Netzgeflüster: Frauen der Informatik III – Hedy Lamarr

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Nach dem kurzen Intermezzo des letzten Monats geht es heute weiter mit der Reihe über Frauen, die im Bereich IT was bewegt haben. Heute geht es dabei um Hedy Lamarr, eine gefeierte Schauspielerin, Jüdin, ein Sexsymbol und eine Erfinderin.

Hedy Lamarr kam 1914 als Hedwig Eva Maria Kiesler in Österreich-Ungarn zur Welt. Sie war Jüdin, genoss eine gute Schulbildung und stieg in das Schauspielgeschäft ein, in dem sie sehr schnell erfolgreich wurde und berühmt-berüchtigt. In dem 1933 erschienenen Film Symphonie der Liebe (auch unter dem Titel Ekstase bekannt), hatte sie eine der damals längsten Nacktszenen in einem gewöhnlichen Spielfilm. Wegen der Darstellung eines Orgasmus wurde der Film sogar in Nazi-Deutschland verboten. Hedwig heiratete den Industriellen Fritz Mandl, war aber nicht glücklich mit ihm. Sie litt unter seiner herrschsüchtigen Art und Bevormundung. Mandl hat ihr beispielsweise das Schauspielern verboten, zwang sie dazu den katholischen Glauben anzunehmen und sperrte sie regelrecht zuhause ein. Außerdem schloss Mandl Geschäfte mit Deutschland ab, dass zu der Zeit unter nationalsozialistischer Diktatur stand. Ein Schlag ins Gesicht für seine Frau, die im Herzen Jüdin war. Hedwig verließ Mandl, ging ins Ausland, wurde entdeckt und von MGM unter Vertrag genommen. Mit ihrem Neustart in den USA nahm sie den Namen Hedy Lamarr an.

Lamarr wurde als Schönste Frau der Welt vermarktet und als die neue Greta Garbo oder Marlene Dietrich. Ihr Ruf war mehr der eines Sexsymbols und einer Modeikone. Ihre brünette Haarfarbe und ihr Modegeschmack wurden flächendeckende Trends. Die Rollen, die Lamarr spielte, waren meistens wenig anspruchsvoll. Oftmals spielte sie eine schöne Frau und schlicht das Beiwerk eines Mannes im Film. Der größte kommerzielle Erfolg in ihrer Filmografie ist Samson und Delilah aus dem Jahr 1949, ein Monumentalfilm von Cecil B. DeMille. Ihre Haltung wird als phlegmatisch und wenig motiviert beschrieben, vorrangig wegen den wenig fordernden Rollen, die sie spielte. Nebenbei versuchte sie sich als Erfinderin und kompensierte damit die wenig befriedigenden Angebote als Schauspielerin bis sie 1958 ihren letzten Film drehte.

Zu ihren Erfindungen gehörten beispielsweise eine optimierte Ampel-Anlage und eine in Wasser lösliche Tablette als Instant-Soft-Drink. Das wahrscheinlich größte Projekt ist das Frequency Hopping Spread Spectrum (FHSS)-Verfahren, dass sie zusammen mit dem Komponisten George Antheil entwickelte. FHSS besagt, dass sich Frequenzen während der Datenübertragung selbsttätig wechseln bzw. zwischen verschiedenen Frequenzen gesprungen wird – daher der Name Frequency Hopping. Ursprünglich hatten sie und Antheil es entwickelt um das Spiel von 16 Pianolas gegenseitig und mit einem Film zu synchronisieren. Als bekennende Gegnerin des Nationalsozialismus bemerkte sie die Relevanz der Technik für das Militär. Durch das Verfahren wären Daten der Funktechnik schwer bis gar nicht anpeilbar und robust gegen Manipulation und Störung. Lamarr und Antheil sahen als Einsatzgebiet die Fernsteuerung von Torpedos. Sie reichten das Patent ein, aber es wurde nicht genutzt bis es schließlich ablief. Später wurde das Prinzip des FHSS für Datenübertragung via Bluetooth wiederentdeckt und angewendet. Tatsächlich trägt also jeder Smartphone-Besitzer Hedy Lamarrs Lebenswerk als Erfinderin mit sich in der Tasche herum.

Lamarr war später zunehmend enttäuscht von ihrer Karriere als Schauspielerin und dass man sie wie eine heiße Kartoffel fallen ließ. Es heißt sie war tablettenabhängig und hatte zahlreiche Affären. Es lag sogar eine Anklage wegen Ladendiebstahls gegen sie vor. Familiäre Probleme und zahlreiche Justiz-Streitereien lassen ihr späteres Leben zerfasert wirken. Sie lebte in ihren letzten Jahren zurückgezogen und verstarb schließlich 2000. Vergessen wurde sie aber nicht: lange nach ihrer turbulenten und kurzen Karriere als Schauspielerin ist sie noch heute aufgrund des FHSS als Erfinderin bekannt. Die Schauspielerin Anne Hathaway gab an, dass ihre Darstellung von Catwoman im Film The Dark Knight Rises an Lamarr angelehnt war.

Zum nachlesen/Quellen:

Wikipedia (de)
Wikipedia (en)
Hedy Lamarrs IMDB-Profil
Die Welt: Hedy Lamarr – Glanz, Amphetamin, Nymphomanie

Zu den bisherigen Artikeln

Ankündigung
Teil I : Ada Lovelace
Teil II: Grace Hopper

Obwohl ich ein Riesen-Filmfan bin und das hier zu großen Teilen ein Filmblog ist, war mir Hedy Lamarr als Schauspielerin gar nicht bekannt, sondern als Erfinderin. Während meines Studiums habe ich das Thema Frequenzspreizung kennengelernt und da insbesondere das FHSS. Was ich bei meiner Recherche quasi gar nicht ergründen konnte war aber, woher Lamarr ihr Fachwissen hatte und wie es dazu kam, dass sie sich gerade in diesen Gebieten als Erfinderin betätigte. Das würde mich sehr interessieren. Wissen die Leser vielleicht mehr dazu? Kanntet ihr Hedy Lamarr? Und wenn ja: zuerst als Schauspielerin oder als Erfinderin?

Netzgeflüster ist eine Kategorie meines Blogs in der ich mich immer zwischen dem 10. und 15. eines jedes Monats Themen rund um IT, Forschung, Netzwelt, Internet und eben auch Gerüchten widme. 🙂