Serienlandschaft: Kurzreviews – „Gilmore Girls – A Year in the Life“, Midnight Diner (jp.)

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Hm … schwierig. Bisher habe ich ‚A Year in the Life‘ als achte Staffel betrachtet, aber auf den gängigen Serienplattformen wird es als eigenständige Serie gelistet. Im Deutschen trägt es übrigens den Namen ‚Ein neues Jahr‘. Da ich damals als Teenie, fast noch Kind, die Serie auf deutsch gesehen und mich wirklich auf die Synchronstimmen gefreut habe, musste ich also auch hier die synchro schauen und habe es nicht bereut. Als Japanfan war es aber Pflicht ‚Midnight Diner‘ auf japanisch zu schauen. Es gibt einige recht passable Abschnitte, die für Japanisch-Lerner gut verständlich sind. Das war übrigens ein Zufalls-Fund auf Netflix. Beim Durchblättern der Vorschläge habe ich die Serie gefunden, die eigentlich schon eine Weile auf meiner Liste steht. Und ich hatte tatsächlich keine Ahnung, dass sie auf Netflix ist! Der gemeinsame Nenner der Serien, die ich heute reviewe ist wohl, dass sie auf Netflix verfügbar sind, denn viel gemeinsam haben sie ansonsten nicht. Es gilt – wie immer – spoilerfrei für die Staffel, die ich reviewe. Nicht spoilerfrei für vorangegangene Staffeln. Spoiler für Gilmore Girls sind nochmal extra markiert.

„GILMORE GIRLS Season 8 TRAILER (2016) Netflix Mini-Series“, via Series Trailer MP (Youtube-Channel)

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‚Gilmore Girls: Ein neues Jahr‘ Staffel 1

Genauso wie es im Titelsong der Serie heißt, begleiten wir die drei Gilmore Girls durch alle Jahreszeiten – Winter, Frühling, Sommer, Herbst. Anfangs scheinen sich die Dinge so zu entwickeln wie wir das immer erwartet haben. Rory ist freie Journalistin und hat mehrere Eisen im Feuer. In vielerlei Hinsicht. Lorelai muss nach der Beerdigung ihres Vaters einen besonders einschneidenden Konflikt mit ihrer Mutter durchleben. Die Beziehung zu Luke ist auch nicht immer ganz so harmonisch. Und in Stars Hollow finden nach wie vor regelmäßige überbordend fantastische Straßenfeste statt. Aber es ist letzten Endes doch alles ein bisschen anders. Rorys Leben ohne festen Wohnsitz offenbart sich als genauso schwierig und unstetig wie ihre Engagements. Emily krempelt hingegen ihr Leben nach dem Tod ihres Mannes komplett um. Und Lorelai … versucht vermutlich so wie schon immer ihrem Bauchgefühl zu folgen.

Die Vorfreude der Gilmore Girl Fans war groß. Vor Allem nachdem Amy Sherman-Palladino selbst mit dem Ende der siebten Staffel nicht zufrieden war und immer mal aufkommen ließ, dass eigentlich ein anderes Ende geplant war. Ein neues Jahr spielt nun so um die 10 Jahre nach dem Ende der Serie und wie das eben so mit Fortsetzungen von Kultserien oder Fortsetzungen lange beendeter Serien ist, das kann mächtig nach hinten losgehen. Ausschlaggebend dafür sind doch meistens die hohen Erwartungen der Zuschauer oder auch das dünne Drehbuch, das nach dem profitbringenden Neuauflegen eines fertigen Franchise schreit. Ich erinnere mich noch schaudernd an Akte X Staffel 10. Wenn man natürlich das tut was Netflix und Warner Bros. hier getan haben, dann kann das schon laufen. Sie haben nämlich fast alles beim alten gelassen. Krasse charakterliche Veränderungen gibt es nicht (außer vielleicht ein winziges bisschen bei Emily, was ich sehr begrüße) und Stars Hollow wird wie immer als eine Bilderbuchstadt gezeigt. Die Serie gibt uns genau das, was wir wollen. Selbst, wenn es nur für kurze Sekunden ist. Egal, ob der Gastauftritt, mit dem schon keiner mehr gerechnet hat oder der kurze Fensterblick von Jess (Milo Ventimiglia). Es folgt ein bisschen dem Muster Aktion – Reaktion. Das Ableben von Edward Herrmann wurde sogar ein Teil des Drehbuchs. Diese Vorhersehbarkeit könnte langweilig sein, wenn die Serie nicht gerade so das Minimum an Konflikten und schrägen Stars-Hollow-Storys bieten würde, dass es braucht, um einen bei Laune zu halten. Der innere Serien-Philosoph in mir sagt zwar, dass sie es sich mit der Staffel etwas zu einfach gemacht haben, aber der Gilmore-Girls-Fan in mir ist zufrieden. Dazu kommt noch: Die Serie gibt Spielraum für weitere Folgen. So stellt sich die Frage, was Lorelai mit dem Dragonfly Inn plant und auch v.A. wie es für Rory weitergeht. Fans, die sich unschlüssig sind, ob sie die Staffel sehen wollen, sage ich: ich denke ihr habt keinen Grund zur Sorge. Die Serie geht einfach wenig Risiken ein und handelt nach dem altbewährten Rezept, ist manchmal sogar etwas zu vorhersehbar, wenn man die Serie kennt.

(8/10)

Sternchen-8

Zum Abschluss noch ein Abschnitt mit Spoilern zum Serienende für diejenigen, die das schon gesehen haben und genauso sehr darüber diskutieren müssen wie ich – bitte markieren zum anschauen:

Auch wenn ich rein dramaturgisch etwas von der Staffel enttäuscht war, weil sie sich so wenig traut, empfand ich es als ziemlich schlau, dass sich in der Erzählung der Mutter-Tochter-Geschichte der Kreis schließt, indem Rory auch schwanger wird. Höchstwahrscheinlich ist der Vater Logan (Matt Czuchry). Dass sie mit ihm eine Affäre hat, obwohl er verlobt ist, war für mich eine der größeren menschlichen Enttäuschungen. Dass Rory vor solchen Entscheidungen nicht zurückschreckt, haben wir ja aber schon in früheren Staffeln gesehen, Stichwort Dean. Das ist also eher keine Serien-Kritik, sondern persönliche Abneigung gegen Fremdgehen. Man kann sich schon vorstellen warum Rory ihren Vater so darüber ausgequetscht hat wie es für ihn war, dass Lorelai Rory alleine großgezogen hat. Scheinbar plant Rory dasselbe, weil Logan und sie auseinandergegangen sind. Dass auch sie nun wie ihre Mutter in der Situation ist, dass sie in einer schwierigen Situation schwanger geworden ist und das Kind vielleicht alleine großzieht, würde die Serie genial abrunden. Andererseits lässt sie zuviele Punkte offen, die auf einen Fortgang der Serie deuten. Das wiederum finde ich tatsächlich nicht gut. Mir wäre es lieber gewesen, wenn sich der Kreis schließt und das wars. Idealerweise kommt noch eine Staffel, die das Geschehen abrundet und dann könnte wirklich der Sack zugemacht werden, aber bitte nicht mehr. Meine Wunschvorstellung wäre, dass sie entweder mit Logan zusammenkommt – ich weiß sowieso nicht, was die beiden davon abgehalten hat es ‚richtig zu machen‘. Oder Jess und sie kommen zusammen und bei ihm kann sie dann auch gleich noch ihr Buch rausbringen. Warum nicht. Wir wissen doch alle, dass er sie noch liebt. Oder?

„Midnight Diner: Tokyo Stories – Main Trailer – Netflix“, via Netflix Asia (Youtube-Channel)

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‚Midnight Diner‘

Es ist ein bisschen schwierig Informationen über Midnight Diner (Shinya Shokudô) zu bekommen. Die Serie basiert auf einem Manga, es gab aber mehrere Filme, welche japanischen, mindestens einen koreanischen Ursprungs. So kann ich nur raten, dass es sich hierbei um die Serien-Version aus dem Jahr 2009 handelt, die ggf. von mehreren Staffeln zu einer zusammengefasst wurde? Vielleicht ist es gerade deswegen so schwer auseinanderzuhalten, weil die einzelnen Episoden in sich abgeschlossen sind und man quasi jederzeit anfangen kann Midnight Diner zu schauen, egal welche Version oder Folge. Erzählt wird nämlich die Geschichte der Besucher einer traditionellen japanischen Gaststätte bzw. eines Imbisses, der in etwa von Mitternacht bis morgens geöffnet hat. Der von allen ‚Master‘ genannte Besitzer und Koch serviert den Gästen was sie wünschen, solange er die Zutaten dafür hat. Die Gerichte bringen dabei meistens eine besondere Geschichte mit sich so wie die Besucher des mitternächtlichen Imbiss. Und manchmal ändert der Master mit einer einzigen kleinen Einmischung das Leben der Kunden.

Die melancholische Stimmung im Shinya Shokudô/Midnight Diner ist das richtige um nach einem verrückten oder stressigen Tag runterzukommen. Es ist wie der Master im Vorspann sagt. Manchmal gehen die Menschen nach einem langen Arbeitstag noch nicht nach Hause, sie brauchen erst noch einen anderen Ort. Hier: einen Ort zum reden, zum zur Ruhe kommen. Die Serie macht einen mild und nachdenklich, auch wenn einige der Geschichten und Charaktere fast schon zu verschroben und seltsam sind. Wie der Physiker, der nur an seine Formeln denkt oder der gealterte Comedian. Nicht jede Geschichte endet positiv, damit ist die Serie ein bisschen wie das Leben und sehr abwechslungsreich. Das Format ist perfekt für Gelegenheitsgucker – die ca. 23-minütigen, melancholischen Episoden, die auch in sich abgeschlossen sind, laden dazu ein, mal ein bisschen in einem sehr stillen Ort in Tokyo zu verweilen und einen kleinen Einblick in den japanischen Alltag und die Mentalität zu erhaschen. Für mich als Fan des episodenübergreifenden Erzählens, war es manchmal etwas schade, dass man nicht mehr über den Master oder die Stammkunden erfahren hat. Aber das ist wohl auch ein Teil des Mysteriums und das Anziehende, was die Serie ausstrahlt. Und nicht zu vergessen den augenzwinkernden Charme – wenn beispielsweise zum Schluss von den Charakteren noch ein Tipp zum Kochen des jeweiligen Rezepts der Woche gegeben wird und man dabei einen kleinen Hinweis darauf bekommt wie die Geschichte vielleicht weitergeht. 😉

(8/10)

Sternchen-8

Habt ihr die Serien schon gesehen? Was ist eure Meinung zu den ‚Gilmore Girls‘? Habt ihr euch das Leben der Lorelais so vorgestellt, viele Jahre nach der bisher letzten Staffel? Oder seid ihr enttäuscht? Bis jetzt habe ich tatsächlich keine einzige Review gelesen, damit es spannend bleibt 😉 Erwartet ihr eine neunte Staffel bzw. ein weiteres Special? Und kennt ihr ‚Midnight Diner‘ oder sogar den zugrunde liegenden Manga? Spoiler in den Kommentaren bitte vermeiden, geschickt wortgewandt umspielen oder kennzeichnen. Bitte am liebsten geschickt wortgewandt umspielen 😉

Immer zwischen dem 5. und 10. eines jeden Monats mache ich einen kleinen Ausflug in die Serienlandschaft. Ob aktuelle Serien, all-time-favorites, irgendeine TOP-5 oder einfach ein paar zerstreute Gedanken: es ist alles dabei :).