[Serienparade] Stadt, Land, Fluss

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Bei der 7. Serienparade von Frau Margarete bin ich auch mal dabei. Frau Margarete fragt uns nämlich nach Serien, die nicht aus den großen Film- und TV-Serien-Metropolen USA und UK kommen. Es ist auch bei mir so, dass ich vorrangig amerikanische und englische Serien schaue. Gerade für letztere habe ich besonders viel Sympathien. Aber ich hab auch recht viele Serienfavoriten, die nicht aus dem englischsprachigen Raum kommen. Warum? Weil ich schon länger Serienfan bin und auch Anime sehr mag. Die Parade ruft also nach mir, danke Frau Margarete. 🙂

Die meisten bzw. die bekanntesten Serien kommen aus dem englischsprachigen Raum – welche Serien kannst du empfehlen, die nicht aus den USA oder aus Großbritannien kommen? Welche deutschen Serien sind deine Favoriten? Oder hast du vielleicht sogar ein paar Exoten in deiner Watchlist? (Frau Margarete)

Cowboy Bebop (Japan)

Cowboy Bebop ist ein Anime, der so ziemlich die besten der Branche vereint. Namentlich den Regiesseur Shinichirō Watanabe und die Musik der großartigen Yoko Kanno. Das Gesamtkunstwerk ist ein flippige Serie, die im Jahr 2071 spielt und sich um eine Truppe Kopfgeldjäger dreht, die im Weltall umherdüsen, um die bösen Jungs und Mädels ausfindig zu machen. Dabei sind sie selber ein Haufen, der sich nicht immer ganz grün ist. Mit dabei der Kung-Fu erprobte Spike, der Ex-Cop Jet, das verrückte Kindergenie Ed, die Trickbetrügerin Faye, der schlaue Hund Ein … und sie tragen alle so ihr persönliches Päckchen mit sich rum. Müsste ich sagen, was für mich die beste aller Serie überhaupt ist, könnte es sein, dass ich diesen Anime nenne. Er hat einfach alles und wirkt auf mich manchmal unerreichbar. Eine Episode ist witzig, die nächste traurig, die nächste einfach charmant, die wiederum nächste ein klasse Thriller, Noir oder eine Persiflage auf sich selbst. Und das in nur 26 Folgen! Dabei wird sowohl die Vergangenheit der einzelnen Hauptpersonen auseinander genommen und eine fortlaufende Handlung vorangetrieben, als auch ein case of the week bedient. Und dann die Musik! Die coolen Jazz- und Bebop-Klänge sind großartig. Das ist DIE Serie. Und dazu eine für jung (aber lieber nicht Kinder) und alt. Mal als Vorgeschmack der Vorspann:

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Danni Lowinski (Deutschland)

Die bisher 5 Staffeln umfassende Serie Danni Lowinski handelt von der namensgebenden Anwältin Danni, sehr sympathisch gespielt von Annette Frier, die lieber die kleinen Leute vertritt. Auch notgedrungen. Sie ist ursprünglich Friseurin, hat die Ausbildung nachgeholt und das Staatsexamen abgelegt, scheint aber für viele nicht schick genug zu sein. Sie arbeitet daher zu einem Spottpreis in einem Einkaufszentrum. Aber es geht auf: die kleinen Leute kommen zu ihr und sie macht, dass die Welt ein kleines bisschen weniger ungerecht ist. Die Serie ist wirklich gut und ich habe die ersten Staffeln mit Begeisterung geguckt, u.a. auch wegen Dannis rotziger Art. Allerdings ist die dann doch von meinem Radar verschwunden, weil mir der case-of-the-week irgendwann nicht mehr gereicht hat und ich mir mehr episodenübergreifende Entwicklung gewünscht hätte. Der Ansatz ist ja da: Danni und ihr Privatleben bieten Spannungspotential. Nichtsdestotrotz eine wirklich gute deutsche Serie, die u.a. nach Belgien und in die Niederlande verkauft wurde. Einen Anlauf gab es schon mal in den USA, ein zweiter Versuch steht in den Startlöchern.

Death Parade (Japan)

Wieder ein Anime! Diesmal: ja was eigentlich … Fantasy? Noir? Mystery? Wer in die Bar Quin Decim kommt ist eines mit Sicherheit: tot. Denn in dieser Bar spielen die Verstorbenen um ihre Seele. Der Barkeeper Decim ist eine Art Schiedsrichter. Bei den Spielen (von Dart bis Arcade über Kartenspiele) kitzelt er mit Tricks das Innerste der Menschen heraus und entscheidet dann, wessen Seele wiedergeborgen wird und wessen Seele ins ewige Nichts übergeht. Er selber war nie ein Mensch, so wird die Frage gestellt: kann er, der nie gelebt hat, das bewerten? Die Gefühle und Vergangenheit der Menschen? Wie das Leben ihnen mitgespielt hat? Das sieht so auch seine neue Assistentin – eine namenlose Frau, deren Ursprung Rätsel aufgibt. In Death Parade erlebt man tolles Charakterdesign, schöne Kulissen und kultige Charaktere – was für extreme Gefühlsregungen Decim aber aus den Menschen hervorbringt, tut manchmal auch etwas weh.

Full House (Südkorea)

Mit Full House ist keinesfalls die amerikansiche Familienserie mit den Olsen-Zwillingen gemeint, sondern eine südkoreanische Telenovela/Dorama/Schmonzette aus dem Jahr 2002. Ja – ich habe sowas mal geguckt! Ein damaliger Kumpel(!) hat es mir vor vielen Jahren mal empfohlen – ich schätze seine Schwestern sind sehr darauf abgefahren. 😉 In jedem Fall kann ich den Asianovelas sehr viel mehr abgewinnen als heimischen Telenovelas. Das liegt zum Einen mal daran, dass Full House nur 16 Episoden hat. Das macht das ganze irgendwie sehr sympathisch, denn es wird nicht ins endlose ausgeschlachtet und gibt den Machern nicht die Gelegenheit irgendwann die Handlung und Charaktere in irgendwelche hanebüchenen Szenarien hineinzuentwickeln. Full House handelt von Han Ji-eun (Song Hye-kyo), die durch seltsame Umstände und schlechte Freunde ihr Haus los wird. Die verkaufen es hinterrücks und hauen mit dem Geld ab. Der bekannte Schauspieler Lee Young-jae (Rain) kauft es, bietet ihr aber an, dass sie mit ihm dort leben kann. Zumindest wenn sie für ihn putzt und öffentlichkeitstauglich Ehefrau spielt. Dahinter verbirgt sich Kalkül … Han Ji-eun macht aber mit, denn sie will ihr Haus zurückhaben. Ihre Temperamente sorgen nicht nur einmal für Spannungen. Oder kurz: es knallt. Aber so richtig. Und ist irre witzig. Richtig kompliziert wird es aber erst, als das Gefühlskarussell so richtig in Fahrt kommt. Natürlich verliebt sich der eine in die andere, der ist aber schon in wiederum eine andere verliebt … usw. Somit sind die Strickmuster eigentlich nicht neu. Aber die Charaktere und ihre Spleens sind herrlich, was Full House für mich zu der einzigen Telenovela macht, die ich wirklich sympathisch finden konnte.

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Fan-Trailer … bisschen trashig, aber witzig

Les Revenants (Frankreich)

In der Serie aus dem Jahr 2012 geht es um ein fran­zö­si­sches Berg­dorf, in dem plötz­lich einige Ver­stor­bene quick­le­ben­dig auf­tau­chen – als wäre nichts gewe­sen. Man­che sind sich nicht bewusst, dass sie für tot gehal­ten wer­den und von ihren Ange­hö­ri­gen begra­ben wur­den und gehen arg­los nach Hause. So wie der Teen­ager Camille (Yara Pil­artz), deren Eltern in einer Gruppe mit ande­ren immer noch ver­su­chen den Unfall­tod so vie­ler Kin­der zu ver­kraf­ten. Sie ist nicht die ein­zige. Die Wie­der­gän­ger brin­gen über­wun­den geglaubte Kon­flikte wie­der auf den Tisch und auch ein Seri­en­kil­ler scheint plötz­lich wie­der sein Unwe­sen zu treiben. Ich liebe diese Serie! Drama, Thriller und Mysteryelemente stehen hier auf der Tagesordnung, offene Fragen lassen Raum für eigene Gedanken und es ist keine Zombie-Hirnfresser-Geschichte, sondern eine mit Kopf – die inzwischen allerdings auch viele Nachahmer gefunden hat. So gibt es natürlich ein US-Remake, das aber nach einer irgendwie unvollständig wirkenden 1. Staffel abgesetzt wurde. Lieber das Original schauen und den wunderbaren Soundtrack von Mogwai genießen!

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Hier mal das Opening als Einstimmung …

Schuld (nach Ferdinand von Schirach, Deutschland)

Oli­ver Ber­ben pro­du­zierte für das ZDF die 6-teilige Kri­mi­se­rie, die bereits vor Aus­strah­lung in der ZDF-Mediathek ver­füg­bar war. Die Kri­mi­se­rie basiert auf dem Buch des bekann­ten Straf­ver­tei­di­gers und Autors Fer­di­nand von Schi­rach. Moritz Bleib­treu spielt den Anwalt Fried­rich Kron­berg, das Bin­de­glied der Epi­so­den, in denen es vor­ran­gig um seine Klien­ten geht und die unter­schied­lich hel­len und dunk­len Schat­tie­run­gen von Schuld. So erlebt man u.a. Anna Maria Mühe, Hans-Michael Reh­berg und Aylin Tezel im Fokus ein­zel­ner Episoden. Schuld ist nicht zwingend meine Lieblingsserie, weil ich etwa die Hälfte der Episoden eher schwach finde. Dafür empfinde ich aber die andere Hälfte saustark und hätte mir mehr von dem Kaliber gewünscht. In jedem Fall eine Serie, die den internationalen Vergleich keinesfalls scheuen muss.

Silver Spoon (Japan)

Der sympathische Anime Silver Spoon (jp.: Gin no Saji) ist weitaus bodenständiger als die anderen hier vorgestellten. Seicht aber lustig und eher im slice-of-life-Genre einzuordnen. Hier gehts um den Schüler Yūgo, der anstatt an einer Elite-Oberschule zu lernen seiner reichen und engstirnigen Familie entkommen will und sich an der am weitesten von seinen Eltern entfernten Oberschule einschreibt. Das ist nun eben eine Agrar-Oberschule. Da wird zeitig aufgestanden, man lernt was übers Landleben, muss ausmisten … nicht gerade seine Welt. Schließlich wusste er nicht mal so recht wie Hühnereier entstehen und ist ein wenig geschockt, als er realisiert wo genau die herkommen. Tehehe. Das klingt naiv … ist er auch. Aber wie er das meistert und das Leben in der Landwirtschaft kennenlernt ist so ein herrlich lehrreiches und bodenständiges Thema, das es einfach wahnsinnig Spaß macht zuzuschauen wie er von einer Prüfung in die nächste rennt.

Müsste ich eine Karte anfertigen, wäre die Mehrzahl der von mir geschauten Serien aus den USA, dann Japan – durch Anime. Und auf Platz 3 wäre wohl UK. Aber auch Europa kann gute Serien. Ich wünschte ich könnte noch mehr skandinavische aufzählen, die haben auch sehr sehr viel zu bieten. Aber ich hoffe, dass ich euch trotzdem ein paar Tipps liefern konnte. Eigentlich können auch wir gute Serien! Aber sie sind nicht so zahlreich wie die Auswahl an englischen Produktionen und ich würde mir wünschen, dass sich das ändert. Wer weiß? Vielleicht tritt Deutschland 83 den von mir lange ersehnten Hype deutsche, wettbewerbsfähige Eigenproduktionen zu machen los. Anime sind generell ein großer Tipp: die Industrie hat für jeden etwas zu bieten, es lassen sich nur leider immer noch zu wenige darauf ein. Kennt ihr einige der hier genannten Serien? Was spricht euch davon an? Was nicht? Und welche Serie aus dem nicht-englischsprachigen Raum ist euer großer Favorit?