7ème art: Roboter und Künstliche Intelligenz im Film

Posted by in 1991, 1999, 2001, 2012, 2014, 2015, 7ème art, Actionfilm, Animationsfilm, Deutschland, Film, Filmreihe, Frankreich, Japan, Literaturverfilmung, Review, Science-Fiction, Spielfilm, Thriller, Tragikomödie, UK

Es ist nicht nur die professionelle Neugier, die mich immer aufhorchen ließ, wenn es in einem Film um Künstliche Intelligenz geht. Es ist auch das Spiel mit dem Was-wäre-wenn, den Zukunftsvisionen. Die widmen sich gerne dem noch unerreichbaren. Und dazu gehört Künstliche Intelligenz. Natürlich wird der Begriff immer an dem gemessen, was man unter ‚intelligent‘ versteht. Die einen sehen darin einfach Wissen, andere Emotionen und Empathie, wieder andere freien Willen. Die Wahrheit liegt vielleicht irgendwo dazwischen. Und das aus Einsen und Nullen zu formen ist nicht nur ein fantastischer Gedanke, sondern schafft auch wahnwitzig viele Motive. Fragen um Gleichberechtigung/Andersartigkeit zwischen Mensch und Maschine sowie den Gottkomplex oder auch den realistischen Ansatz vom Umgang mit Technologie und dabei möglichst wenig Unfug anzustellen – es gibt sie alle. Zwei der frühen und faszinierenden Vertreter sind wohl Fritz Langs Metropolis und Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum, die wurden aber schon an anderer Stelle besprochen. Auch Blade Runner liefert einen fantastischen Ansatz. Den hebe ich mir aber noch etwas auf. Stattdessen geht es heute bei der Themen-Werkschau um sieben Filme mit dem gemeinsamen Nenner: verschiedene Facetten künstlicher Intelligenz in Film und Fernsehen zu zeigen.

Terminator 2 – Tag der Abrechnung

James Camerons Terminator-Reihe ist sowas wie die Urmutter der Filme, die das Szenario der um sich greifenden, emanzipierten KI erzählen, die die Menschheit ausrotten will. In der Vision des Films ist es ein Mann, der in der Zukunft den Widerstand gegen die Maschinen anführen wird: John Connor. Er stellt sich Skynet und den Terminator genannten menschenähnlichen Kampfmaschinen. Während im ersten Teil ein Terminator aus der Zukunft in die Gegenwart zurückreiste um Connors Mutter Sarah zu töten un die Geburt von John zu verhindern, ist es nun im zweiten Teil der junge John Connor (Edward Furlong), der sich einem scheinbar unzerstörbarem Gegner, einem T-1000 (Robert Patrick), stellen muss. Aber nicht allein, denn aus der Zukunft wurde auch ein von den Rebellen modifizierter T-800 (Arnold Schwarzenegger) geschickt, der ihn beschützen soll und Connors Befehlen gehorchen muss. So befiehlt ihm der Junge seine Mutter Sarah (Linda Hamilton) aus einer psychiatrischen Klinik zu befreien. Das Ziel der Gruppe ist die Cyberdyne Systems Corporation, die an der Entstehung Skynets mitwirken wird und deswegen gestoppt werden soll. Aber sie werden weiterhin von dem T-1000 verfolgt – eine Aufgabe bei der Drei allein gegen eine dunkle Zukunft kämpfen.

Auch wenn die Terminators in späteren Teilen ein bisschen sperrig, hölzern und manchmal unfreiwillig komisch wirken, so haben die ersten beiden Teile des Franchise noch eine atmosphärische, düstere und bedrohliche Wirkung. In James Camerons Sci-Fi-Spektakel schwingt die Angst vor dem nuklearen Krieg bzw. der globalen Katastrophe mit, vor der die Menschheit schon mehrere Male stand. Nach mehrmaligem Sehen des Films ist es gar nicht vorrangig die KI und die Maschinen an sich, sondern sie wirken mehr wie eine Metapher für die Willkür und Gewaltbereitschaft des Menschen alles in Schutt und Asche zu legen, wenn ihnen nichts mehr einfällt. Aber das ist eine Frage der Interpretation. In den 90ern haben James Camerons Filme, inbesondere der sehr populäre zweite Teil, eine Welle an Sci-Fi-Szenarien und dystopische Diskussionen rund um KI ausgelöst. Obwohl rein forschungstechnisch da nicht soviel zu holen ist wie man vielleicht glauben mag … . Zur Popularität des Films tragen die astreinen Effekte einen großen Teil bei – die funktionieren heute noch ohne dass einem die Augen zu sehr weh tun. Davon abgesehen hat der zweite Teil ein wichtiges Element, das von da an immer gut in Filmen über Roboter und KI funktionieren sollte. Vermenschlichung. John Connor beginnt in dem hölzernen T-800 den Vater zu sehen, den er nie kennengelernt hat. Und dank des smarten Drehbuchs und dem Willen des Zuschauers zu projizieren, meint man, zu erkennen wie auch der T-800 irgendwas wie Gefühle entwickelt, wo eigentlich keine sein können. Aber mal ehrlich … wir wollen das doch sehen, oder?

Terminator 2 – Tag der Abrechnung (OT: Terminator 2: Judgment Day), USA/Frankreich, 1991, James Cameron, 137 bzw. 153 bzw. 156 min, (9/10)

Sternchen-9

Der 200 Jahre Mann

Isaac Asimovs 200-Seiten-lange ‚Kurzgeschichte‘ stand Pate für Chris Columbus Tragikomödie mit Sci-Fi-Einflüssen. Der 200-Jahre-Mann ist der Andrew (Robin Williams) getaufte Android, den sich die Familie Martin anschafft. Andrew kann auf die Kinder aufpassen, im Haushalt helfen, er ist menschenähnlich und führt komplexe Unterhaltungen mit der Familie. Manche sind ihm gegenüber eher etwas misstrauisch und sehen ihn mehr als Möbelstück, aber gerade die jüngste der Familie, Amanda (Hallie Kate Eisenberg), sieht Andrew als einen richtigen Freund und behandelt ihn quasi wie einen Menschen. Liebevoll nennt er sie Little Miss und überdauert viele Jahre. In der Zeit fällt auf, dass er einen trockenen Humor entwickelt, sich für künstlerische Dinge interessiert und selber beginnt Figuren anzufertigen. Das Familienoberhaupt Richard (Sam Neill) erkennt, dass Andrew über das Maschinendasein hinaus eine Existenz und Persönlichkeit bildet und sieht das als etwas fantastisches. Geht sogar mit ihm zur Firma, die Andrew gebaut hat, die sehen das aber nur als Systemfehler und Reklamation. Das ist der Beginn einer Jahrhunderte andauernden Geschichte über einen Roboter, der wie ein Mensch behandelt werden möchte und letztendlich sogar dafür kämpfen wird als Mensch anerkannt zu werden.

Auch wenn man das Buch nicht gelesen hat, kann man sich gut vorstellen, dass Chris Columbus Version des asimovschen Stoffs bewusst etwas massentauglich gemacht wurde und vielleicht etwas fröhlicher und comedy-lastiger ist als das zugrunde liegende Buch. Der Ausgangsidee tut das keinen Abbruch. Es ist eine kurzweilige und fantastische Unterhaltung auf so kindgerechte Weise zu erleben wie ein Individuum für sein Rechte eintritt. Verglichen mit anderen Medien fehlt hier aber Konflikt, Realismus und Spannung. Die Ablehnung, Gewalt, Bevormundung – es gibt hier keine Fundamentalisten, die Andrew einfach einsacken und auseinandernehmen wollen. Die Zukunftsvision wirkt auch ziemlich friedlich, später ist sogar von einem Weltparlament die Rede. Oh du schöne Welt. Das sieht fast zu rosa aus. Gut, nicht alles ist rosa für Andrew, der kämpft schließlich Jahrhunderte für seine Rechte. Aber auch wenn das Konfliktpotential fehlen mag und der Film recht ’nett‘ ist, muss das nicht schlecht sein. Es macht Spaß und Andrew wächst einem ans Herz. Warum auch nicht?

Der 200 Jahre Mann (OT: Bicentennial Man), USA/Deutschland, 1999, Chris Columbus, 126 min, (7/10)

Sternchen-7

Robotic Angel

Metropolis ist ein gewaltiger, moderner Stadtstaat. Eine Zukunftsstadt. Und genauso fremd fühlt sie sich für den japanischen Inspektor und seinen Neffen Kenichi an. Roboter wo das Auge hinschaut, goldene Hochkratzer-Landschaften und ein Untergrund in dem Mensch und Roboter emsig arbeiten und die Sitten rauer werden, desto tiefer man reist. Eigentlich suchen sie Dr. Laughton, den sie des Organhandels bezichtigen. Während ihrer Nachforschungen werden sie auch Zeuge der Eröffnung des Ziggurats, das augenscheinlich ein Regierungssitz und Wahrzeichen der Stadt wird. Allerdings hat der undurchsichtige Initiator Duke Red andere Pläne – das Ziggurat ist auch eine gigantische Waffe. Und die braucht ein bestimmtes fehlendes Teil. Zeitgleich kommen sie Dr. Laughton auf die Schliche, finden aber sein brennendes Labor vor. Dem ist ein Mädchen entkommen, das wie aus einer anderen Welt scheint und kaum spricht. Tima, so wird sie sich nennen, und Kenichi fliehen und verirren sich in den Eingeweiden von Metropolis. Ihnen auf den Fersen ist Rock, Duke Reds Ziehsohn, der Tima verabscheut. Denn er weiß etwas, dass die anderen nicht wissen: Tima ist ein Roboter und das fehlende Puzzleteil zu Duke Reds Waffe.

Niemand geringeres als der Manga-Pionier und -Urvater Osamu Tezuka (Astro Boy) zeichnete einen Manga, der an Fritz Langs Stummfilmklassiker Metropolis angelehnt war. Übrigens ohne den Stoff vollständig zu kennen. Und niemand geringeres als Katsuhiro Ôtomo (Akira, Steamboy) machte aus dem Manga das Drehbuch zum Animationsfilm von Rintaro. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass hier einige der größten Größen des japanischen Animationsfilms zusammengearbeitet haben. Den Originaltitel メトロポリス, sprich metoroporisu/Metropolis, durfte der Animationsfilm aber leider nicht behalten. Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung hält die Rechte an Fritz Langs Stummfilm und insistierte, weshalb der Film im deutschsprachigen Raum Robotic Angel heißt. Handwerklich ist der Film etwas in die Jahre gekommen. Zwar überzeugen die animierten Sequenzen und Figuren im Stile Tezukas auf ganzer Linie, aber der Mix mit 3D-animierten Sequenzen hat den Zahn der Zeit nicht gut überstanden. Zwar deutlich besser als andere über zehn Jahre alte Filme, aber die Techniken setzen sich zu deutlich voneinander ab, um Spaß beim ansehen zu machen. Die Handlung ist stimmig und berührend. Tima denkt die ganze Zeit über, dass sie ein Mensch ist. Während ihrer Odyssee mit Kenichi durch Metropolis‘ Unterwelt hat sie so oft gesehen wie Roboter scheinbar willkürlich und ohne mit der Wimper zu zucken vernichtet, verschrottet und zu Boden getreten werden, dass sie später nicht glauben will, dass sie selber ein Roboter sein soll. Spätestens wenn sie ein Instrument wird und die Handlung kippt, hat man das Gefühl anhand Tima ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlebt zu haben. Und wenn dann Ray Charles‘ I Can’t Stop Loving You spielt, ist man betroffen aufgrund der Ignoranz der Menschen. Nur hätte die Reise bis zu diesem Punkt nicht so lang sein müssen. Kenichi und Tima hätten sich nicht wieder und wieder unterhalb der Stadt verlieren müssen.

Robotic Angel (OT: メトロポリス), Japan, 2001, Rintaro, 208 min, (7/10)

Sternchen-7

A.I. – Künstliche Intelligenz

Es gibt kaum einen Film, über den es soviel zu erzählen gibt, obwohl man ihn in weniger als drei Sätzen zusammenfassen kann. A.I. spielt in einer Zukunft, in der Mechas so normal sind wie die Luft zu atmen. Mechas sind Roboter allgemein, die den Planeten neben den Menschen bevölkern und als Haushaltshilfe oder Liebesroboter alle möglichen Dienste verrichten. Viele von ihnen haben bis zu einem bestimmten Grad die Möglichkeit zu interagieren, manche sind absolut menschenähnlich und können sogar empfinden. So auch David (Haley Joel Osment), der Mecha, den die Familie Swinton in ihr Heim holt. Ihr leiblicher Sohn Martin liegt im Koma und insbesondere seine Mutter Monica (Frances O’Connor) leidet schwer unter der Situation. David gewöhnt sich an die Familie und entwickelt insbesondere zu ihr eine starke Bindung. Als dann aber Martin wieder aufwacht, wird David nicht mehr gebraucht und spürt das auch. Er wird wie ein Hund, den keiner mehr will ausgesetzt und muss sich durch die Welt schlagen, die Mechas nicht nur wohlgesinnt ist. Das Märchen von Pinocchio immer im Hinterkopf hat er den tiefen Wunsch ein richtiger Junge zu werden und für ihn beginnt eine lange Reise.

Keine Sorge – der Stoff unterscheidet sich sehr von anfangs ähnlich klingenden Visionen wie Der 200-Jahre-Mann. Steven Spielberg übernahm das Projekt von Stanley Kubrick und hätte es lieber bleiben lassen. Die Mischung aus Science-Fiction-Film und Märchen hat ein unglückliches Gleichgewicht. Bedingt durch die überbordende Länge der Handlung, Spannungsarmut und zuviel Druck auf die Tränendrüsen, weiß der Film und Davids Schicksal nicht so ganz zu überzeugen. Anfangs leidet man stark mit ihm mit und hält den Zuschauern den Spiegel vor. Schnell ist ein ‚David‘ gekauft, schnell wird man ihn wieder los. Verschwendungsgesellschaft. Nicht nur wenn es um Essen, Güter oder Ressourcen geht – auch was Emotionen betrifft. Wenn Monica die Prägung auslöst, ist ihr auch egal, dass das gleichwertige Emotionen sein könnten – sie wird später leichtfertig ein Familienmitglied wegschmeißen. Noch schlimmer: das System ist so angedacht. Liebe zum wegschmeißen. Das nimmt einen mit. Das beschäftigt nachhaltig. Welt, wollen wir mal so sein? Dann lieber keine KI schaffen, die Emotionen entwickeln kann. Ab da beginnt der Film aber zu kränkeln und fühlt sich nur noch wie eine Aneinanderreihung bekannter Motive an. Einen Roboter nach dem Ebenbild des verstorbenen Sohnes zu erschaffen – das ist letzten Endes Osamu Tezukas Manga und Anime Astro Boy. Insbesondere dazu gibt es zahlreiche Überschneidungen. Warum redet darüber keiner?

A.I. – Künstliche Intelligenz (OT: A.I. – Artificial Intelligence), USA, 2001, Steven Spielberg, 146 min, (7/10)

Sternchen-7

Robot & Frank

Die Welt um Frank (Frank Langella) hat sich verändert, fast ohne dass er es merkt. In der Gemeindebibliothek gibt es plötzlich Roboter-Gehilfen und für den Haushalt ebensolche automatisierten Stützen. Frank braucht sowas nicht, er kommt klar. Seine Familie sieht das anders und so bekommt er einen Pflegeroboter, Modell VGC-60L, zur Seite gestellt. Frank war einmal Juwelendieb und fühlt sich in seiner Ehre gekränkt. Nun steht er da, VGC-60L, und erinnert ihn daran, dass er ausgewogene Mahlzeiten zu sich nehmen soll. Der Roboter ist stets um Frank besorgt und will seine Lebensqualität steigern. Eines Tages bekundet Frank, dass es seine Lebensqualität steigern würde, wenn sie zusammen Juwelen rauben gehen. Und der Roboter macht mit, schließlich ist das seine Aufgabe.

Robot & Frank ist wahrscheinlich unter allen hier vorgestellten Filmen der realistischste. Schließlich ist der Roboter ein an Hondas ASIMO angelehnter, gesichtsloser Kumpan, der mit menschenähnliche Sprache mit Frank interagiert. Und kein Kampfroboter aus einer Sci-Fi-Mär. Wie er Frank das Essen bringt und seine voreingestellten Dialoge und Programme herunterspult ist deutlich denkbar und realistisch. Ebenso realistisch ist wie Frank nach anfänglichem zögern doch noch Gefühle für den Haushaltsgehilfen entwickelt. Denn so ist das mit uns Menschen – wir haben auch unser Programm, das wir unterbewusst herunterspulen. Und das macht, dass wir mit Objekten Gefühle verbinden. Immerhin zeigt der Film das komplett unverkitscht und bleibt soweit am Boden, dass man denken könnte, dass die Welt in 10 Jahren durchaus wirklich so aussieht. Service- und Pflegeroboter sind in Japan bereits nichts Neues mehr. Und genau das ist das Motiv, das der Film aufgreift. Robot & Frank ist eine schöne kleine, unaufgeregte Indie-Perle mit einem herrlich grantigen Frank Langella und einem Roboter, den man nur mögen kann, denn er wirkt in seiner Maschinenhaftigkeit neben Frank nicht viel weniger schrullig. Das hat nichts mit Science-Fiction zutun, sondern viel mit Menschen und wie die mit Techniken umgehen, wie der Zahn der Zeit an uns allen nagt und wir unsere alten Muster wiederholen. Der kleine Twist überrascht und trifft ins Herz.

Robot & Frank, USA, 2012, Jake Schreier, 89 min, (8/10)

Sternchen-8

Transcendence

Dr. Will Caster (Johnny Depp) forscht zusammen mit seiner Frau Evelyn (Rebecca Hall) auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. Sein Team und er sind eine echte Instanz. Aber auch umstritten, da Caster „Transzendenz“ als Ziel hat. Das beschreibt künstliche Intelligenzen, die in der Lage sind Emotionen zu haben. Caster wird aber von fanatischen Gegenern seiner Forschungsarbeit mit einer radioaktiv verseuchten Kugel angeschossen und bekommt die Schreckensnachricht, dass er in Folge der Vergiftung nur noch kurze Zeit zu leben hat. Evelyn hat derweil den Einfall Wills Gehirn zu scannen und einen „Mind-Upload“ zu machen. D.h. eine Kopie von Wills Hirn als Künstliche Intelligenz aufzubauen und Wills Geist und Wesen somit zu retten – nur dass er dann eben ein „Programm“ ist, simpel ausgedrückt. Das glückt auch, kurz nachdem Will stirbt. Als der digitalisierte Will aber nach freiem Internetzugriff fragt, sich selbst optimiert und die fanatische Gruppe ihnen auf den Fersen ist, zieht sich die Schlinge für Evelyn bedrohlich zu.

Der Regiesseur Wally Pfister hat früher vor Allem durch seine Arbeit als Kameramann in Christopher-Nolan-Filmen wie Inception für Aufsehen gesorgt und legt hier seine erste Regiearbeit vor und widmet sich eines eventuell schon totgelaufenen Motivs. Künstliche Intelligenz (KI) an sich ist eigentlich alles andere als ein neues Thema, ebenso wie Mind-Uploading. Beides ist bisher noch Science-Fiction, gemessen an dem was die Allgemeinheit von KI erwartet. Mind-Uploading ist aber im Gegensatz zu KI allgemein bisher kaum Thema von Filmen gewesen. Dann umwaberte Wally Pfister diese Aura eines Mannes, der mit seinen Bildern die anspruchsvollen Blockbuster der letzten Jahre wie Inception und Batman Begins zu visuellen Meisterwerken gemacht hat. Visuell beeindruckend ist auch Transcendence. Ein weiteres dickes Lob betrifft den Spagat zwischen Tech-Talk und Erklärungen, die auch Nicht-ITler verstehen. Ein weiteres großes Plus ist die moralische Tragweite des Films. Aber trotz der Pluspunkte, überzeugt das Endprodukt nicht. Neben der Vorhersehbarkeit der Handlung (noch schlimmer wenn man den zuviel vorwegnehmenden Trailer kennt), ist die schwache Charakterzeichnung von Evelyn ein krasses Ärgernis. Ob es an Rebecca Hall liegt? Oder am Drehbuch? Ich schätze es ist eine Mischung von beidem, wobei das Drehbuch wesentlich mehr Schuld trägt. Evelyn hinterfragt nichts. Erst, als es schon fast zu spät ist. Ihre Rolle ist am Anfang groß, ihr Charakter bleibt trotzdem wie ein unbeschriebenes Blatt. Wer ist sie? Was macht sie? Außer Wills Ehefrau sein? Will bezeichnet sie indirekt als eine der drei schlausten Menschen die er kennt. Das hat man nicht gemerkt. Gerade dann hätte sie wesentlich mehr hinterfragen müssen. In der letzten Hälfte wirkt sie wie ein deplatzierter Charakter, der einfach nicht mitkriegt was läuft und sich nicht traut zu fragen. Und da Johnny Depp als Mesh am Bildschirm und Stimme aus dem Lautsprecher agiert, gibt es da einfach zu wenig, was die ausufernde Handlung trägt. An einer Sache mangelt es dem Film aber nicht: creepy Visionen. *schauder*

Transcendence, USA, 2014, Wally Pfister, 119 min, (6/10)

Sternchen-6

Ex Machina

Der Entwickler Caleb (Domhnall Gleeson) gewinnt bei einer firmeninternen Lotterie eine Woche mit dem zurückgezogen lebenden Chef des Konzerns. Der Konzern ist Blue Book, eine riesige Suchmaschine. Und der Chef ist Nathan (Oscar Isaac), ein Wunderkind. Ein abgeklärtes Genie. Caleb dämmert, dass das keine normale Woche mit seinem exzentrischen Chef ist, als er eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen muss. Er soll Teil eines Experiments werden. Eine Woche lang wird er sich mit Ava (Alicia Vikander) unterhalten: einem Roboter, einer künstlichen Intelligenz mit dem Erscheinungsbild einer jungen Frau. Nathan will sie einem Turing-Test unterziehen und Caleb soll dabei die menschliche Komponente sein. Turing-Test bedeutet, dass ein Mensch ein System testet ohne es zu sehen. Wenn das system absolut menschlich wirkt, dann besteht es den Test. Doch als Ava und er einmal nicht unter Beobachtung stehen, sagte diese ihm, dass Nathan ein falsches Spielt spielt und Caleb ihm nicht vertrauen soll. Außerdem fühlt sich Caleb mehr und mehr zu Ava hingezogen. Aber wem kann Caleb trauen?

Ex Machina ist eine außergewöhnliche Mischung aus kühler, moderner Optik und einer spannend konstruierten Geschichte mit guten Darstellern. Alicia Vikander spielt eine wirklich zauberhaft-zerbrechliche Roboterdame – die würde jeder dort rausholen wollen. Domhnall Gleeson stellt den Programmierertypen ziemlich glaubwürdig dar. Er könnte einer meiner Kollegen sein. Aber seine Performance geht neben den sehr starken anderen Charakteren fast unter. Oscar Isaac als Nathan stößt einen praktisch im Minutentakt vor den Kopf und kommt wie ein echter Arsch rüber. Nathans Muskel-Weizengras-Hipstertum ist meiner Meinung nach als Persiflage zu verstehen, was mir auch sehr gut gefällt. Bei diesen guten Zutaten erwartet man nicht, dass an der Handlung etwas auszusetzen ist. Zumindest bis man merkt, dass die Geschichte schon zig Mal erzählt wurde und die Optik nur cooler aussieht. Leider widerspricht sich der Film zu oft. Man fühlt sich ein wenig genauso verarscht wie Caleb, der in zig widersprüchlichen Unterhaltungen mit Nathan scheinbar wie in einer Schleife gefangen ist. Was aber am meisten stört ist wie erstaunlich konventionell der Film ausgefallen ist. Es werden natürlich keine Antworten dafür geliefert wie Nathan Ava denn nun gebaut hat und es werden auch keine wirklich neuen Motive des Dilemmas Mensch vs. KI angesprochen. Alles was man hier sieht, gab es schon Mal. Einzig der Voyeurismus und mit welcher Härte Nathan mit seinen KIs umgeht, trifft einen Nerv. Somit bleibt Ex Machina etwas hinter seinem guten Ruf zurück. Aber es gab definitiv eine weitere Tanzszene, die auf die Liste der verstörenden Filmmomente kommt.

Ex Machina, UK, 2015, Alex Garland, 108 min, (7/10)

Sternchen-7

Ich habe mich wieder bemüht die Mischung so bunt wie möglich zu machen … zwischen alt und neu, Spielfilm und Animation, realistisch und futuristisch, gut und eher so mäh. Welche Filme zum Thema könnt ihr empfehlen? Findet ihr das Thema noch spannend? Oder seid ihr übersättigt und findet, dass es nichts mehr hinzuzufügen gibt?

„7ème art“ (Sprich: septième art) heißt „siebte Kunst“. Gemäß der Klassifikation der Künste handelt es sich hierbei um das Kino. In dieser Kategorie meines Blogs widme ich mich also Filmen zu meinem bestimmten Thema – eine Mini-Werkschau. Regulär stelle ich zwischen dem 1. und 5. jeden Monats jeweils 7 Filme in kurzen Reviews vor.