Netzgeflüster: Frauen der Informatik VIII – Nadia Magnenat Thalmann

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Wer sich ein bisschen für IT und Technik interessiert, ist bestimmt schon Mal Prof. Hiroshi Ishiguro in den Medien über den Weg gelaufen. Er ist weltbekannt als Professor für Robotik, nicht nur weil er einen Roboter-Doppelgänger hat. Bilder von ihm und seinem Ebenbild gingen um die Welt. Aber er ist nicht der einzige Forscher, der einen automatisierten Doppelgänger hat. Auch die schweizerische Forscherin Nadia Magnenat Thalmann hat ein Roboter-Ebenbild und ist eine Pionierin auf dem Gebiet der virtual humans und 3D-Computergrafik.

Nadia Magnenat Thalmann kann auf eine ziemlich gewichtige Bandbreite an Abschlüssen zurückblicken. In Genf hat sie sowohl einen Bachelor in Biologie und Psychologie absolviert, als auch eine Master-Abschluss in Biochemie. 1977 promovierte sie außerdem in Quantenphysik an der Universität Genf. Das nenne ich geballtes und v.A. breit aufgestelltes Wissen. Denn obwohl ihre Biografie und ihre Abschlüsse nicht nach IT klingen, hat sie IT angewendet. V.A. bildgebende Verfahren der Simulation und Computergrafik. Im Zuge ihrer Doktorarbeit über die Schrödingergleichung hat sie 3D-Computergrafik genutzt, was lange ihr Kern-Forschungsthema blieb. So arbeitet sie an der 1987 erschienen ersten, vollständig computeranimierten 3D-Sequenz mit lebensechten virtuellen Menschen: „Rendez-vous in Montreal“ zeigt das Aufeinandertreffen von Humphrey Bogart und Marilyn Monroe.

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Klar: lebensecht wurde 1987 noch anders bewertet als heute. Die Kleidung und Objekte wirken sehr künstlich und die Bewegungen sind etwas unnatürlich und hölzern. Aber wenn man betrachtet aus welchem Jahr die Sequenz stammt, dann kann schon Mal aus Ehrfurcht ein bisschen zittern. 3D-Computergrafik noch echter zu machen wurde ihre nachfolgende Aufgabe, bei der sie sich u.a. damit beschäftigte wie man Kleidung bzw. Gewebe allgemein animiert. Von 1977 bis 1989 war sie Professorin an der University of Montreal, danach verschlug es sie zurück nach Genf wo sie das MIRAlab gründete. Einen Zusammenschluss von Forschern, der sich Themen wie Computergrafik und -animation oder auch virtuellen Welten verschrieb. Im Laufe der Zeit widmete sie sich verschiedenen Problemstellungen, u.a. auch wie Computergrafik und Simulation medizinische Diagnosestellungen unterstützen kann. Eins ihrer bekanntesten Werke ist das tracking und die anschließende Simulation von Gelenken und Bewegungen einer Ballerina, die unterstützend zu bisherigen medizinischen bildgebenden Verfahren wie MRI den Stress und die Belastung v.A. der Hüftgelenke aufzeigen soll. Magnenat Thalmann vertritt die Auffassung, dass das hilfreicher beim Verstehenden der physischen Belastung und gesundheitlichen Schäden ist als bspw. ein MRI, da es den Körper in Bewegung zeigt, während medizinische bildgebende Verfahren bisher statisch aufzeichnen.

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Jahre später verschlug es die Forscherin zur Nanyang Technological University in Singapur, wo sie sich mehr dem Thema der sozialen Robotik widmete. Ab etwa 2012 beschäftigt sich Magnenat Thalmanns Forschungsarbeit mit dem Erzeugen sozialen Verhaltens und der Entwicklung von Nadine – einem sozialen, humanoiden Roboter. Das Ziel: die Interaktion mit Gesprächspartnern, sowohl physisch als auch verbal. Darüber hinaus soll sich Nadine Gesprächsthemen und Aktionen merken. Das zugrunde liegende System fußt auf einer Perception-Decision-Action Architektur und nutzt zur Wahrnehmung eine Microsoft Kinect V2 und ein Mikrofon. Um den uncanny valley zu entkommen, verfügt Nadine über Mimik und Gestik, die allerdings etwas limitiert sind und weitere Features, die soziales Verhalten darstellen.

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Nadia Magnenat Thalmann arbeitete an über 500 wissenschaftlichen Artikeln mit und war Teil von um die 45 europäischen Forschungsprojekten, hat über 30 Preise und Ehrungen abgesahnt, darunter Woman of the Year – stolze Summe, beeindruckende Persönlichkeit.

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Zum nachlesen/Quellen:
Der Tagesspiegel: Digitale Pioniere (44): Nadia Magnenat-Thalmann
Wikipedia (en)
MIRAlab
CV
New Scientist: Dancing ballerina skeleton pinpoints injury hotspots
Nadine- social robot

Zu den bisherigen Artikeln

Ankündigung
Teil I: Ada Lovelace
Teil II: Grace Hopper
Teil III: Hedy Lamarr
Teil IV: Marissa Mayer
Teil V: Jade Raymond
Teil VI: Gertrude Blanch
Teil VII: Mary Allen Wilkes

Schon beim letzten Artikel musste ich reumütig sagen: ich kannte die IT-Frau über die ich geschrieben habe vorher nicht. Letzten Monat war das Mary Anne Wilkes. Und das schlimme ist: Nadia Magnenat Thalmann scheint so eine beeindruckende Persönlichkeit zu sein, aber ich habe auch sie erst im Zuge meiner Recherche über Frauen der IT kennengelernt. Die Frauen früherer Beiträge kannte ich alle. Grace Hopper, Ada Lovelace, Jade Raymond – das sind Namen, die über die Medien verbreitet werden und von denen man eben schon Mal irgendwann hört. Aber was ist mit Nadia Magnenat Thalmann? Warum habe ich erst vor kurzem von ihr gehört? Durch Nadine müsste sie eigentlich mindestens so bekannt sein wie Ishiguro, auch wenn man zugeben muss, dass sein Roboter-Doppelgänger etwas stringenter aufgesetzt ist. Er gleicht ihm wirklich aus Haar und scheint performanter zu sein. Nichtsdestotrotz ist Nadia Magnenat Thalmann scheinbar eine große Nummer und ich kannte sie nicht. Irgendwie bitter. Andererseits habe ich jetzt auch einen doppelten Gewinn dank der Artikelreihe hier im Blog. Wie seht ihr das? Kanntet ihr sie vorher?

Netzgeflüster ist eine Kategorie meines Blogs in der ich mich immer zwischen dem 10. und 15. eines jedes Monats Themen rund um IT, Forschung, Netzwelt, Internet und eben auch Gerüchten widme. 🙂