Serien-Kurzreviews – Daredevil Season 2, Wayward Pines Season 1

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Nachdem die gefeierten Netflix-Marvel-Stoffe wie ‚Daredevil‘ und ‚Jessica Jones‘ durch die Medien gingen und auch mir sehr gut gefallen haben, war ich gespannt, ob die Serien das Niveau halten können. Tatsächlich fand ich die zweite Staffel von ‚Daredevil‘ etwas … schwierig. Und auch ‚Wayward Pines‘ war etwas anders, als ich es mir vorgestellt habe. Es gilt – wie immer – spoilerfrei für die Staffel, die ich reviewe. Nicht spoilerfrei für vorangegangene Staffeln.

‚Daredevil‘ Season 2

Die Staffel beginnt fast zu schön um wahr zu sein. Matt (Charlie Cox) und Foggy (Elden Henson) gehen durch die Straßen von Hells Kitchen und sind scheinbar im Reinen mit sich und der Welt. Fisk (Vincent D’Onofrio) ist weggesperrt und die Kanzlei läuft. Zwar bekommen sie viel Kuchen und Güter statt Bares als Bezahlung, aber sie haben sich einen Namen gemacht als Kanzlei, die sich der Probleme der kleinen Leute annimmt. Matts nächtliche Aktivitäten als Daredevil, der Teufel von Hells Kitchen, sind weitestgehend akzeptiert. Das heißt: von einigen wird er gefeiert, von anderen eher weniger. Alles läuft irgendwie in seinen Bahnen. Dann aber werden immens blutige Anschläge auf kriminelle Banden verübt. Dahinter verbirgt sich der Ex-Soldat Frank Castle (Jon Bernthal), der bald von den Medien Punisher getauft wird. Matt macht zuerst als Daredevil mit ihm Bekanntschaft und beißt sich die Zähne daran aus, ihn dazu zu bringen Vergeltung zu üben ohne die Straßen mit Leichen zu pflastern. Was bei Castle nur auf taube Ohren stößt, denn der will seine Familie rächen. Die Ereignisse überschlagen sich als Castle geschnappt wird und Nelson & Murdock die Verteidigung übernehmen. Zeitgleich tritt Elektra Natchios (Élodie Yung) wieder in Matts Leben und fordert seine Hilfe in ihrer eigenen Mission ein, was ihn sowohl von Foggy entfremdet, als auch von Karen (Deborah Ann Woll), mit der er gerade zusammenzukommen schien.

So harmonisch die Staffel beginnt, so verworren ist die Erzählung etwa in der Mitte der Staffel. Die große Stärke der ersten Staffel Daredevil war der Realismus, den die Serie an den Tag legt. Staffel zwei nähert sich dem Stil typischer Comics näher an, zumindest was die Elektra/Stick-Storyline betrifft. Mysteriöse Kräfte, Wiederauferstehung und Legenden wirken befremdlich in der Serie, in der sich auf der anderen Seite von Hells Kitchen Frank Castle durch die Straßen prügelt und realistisches Grauen durchlebt. Das will am Anfang nicht so ganz zusammenpassen. Insbesondere die Geheimniskrämerei von Stick verwirrt, wobei Elektra anfangs schlichtweg nervt und fast als ‚überflüssigster Charakter überhaupt‘ in der Serie auffällt. Was nicht gut ist, wenn man bedenkt wie eng die Figuren Daredevil und Elektra in den Comics verzahnt sind. Man will Elektra als Zuschauer am liebsten los werden, spätestens wenn sie Matt mit ihrem Kriegszug so ablenkt, dass er sowohl den Prozess und Foggy vergisst, als auch Karen vor den Kopf stößt. Aber die Serie fängt sich und schafft es die einzelnen Stränge zu vereinen und doch noch ein atemloses Finale auf dem Silbertablett zu servieren. Die Geschichten der starken Frauenfiguren wollten anfangs nicht überzeugen, sind aber letztendlich die, die am nachhaltigsten beeindrucken, wenn die letzten Minuten der Staffel gelaufen sind. Zum Einen Karen, die sich vom Love-Interest zur Journalistin etabliert, als auch die anfangs nicht ins Bild passende Elektra, deren Zwiespalt und dunkle Vergangenheit an Form gewinnen und mitreißen. Auch rein optisch schenkt sich die Serie nichts und packt nochmal eins drauf. Daredevils Kampf gegen Bandenmitglieder im Treppenaufgang, die über weite Strecken ohne Schnitt auskommt, werde ich nicht so schnell vergessen. Genauso wie visuell geschickte und einfallsreiche Szenen wie seinen Kampf mit Elektra gegen ihre Verfolger in einem Bürohochhaus. Die Atmosphäre ist vielleicht das stärkste Stilmittel in der Staffel. Naja, geht doch – auch wenn’s anfangs nicht so rosig wirkte.

(8/10)

Sternchen-8

‚Wayward Pines‘ Season 1

Willkommen in Wayward Pines. Secret-Service-Agent Ethan Burke (Matt Dillon) war eben noch mit dem Auto auf der Straße unterwegs, auf der Suche nach zwei verschwundenen Kollegen. Jetzt liegt er im Krankenhaus des idyllischen Örtchens Wayward Pines in den Bergen. Die sehr hartnäckige Krankenschwester (Melissa Leo) erklärt ihm, dass er einen Autounfall hatte und sich unbedingt schonen muss. Als er aber wiederholt keinen Arzt oder anderen Menschen sieht und auch nicht telefonieren darf, begibt er sich auf Wanderschaft. Als seine Anrufe tagelang unbeantwortet bleiben und er eine hohe Mauer findet, die das Städtchen von der Außenwelt trennt, ahnt er, dass etwas faul ist in Wayward Pines. Das volle Ausmaß wird ihm allerdings erst klar, als er den einen gesuchten Kollegen tot auffindet und die andere gesuchte Kollegin (Carla Gugino) quicklebendig. Dafür aber mit einem Ortsansässigen verheiratet ist und das normale Vorstadtleben ganz selbstverständlich mit Gartenpartys zelebriert. Immerhin verrät sie ihm, dass sie nicht offen reden kann, weil überall Mikrofone sind. Was zur Hölle geht vor sich in Wayward Pines?

Die Serie basiert auf den Wayward-Pines Büchern des amerikanischen Autors Blake Crouch, der auch das Drehbuch zu einigen Episoden beisteuerte. Dabei lässt sich die Serie in die Genres Mystery und Science-Fiction einordnen und hat für Furore gesorgt, als bekannt wurde, dass M. Night Shyamalan als Produzent und Regiesseur tätig sein würde. Wer aber auf die individuelle Handschrift Shyamalans gespannt ist wie man sie bei The Sixth Sense oder The Village erlebt hat, wird enttäuscht. Er hat lediglich bei der Pilotepisode Regie geführt und dadurch, dass er nicht am Drehbuch beteiligt war, ist Wayward Pines kein klassischer Shyamalan. Obwohl es durchaus Stoff ist, der in Shyamalans Filmografie passt. Die Geschichte hat mehr als einen doppelten Boden, ist allerdings etwas vorhersehbar. Die Grundmotive wirken wie das Best-Of einiger bekannter Science-Fiction- und Mystery-Stoffe ohne dabei dem Autor der Bücher zu nahe treten zu wollen. Daher beschleicht den Zuschauer das Gefühl das Szenario so oder so ähnlich schon Mal wo anders gesehen zu haben. Isolierte Stadt, in der mysteriöses vor sich geht. Überwachung. Seltsame Wesen außerhalb der Mauern. Und noch etliche weitere Punkte, die ich nicht nenne, um Spoilern vorzubeugen. Aber das tut der Unterhaltung keinen Abbruch. Insgesamt ist Wayward Pines kein großer Wurf und eher mittelmäßig anspruchsvoll inszeniert, aber es macht Laune als kleiner Mystery-Happen zwischendurch. Was die Qualität der etwas hastigen Inszenierung betrifft, so wurde die durch die stimmige Kulisse und den exzellenten Cast deutlich gesteigert. Schön Matt Dillon mal wieder in einer angemessen ernsthaften und spannenden Rolle zu sehen (zumindest seit L.A. Crash aus dem Jahr 2004). Zu ihm gesellen sich u.a. Melissa Leo, Juliette Lewis und Toby Jones. Dramaturgische Schwächen und das „Habe-ich-schon-mal-gesehen“-Gefühl sollte man ignorieren können, dann macht Wayward Pines Spaß.

(7/10)

Sternchen-7

Habt ihr die Serienstaffeln schon gesehen? Und wie haben sie euch gefallen? Sind meine Kritikpunkte nachvollziehbar? Was haltet ihr davon, dass der Punisher seinen eigenen Serienableger bekommt? Ich fand Jon Bernthal sehr stark in der Rolle des Punishers, habe aber das Gefühl, dass sich Netflix vielleicht etwas übernimmt und das Programm zu sehr flutet. Schließlich erwarten uns demnächst noch Solo-Abenteuer von Iron Fist und Luke Cage und wenn ich mich nicht täusche eine zweite Staffel Jessica Jones, bevor sich die Helden vereinen.

Immer zwischen dem 5. und 10. eines jeden Monats mache ich einen kleinen Ausflug in die Serienlandschaft. Ob aktuelle Serien, all-time-favorites, irgendeine TOP-5 oder einfach ein paar zerstreute Gedanken: es ist alles dabei :).