Reise, Reise: London Teil I – Tipps zur Fortbewegung, Baker Street, London Eye, T.A.R.D.I.S., …

Posted by in Reise

Ach wie oft habe ich bei Bloggerkollegen gelesen, dass sie übers verlängerte Wochenende für einen Theaterbesuch, Shopping und ein bisschen Sightseeing nach London rüberfliegen. Will auch! Aber so ganz passt das meistens nicht rein, die Mitfahrer finden sich nicht und dann ist da noch der Geiz … . Oh weh. Ich liebe zig britische Serien und höre viel Musik von der Insel, nenne mich Großbritannien-Fan und war bisher nur einmal dort. Menno. Und das zählt eigentlich nicht mal. Da waren wir in der Schule für eine Woche Sprachaustausch in Großbritannien und wurden mit dem Bus durch London, Brighton, etc. gekarrt und haben das wichtigste nur durch die Scheibe gesehen. Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Auf nach London! Auch wenn wahrscheinlich jeder von euch schon fünf Mal da war, schreibe ich meinen zweiteiligen Reisebericht so als ob der potentielle Leser noch nicht weiß wie man sich durch das U-Bahn-Netz navigiert 😉 Und natürlich immer aus Sicht des Serien- und Filmfans. Was sonst?

Anreise und Fortbewegung in London

Weh mir … ich hatte gehofft einen günstigen Flug zu ergattern, der am Flughafen London Heathrow landet. Der große Vorteil wäre gewesen, dass man mit der U-Bahn (liebevoll Tube genannt) direkt von dort ins Zentrum fahren könnte. Nun sollte unser Flug aber nach London Gatwick gehen. Gatwick? Noch nie von dem Flughafen gehört. Der Schock saß: ca. eine Stunde mit dem Auto vom Zentrum entfernt. Taxi nehmen: viel zu teuer. Aber ein bisschen Recherche und Planung verrät: es fährt alle 30 Minuten der Gatwick Express zwischen dem Gatwick Airport und bspw. der Victoria Station im Zentrum Londons. Und von dort aus kommt man dann wirklich überall hin. Am Flughafen bekommt man dann sowohl Tickets für den Gatwick Express als auch die Oyster Card.

Die sind gut drauf, die Londoner. Ich mag die Tube!

Die sind gut drauf, die Londoner. Ich mag die Tube!

Transport for London (TfL), die staatliche Organisation die das Verkehrssystem koordiniert, hat wirklich für alles gesorgt. Nicht nur, dass das Londoner U-Bahn-System übersichtlich ist, selbst in den kleinen U-Bahn-Stationen findet man auch meistens jemanden, den man was fragen kann. Such das mal in deutschen Großstädten. Und preislich kommt man da auch verhältnismäßig gut weg, beispielsweise mit der Oyster Card. Das ist sowas wie eine Pre-Paid-Karte, die man mit Guthaben aufladen kann. Betritt man nämlich eine U-Bahn-Station, muss man am Drehkreuz einchecken und beim Verlassen auch wieder auschecken. Dadurch wird automatisch der Preis berechnet. Wo ist man eingestiegen? Wo ausgestiegen? Wieviele Zonen ist man gefahren? Dabei wird von der Oyster Card nicht mehr abgebucht als ein normales Tagesticket kosten würde (rund 6 £ in den Zonen 1-2 im Zentrum). Hat man diesen Betrag erreicht, kann man einfach für lau weiterfahren – eben so als ob man ein Tagesticket hätte. Die Karte kann an Automaten aufgeladen werden und an eben diesen kann man sich den Restbetrag auch wieder auszahlen lassen. Allerdings nur, wenn der Betrag kleiner als 10 £ ist. Ansonsten hilft der Infostand in den größeren U-Bahn-Stationen weiter. Aber unbedingt dort nach der Auszahlung fragen, nicht erst am Flughafen.

Es ist nicht besonders schwierig sich mit der U-Bahn in London zurechtzufinden. Das U-Bahn-System wird über Linien koordiniert, denen ein Name und auch eine Farbe zugeordnet ist und die man daher leicht auf den Plänen erkennt. TfL ist da auch ziemlich konsequent – es gibt keine verwaisten Stationen wie hier auf denen man sich gruseln muss oder keine Übersichten findet. Letztendlich muss man nicht viel wissen, um mit der U-Bahn zu fahren. Um zu wissen wo man überhaupt hin muss hilft ein Stadtplan und ein U-Bahn-Netzplan, um herauszubekommen, welche Linie fährt überhaupt dort hin. Damit man auch in die richtige Richtung fährt, sollte man entweder wissen in welche Himmelsrichtung es geht (eastbound, westbound, etc.) oder die Endhaltestelle kennen. In den U-Bahn-Stationen hängen aber soviele übersichtliche Streckenpläne, dass auch das nicht schwierig und direkt im Vorbeigehen herauszufinden ist.

Earls Court und der Hyde Park

Yay! Gut angekommen, Oyster Card in der Tasche, Hotel suchen und dann kanns losgehen! Unser Hotel lag in Earls Court, einem Stadtteil am Rand der Innenstadt. Und der Name gibt schon einen Hinweis darauf, dass hier früher mal Earls gelebt haben. Manche Straßenzüge sehen regelrecht wohlhabend aus – heute sind viele kleine Hotels verschiedenster Qualität darin zu finden. Die imposanten Hauseingänge sind geblieben. Nicht hinter allen Pforten geht es aber so toll weiter 😉 Earls Court ist in der Geschichte irgendwann ärmer geworden und auch das sieht man den Straßenzügen an. Heute ist es ein belebter Stadtteil, mit zahlreichen kleinen Gaststätten, Shops und Pubs. Ich mochte es hier sehr. V.A. die Londoner Vielfalt. Libanese neben Italiener neben Sushibar – tolle Mischung. Und ab 20 Uhr stehen schon gerne mal an irgendeiner Szene-Pizzeria die Leute bis auf die Straße und warten auf einen Platz. Trotzdem gibt es hier nicht diesen überkandidelten Großstadtschick, es wirkt etwas gemütlicher. Dabei fährt man nur 10 Minuten mit der Tube bis man an den großen Sehenswürdigkeiten angekommen ist. Und das beste ist: Earls Court hat eine T.A.R.D.I.S.. 🙂

Der ganze Touri-Kram

IMG_20160523_143609

Nach der Anreise und dem Entdecken von Earls Court (und Pläne schmieden wo man überall essen gehen will), war nicht mehr viel Zeit am Anreisetag. Aber ein bisschen an die frische Luft. Undzwar in eine der grünen Lungen, den Hyde Park. Sowohl bei dem als auch bei späteren Besuchen von Parkanlagen fiel mir auf wieviele Tiere man hier findet, die ohne große Einschränkungen überall frei rumlaufen und King im Dschungel sind. Ganze Entenfamilien unterschiedlichster Couleur waren unterwegs und haben mit ihren frisch geschlüpften den Niedlichkeitsfaktor arg angehoben. :3

Am nächsten Tag sollte dann frisch gestärkt das Touri-Spektakel losgehen. Bei herrlich trübem und teilweise verregneten Wetter ging’s los. Übrigens hat statistisch gesehen London genauso viele Regentage im Sommer wie Paris. Nur mal so um den Gerüchten über britisches Wetter entgegen zu wirken … . Unser Ziel: das London Eye. Und bei der Gelegenheit natürlich in Westminster aussteigen, den Elizabeth Tower, das Parlament und Westminster Abbey bewundern. Übrigens: Elizabeth Tower und Big Ben werden oft verwechselt. Big Ben ist eigentlich der Name der Glocke in dem berühmten Glockenturm. Der Turm selber wurde tatsächlich bis vor ein paar Jahren einfach clock tower genannt. Im Jahr 2012 wurde er allerdings in Elizabeth Tower umbenannt.

Nachdem wir staunten, starrten, Fotos machten und uns über den charakteristischen Glockenschlag des Big Ben freuten wie kleine Kinder, gings zum London Eye genannten Riesenrad am anderen Themse-Ufer. Da wir dort am Einlass großen Andrang erwarteten, hatten wir vorher Tickets gesichert, die an das Datum gebunden waren. Wir mussten also bei dem trüben Wetter und hätten es nicht auf Morgen verschieben können. Allerdings haben wir uns mehr als einmal gefragt, ob es wirklich notwendig gewesen wäre das Ticket zu kaufen. Wir waren vormittags dort und mussten nicht mal eine Minute dank unserer Tickets anstehen. Hätten wir vor Ort welche gekauft, hätten wir auch nicht stundenlang stehen müssen. Lags am trüben Wetter? Und daran, dass wir vormittags da waren? Ich bin mir unschlüssig, ob ich jemandem raten soll sich vorher ein fast lane ticket zu sichern. Bei gutem Wetter (=gute Sicht) und wenn man nachmittags fahren möchte, lohnt es sich aber wahrscheinlich schon. Unsere Sicht war übrigens trotz trübem Wetter ziemlich gut. Woran ich mich schwer gewöhnt habe waren die Eintrittspreise allgemein. Gleich mal 25 £ pro Kopf pro Sehenswürdigkeit ist nicht ungewöhnlich. Das haut ganz schön in die Kasse. Der London Pass war für uns keine Alternative, da zu wenige Sehenswürdigkeiten inbegriffen waren, die wir in den dreieinhalb Tagen sehen wollten. Und das London Eye? Ich finde den Preis etwas happig für die 30-minütige Fahrt und werde das wahrscheinlich nicht nochmal wiederholen, auch wenn der Ausblick toll war.

Blick vom London Eye

Blick vom London Eye

Da es langsam etwas regnerisch wurde, beschlossen wir kurzfristig von unserem Plan abzuweichen und den Trafalgar Square zu besuchen und anschließend in der National Gallery Unterschlupf zu suchen. Da meine Mitreisenden noch nie in London waren, war die Nelson Column und der sie umgebende Platz Pflicht. Vorhin habe ich zwar noch über die happigen Eintrittspreise gemeckert, aber was man London zugute halten muss: in Kunstgalerien wie der National Gallery ist der Eintritt frei, was nicht selbstverständlich ist. Schließlich wäre das eine immense Einkommensquelle, da die Galerie Meisterwerke wie (eine von) Van Goghs Sonnenblumen beinhaltet oder auch Gemälde von Monet, Klimt und Seurat. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass ich Gänsehaut hatte, als ich vor Van Goghs Sonnenblumen und Monets Seerosenteich stand.

Als ich es geschafft habe den Fängen des Souvenirladens der National Gallery irgendwie zu entkommen ohne mein gesamtes Reisebudget auszugeben (Ich bin ein Souvenirladen-Opfer), war der Tag schon recht weit fortgeschritten. Aber eine Etappe stand nach aus. Auf zur Baker Street

Sherlocked

Baker Street 221b – das ist die Adresse in der Sherlock und Watson in Arthur Conan Doyles Büchern wohnen. Und die Adresse gibt es wirklich. Dort befindet sich das Sherlock Holmes Museum, nicht zu verwechseln mit der Straße in der die BBC-Serie mit Benedict Cumberbatch als Sherlock und Martin Freeman als Watson gedreht wurde. Die sieht von außen zwar ähnlich aus, ist aber wo anders. Im Sherlock Holmes Museum kann man sich anschauen wie Sherlock und Watson im viktorianischen London gelebt haben könnten. Das ist so ziemlich Hauptzweck der Ausstellung und das was man im wesentlichen für die 15 £ Eintritt bekommt. In den oberen Etagen befinden sich Wachsfiguren, die Schlüsselszenen bekannterer Geschichten darstellen und natürlich gibt es einen sehr sehenswerten Souvenirladen. Details über die Bücher oder Sir Arthur Conan Doyle gibt es nicht viel. Das klingt recht mager und insbesondere auf die Wachsfiguren könnte ich verzichten, aber das Gebäude hat Flair und man hat sich sichtlich bemüht. So findet sich hier und da eine adrette Pfeifensammlung, eine Violine, Gegenstände die den Geschichten entsprungen sein könnte (beispielsweise die gelbe Maske oder der ‚Hund von Baskerville‘). Das ganze Setting, die knisternden Kamine und das gedämpfte Licht lassen die Sherlock-Stimmung aufkommen. Hat mir dann doch erstaunlich gut gefallen!

Das war schon der erste Tag! Zu guter letzt muss ich noch sagen, dass ich’s eigentlich stark finde, dass meine Schule damals mit uns nach Großbritannien gefahren ist. Gute Möglichkeit mal über den Tellerrand zu blicken, die Sprache anzuwenden, lernen klarzukommen und von der Orga her war das schon ein ganz schöner Aufwand und ein Risiko, schätze ich. Es war cool, aber aus heutiger Sicht, viele Jahre später will man natürlich mehr und denkt sich: was hätten wir uns alles angucken können! Wie oft wart ihr schon in London bzw. Großbritannien allgemein? Und was zählt für euch als Must-See? Findet ihr, dass man von einem London Pass profitiert? Seid ihr eigentlich auch solche Souvenirladen-Opfer? Nächste Woche kommt übrigens der zweite Teil des Reiseberichts und ich sage nur ein Stichwort, damit ihr wisst, was euch erwartet: Winkelgasse.