times. Ehemalig deswegen, weil er seine Titelstory ausgeschmückt und teilweise erlogen hat. Gefeuert. Ein Geächteter im Verlagswesen. Da macht ihn jemand darauf aufmerksam, dass der mehrfache Mörder Christian Longo (James Franco) sich als er ausgegeben habe. Als „Mike“ Finkel von der New York Times. Inzwischen sitzt Longo ein und wartet auf seine Verhandlung. Er soll seine Frau und seine drei Kinder getötet haben. Finkel läßt es nicht los. Warum hat er sich als er ausgegeben? Warum hat er seine Familie getötet? Die Story ruft nach ihm. Trägt praktisch seinen Namen. Ist das der Stoff, der ihn aus dem Tief holt? Und: will man wirklich einen vierfachen Mörder treffen? Finkel tut es und versucht Longo zu ergründen.

Hintergrund

Es ist mehr als nur ein unangenehmes Gefühl zu wissen, dass die Geschichte real existierende Personen darstellt und eine Geschichte die nun eben true story ist. Die Parallelen zwischen Finkel und Longo sind mehr als seltsam, wirken wie Spiegelbilder des jeweils anderen. So erfährt man vor dem Abspann, dass Finkel 3 Kinder hat, so wie einst Longo. Während Finkel aus den Begegnungen mit Longo das Buch True Story schreibt, tut ihm Longo dies später gleich und schreibt auch ein Buch. Auf andere Details verzichte ich mal, um nicht zu spoilern. Aber die Ähnlichkeiten sind schon frappierend. Ein Detail, dass der geneigte Zuschauer während des Schauens im Hinterkopf behalten sollte ist, dass Longo die Morde an seiner Familie 2001 in Oregon begangen hat. Zu diesem Zeitpunkt wurde in dem Bundesstaat noch die Todesstrafe verhängt, während aktuell ein unbefristetes Moratorium läuft. D.h. Es wird aktuell bis auf weiteres keine Todesstrafe vollzogen.

Ansonsten beschäftigt es mich ganz am Rande wie Jonah Hill und James Franco es eigentlich noch schaffen voreinander zu sitzen und nicht lachen zu müssen? Vor Allem nachdem sie sich in This is the end selbst persifliert haben.

Fazit

Der Film läßt den Zuschauer ein bisschen im Stich. Die Inszenierung ist eher emotional-dramatisch, still, eher etwas spannungsarm und verläßt sich darauf, dass das Katz-und-Maus-Spiel zwischen Franco und Hill einen packt. Tatsächlich geht das Konzept der Kontroverse auf. Die Fragen sind scheinbar unendlich. Wann sagt er endlich, ob er’s war? War er es? Könnte er unschuldig sein? Ist das eine Story mit doppeltem Boden? Hat hier sogar einer eine gespaltene Persönlichkeit? Wie passt Jill in die Story? Wenn ja, warum hat er seine Familie getötet? Warum ausgerechnet Finkels Identität? Und das geht so eine Weile weiter. Nur ist der Film nicht der atemlos spannende Psychothriller, den der Trailer suggeriert. Obwohl das Warum quasi aufgelöst wird, bleiben aber zahlreiche Fragen zur Beantwortung dem Zuschauer überlassen. Und das fühlt sich bei sovielen Fragen zuweilen etwas unbefriedigend an. Für den einen oder anderen Zuschauer ist das größere Problem wahrscheinlich die gediegene Inszenierung. Manche Kniffe gehen auch nicht annähernd gut auf, beispielsweise das Einfügen von Jill (Felicity Jones), Finkels Freundin. Sie könnte das perfekte Spiegelbild von Longos Frau sein, er selbst macht sie dazu. Longo erwähnt an einer Stelle, dass seine Frau etwas mit einem Journalisten hatte. Sie spielen ziemlich mit uns, machen aber zu wenig daraus. Sowohl in der Story, als auch der technischen Umsetzung. Nicht nur besteht der Film maßgeblich aus Dialogen, die Nahaufnahme ist auch der beste Freund der Filmmacher dieses Kammerstücks. Aber unscharfe Nahaufnahmen hätte ich nicht gebraucht. Auch nicht als Stilmittel. Unscharf ist schon genug, zum Beispiel die Wahrheit. Was man dem Film aber zugute halten muss: man kann stundenlang darüber sprechen. Also war das Ganze wohl doch zielführend.

(7/10)

Sternchen-7

Geht ihr im Sommer auch gern ins Kino oder schafft ihr maximal den Weg auf den Balkon? Kanntet ihr den Fall Finkel/Longo vorher? (Ich nicht.) Reizt euch die Geschichte oder habt ihr den Film sogar schon gesehen? Wie gefällt er euch?