Netzgeflüster: Frauen der Informatik IV – Marissa Mayer

Posted by in Informatik, Netzgeflüster

Nachdem wir in den letzten drei Ausgaben in die Vergangenheit geschaut haben, wird es höchste Zeit eine IT-Pionierin der heutigen Zeit vorzustellen. Undzwar eine, die unbestritten mit Vorurteilen über Informatiker und weibliche ITlerinnen aufräumt und aktuell keine leichte Aufgabe hat. Heute geht es um Yahoo-CEO und ehemalige Vice Präsidentin von Google Inc.: Marissa Mayer.

Marissa Ann Mayer wurde am 30. Mai 1975 in Wisconsin, USA geboren. Sie wird als schüchternes Kind beschrieben und ihre Hobbys waren Klavier spielen und Ballett. In der Schulzeit war sie in vielen Fächern hervorragend, v.A. den naturwissenschaftlichen Disziplinen wie Biologie, Chemie und Physik. Das Interesse reichte soweit, dass sie ein Medizinstudium an der Stanford University begann. Ihr anfängliches Fachgebiet waren die Neurowissenschaften, die sie schließlich an das Gebiet der Symbolic systems heranführten. Eine Forschungsrichtung, die kognitive Prozesse behandelt und mehrere wissenschaftliche Disziplinen vereint, u.a. Informatik, Linguistik und Psychologie. Und von da war es nur ein Katzensprung bis zu Themen wie Künstliche Intelligenz, die Marissa Mayer bis ans Ende ihres Studiums begleiteten und über die sie letztendlich ihre Abschlussarbeit schrieb. Sie hält sogar einige Patente aus dem Bereich KI.

So kann einen das Medizinstudium an die Programmierung heranführen. Teil einer ihrer Abschlussarbeiten war ein Reiseportal, dass Vorschläge in menschlich-klingender Sprache unterbreitet. Jeder von uns kennt wahrscheinlich die Sorte computergenerierte Ansagen, die hingegen nicht besonders menschlich klingen. Sie absolvierte u.a. ein Praktikum im SRI (Stanford Research Institut) und arbeitete auch im UBS Forschungslabor in Zürich (Forschungszentrum einer Schweizer Großbank). Im Jahr 1999 begann Mayer bei Google zu arbeiten – als 20. Mitarbeiterin überhaupt, aber als erste Ingenieurin. Sie war etwas mehr als 20 Jahre im Unternehmen und begann als Programmiererin, betreute später die Produktentwicklung, insbesondere die Google Suche, wurde eine Zeit lang als das öffentliche Gesicht von Google bezeichnet und war zuletzt Vice President. Sie war zuständig für u.a. Google Search, Google Maps, und Gmail, um nur einige Dienste zu nennen. Steile Karriere. Im Jahr 2008 kürte sie das Fortune-Magazin zu den 50 mächtigsten Frauen der Welt. Auf der Liste war sie damals die Jüngste. Nur ein Jahr später setzte Newsweek eins drauf und ernannte sie zu einer der 10 Tech Leaders of the future. Das ehemalige Gesicht von Google hat sich aber viel dummes Zeug anhören müssen. Unter anderem den Vorwurf das Gesicht des Konzerns zu sein, weil es gut aussieht, wenn man eine Frau in dieser Rolle hat und Diversität vorlebt. Informatik wird noch heute als Männerdomäne gesehen und in einem Interview ließ Mayer durchschimmern wie schwer es ist als Frau in der Branche ernst genommen zu werden.

„I refuse to be stereotyped,“ she told The New York Times in 2009. „I think it’s very comforting for people to put me in a box. ‚Oh, she’s a fluffy girlie girl who likes clothes and cupcakes. Oh, but wait, she is spending her weekends doing hardware electronics.‘ “ Source: cnn.com

Dann die rasanten Veränderungen: 2012 wurde Marissa Mayer CEO des ehemaligen Suchmaschinen-Giganten Yahoo! Der Konzern war einst ein Vorreiter, verpasste es aber sich weiterzuentwickeln und war auf dem absteigenden Ast. Mayer sollte das Ruder wieder rumreißen und hat tatsächlich für einen Aufschwung gesorgt. Und auch für Aufruhr, u.a. weil sie erstmal einkaufen ging und große, populäre Dienste wie tumblr aufkaufte. Übrigens für 1.1 Billionen US-Dollar. Kurz nach Verkündung der Neuigkeit, dass sie neuer CEO von Yahoo! sein wird, wurde auch bekannt, dass sie schwanger ist. Nach der Geburt ihres Sohnes war sie in Rekordzeit wieder auf Arbeit und ließ eine Kinderkrippe in der Nähe ihres Büros errichten. Offensichtlich muss man aber trotz allem manchmal auch weghören können …

Marissa Mayers Job ist kein einfacher. Wie soll man einen schwerfälligen Tanker wie Yahoo! retten? Ihre Entscheidungen sind umstritten und ziehen insbesondere im Moment die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich. Ihre Aufforderung zu Beginn ihrer Tätigkeit als CEO an die Mitarbeiter ihre Arbeit vom Home-Office wieder ins Büro zu verlegen, dürfte für Unmut gesorgt haben. Noch mehr aber die angeblichen Entlassungen ohne Einhaltung der gesetzlich vorgeschriebenen Kündigungsfrist bis hin zu Einsparungen und den Entlassungen an sich. Soviel sei gesagt: ich möchte nicht in ihrer Haut stecken. Viel Verantwortung, die gestemmt werden will. Dazu kommen Vorwürfe wie der, dass sie zu Beginn ihrer Karriere den Gründer von Google gedated hat. Muss das zwangsläufig so laufen, wenn man als Frau in einer Männerdomäne arbeitet?

Zum nachlesen/Quellen:

Wikipedia (en)
Wikipedia (de)
Handelsblatt.com
biography.com
cnn.com

Zu den bisherigen Artikeln

Ankündigung
Teil I: Ada Lovelace
Teil II: Grace Hopper
Teil III: Hedy Lamarr

Ich weiß nicht, ob ich alles gut finde, was Marissa Mayer macht. Aber ihre Zwickmühle ist offensichtlich, denke ich. Davon mal abgesehen, was sie für Entscheidungen trifft, bin ich froh eine an der Spitze der IT-Branche zu sehen, die Familie und Geschäft scheinbar irgendwie vereinen kann. (Wie macht sie das nur?) Darüber hinaus zerschlägt sie Vorurteile über Frauen, die in der IT beschäftigt sind. Sie hat lange getanzt und wirkt nicht wie das klassische Bild des Kellerkindes. Kanntet ihr Marissa Mayer bereits zuvor? Und vor ihrer Zeit als CEO von Yahoo? Wie bewertet ihr ihre jüngsten Entscheidungen und Bemühungen Yahoo! unter den Hammer zu bringen?

Netzgeflüster ist eine Kategorie meines Blogs in der ich mich immer zwischen dem 10. und 15. eines jedes Monats Themen rund um IT, Forschung, Netzwelt, Internet und eben auch Gerüchten widme. 🙂