Erfahrungsbericht und Vergleich Amazon Prime Instant Video, Netflix und Lovefilm

Posted by in Gedanken, Informatik

Eigentlich braucht die Welt nicht noch einen Vergleich von Streamingportalen und Online-DVD-Verleihen. Das ist es auch nicht, was ich hier diskutieren möchte. Wir alle wissen, dass wir als Film- und Serienliebhaber am besten eine monatlich kündbare Flatrate hätten, mit der wir alles unbegrenzt schauen können. Am besten auch in der Originalfassung, sprich im Originalton und am besten auch noch mehrere Leute auf mehreren Geräten in einem Haushalt gleichzeitig. Und das soll natürlich nicht die Welt kosten. Sehen wir uns stattdessen mal an, was einige Portale aktuell zu bieten haben und welcher Dienst sich für wen lohnt, wo eventuelle Probleme liegen und wer hinsichtlich verschiedener Gesichtspunkte die Nase vorn hat. Ich habe lange mit mir gerungen, welche Dienste ich wählen soll. Zuerst wars Lovefilm, das früher 5,99€ kostete und mir als (damals noch) Student am wenigsten im Portemonnaie weh tat. Danach kam Netflix nach Deutschland und ich war (fast) seit der ersten Stunde dabei. Dann schrie mein Herz nach mehr und nun bin ich seit ca. 2 Monaten Amazon-Prime-Instant-Video-Kundin. Jetzt kann ich vergleichen. Auf gehts.

Kriterium Amzaon Prime Instant Video Netflix Lovefilm
Form  Streaming-Dienst Streaming-Dienst Online-DVD-Verleih
Preis  49€/Jahr  7,99€-11,99€/Monat

abhängig von Konditionen, verschiedene Pakete

 7,99€/Monat (keine Porto- oder Überziehungsgebühren)
monatlich kündbar  ja ja ja
Flatrate

ja, aber nicht alle Filme oder Serien sind enthalten, sondern müssen extra gekauft oder gemietet werden, was ab ca. 1€ aufwärts pro Film kostet

ja, uneingeschränkt ja
Sortiment  sehr groß  mittel  sehr groß, keine FSK-18-Titel mehr
Originalfassung (O-Ton, …)  teilweise teilweise abhängig. von der DVD, aber idR immer da
technische Bereitstellung  Web-App (Browser), Smartphone-App, Smart-TV-App, XBOX, …  Web-App (Browser), Smartphone-App, Smart-TV-App, Spielekonsolen, …  DVD
Abwicklung

an sich gut und sehr schnell, aber der Dienst ist intolerant gegenüber schwachen Internetverbindungen (Minimum: 900 kbps)

sehr gut, sehr tolerant gegenüber langsamen Internetverbindungen (Minimum: 0,5 Mbps)

Langsam verglichen mit Streamingdiensten. Klar: aufgrund von Versand per Post. Schnell für einen DVD-Online-Versand, sobald die DVD bei ihnen eingeht, wird schon mein nächster Versand bearbeitet.

Stand: 20. September 2015, abgelesen an den Webseiten der Anbieter und Rest ausgefüllt nach Erfahrung

Was ich für mein Geld bekomme – Preis/Leistungsverhältnis

im Großen und Ganzen sind alle Dienste ähnlich, man kann sie monatlich ohne großen Aufwand kündigen und es gibt eine Form der Flatrate, usw. Ob HD verfügbar ist, habe ich gar nicht in die Liste aufgenommen, weil das tatsächlich überall der Fall ist. Werten wir das nun aus, dann hat beim Preis-Leistungsverhältnis Amazon Prime scheinbar die Nase vorn. Rechnen wir den Jahrespreis runter, dann bleiben wir bei rund 4€/Monat hängen und haben zusätzliche Vorteile wie den Prime-Versand. Aber das ist tückisch, denn in der eigentlich Flatrate sind nicht alle Serien und Filme enthalten, die man vielleicht eben mal schauen möchte. Als ich vor einer ganzen Weile mal einen Probemonat in Anspruch genommen habe, habe ich nicht schlecht geguckt, als ich mir eine Watchliste gebastelt hatte, von der ich eine Woche später ohne Zuzahlung nichts mehr schauen konnte. Der Grund: als ich die Watchliste zusammengestellt hatte, waren diese gerade für Prime verfügbar, dann nicht mehr. Ist das in der Flatrate (Prime) nicht verfügbar, dann muss man sie kaufen zu beispielsweise einmalig 2,99€ oder 3,99€. Das summiert sich ganz schön auf. Nach dem Probemonat habe ich also gekündigt und weiter mein gutes, altes Lovefilm (das heute intern Amazon Instant Video by Post heißt, nachdem Amazon Lovefilm integriert hat). Denn da bezahle ich im Schnitt pro Film 1,99€ und das Sortiment ist genauso groß wie das von Amazon Instant Video mit dem kleinen Abstrich, dass inzwischen keine FSK-18-Filme mehr versendet werden. Und: man muss vorher wissen, was man gucken will. Dadurch, dass die DVDs versendet werden, gibt es also einen Delay. Für mich als Filmfan war das bisher kein Ding – ich weiß immer was ich als nächstes gucken will. Viele haben mich ausgelacht, dass ich „immer noch“ einen DVD-Verleih in Anspruch nehme. Aber wenn man weiß was man will, ist das unter Umständen die bessere Alternative und auch nicht an die Gegebenheiten des Internets gebunden. Netflix hat ein erwartungsgemäß ebenso wettbewerbsfähiges und gutes Preis-Leistungsverhältnis verglichen mit den anderen Diensten, obwohl mir ab und zu das Sortiment nicht ausreicht oder ich mir wünschen würde, dass die aktuellste bzw. neue Staffel jetzt erscheint – das ist aber nicht in allen Fällen so. Betrachtet man das alles zusammen, scheint es keinen klaren Sieger zu geben.

Sortiment

Als ich anfangs nur Lovefilm-Kunde war, kam das Serien schauen nicht in Frage, weil ich zwangsläufig immer nur eine DVD geschickt bekommen kann und mir das irgendwie hinderlich vorkam. Zu Zeiten von Netflix war ich anfangs schwer begeistert, dass ich einige meiner großen Favoriten sofort sehen kann, teilweise sogar zeitgleich mit dem Erscheinen in den USA (bspw. Penny Dreadful – wie habe ich Netflix da geliebt). Allerdings erschienen viele Serien auch erst nach dem DVD-Release in Deutschland, was mir mitunter manchmal zu lange dauert. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die dann eben irgendwas schauen, was Netflix zu bieten hat. Ich weiß immer, was ich als nächstes schauen will. Und so vergangen Monate, in denen ich dort nur mal 1, 2 Filme geschaut habe und mich das selber gestört hat. Das Sortiment von Amazon ist riesengroß – aber trotz Prime für einen bestimmten Film oder eine bestimmte Serie extra zahlen zu müssen, nervt mich sehr. Und ich weigere mich, außer ich kann nicht anders. Was das Sortiment betrifft, gibt es daher für mich auch keinen Gewinner.

Technische Abwicklung, oder: wie von heute auf morgen meine Amazon-Instant-Video-App nicht mehr funktionierte

Im Prinzip finde ich die technische Abwicklung bei allen Diensten allererste Sahne. Sowohl bei Netflix, als auch bei Amazon kann ich sofort haben was ich will. Muss ich etwas bei Amazon kaufen/leihen, dann funktioniert das auf Knopfdruck und es kann losgehen (vielleicht geht das sogar zu einfach). Wenn ich will kann ich an meinem PC schauen oder an meinem Fernseher: alles bestens. Sogar, wenn ich bei Amazon was kaufe, das ich plötzlich doch nicht mehr will, geht das seinen Gang. Lovefilm folgt natürlich anderen Gesetzen. Man hat online eine Liste, trägt seine Wunschfilme ein und kann sich entweder genau den einen oder zufällig einen Film schicken lassen. Ich bringe es meistens auf einen Film pro Woche, weil ich effektiv nur am Wochenende Filme schaue. Aber ich könnte schon früher. Vom Zurücksenden der DVD bis zum Erhalt der neuen vergehen meistens 3 Tage. Man muss eben vorher wissen, was man will und dann noch ein bisschen warten können. Für mich kein Thema, aber in der bunten Welt des Streamings kommt das wahrscheinlich für viele nicht in Frage.

Dann eines schönen Tages sitze ich aber voller Erwartung vor meinem Fernseher, öffne die Amazon App und möchte mir eine Folge meines damaligen Guilty Pleasures (Teen Wolf Season 3, bitte verurteilt mich nicht 😉 ) anschauen. Und es läuft nicht. Ständig geht eine Meldung auf, die mir mitteilt die Bandbreite ‚meines Geräts‘ wäre zu gering. (Die Formulierung finde ich etwas irreführend, mit dem Gerät hat das eher nichts zutun.) Und das bringt mich zu einem Punkt der erstaunlich wichtig werden kann:

Wichtig: Toleranz bei schwacher Bandbreite

Ich wohne eigentlich mitten in einer Stadt mit sehr sehr vielen Einwohnern. Auch nicht im Randgebiet. Aber die vorhandene DSL-Leitung ist schlechter als in der 50.000-Seelen-Gemeinde in der ich vorher gelebt habe. Bisher hat es aber zum streamen in SD Qualität ohne Unterbrechungen gereicht. Eines schönen Tages befand aber die Amazon-Smart-TV-App, dass das nicht mehr ausreicht und blendet alle 1,5 Minuten diese fantastische Meldung, die mich mehr vom Schauen abhält als das buffern selber. Da war meine Internetgeschwindigkeit doch tatsächlich knapp unter der Mindestvoraussetzung von Amazon. Und da blieb sie auch. Bis heute. Ich mache es kurz: danach folgten Telefonate mit meinem Internetprovider, dem Fernseherhersteller und Amazon. Und keins dieser Gespräche hat mich glücklich gemacht. Am hilfreichsten war der TV-Hersteller, denn die haben mir klipp und klar gesagt, was ich wissen wollte. (Ob es ein Softwareupdate oder App-Update gab und ob sie es zurückrollen können. Und ob sie sehen wieviel Bandbreite am Fernseher ankommt und wieviel das ist.) Da ich selber in der IT-Branche arbeite, empfand ich die Gespräche wahrscheinlich nochmal als frustrierender oder weniger hilfreich als andere … nur so eine These. Nach diesen Versuchen konnte mir niemand erklären, warum ich Tage vorher noch einwandfrei streamen konnte. Es konnte mir auch niemand erklären, warum ich an meinem Computer sehr wohl via Amazon streamen kann, obwohl dieselbe Internet-Geschwindigkeit anliegt. (Passenderweise steht der auch noch fast neben dem Fernseher, der Vergleich sitzt.) Dass es an dem schwachen Internet liegt, ist schon klar. Aber dass die TV-App intoleranter ist als die Browser-Web-App und warum die Fernseher-App so extrem auf kleinere Gefälle reagiert, finde ich heute noch sehr sehr ärgerlich. Das Ausbremsen des pufferns durch das stetige Einblenden der Meldung, die man wegdrücken muss, ist wie ein Schlag ins Gesicht. Und nein: es geht immer noch nicht (im WLAN wohlbemerkt). Ich arbeite an der Lösung des Problems. Darum sei euch gesagt: prüft die Voraussetzungen. Achtet bei Speedtests darauf, dass sich u.U. mehrere Geräte ein WLAN teilen und sich die Bandbreite dann pro Gerät verringert. Und wenn es alles nichts hilft … vielleicht doch in die Videothek gehen oder Lovefilm und Konsorten zu Rate ziehen. Eine Gewissheit bleibt aber: ich kann nach wie vor ohne Sorgen bei Netflix streamen. Deswegen hat Netflix hier was die technische Komponente betrifft, für mich die Nase vorn. Genauso wie Lovefilm, denn ich finde, dass der Dienst gut funktioniert, auch wenn er sich mit streaming nicht direkt messen kann.

Fazit

Sinn und Zweck meines Artikels ist keine Werbung für irgendeinen der Dienste – ich bekomme dafür auch kein Geld. Aber nachdem ich mal Probleme mit der Amazon-App hatte, kam ich schon ins Grübeln. Durch die letzte Blogparade kam ich auf die fixe Idee doch Mal Grüne Tomaten zu schauen und in keinem der zwei abonnierten Streamingdienste war es im Angebot. Lediglich bei Lovefilm. Und da war ich doch mal wieder Mal sehr froh Lovefilm-Kunde zu sein und von all dem unabhängig zu sein. Wahrscheinlich wäre es dasselbe in Grün, wenn ich eine Videothek um die Ecke hätte. Habe ich aber nicht. Und in Anbetracht der jüngsten technischen Zwickmühlen ist es doch ein Trost wie ausgesprochen gut Netflix funktioniert, selbst wenn das Internet gerade nicht so will wie ich. Und jetzt der Schlusssatz: alles Gute ist nie beisammen. Ha. Ihr habt’s schon geahnt, dass es darauf hinausläuft, oder? 😉

Vor einer Weile habe ich zu dem Thema bereits einen Artikel bei Amerdale gelesen, wo u.a. auch Watchever in den Vergleich mit einbezogen wurde. Wie sind eure bisherigen Erfahrungen mit streaming oder auch dem Online-Verleih? Welche Dienste nutzt ihr? Was denkt ihr wie lange es noch dauert bis wir unsere Serien sofort nach (weltweiter) Erstausstrahlung bekommen? Oder ob das jemals passiert? Und welches Streaming-Verhalten und welche Absonderlichkeiten könnt ihr an euch beobachten? Schaut ihr manchmal Serien, die ich euch eigentlich weniger interessieren als andere, nur weil sie eben auf Netflix laufen und das bequem ist?