7ème art: Vampirfilme

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Vampirfilm … unsinniges Wort, oder? Heute geht’s um Filme mit Vampiren. Kling auch nicht besser. Also nochmal: weil diesen Monat wieder Halloween vor der Tür steht, widme ich mich liebend gern (so wie in Vorjahren) dem Medium Mystery, Grusel und Übersinnliches. 2013 waren es Gruselfilme ohne Gore, 2014 waren es Verfilmungen aus Stephen-King-Romanen – nicht zwingend nur Grusel. Die Filme, die allerdings den Vampirmythos thematisieren, habe ich mir lange aufgehoben. Ich fand insbesondere als Teenager Vampire unglaublich faszinierend. Mit dem Twilight-Hype ist aber irgendwas kaputt gegangen. Dabei sind die Motive unendlich spannend: Segen und Fluch des ewigen Lebens, verdammt in der Dunkelheit zu leben und sich von Blut zu ernähren – Buch und Film haben im Laufe der Zeit die unterschiedlichsten Versionen des Vampirs geschaffen. In der Werkschau beschränke ich mich ja immer auf genau sieben Filme – die Auswahl fiel mir schwer. Diesen Monat in ‚7ème art‘: sieben Filme über … Vampire.

Bram Stokers Dracula (1992)

Jonathan Harker (Keanu Reeves) reist nach Transsilvanien zum Schloss des Grafen Dracula (Gary Oldman), um mit ihm Immobiliengeschäfte abzuschließen. Der Graf ist eine unheimliche Gestalt, lautlos, ein Schattenwesen. Was Harker nicht weiß: er ist der jahrhunderte alte rumänische Prinz Dracul, ein Vampir. Er sieht ein Bild von Harkers Verlobter Mina (Winona Ryder) und erkennt darin seine vor vielen Jahren auf grausame Weise verstorbene Geliebte und beschließt Harker in seinem Schloss gefangen zu halten und zu Mina nach London zu fahren. Die kann sich der Anziehung des mysteriösen Mannes schwer entziehen. Währenddessen rufen die Opfer des Vampirs den Professor van Helsing (Anthony Hopkins) auf den Plan, der als einziger zu wissen scheint, womit es die Londoner Gesellschaft zutun hat.

Francis Ford Coppolas Adaption des weltbekannten Romans weicht von der Vorlage stark ab, gilt aber dennoch als originalgetreustes Werk. Hier treffen Giganten aufeinander. Nicht nur Coppola selber, sondern auch Bram Stoker, der sieben Jahre lang an dem Buch arbeitete, das heute als DAS Ursprungswerk des Vampirmythos gilt. Die von ihm geschaffene Figur des Grafen Dracula basiert auf der realen Figur Vlad III. Drăculea und wird heute noch in zahlreichen Medien aufgegriffen und hatte schon alle Formen, die man sich vorstellen kann. Obwohl die Abweichungen gravierend erscheinen, wenn man sich näher damit beschäftigt, geht Coppola einen ersten Versuch ein den Vampir als tragische Figur darzustellen, der aufgrund eines furchtbaren Schicksalsschlages einen Fluch auf sich gezogen hat und zu einem Wesen der Nacht wurde, dass sich von Blut ernähren muss. Der Film ist atmosphärisch und kann mit modernen Produktionen gerade deswegen mithalten. Es ist einer der Filme, der nie alt wird, auch wenn man manche pathetische Momente und nicht mehr zeitgemäße Effekte schwer übersehen kann.

(8/10)

Sternchen-8

Interview mit einem Vampir (1994)

Der Reporter Daniel Malloy (Christian Slater) traut seinen Ohren nicht. Wohin führt ihn die Geschichte, die ihm der Mann (Brad Pitt) erzählt, der vor ihm sitzt? Er behauptet Louis de Pointe du Lac zu heißen und irgendwann um 1791 zum Vampir geworden zu sein. Sein Unglück und sein Schicksal war Lestat de Lioncourt (Tom Cruise), der ihn zu dem machte was er jetzt ist und das Vampirdasein feierte, während Louis den Zustand verdammte. Blut von unschuldigem Menschen trinken zu müssen, mit ihrem Leben zu spielen – er will sich niemals dazu herablassen und kann es nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Immer mit dem Leid, das er erlebt hat leben zu müssen, erscheint ihm unvorstellbar – sein ewiges Leben wie ein Fluch. Lestat versucht ihn fortwährend an sich zu binden, bis Louis eines Tages seinem Durst nach Menschenblut nachgeben muss und sich daran die Schuld gibt, dass die nur zehn Jahre alte Claudia (Kirsten Dunst) ebenfalls ein Vampir geworden ist. Für die Drei beginnt eine lange Reise und das ewige Leben geradezu wie eine Sackgasse.

Neil Jordans (u.a. Breakfast on Pluto, Byzantium) prominent besetzer Film basiert auf der Literaturvorlage von Anne Rice und ist der wohl bekannteste Film, der sich mit dem Vampirmythos auseinandersetzt. In dem Film prallen zwei Welten und Ansichten aufeinander. Anhand von Lestat wird das Bild des Vampirs aufgegriffen, wie es bis dahin oftmals in der Literatur und im Aberglauben verbreitet war. Als blutlüsterne Schreckensfigur, als Verführer ohne Gewissen. Auf der anderen Seite ist da Louis, der ein Gewissen hat und leidet. Das menschliche am vermeintlichen Monster ist damit ein neues Motiv, dass einen zwiegespalten zurücklässt und ein moralisches Dilemma kreiert. Der ständige Konflikt wird untermalt von betörenden Kulissen und Kostümen und wirkt weniger traumhaft als beispielsweise Bram Stokers Dracula, sondern realistischer, aber auch dekadenter. Es ist ein faszinierender Ausflug in die Geschichte und die bitter-obsessive Beziehung zweier Männer, die scheinbar nicht voneinander loskommen und folgt ihnen nicht nur ein ganzes Leben lang. Und hier liegt mein so ziemlicher einziger Knackpunkt an dem durchweg starken Film: als man bei Armands Handlungsbogen angekommen ist, ist schon gefühlt wahnsinnig viel Zeit verstrichen und die Spannungskurve lässt nach. Allerdings ist das auch nur eine kleine Talfahrt in einem ansonsten tadellosen und spannenden Werk. Falls ihr noch mehr über Anne Rices Bücher um Louis und Lestat und die konträren Vampirfiguren wissen möchtet, lege ich euch den Artikel von Hemator ans Herz.

(9/10)

Sternchen-9

Die Weisheit der Krokodile (1998)

Steven Grlscz (Jude Law) ist der Inbegriff eines interessanten, kultivierten, gut-aussehenden Mannes. Dann ist er auch noch Mediziner … . Kleiner Haken bei der Sache: er benötigt etwas zum Überleben, an das schwer zu kommen ist. Nicht einfach nur Blut. Nein – die verschiedenen Hormone und Stoffe darin, die der Körper produziert, wenn er erregt ist und Liebe empfindet. Er verführt Frauen und tötet sie. Dadurch, dass Frauen in seiner Umgebung dazu neigen zu verschwinden, gerät er in das Visier der Polizei und lernt gleichzeitig Anna (Elina Löwensohn) kennen. Hat er für sie echte Gefühle entwickelt oder ist es der reine Überlebenswille und seine Natur, die ihn zu ihr hinzieht?

Der Filmtitel ist eine Anspielung auf den Umstand, dass Krokodile beim Töten oder Fressen ihrer Beute Tränen vergießen. Wie ich heute gelernt habe, weiß man noch nicht, warum das geschieht. Das war aber Anlass für die Sprüche über Krokodilstränen als Heuchlerei. Und tatsächlich lässt der Film es lange offen, ob Steven wirklich etwas für Anna empfindet oder ob er lediglich vorgibt sie zu lieben, um sich später von ihr zu ernähren. Diese Ungewissheit macht den Film spannend und anders, obwohl er so seine Längen hat und sich an manchen Szenen etwas zieht. Dass in Po-Chih Leongs Regiearbeit eine vollkommen andere Art Vampir gezeigt wird, finde ich wahnsinnig interessant. Hier gibts keine Fangzähne und in eine Fledermaus verwandelt sich auch keiner. Mit Vampiren wird oftmals etwas sinnliches verbunden, nicht zuletzt weil sie ihre Opfer in der Literatur oftmals verführen. Hier wird das ganze nicht entmystifiziert, aber so stark auf die Realität übertragen, dass man irgendwie nicht wegschauen kann und immer neue Details über Steven wissen will. Vor Allem weil er offensichtlich in einer Welt lebt, in der nicht auch jeder fünfte Andere zufällig auch ein Vampir ist. Daher ist der Film aus dem Jahr 1998 für mich definitiv einen Blick wert. Nur für Vampirfans könnte es etwas schwer werden, denn dieses Exemplar ist anders. Wen das nicht abschreckt … .

(7/10)

Sternchen-7

So finster die Nacht (2008)

Oskar ist 12 Jahre alt, lebt in einer tris­ten Neu­bau­sied­lung in Schwe­den und lässt in der Schule stän­dig Mob­bing über sich erge­hen. Obwohl oder gerade weil er sich nicht dage­gen weht, macht ihn die Situa­tion wütend und er stellt sich im Gehei­men vor wie er es den ande­ren heim­zahlt. Eines Tages zieht in sei­nen Block ein älte­rer Mann und ein Kind in Oskars Alter, das sich ihm später als Eli vorstellt. Schwer aus­zu­ma­chen, ob Mäd­chen oder Junge. Dass er Eli nie in der Schule sieht, son­dern immer erst im Dun­keln drau­ßen auf dem Hof und dass Eli die Kälte schein­bar gar nichts aus­macht, schürt etwas Miss­trauen. Und Faszination. Nach und nach fühlt er sich aber gut bei Eli auf­ge­ho­ben — sie sind beide etwas anders. Wäh­rend in der Umge­bung Morde gesche­hen, ermutigt Eli Oskar sich gegen seine Pei­ni­ger zu wehren.

Låt den rätte komma in, so der Originaltitel des schwedischen Films, basiert auf einem Buch und hat inzwischen auch eine Hollywood-Neuverfilmung erhalten. Der Titel ist angelehnt an einen Morrisseys-Song und den Aberglauben, dass ein Vampir erst dein Haus betreten kann, wenn du ihn hereinbittest. Viel mehr Andeutungen werden aber gar nicht gemacht, wenn es darum geht, was Eli eigentlich ist. Der Vam­pir­my­thos hat keine Vor­ran­grolle und das ist sehr angenehm. Es wird gar nicht erst ver­sucht zu zei­gen wie extrem cool Vam­pire sind, son­dern sie sind Getriebene, wie wir. Die Stärke des Films ist die Insze­nie­rung, die nicht viel auf Pathos und die übli­chen Schock­ef­fekte setzt, sondern auf Charakter. Auch nicht auf Hollywood-reife Schön­hei­ten oder Action, son­dern traut sich anders zu sein. Elis und Oskars Beziehung ist dafür das beste Beispiel. Der Film macht sich nicht die Mühe zu klären, ob Eli überhaupt ein Junge oder ein Mädchen ist. Es spielt auch einfach absolut keine Rolle, denn Eli die einzige Person, die Oskar versteht. Dabei macht den eigent­li­chen Gru­sel v.A. das aus, was man nicht sieht. Aus­las­sung und Andeu­tung — Zuta­ten die bei Gru­sel­fil­men sehr bewährt sind und wenn rich­tig ein­ge­setzt, groß­ar­tig wir­ken. Alles was wir über Eli nicht wis­sen, macht die Figur inter­es­sant und sorgt dafür, dass wir unsere eigene Fan­ta­sie ein­schal­ten. Einen ganz ande­ren Hor­ror erzeugt das Thema Mob­bing. Was Oskar so durch­macht, erzeugt Abscheu, der uns vor die voll­en­de­ten Tat­sa­chen des Lebens stellt: Rea­li­tät. Auf­wach­sen. Nicht immer ein­fach. Was Mob­bing aus einem macht, kann viele Gestal­ten haben. Muss nicht gru­se­lig sein. Kann aber.

(10/10)

Sternchen-10

Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen (2009)

Ob es uns nun gefällt oder nicht … es ist ein Vampirfilm. Die 17-jährige Bella Swan (Kristen Stewart) zieht zu ihrem Vater in das Städtchen Forks und fühlt sich von der ersten Sekunde an Fehl am Platz, obwohl die anderen Schüler sie freundlich aufnehmen. Bis auf den mysteriösen Edward Cullen (Robert Pattinson), der sich in ihrer Nähe seltsam verhält. Manchmal extrem abweisend, ein anderes Mal ist er freundlich und flirtet mit ihr. Und sie würde schwören, dass er beim letzten Mal eine ganz andere Augenfarbe hatte. Während sie noch überlegt wie sie das zu interpretieren hat, gerät sie um ein Haar in einen Verkehrsunfall. Es rettet sie: Edward Cullen. Denn der hat das Auto einfach mal weggeschoben, als ob es nichts wäre. Von da an teilen beide ein Geheimnis: Edward ist ein Vampir.

Aaaah, die Geschichte ist so dünn. Als ich 17 oder so war, habe ich die Bücher gelesen. Zumindest die ersten paar und sie haben mir gefallen. 17 ist eben die Zielgruppe. Aber schon zum Ende der Buchreihe hin, hatte ich wenig Ambitionen weiterzulesen. Bella fand ich schwach. Das Romantikhickhack nervte. Alle stehen auf Bella. Wie das immer in Chicklit geht. Also: meine Twilight-Zeit war früh vorbei. Und ich war mir immer bewusst, dass ich bereits bessere Bücher gelesen habe. Die Bücher sind schon nicht gut, die Filme sind es noch weniger. Die Darsteller sind so mysteriös, dass es weh tut. Und wenn die Familie Cullen in die Caféteria kommt und die Zeit praktisch stehen bleibt, weil alle so schön sind, dann kann ich das leider nicht ernst nehmen. Zumal ich finde, dass die Maske nicht besonders toll geraten ist. Diese Vampire sehen wirklich so aus, als ob sie jemand blass geschminkt hätte. Hinzu kommt das mienen- und emotionslose Spiel der Darsteller. Zwischen Bella und Edward knistert es nicht unbedingt. Das schaut man nicht gerne, da kann man sich stattdessen auch ein wenig vors Aquarium setzen. Auch wegen der Belanglosigkeit der Geschichte. Prinzipiell habe ich ja nichts gegen eine mysteriös-romantische-Geschichte für Teenies. Warum nicht, wenn’s gut gemacht ist? Das ist der Punkt: es ist nicht gut gemacht. Die Effekte sind schlecht, die Kulissen … naja, durchwachsen. Die Darsteller hölzern, die Maske ist schlecht. Wenn ich in Forks wohnen und mit den Cullens auf eine Schule gehen würde, wären sie wahrscheinlich nicht die coolsten Kids der Stadt, sondern würden wegen ihrer esoterischen Art eher aufgezogen werden. Der Soundtrack ist ganz okay – aber wenn Muse beim Vampir-Baseball überstrapaziert wird, dann tut einem das fast leid. Immer um die Coolness der Bande zu unterstreichen. Ach bitte. Vampir-Baseball… . Das aber wahrscheinlich schlimmste ist, dass die Handlung nichts hinzuzufügen hat. Die Twilight-Reihe versucht von bedingungsloser Liebe bis in die Ewigkeit zu erzählen, von dem Gefühl für immer zusammen sein zu wollen, trotz widriger Umstände, trotzdem man aus unterschiedlichen Welten kommt. Und auch von Loyalität gegenüber der Familie. Aber das ist so schwach und stereotyp dargestellt und vermittelt ein nahezu rückschrittiges Fauenbild. Und die Moral von der Geschichte … es gibt keine. Denn ansonsten gibt es nur belanglose Konflikte nach dem einfachsten Spielprinzip. Böser Vampir taucht auf. Müssen töten. Bah. Ich kann’s einfach nicht mögen, aber wie immer gilt: ich lasse Fans ihren Spaß. Ich weiß die sehen darin mehr als ich.

(4/10)

Sternchen-4

Only Lovers Left Alive (2013)

Adam (Tom Hiddleston) und Eve (Tilda Swinton) sind Vampire, kennen und lieben sich schon so lange, dass sie nicht zusammen leben müssen, um sich zu lieben. Adam führt in Detroit das Leben eines zurückgezogenen Rockstars, er ist der Welt überdrüssig und die Menschen (von ihm Zombies genannt), sind für ihn ein langweiliger Haufen Schlaffis, die keinen Anspruch mehr an sich und die Welt haben. Eve lebt in Tanger in Marokko und sieht die Welt weitaus verspielter, obwohl auch sie den guten alten Zeiten von Philosophen, Dichtern und Wissenschaftlern hinterhertrauert. Sie beschließt zu ihm zu fliegen und ihm durch die Sinnkrise zu helfen. Als aber ihre Schwester Ava (Mia Wasikowska) auftaucht, wird die Routine der Beiden empfindlich gestört und es wird Eng für die Liebenden in Detroit. Ava hat nämlich nicht wie Adam und Eve dem Beißen von Menschen abgeschworen.

Jim Jarmusch zeichnet das Bild zweier alter Seelen, die sich in einem neuen Zeitalter zurechtfinden müssen. Beide machen das ja nicht erst seit gestern mit dem unsterblich sein – die kriegen das an und für sich schon hin. Eve ist aber angepasster, genießt es mehr und schöpft es mehr aus, während Adam eher dessen überdrüssig ist und das Zeitalter in dem sie leben für dröge und einfallslos hält. Er lebt konsequent in der Vergangenheit, während Eve ihren Blick nach vorne richtet. Darauf liegt auch der Fokus der Geschichte, nicht etwa auf dem Blutsaugen an sich. Und das transportieren Swinton und Hiddleston auch und wir werden in eine Welt entführt die ganz abseits des üblichen Vampirmythos ist. So muss es sich anfühlen heutzutage Vampir zu sein. Und die Blutbeschaffung wird nicht einfacher: was, wenn die edlen Spender schlecht mit ihrem Körper umgegangen sind? Da bekommen Adam, Eve und ihre Leidensgenossen das voll ab. Der Vampir als bedrohte Art. Als alte Art. Lange habe ich mir ja Mia Wasikowska in einer aufmüpfigeren Rolle gewünscht und prompt bekommen – ihre Ava ist wirklich nervig und sprengt das zurückgezogene Leben von Adam und Eve. Dabei ist der Film eine Metapher auf das Gefühl an keinem Ort richtig aufgehoben zu sein und noch den einen Platz auf der Welt zu suchen – ihn aber möglicherweise nie zu finden. Ob als Intellektueller oder als Missverstandener. Jarmuschs Stil muss man dabei mögen. Wer mit melancholischen, langen Einstellungen nichts anfangen kann, langweilt sich unter Umständen. Irgendwie sind Jarmuschs Filme immer was für Musikliebhaber, Melancholiker oder Filmliebhaber. Und das ist gut so.

(8/10)

Sternchen-8

A Girl Walks Home Alone At Night (2014)

In Bad City folgen wir der namenlosen Hauptcharakterin im Tschador (Sheila Vand) durch die Nacht. Sie lauert Menschen auf, die Dreck am Stecken haben und schlägt zu. Sie ist Gesetzeshüterin, sie ist still und vor Allem ist sie ein Vampir. In ihr Leben tritt Arash (Arash Marandi), der versucht sich aufrecht durch das Leben zu schlagen. Nicht einfach in Bad City mit seinen Drogendealern und Prostituierten. Sein eigener Vater ist abhängig und bringt Arash von einer Schwierigkeit in die Nächste. Bis er den Dealer seines Vaters tot auffindet. Er nimmt Drogen und Geld an sich und steht vor der Entscheidung, was er damit tun soll.

Eine der unterschwellig lustigsten Szenen, die ich lange gesehen habe ist wie Arash im Halloween-Kostüm der Namenlosen erzählt, er wäre Dracula. Und wenn besagte Frau mit Tschador und Skateboard durch die Nacht düst, als ob es ihr Dracula-Umhang wäre, dann finde ich den Film saucool. Die Charaktere versuchen sich so durchzuschlagen, wirken ein bisschen einsam und als ob sie ihren Platz im Leben noch nicht so recht gefunden hätten. Ana Lily Amirpours in Indie-Filmliebhaber-Kreisen hoch gelobtes und heiß geliebtes Werk ist in Schwarz-Weiß gedreht und spielt in einer fiktiven Stadt im Iran, einem Land was man nicht unbedingt mit Vampiren oder Feminismus gleichsetzt, das aber sympathisch eine unterschwellige Botschaft vermittelt mit der Frau als Rächerin, einer sehr stillen Heldin. Der Film ist ein Fest an Referenzen zur Musik und dem Film vergangener Jahrzehnte, von James Dean bis Außer Atem. Dabei bedient sich Ana Lily Amirpour auch des Hipstertums und dem was man als Hipster wohl so abfeiern muss und schrammt gerade noch daran vorbei ihren Film auf zu wenig eigenem aufzubauen. Aber wenn man ihr eine Sache zugute halten muss, dann das: weibliche Vampire im Iran auf Skateboards sind definitiv etwas, das noch nicht da gewesen ist. Und dass ist nicht einfach bei einem so überlaufenen und ausgeschlachteten Genre wie den Vampirfilmen, in denen jeder Stoff schon gefühlte 20 Mal verfilmt wurde. Die feministische Note gibt dem ganzen eine Botschaft, bei der man sich fragt, warum man das vorher noch nicht miteinander kombiniert hat. (In Byzantium möchte ich das eher als gescheitert erklären.) Die Rächerin, die das Bild der sinnlichen Frau und des Vampirs als Fassade benutzt, um Ordnung zu schaffen und den konservativen Tschador als ihren Umhang in der Nacht trägt. Was man abkönnen muss, um den Film zu genießen: lange, wortlose Einstellungen. Insgesamt: ziemlich cooler Film.

(7/10)

Sternchen-7

Oh weh … es standen noch soviele Optionen zur Auswahl, was ich in diese Mini-Werkschau hätte aufnehmen können. Aber was solls: es schreit eben nach der Vampir-Edition 2. Teil. Vielleicht nächstes Jahr im Oktober 😉 Vampire erfreuen sich offensichtlich großer Beliebtheit als Thema. Aktuell läuft ‚Therapie für einen Vampir‘. Der hier aufgeführte aktuellste Film ist ‚A Girl Walks Home Alone At Night‘, dass unter den Filmfans sehr abgefeiert wurde. Und an Motiven gab es praktisch schon alles, was man sich vorstellen kann. Vampire als gequälte Seelen (s.o.), Rockstars in ‚Königin der Verdammten‘, Quasi-Superhelden wie in ‚Dracula Untold‘, Persiflage und Comedy wie in ‚Fünf Zimmer Küche Sarg‘ oder ‚Dracula – tot aber glücklich‘ oder Teenie-Schmachtfetzen wie die Twilight-Reihe. Alles da. Was ist das faszinierende an dem Stoff? Warum sind diese Vampire einfach nicht totzukriegen?

„7ème art“ (Sprich: septième art) heißt „siebte Kunst“. Gemäß der Klassifikation der Künste handelt es sich hierbei um das Kino. In dieser Kategorie meines Blogs widme ich mich also Filmen – evtl. dehne ich den Begriff dabei etwas. Regulär stelle ich zwischen dem 1. und 5. jeden Monats jeweils 7 Filme in kurzen Reviews vor.