Neulich im Kino … Review zu „Star Wars: Das Erwachen der Macht“

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Die Spoilerei muss ja übel gewesen sein. ‚Glücklicherweise‘ war die letzte Arbeitswoche bei mir so stressig, dass ich kaum dazu gekommen bin die sozialen Netze zu durchwühlen und deswegen über nichts fieses gestolpert bin. Und gerade deswegen: Review ist spoilerfrei.

Viele Jahre nach der Zerschlagung des Imperiums, sind die Machtverhältnisse gekippt. Die Jedi sind quasi verschwunden, die sogenannte Erste Ordnung unter ihrem Obersten Anführer Snoke (Andy Serkis) ist an der Macht. Und auf der dunklen Seite der Macht. Ihnen gegenüber steht der Widerstand. Als bekannt wird, dass es eine Karte gibt, die den Aufenthaltsort Luke Skywalkers aufzeigt, beginnt die Jagd danach. Der Widerstands-Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac) und sein Roboter BB-8 transportieren sie. Dameron wird aber von der Ersten Ordnung aufgespürt und vom Befehlsgeber Kylo Ren (Adam Diver) gefangen genommen. Währenddessen hadert der Stormtrooper FN-2187 (John Boyega) mit der Ausführung der Befehle, die er erhält. Er entschließt sich Dameron zu helfen in der Hoffnung aus den Fängen der Ersten Ordnung zu kommen. Zeitgleich findet die Schrottsammlerin Rey (Daisy Ridley) den Roboter BB-8 hinter dem plötzlich ziemliche viele Leute hinterher sind. Was sie nicht weiß: er hat die Karte, die zu Luke Skywalker führt.

Was war das für ein Schauspiel. Jedes Castinggerücht hat für ein Raunen in der Filmliebhaber-Gemeinde geführt. Und erst die Meldung, dass es überhaupt neue Star-Wars-Filme geben soll. Schließlich wurde das riesengroße Universum schon fleißig weitergesponnen. Zahlreiche Bücher, Serien und Filme liefern Prequels und Sequels und parallele Handlungen. Aber die neuen Filme erzählen keine dieser Geschichten, sondern schreiben eine komplett neue. Lediglich Star Wars Rebels und Star Wars: The Clone Wars sind im canon eingeschlossen. Eine der aber wohl schwierigsten Fragen ist: wen betreut man mit der Aufgabe das zu verfilmen? Die Wahl viel (nach anfänglichen anderen Anfragen) auf J.J. Abrams. Für den ist bestimmt ein Traum in Erfüllung gegangen, da er ein riesengroßer Star-Wars-Fan ist wie er oft bekundet hat. Als er zuletzt Star Trek (2009) und Star Trek Into Darkness neuverfilmte, hat das die Trekkies mächtig aufgerüttelt und ein bisschen sauer gemacht. Denn wie heißt es so schön: wähle eine Seite. Star Wars oder Star Trek. 😉

Kann das funktionieren, wenn Science-Fiction-Filmreihen, ja regelrechte Universen, nach so vielen Jahren einen neuen Teil bekommen? Noch dazu welche, die soviele Fans haben? Bevor es erstmal richtig losging, jagte ein Shitstorm schon den nächsten. Eine Eigenschaft von Fans eines Franchise, die ich nicht besonders leiden kann. Ein Star-Wars-Film von Disney – wird da jetzt auch gesungen? So die Sprüche der meisten. Dann mussten Fans zu den Events pilgern, wo die ersten Teaser oder Trailer gezeigt wurden. Analysen und Vermutungen später ist nun der Film da. Und die Euphorie. Und die Spoiler. Sei das alles mal dahingestellt. Aber die Euphorie … die ist zurecht da. Das Erwachen der Macht vereint gekonnt Geschichte, Atmosphäre und Charaktere der bisherigen Filme mit neuen Personen und Herausforderungen. Am meisten hat mich gefesselt die Beziehungen zwischen den Charakteren zu entschlüsseln und wer unter Umständen der Spross eines Charakters aus Episode 1-6 ist. Wie gut aber mit all den Motiven und Anspielungen auf die vorhergehenden Episoden umgegangen wird, ist schon fast ein Lehrstück. Ein Hauch mehr Anspielungen hätte unkreativ sein können. Zumal Kylo Ren als wiederum verhüllter Gegenspieler auf Seite der dunklen Macht anfangs fast zu gewollt wirkt und man das Gefühl hat, dass sich die Geschichte wiederholt. Das wird später Trumpf – aber sicher nicht von allen so aufgefasst. Ähnlich verhält es sich mit BB-8, der vielleicht doch zu sehr an R2D2 erinnert, aber so knuffig ist, dass man kaum anders kann als ihn zu lieben.

Ein großer Pluspunkt sind außerdem die sympathische Helden und charismatischen Bösewichte. Dass darunter auch eine sehr starke, weibliche Heldin ist, macht mich sehr stolz. Haben die Filmmacher in diesem Filmjahr die Gebete vieler Filmfans erhört und uns authentische, weibliche Heldinnen gegeben? Ich denke da z.B. an Furiosa und Rey. Und als ob das noch nicht genug wäre, fügt J.J.Abrams der Filmreihe etwas hinzu, dass es so in Star Wars noch gar nicht gab: sehr viel Humor. Aber keine Bange, der Film verkommt nicht zu einer Komödie. Er hat einfach von allem das richtige Maß. Und war bombastisch. Und war verdammt cool. Selbst das visuelle überzeugt auf ganzer Linie. Nachdem die Stimmung kippt und es plötzlich gar nicht mehr lustig zugeht, ist Handlungsort ein verschneiter Wald – diese Eiseskälte gibt die Stimmung perfekt wieder. Solche inszenatorischen Metaphern finden sich häufig in dem Film. Den einzigen Punktabzug den ich gebe, begründe ich damit, dass es einige Wiederholungen gab, die man unter Umständen nicht gebraucht hätte. A wird gefangen und ins Raumschiff verschleppt, dann wird B gefangen und ins Raumschiff verschleppt. B kämpft im Wald mit C. Dann kämpft D im Wald mit C, dann wieder B … . (Seht ihr wie händeringend ich Spoiler vermeide??) Aber ansonsten: wow. Hat es sich so angefühlt bei den alten Filmen dabei zu sein? Da finde ich es fast schade, dass ich noch zu klein war, um damals die früheren Teile im Kino miterleben zu können.

(9/10)

Sternchen-9

Wie ist das eigentlich bei euch? Habt ihr auch von Anfang an gesagt „Oh Gott, ein Star Wars Film aus dem Haus Disney – das kann nichts werden“? Habt ihr den Film schon gesehen und wenn ja, wie fandet ihr ihn? Seid ihr große Star-Wars-Fans oder eher weniger? Wurdet ihr gespoilert oder gings? Glücklicherweise bin ich verschont geblieben, aber ich habe gehört, dass in den Untiefen des WWW so mancher Troll unterwegs war und auch gerne Mal vermeintliche Spoiler streut, die gar nicht stimmen. Diskutiert gerne mit mir in den Kommentaren – aber bitte subtil und ohne Spoiler. Mich würde zum Beispiel interessieren was ihr für Verwandschaftsbeziehungen ihr vermutet.