Blogparade: „Älter als ich“ – Filme aus einer anderen Zeit

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Wann ist ein Film alt? Das definiert wohl jeder anders, aber ich bin mal so frei zu sagen, dass ein Film alt ist, wenn er älter ist als ich selber. Trotzdem habe ich es nicht übers Herz gebracht eine Blogparade ins Leben zu rufen, die heißt „Alte-Filme-Blogparade“. Aber es ist so von älteren Filmen kann man viel lernen. Wie hat man früher ohne CGI und Effektgewitter gearbeitet und hat trotzdem so gut abgeliefert? Ja manchmal sogar viel sympathischere Filme hervorgebracht, als es die heutige Popcornkino-Industrie manchmal tut. Und jetzt wo es abends früh dunkel wird und draußen ungemütlich ist, lädt die Couch öfter ein einen guten Film zu schauen. Warum dann also nicht einen Klassiker, einen von dem man schon zig Mal gehört, ihn aber immer noch nicht gesehen hat? Widmen wir uns doch mal den Filmen, die älter sind als wir selber und machen einen Ausflug in Zeiten in denen Kino noch anders war. Aber anders gut.

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Die Regeln

Stellt bitte 10 Filme vor, die ihr für die „besten alten Filme“ haltet. Die Filme müssen älter als ihr selbst sein. (Im Zweifelsfall zählt das Erscheinungsdatum im Produktionsland des Films.) Als Beispiel: ich wurde 1988 geboren, also stammen die hier vorgestellten Filme aus dem Jahr 1989 oder sind noch älter. Nennt mir bitte außerdem einen Film, den ihr besonders mögt, der genau aus eurem Geburtsjahr stammt – also quasi ‚mit euch zusammen geboren wurde‘. Nach dem Ende der Blogparade werde ich eure Nennungen auswerten. Wenn euer Bei­trag in die Wer­tung mit ein­ge­schlos­sen wer­den soll, stellt euren Bei­trag bitte bis zum 01.01.2016 online und kopiert mir bitte den Link zu eurem Blog­post bis dahin in die Kom­men­tare. Das bedeutet im Umkehrschluss der letzte Tag an dem eure Artikel zählen ist der 31.12. 😉 Ich freue mich schon auf eure Bei­träge. 🙂

Der Frühstücksclub

Im Jahr 1985 erschien mit Breakfast Club ein Film in den Lichtspielhäusern, der wie kaum ein anderer in Worte fasste wie hässlich das Gefühl ist nicht verstanden zu werden, wenn sich auch nicht mal jemand die Mühe macht über den Tellerrand zu schauen und andere in Schubladen steckt. Und wenn man erstmal in so eine Schublade gesteckt wurde, ist es da drin ziemlich einsam und düster. Gerade Erwachsene, die mit ihrer Lebenserfahrung alles besser wissen sollten, haben zu schnell vergessen wie sie einmal waren … egal, ob Eltern oder Lehrer.

Oder wie Brian es zu Anfang sagt:

Saturday, March 24, 1984. Shermer High School, Shermer, Illinois, 60062. Dear Mr. Vernon, we accept the fact that we had to sacrifice a whole Saturday in detention for whatever it was we did wrong. What we did *was* wrong. But we think you’re crazy to make us write an essay telling you who we think we are. What do you care? You see us as you want to see us – in the simplest terms, in the most convenient definitions. You see us as a brain, an athlete, a basket case, a princess and a criminal. Correct? That’s the way we saw each other at 7:00 this morning. We were brainwashed.

Aus der langen Reihe von Cliquen-Filmen der 80er ist Breakfast Club wahrscheinlich DER bekannteste Vertreter und hat mich mit seinem genialen Soundtrack sofort gehabt. Der Film ist zwar älter als ich, aber ich denke, dass sich nicht wirklich viel geändert hat. Noch heute gibt es Leute, die innen princess sind und außen basket case und wie das letzte behandelt werden, genauso wie aus rauen Typen criminals gemacht werden und Leute manchmal selber glauben, dass stimmt, was über sie gesagt wird.

Metropolis

metropolis

Fritz Langs Stummfilmklassiker ist der wohl älteste Film dieser Liste (1927) und behandelt die Zweiklassengesellschaft einer futuristischen Stadt, in der sich zwei Liebende fast zwischen Intrigen und moralischen Irrungen verlieren. Der Mensch wird als Rädchen gezeigt, dass das Getriebe einer Oberklasse am Laufen erhält und ein moderner Sündenpfuhl sich von den Anstrengungen der kleinen Leute ernährt. Ich hatte das Glück den Film während meiner Studienzeit im Audimax(!) mit Live-Begleitung durch das mittelsächsische Philarmonieorchester(!) zu hören und das hatte einige Gänsehautmomente. Eins der besten Filmerlebnisse, die ich jemals hatte.

The Seven Samurai. The poster art copyright is believed to belong to the distributor of the film, the publisher of the film or the graphic artist. Found on: moviebreak.de, link to Image Source

The Seven Samurai. The poster art copyright is believed to belong to the distributor of the film, the publisher of the film or the graphic artist. Found on: moviebreak.de, link to Image Source

Die sieben Samurai

In Akira Kurosawas Filmklassiker ver­su­chen Bau­ern sich vor Räu­bern zu schüt­zen, die jedes Jahr das Dorf plün­dern. Sie wol­len Samu­rai anheu­ern und gera­ten dabei nicht an die nam­haf­tes­ten Ehren­män­ner, letzt­end­lich haben sie aber alle das Herz am rech­ten Fleck und sagen dem Dorf ihre Hilfe zu. Ange­führt wer­den die sie­ben vom erfah­re­nen und beson­ne­nen Kam­bei (Taka­shi Shi­mura), wobei der auf­müp­fige und vor­laute Kiku­chiyo (Toshirō Mifune) des öfte­ren Mei­nun­gen und Vor­ha­ben der ande­ren sprengt. Die unterschiedlichen Charaktere der Samurai sind neben dem Leben im historischen Japan wahrscheinlich die spannendsten Aspekte des Films, aber auch die für damalige Verhältnisse aufwendigen Kampfszenen machen enorm was her. Die Geschichte von denen Kriegern mit Makeln und Eigenarten, die den Unschuldigen (oder auch nicht ganz so unschuldigen) helfen hat hier vielleicht nicht ihren Ursprung, aber durch Motive wie Ehre gefärbt, wurde Sieben Samurai ein oftmals kopierter Klassiker. Zu Recht – guter Film!

Blade Runner

In einer entfernten Zukunft werden künstliche Menschen, sogenannte Replikanten, geschaffen. Sie sind normalen Menschen physisch überlegen und haben deswegen nur eine begrenzte Lebensdauer von maximal vier Jahren. Sie werden üblicherweise für die Erschließung von Lebensraum im Weltall eingesetzt und sind ’nicht dafür vorgesehen‘ ein normales Leben auf der Erde zu führen. Dass aber auch sie Gefühle entwickeln und ein Bewusstsein haben, bekommt der Replikanten-Jäger Rick Deckard (Harrison Ford) zu spüren. Wie er angebliche Replikanten mit dem Voigt-Kampff-Test unter die Lupe nimmt, erinnert mich immer ein wenig an den Turing-Test, auch wenn sich zwei physische Erscheinungen gegenübersitzen. Die Dystopie die Ridley Scott hier mittels der Literaturvorlage Träumen Androiden von elektrischen Schafen? von Philip K. Dick erschafft ist unheimlich dicht und düster und so atmosphärisch gemacht, dass sie heute noch zeitlos wirkt. Die Charaktere sind vielschichtig und die Bilder fantastisch. Rutger Hauers Darstellung des Replikanten Roy Batty und auch Sean Young als Rachael haben sich in mein Hirn gebrannt. Kaum zu glauben, dass Blade Runner im Erscheinungsjahr 1982 eher floppte, heute aber ein Kultfilm ist. Eine Fortsetzung steht in den Startlöchern … sehen wir mal, ob die mithalten kann.

Die zwölf Geschworenen

Sidney Lumet hat 1957 bewiesen wie gut 12 Leute und ein Raum eine spannende Geschichte erzählen können. Wir wissen anfangs nichts über den Fall, in dem die Zwölf zu einem Urteil kommen sollen, noch wissen wir viel über die Männer, aber die sozialen Geflechte, Ressentiments und moralischen Fragen sind wahnsinnig spannend anzuschauen. Der „Meister des Justizfilms“ hat hier mehr als „nur“ einen Kriminalfall illustriert.

Eine Leiche zum Dessert

Robert Moores irre Parodie auf allerlei Detektivfilme stammt aus dem Jahr 1976, hat aber eine ähnliche Magie wie andere Oldies. Selbst schlechte Effekte wirken in dieser Satire wie selbstverständlich und sind irre lustig. Zu schade, dass es Sherlock und Watson hier nicht mehr rein geschafft haben. Eine meiner Lieblingsszenen:

2001: Odyssee im Weltraum

Die bezeichnen ihn als Meisterwerk, die anderen halten ihn für verschwurbelt und gewollt künstlerisch und kühl. Für mich ist 2001: Odyssee im Weltraum auch etwas schwierig, aber trotzdem großartig. Das war bei mir dieser eine Film, bei dem ich den Eindruck hatte Film kann mehr. Sozusagen die Geburtsstunde meines Filmfanatismus. Filme machen, dass wir unser Köpfchen manchmal anstrengend müssen und interpretieren und weiter über das Vorstellbare hinausgehen. Sicherlich hat man beim Anschauen des Film tausend Fragen und fühlt sich zwischendurch vielleicht eher als ob man einen Trip geschmissen hätte, aber die seltsame Parabel auf das Leben, Bewusstsein und das Sterben habe ich als sehr spannend empfunden. Der Film ist in 4 Segmente aufgeteilt dazu gehört The Dawn of Men – das Auftauchen eines mysteriösen Monolithen geht einher mit der Entwicklung des Urzeitmenschen zu einem Wesen mit Bewusstsein, das sich Werkzeuge zu Eigen macht, um sein Ziel zu erreichen. Eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte ist der Wurf des Knochens, des Werkzeugs, des Symbols für die Entwicklung. Und dann macht der Film einen großen Sprung zu meinen Lieblingssegmenten, einer davon ist Die Reise zum Jupter. Einige Astronauten sind an Bord ihres Schiffes mit dem Supercomputer HAL 9000, der auch ein Bewusstsein entwickelt und droht den Menschen zu verdrängen. Gruselig, tragisch, bedrohlich … die Segmente sind alles zusammen und haben dafür gesorgt, dass ich auch heute noch keinen Film über künstliche Intelligenz auslasse. Für mich ein Meisterwerk.

Manche mögens heiß

Wenn Tony Curtis und Jack Lemmon vor der Mafia fliehen, sich zu diesem Zweck als ‚Daphne‘ und ‚Josephine‘ verkleiden und mit einer Frauenkapelle auf Tour gehen, bringt das unheimlich viel augenzwinkernden Spaß. Beide fahren auf die schöne Sugar ab, gespielt von Marilyn Monroe. Am Set soll es ordentlich Krach gegeben haben. Monroe konnte sich kaum Sätze merken und alle verloren die Geduld mit ihr, aber davon merkt man im Film nichts. Spätestens wenn sich der Millionär Osgood Fielding III in Daphne verguckt und die Mafiosi wieder auf der Bildfläche auftauchen, ist das Chaos perfekt. Ein unbeschwerter Filmklassiker.

Aufstand der Tiere (Animal Farm)

Ich bin mir nicht sicher, ob ich einen älteren Trickfilm kenne. 1954 erschien der Film basierend auf Orwells Dystopie und politischer Fabel. Wegen des schwer zu verkraftenden Inhalts wurde der Film anfangs als FSK-18 eingestuft. Die emotionale Härte mit der sich die Tiere gegen die Menschen auflehnen, nur um sich dann in eine diktatorische Zweiklassengesellschaft aufzuspalten und die anderen zu benutzen und auszumergeln, ist harter Tobak. (Andere würden sagen thats life 🙁 ). Erstaunlich, dass der Film später wieder als Kinderfilm eingestuft wurde und FSK 6 erhielt. Dass die Leute den Animationsfilm immer noch unterschätzen … !?

Image copyright is believed to belong to the distributor, the publisher or the graphic artist. Found on: wilsonsdachboden.com, link to Image Source

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Der Himmel über Berlin

Gibt es irgendjemanden da draußen, der Stadt der Engel nicht kennt? Den kitschig-melancholischen Film mit einem hundeäugigen Nicolas Cage als Engel, der sich in eine Frau verliebt? Und wer kennt das Original? Wim Wenders Film aus dem Jahr 1987 präsentiert einen Film, den man heute wahrscheinlich als ziemlich Indie bezeichnen würde. Anfangs begleiten wir die Engel Damiel (Bruno Ganz) und Cassiel (Otto Sander) in schwarz-weiß wie sie unsichtbar durch die Welt streifen und den Gedanken der Leute lauschen. Da sind manchmal recht bodenständig-banale Dinge dabei, manchmal sehr tiefsinnige bis traurige Gedanken. Kann verwirrend sein, aber spätestens wenn Damiel zur Erde fällt, sich in Secondhand-Geschäften Klamotten kauft, durch Kneipen streift und seine Angebetete, eine Zirkusartistin bei einem Nick Cave Konzert bewundert, fühlt sich der Film nochmal ganz anders an. Peter Falk als ein Mensch, der behauptet auch ein gefallener Engel zu sein ist mein 2. Highlight. Ich bin mir bis heute noch nicht 100%ig sicher, ob er nicht vielleicht schwindelte. Die langen Sequenzen in denen sie nur den Leuten lauschen, haben es mir aber sehr schwer gemacht. (Zu langatmig, zu unverständlich.)

So alt wie ich: Akira

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Ich hab nicht schlecht gestaunt, dass einer der ganz großen Anime-Klassiker in meinem Geburtsjahr 1988 erschien. Akira handelt von einer düsteren Zukunft voller Banden und Gangs, militärischen Experimenten und übersinnlich begabten Kindern, in denen zwei Freunde sich in tragisch unterschiedliche Richtungen entwickeln. Was mich umso mehr erstaunte ist, dass Katsuhiro Otomos Anime noch heute so gut funktioniert. Der Tricktechnik sieht man ihr Alter quasi nicht an. Klar, kein CGI in dem Sinne. Keine 3D-Effekte, aber bombastische Zeichnungen und Visionen. Und die Leute reden heute noch darüber und das hat schon was zu bedeuten.

Um Blogparaden ist es in letzter Zeit etwas ruhig geworden, oder? Kann ich nicht auf mir sitzen lassen. 🙂 In meiner kleinen Auswahl wollte ich einige Filme auflisten, die meiner Meinung nach den Einheitsbrei überstrahlen, der mit Popcornkino betitel wird. Und das obwohl sie alles andere als neu sind, nicht dem aktuellen Stand der Technik genügen, aber sie sind Klassiker und Kultfilme, die Maßstäbe gesetzt haben und ihresgleichen noch heute suchen. Ein Plädoyer für den alten Film. Welche Filme kommen euch sofort in den Sinn, die zeitlos sind? Oder so eine starke Aussage haben, dass sie noch in 20 Jahren oder 50 Jahren von Filmliebhabern in solchen Listen genannt werden? Welcher aktuelle Film taugt eurer Meinung nach zum Klassiker? Und welcher alte Film kann mit der Tricktechnik der neuen locker eurer Meinung nach mithalten? Würde mich freuen, wenn ihr bei der Blogparade mitmacht. 🙂