7ème art: Alan Rickman

Posted by in 1988, 1995, 1999, 2004, 2006, 2007, 2009, 7ème art, Actionfilm, Arthouse & Indie, basiert auf wahren Begebenheiten, Drama, Film, Genreübergreifend, Historienfilm, Horror und Mystery, Kanada, Komödie, Liebesfilm, Literaturverfilmung, Musical, Review, Spielfilm, Tragikomödie, UK, USA

Mir blutet das Herz. Immer noch. Und das wird wahrscheinlich noch eine Weile anhalten, denn der großartige Schauspieler Alan Rickman ist im Januar 2016 verstorben. Aber ich würde keine Werkschau machen und hier vorstellen, wenn ich nur über traurige Sachen reden will. Albert Schweitzer hat gesagt „Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir weggehen.“ Und Alan Rickman hat viele Spuren hinterlassen und uns gerührt, das Fürchten gelehrt und schwer beeindruckt mit seinen Filmen. Deswegen stehen heute sieben Filme mit einem bestimmten, gemeinsamen Nenner auf dem Plan: dem großartigen Schauspieler Alan Rickman.

Stirb Langsam

Trotz mittelmäßig übersetzter Zitate (yippie kay yay motherfucker wurde ja zu ‚Schweinebacke‘) und eines ebenso nicht ganz stimmig übersetzen Filmtitels ist Stirb Langsam aus der Landschaft der Actionfilme kaum wegzudenken. Außerdem hat es Bruce Willis zu einem Star gemacht und Alan Rickman für einige Jahre als einen derb guten Filmbösewicht gebrandmarkt. Ein Ruf, der ihn noch eine Weile begleiten sollte. Und das Franchise Stirb Langsam existiert immer noch, auch wenn es sich langsam etwas totläuft. Angefangen hat es jedenfalls richtig gut. Als der New Yorker Polizist John McClane (Bruce Willis) zu seiner Frau Holly (Bonnie Bedelia) nach L.A. reist, um mit ihr zur Weihnachtsfeier ihrer Firma zu gehen, hat er schon gemischte Gefühle. Die beiden leben getrennt und Weihnachtsfeiern sind eben Weihnachtsfeiern. Kurz bevor es richtig losgeht, wird das Gebäude aber unbemerkt von einer Gruppe Terroristen infiltriert, die an den Tresor der Firma wollen. Der Kopf der Gruppe ist der deutsche Hans Gruber (Alan Rickman), der an alles gedacht hat. Sie schotten das Hochhaus komplett von der Außenwelt ab, nehmen die Gäste als Geiseln, tauschen Rezeption und Wachmänner aus, um den Schein der Normalität zu wahren. John bemerkt früh was los ist und kann sich als einziger in Sicherheit bringen und versucht Verstärkung anzufordern – aber seine Gegner sind mit allen Wassern gewaschen.

Das Katz-und-Maus-Spiel in den Eingeweiden des Hochhauses ist trotz der Länge des Films zu keiner Sekunde langweilig (außer vielleicht am schleppenden Anfang) und schafft einen großartigen Spagat zwischen Actionfilm und Komödie. Wie John McClane in der Geschichte Erfindergeist und Schläue an den Tag legen muss, setzt dem Film das i-Tüpfelchen auf. Es ist quasi der Actionfilm, bei dem nicht nur rumgeschrottet und geblutet wird, sondern man auch ein bisschen Köpfchen brauch. Bruce Willis ist wirklich eine coole Sau und die kriminellen Gegenspieler wirken alles andere als plump. Kaum zu glauben, dass wir fast sechs andere Darsteller an Bruce Willis‘ Stelle gesehen hätten. Wie wäre Stirb Langsam mit Sylvester Stallone, Burt Reynolds, Harrison Ford, Mel Gibson oder Richard Gere als John McClane geworden? Kann man sich nun wo der Film ein Klassiker ist natürlich nicht mehr vorstellen. Der erstaunlicherweise großflächig logiklücken-freie Actioner hätte aber Polizisten gerne auch etwas weniger dämlich und satirisch darstellen können, reißt es aber mit dem sympathischen Sgt Powell (Reginald VelJohnson) wieder etwas raus.

Stirb Langsam (OT: Die Hard), USA, 1988, John McTiernan, 131min, (8/10)

Sternchen-8

Sinn und Sinnlichkeit

Der Film basiert auf dem Jane-Austen-Roman „Sense and Sensibility“ (normalerweise zu übersetzen mit „Verstand und Gefühl“) und spielt etwa um 1800 in Großbritannien. Als der Vater von Elinor (Emma Thompson) und Marianne Dashwood (Kate Winslet) stirbt, erbt ihr Halbbruder das Anwesen auf dem sie seither lebten. Ihre Schwägerin und er geben ihnen zu verstehen, dass sie von nun an dort leben und für die Schwestern und ihre Muttern kein Platz mehr ist. Ihnen bleibt eine kurze Zeit, in der Elinor den Bruder ihrer Schwägerin kennenlernt. Edward Ferrars (Hugh Grant) ist anders. Schlau und einfühlsam. Und angeblich nichts für Elinor, was sie auch beginnt zu glauben und still ihren Kummer mit sich herumträgt. Schweren Herzens ziehen sie eines Tages in ein Cottage um, das ihnen ein entfernter Verwandter zur Verfügung stellt. Das Geld ist knapp, ihre Verhältnisse mehr als bescheiden und alle um sie herum scheinen sie verkuppeln zu wollen. In der Gesellschaft treffen sie auf Colonel Brandon (Alan Rickman), der sich in Marianne verguckt, die aber wiederum nur Augen für John Willoughby (Greg Wise) hat. Und als ob das nicht schon schwierig genug wäre, trifft Elinor eine junge Dame, die sich als die Verlobte von Edward Ferrars ausgibt. Die Dashwood-Schwestern: eine getrieben von Gefühl, die andere von Verstand und beides macht sie unglücklich. Happy-End in Sicht?

Denkt man darüber nach, sind die Voraussetzungen die für den Film geschaffen wurden, eigentlich nicht so ganz perfekt. Emma Thompson und Alan Rickman sind um einiges älter als die Charaktere in Jane Austens Roman und man sieht es ihnen auch an und hält die Kombination für etwas unwahrscheinlich. Aber sie machen es so gut, dass man es gar nicht mehr in Frage stellen kann, sondern hofft, dass Marianne und Colonel Brandon zusammen kommen. Überhaupt schaffen es alle Darsteller so wunderbar menschlich zu sein, dass der Film einfach nur Spaß macht und sich kein bisschen wie ein trockener Kostümfilm anfühlt. Wenn Marianne und ihre Schwestern aufgeregt herumlaufen und nicht wissen wie sie sich drapieren sollen, wenn Willoughby vor der Tür steht, ist das einfach nur witzig. Und dem echten Leben gar nicht so unähnlich 😉 . Der Witz und die verborgene Gesellschaftskritik sind ein weiterer Punkt, der Sinn und Sinnlichkeit zu mehr als einem Kostümfilm oder einer Schmonzette macht und ein Plädoyer für Jane Austen im Allgemeinen. Mariannes Liebeskummer schrammt beispielsweise dank der großartigen Kate Winslett ganz scharf an einer Karikatur vorbei. Und als Zuschauer könnte man schreiend vor dem Fernseher sitzen, mit Popcorn werfen und rufen „Nimm den Colonel, Marianne. Den Coloneeeel!“ Womit ich bei diesem und anderen Stoffen der Austen-Ära weniger klarkomme ist wie stark kleine Missverständnisse und unausgesprochene Wahrheiten zu großen, emotionalen Katastrophen führen. Dabei schwanke ich persönlich als Zuschauer immer zwischen „Ist dem echten Leben gar nicht so unähnlich“ und „Leute, redet doch miteinander und dann wäre das alles gar nicht passiert“. Und ich habe mich bis heute noch nicht entschieden wie realistisch diese dramatischen Noten sind. Das muss wahrscheinlich jeder für sich entscheiden.

Sinn und Sinnlichkeit (OT: Sense and Sensibility), USA/UK, 1995, Ang Lee, 136min, (8/10)

Sternchen-8

Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall

Galaxy Quest schafft es perfekt sowohl Satire als auch Lobeshymne auf Science-Fiction-Formate wie Star Trek zu sein – ein Spagat der nur sehr selten gelingt. Der Film beginnt mit der Prämisse, dass die Schauspieler der längst beendeten Serie Galaxy Quest auf Messen und Fan-Conventions auftreten. Jason Nesmith (Tim Allen), der einst den Commander des Raumschiffs spielte, kann die guten alten Zeiten nicht loslassen und meldet die ehemalige Crew gerne für mittelmäßig-interesssante, aber wenigstens ein bisschen lukrative Veranstaltungen an. Alexander Dane (Alan Rickman) spielte einst das außerirdische, Spock-ähnliche Crewmitglied, Dr. Lazarus. Der hat den Zirkus längst satt und möchte als Schauspieler auch noch für andere Rollen wahrgenommen und geehrt werden. Sigourney Weaver bekleidet die Rolle als Gwen DeMarco bzw. „Lt. Tawny Madison“, die Quotenfrau der TV-Besatzung, die sich dessen auch sehr bewusst ist. Und das sind nur drei der Mitglieder. Eines Tages aber kommt eine Gruppe auf sie zu, die sich selbst Thermianer nennen und sagen, dass sie ihre Hilfe brauchen. Anfangs denken sie, dass die Leute einfach nur Fans sind. Als sie dann aber auf ihr Schiff teleportiert werden und einen intergalaktischen Feind bezwingen sollen, wirkt alles mehr als real. Das Problem: die Thermianer haben nicht verstanden, dass Galaxy Quest rein fiktional war und die Crew-Mitglieder Schauspieler sind.

Während der Film anfangs ein Abgesang auf die Zeit nach den populären Serien ist, finden nach und nach alle zu ihren Rollen zurück und fühlen sich darin gar nicht mal so unwohl. Aus der Karikatur wird eine kleine (Anti-)Heldengeschichte, die vermittelt, was das grandiose an Serien wie Star Trek trotz ihrer Formelhaftigkeit ist: das Vermitteln von Moral, Teamgefühl und das schlaue Köpfe viel erreichen können. Die Gagdichte ist enorm, bedient sich eines feinen schwarzen, selbstironischen Humors und nimmt sich selber nicht zu ernst. Die Handlung ist mit Absicht so gestrickt wie manche Fernsehepisode und nimmt die eigene Vorhersehbarkeit aufs Korn. Kann man aber mit den parodierten Vorlagen nichts anfangen, wird man auch die Witze nicht ganz nachvollziehen können. Auch die Darstellung der Thermianer gleitet etwas zu stark in den Trash ab, obwohl der Film noch lange ein Paradebeispiel für gute Satire sein wird.

Galaxy Quest – Planlos durchs Weltall (OT: Galaxy Quest), USA, 1999, Dean Parisot, 102min, (7/10)

Sternchen-7

Ein Werk Gottes

Der HBO-Film Ein Werk Gottes erzählt die Geschichte von Vivien Thomas (Mos Def) und Dr. Alfred Blalock (Alan Rickman), die sich 1930 begegnen und das Leben des jeweils anderen verändern. Thomas ist schwarz und spart sich mühselig das Geld für ein Medizinstudium zusammen. Blalock arbeitet in einem Forschungsinstitut in Nashville an der Vorbeugung und Heilung von Wundschock. Thomas beginnt im Labor als Reinigungskraft zu arbeiten, als Blalock sein Interesse an Medizin bemerkt und dass er sich schon einiges an Fachwissen und Gespür angeeignet hat. Bald wird Thomas als Laborassistent und später als Leiter arbeiten, aber nie das Geld für ein Medizinstudium zusammenbekommen. Selbst dann nicht, als er neben Blalock an der Heilung des Blue-Baby-Syndroms beteiligt ist. Der Film erzählt einfühlsam die Geschichte von Vivien Thomas, der in einer Zeit groß wurde, in der Schwarze noch im hinteren Abteil eines Busses sitzen mussten und es getrennte Toiletten für Schwarze und Weiße gab. Als Blalock und Thomas umziehen, um im Johns Hopkins Institut in Baltimore zu forschen, wird Thomas trotz seiner Expertise dazu augefordert das Gebäude durch den Hintereingang zu betreten, so wie alle anderen Schwarzen, die dort vorrangig als Hausmeister und Reinigungskräfte arbeiten. Die Rassentrennung schockiert, obwohl man seit 12 Years a Slave jede Menge schlimmes in den Filmen gesehen oder in den Büchern gelesen hat, das fassungslos macht. Der Grund warum Ein Werk Gottes so berührt ist, weil der Film die Jahre von 1930 bis etwa 1964 zeigt. Die Gebäude und Klamotten sind nicht gerade altertümlich – es spielt in einer Zeit, die gefühlt nicht weit weg von unserer ist. Aber trotzdem werden die Schwarzen in das Muster niederer Menschen gepresst und von allen Chancen ausgeschlossen. Eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Der Titel des Films ist ein Zitat Blalocks über Thomas einwandfreies Können. Die Operation die Thomas durchzieht, sieht für Blalock so gut aus, als wäre es ein Werk Gottes. Eine Anspielung, die die Rassentrennung umso unsinniger und falsch erscheinen lässt, denn sind vor Gott nicht alle gleich? Etwas das die priviligierten Weißen scheinbar vergessen haben. Es ist schwer zu verstehen, dass Blalock nur so wenig an Thomas‘ Situation ändert, aber schafft auch Verständnis dafür, dass Blalock eben in eine Welt geboren wurde für die sein Verhalten gegenüber Thomas schon aus der Rolle fällt. Das Wissen, dass der Film auf wahren Begebenheiten beruht und es Blalock und Thomas wirklich gab, macht die Geschichte noch bitterer, aufrüttelnder und rührender. Abgesehen davon krankt die Machart des Films etwas aufgrund der üblichen Probleme unter denen Fernsehfilme leiden. Medizinische Details und Geräte werden nicht erklärt, weshalb es manchmal schwerfällt die Launen und Ausraster Blalocks nachzuvollziehen. Schnitte sind zu abrupt, nehmen zuviel von der Geschichte weg und manche Dialoge sind einfach, vorhersehbar, charakterarm und schwach geschrieben. Bei dem wirklich guten Cast wäre mehr drin gewesen, was der Botschaft des Films aber keinen Abbruch tut.

Ein Werk Gottes (OT: Something the Lord Made), USA, 2004, Joseph Sargent, 110min, (8/10)

Sternchen-8

Der Geschmack von Schnee (OT: Snow Cake)

Der frisch aus dem Gefängnis entlassene Alex (Alan Rickman) wird in einen Verkehrsunfall verwickelt. Bei ihm war die quirlige Vivienne (Emily Hampshire), die eine Mitfahrgelegenheit suchte und infolge des Unfalls noch an der Unglücksstelle stirbt. Alex ist schwer getroffen, obwohl er nicht Schuld an dem Zusammenstoß war. Er findet keine Ruhe und möchte der Mutter des Mädchens sein Beileid ausdrücken. Die Begegnung läuft aber anders als erwartet. Er rechnet mit Tränen, mit Wut, mit Trauer – aber Linda (Sigourney Weaver) wirkt fast unbeeindruckt und neutral, verhält sich ihm gegenüber abweisend, lässt ihn aber ohne viel zu hinterfragen in ihre Wohnung, ist gleichzeitig aber fahrig und nervös bei jedem noch so kleinen Eindringen in ihre Routine. Insbesondere das scheint sie mehr aus der Fassung zu bringen als der Tod ihrer Tochter. Es dauert ein bisschen, aber dann fällt der Groschen: sie ist Autistin. Da sie es ablehnt den Müll selber rauszuschaffen, bittet – nein beschließt sie, dass Alex bleiben muss. Und er tut es, denn er weiß sich nicht anders zu helfen. Ein paar Tage, die sein Leben verändern.

Snow Cake oder auch Der Geschmack von Schnee, so der deutsche Titel, ist ein stilles Drama um persönliche Schicksale und Menschen, die ein bisschen anders sind als andere. Klar: wer einen Actionfilm erwartet, ist hier fehl am Platz. Man muss ein bisschen Arthouse im Blut haben, um die angenehme Langsamkeit des Films zu genießen. Es ist eine Art heilender Seelen-Striptease den sich Alan Rickman als Alex unterzieht, wenn er sich die Offenbarung, warum er im Gefängnis saß, lange aufspart. Gleichzeitig nimmt der Film gekonnt, aber nicht zu offensiv oder verletzend, die Vorstadt-Meinungsmache aufs Korn und bietet einen Einblick in die ganz eigene Verletzlichkeit und das Seelenleben von Autisten. Dem Film gelingt es außerdem gekonnt schwarzen, ironischen Humor an den Tag zu legen. Eine Paraderolle für Alan Rickman, der hier sein ganzes Können zeigen kann. Ein wunderbares Stückchen Film mit einem wunderbaren Alan Rickman und einer Sigourney Weaver, die als Autistin Alex und die Zuschauer nicht nur einmal entwaffnet. Und obwohl die Tragikomödie schwer beginnt und einen nach unten mitzuziehen scheint, endet es leicht wie Schnee. Dazlious.

Der Geschmack von Schnee (OT: Snow Cake), UK/Kanada, 2006, Marc Evans, 112min, (9/10)

Sternchen-9

Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street

Johnny Depp mimt Benjamin Barker, der glücklich mit seiner Frau und kleinen Tochter im viktorianischen London lebt. Der einflussreiche Richter Turpin (Alan Rickman) hat es aber auf Barkers Frau abgesehen, verunglimpft ihn und nimmt Frau und Kind bei sich auf, nachdem Barker angeklagt und weggesperrt wird. Barker kommt 15 Jahre später frei und kehrt zurück in seine Heimat, die Fleet Street. Nur um anschließend festzustellen, dass seine Frau als verschwunden gilt und seine Tochter noch immer in der Obhut Turpins ist. Von Rache getrieben nimmt er den Namen Sweeney Todd an und will Turpin den Garaus machen. Als Barbier arbeitet er in der Fleet Street über Mrs Lovetts (Helena Bonham Carter) Pastetenbäckerei. Beide werden ein teuflisches Gespann als Barker beschließt das Rasiermesser an die Kehle der Kunden anzusetzen, die Unrechtes getan haben und die anschließend in Mrs Lovetts Küche landen. In der stillen Hoffnung, dass Turpin den Weg auf seinen Stuhl findet.

Sweeney Todd ist die Verfilmung des Broadway-Musicals von Stephen Sondheim. Niemand geringeres als der Meister des morbiden Humors, Tim Burton, führte Regie bei dem blutigen Spektakel, das einige aus Kehlen spritzende Blutfontänen zu bieten hat. Morbiden Humor muss man abkönnen, genauso wie wenn im Film gesungen wird, ansonsten lieber die Finger vom Film lassen. Schließlich ist es ein Horror-Musical. Wunderbar sind die Szenen in denen Turpin (Alan Rickman – großartig!) und Sweeney Todd, der noch unenttarnt ist, zusammen über Pretty Women singen und der Zuschauer immer darauf lauert, dass Todd jeden Moment die Rasierklinge niedersausen lässt. Es gibt einige unvergessene Szenen aus dem atmosphärischen, morbiden Spaß, genauso wie unvergessene Lieder. Beispielsweise wenn Helena Bonham Carter als Mrs Lovett von einem netten Leben zusammen mit Mr Todd träumt – By the Sea. Und Johnny Depp/Todd dabei herrlich kalt und unnahbar lieber seiner Rache frönt und plant. Tim Burton verbindet verschiedenste Motive mit Gothic-Look und schafft ein insgesamt stimmiges Werk, das sich leider in zuviele kleine Nebenhandlungen verliert, die das Gesamtbild zu zäh und langatmig machen. Aber für Fans von morbide-düster-schwarzhumoriger Stimmung ein großer, blutiger Spaß.

Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street (OT: Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street), USA, 2007, Tim Burton, 116min, (7/10)

Sternchen-7

Harry Potter und der Halbblutprinz

Nach den Geschehnissen im Zaubereiministerium kann es nicht mehr geleugnet werden: „Der, dessen Name nicht genannt werden darf“ ist wieder da. Voldemort. Nicht nur diese Meldung ziert die Titelblätter der Zeitungen. Es sind auch alle Augen auf den Auserwählten gerichtet, den der Voldemorts Angriff einst überlebt hat – Harry Potter (Daniel Radcliffe). Voldemorts Anhänger, die Todesser, sind unterwegs und bringen Brücken zum Einsturz, attackieren Vertraute von Dumbledore und ganz Hogwarts. Selbst die Muggel spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die Zeichen stehen auf Sturm. Das neue Schuljahr beginnt trotzdem und alle sind in Aufruhr. Hogwarts ist von einem undurchdringbaren unsichtbaren Wall umgeben, um die Schüler zu schützen. Dumbledore weiht Harry in den Plan ein, herauszufinden wie man Voldemort stoppen kann. Es gibt ein Geheimnis, dass Voldemort seit seiner Zeit als Schüler in Hogwarts mit sich herumschleppt und ihm gefährlich werden kann. Das Geheimnis seiner Macht. Und der neue Lehrer Horace Slughorn (Jim Broadbent) kann ihnen dabei helfen, zumindest wenn man sein Ego tätschelt. Neben diesem Geheimauftrag schlagen sich Harry, Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson) weiter durch den Schulalltag und schwierige Themen wie die erste Liebe.

Bei der Verfilmung der Harry-Potter-Bücher war der richtige Mittelweg immer schwierig – eine kleine Abweichung konnte alles schnell etwas ungewollt komisch machen wie den Feuerkelch oder zu düster und abgründig. David Yates gelingt dieser Mittelweg in Harry Potter und der Halbblutprinz ziemlich gut, wobei das wie immer Geschmackssache ist. Bücher und Filme behandeln hinter dem Deckmantel der Zauberei ernste Themen und sind mit ihrer Leserschaft erwachsener geworden. Tod. Mord. Hilflosigkeit. Es wird etwas dunkler in der Welt von Harry Potter, spätestens seit Voldemort omnipräsent ist. Und dann gibt es da auch noch das Aufwachsen, Freundschaft, erste Liebe, wie man am besten unbemerkt den Unterricht schwänzt … die Motive der Schulzeit, an die wir uns alle gern erinnern. Obwohl der Film sowohl das düstere und gefährliche gekonnt abbildet und unseren Helden PLatz für ihre Entwicklung und kleinen großen Dramen einräumt, bluten die Ränder der Erzählung wegen des vielen Inhalts etwas aus. Der Halbblutprinz kommt zu kurz, genauso wie viele Nebenhandlungen, die mit mehr Mut zur Lücke vielleicht besser bewältigt wären. Nichtsdestotrotz ist der Film einer der besseren aus der achtteiligen Filmreihe um Hogwarts, Muggel und Auserwählte.

Harry Potter und der Halbblutprinz (OT: Harry Potter and the Half-Blood Prince), USA/UK, 2009, David Yates, 147min, (8/10)

Sternchen-8

In den letzten Wochen konnte man überall Listen mit den 5|7|10 besten Rollen Alan Rickmans im www finden. Wenn die durchnummeriert waren und seine Inkarnation des Professor Snape an erster Stelle stand, war ich meistens etwas resigniert, schließlich sind das die Filme, in denen er zwar sicherlich einen vielschichtigen Charakter verkörpert hat, aber auch konsequent viel zu wenig screen-time hatte. Dass er die erste Wahl J.K. Rowlings für den wichtigen Charakter war ist allerdings schon großartig, ebenso wie sehr er selber die Bücher liebte. Ein Zitate von ihm hat nicht nur Harry-Potter-Fans zu Tränen gerührt:

„When I’m 80 years old and sitting in my rocking chair, I’ll be reading Harry Potter. And my family will say to me, ‚After all this time?‘ and I will say, ‚Always.'“

Alleine deswegen haben die Harry Potter-Filme eine unbestreitbare Relevanz, wenn es um Alan Rickmans Lebenswerk geht. Zu den Filmen für die er abseits des Franchise berühmt ist, zählen wohl vorrangig ‚Robin Hood‘ und ‚Stirb Langsam‘. Zwei Archteypen des Bösewichts, weswegen ich mich hier nur für einen der beiden Filme entschieden habe. Das Typecasting des Alan Rickman ist aber so vielseitig, dass es schon kein typecasting mehr ist. Seine ironisch-sarkastische Seite haben wir oft gesehen, zum Beispiel in ‚Galaxy Quest‘, ‚Dogma‘ und ‚Tatsächlich … Liebe‚. Die harten Filmfans kennen ihn vorrangig für seine nuancierten Darstellungen in dramatischen Rollen wie beispielsweise in ‚Der Geschmack von Schnee‘. Aber es gibt noch eine Menge mehr Must-Sees, so zum Beispiel die Verfilmung des Patrick-Süskind-Romans ‚Das Parfum‘ oder bemerkenswerte kleinere Produktionen wie ‚Ein Werk Gottes‘. Ich selber habe auf meiner To-Do-Liste u.a. auch noch ‚Rasputhin‘ stehen, der wohl nicht so leicht zu bekommen ist. Was ist euer Lieblingsfilm mit Alan Rickman? Welchen muss man unbedingt noch gesehen haben? Was bringt ihr mit Alan Rickman in Verbindung?

„7ème art“ (Sprich: septième art) heißt „siebte Kunst“. Gemäß der Klassifikation der Künste handelt es sich hierbei um das Kino. In dieser Kategorie meines Blogs widme ich mich also Filmen zu meinem bestimmten Thema – eine Mini-Werkschau. Regulär stelle ich zwischen dem 1. und 5. jeden Monats jeweils 7 Filme in kurzen Reviews vor.