Rückblick auf das Lesejahr 2016

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So – da ist er, der letzte Rückblick. Und der widmet sich dem Lesen, dass ich dieses Jahr extrem genossen habe. Es gab auch kaum ein Buch, dass ich liegen gelassen habe, weil ich nicht mehr wollte. Meistens musste ich sie eher liegen lassen, weil das Leben plötzlich so schnell war und an mir vorbeigezogen wäre, wenn ich nicht aufgesprungen wäre. Auf dass 2017 mindestens so ein schönes Lesejahr wird! 🙂

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Bei den Filmen ist es IMDB, bei den Serien meine Excel-Tabelle und bei Büchern hilft mir Goodreads auf die Sprünge festzustellen, was ich mir eigentlich wann zu Gemüte geführt habe. Und Goodreads hat mir gesagt, dass ich 32 Bücher gelesen habe. Zwei davon sind Fachliteratur für den Beruf, eins ein Sachbücher (über Downton Abbey 😉 ), eins ein Reiseführer und der Rest war für die Seele. Bücher sind Futter. Darunter sind auch drei Hörbücher, elf Manga und eine Graphic Novel. Insgesamt habe ich wohl 8427 Seiten gelesen. Das kürzeste Buch war „Love: Der Fuchs“ mit 80 Seiten. Und das längste „Head First Design Pattern“ (Fachliteratur IT) mit 638 Seiten. Durchschnittlich hatten die Bücher eine Seitenanzahl von 281 – hier wird die Statistik wohl stark durch die Manga beeinflusst, die eben so im Schnitt 250 Seiten haben. Meine durchschnittliche Bewertung lag bei 4,2 von 5 möglichen Punkten, wobei 5 bedeutet, dass es großartig war. Das sieht in meinen Augen nach einem sehr schönen Lesejahr aus. 🙂 Müsste ich meine fünf besten Lese-Erlebnisse auflisten, dann würde das so aussehen …

Meine Top-5 Bücher, gelesen im Jahr 2016

  1. 1984, George Orwell
  2. Eleanor & Park, Rainbow Rowell
  3. Solaris, Stanisław Lem
  4. Gipfel der Götter (Band 1), Jiro Taniguchi
  5. Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt, Haruki Murakami

Und warum die TOP 5 so aussieht, darüber geben vielleicht die folgenden Absätze Aufschluss. (Berufliche und Fachliteratur allgemein habe ich mal ausgelassen, und die Manga-Bände bespreche ich auch nicht einzeln.

Drei Sätze zu jedem Buch

Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children (Ransom Riggs) Die Mischung hat mich anfangs sehr mitgerissen: düstere Geschichte, liebenswert-schräge Charaktere, der schwarzhumorige und ironische Hauptcharakter, diese herrlich düster-seltsamen Fotos – cool! Dann aber fängt die Geschichte an sich zuvieler Stereotypen und Tropen zu bedienen und hat mir keinen Spaß mehr gemacht. Schätze das ist eben so ein Young-Adult-Ding.

Gipfel der Götter (Jiro Taniguchi) Leider habe ich den Manga noch nicht zu Ende gelesen und möchte daher noch nicht zuviel dazu sagen. Aber die Geschichte um die besessenen Bergsteiger und den Ruf des Gipfels finde ich sehr mitreißend. Taniguchis Bilder sind unglaublich detailliert und wunderschön.

Solaris (Stanisław Lem) Das Buch ist intelligent und fordert den Leser regelrecht. Lem hat sich eine ganze Wissenschaftsgattung rund um den fiktiven Planeten Solaris ausgedacht, eine sehr dichte Welt. Nebenbei stellt die Geschichte den Leser vor fundamentale, philosophische und moralische Fragen und obwohl es Lem nicht gefällt: der Mensch und das Thema Beziehung sind mindestens genauso spannend.

Love: Der Fuchs (Brrémaud, Frédéric) Eine wunderschöne Graphic Novel, die mal abgesehen von einem Zitat zu Anfang komplett ohne Worte auskommt. Der Überlebenskampf des Fuchses und der anderen Tiere auf der dem Untergang geweihten Insel sind sehr mitreißend. Soviel können Bilder vermitteln – selbst ohne Worte.

Gehe hin, stelle einen Wächter (Harper Lee) Die Leseaktion mit Kathrin war noch das Beste an dem Umstand, dass ich das Buch gelesen habe. Ansonsten wäre es einfach nur seltsam gewesen, denn Harper Lees Buch als ‚Sequel‘ zu To Kil A Mockingbird hat mich gar nicht überzeugt. Das ganze Buch wirkt wie out of character.

Horrorstör (Grady Hendrix) Ein cooles Buch für Zwischendurch. Kein Meisterwerk, dass mich vom Hocker haut. Aber es ist ein schöner Mix zwischen Comedy, Satire und Horror und die Ikea-Masche ist ziemlich clever. 😉

1984 (George Orwell) Ein großartiges Buch! Orwells Vision ist eine düstere und wachrüttelnde aber nichts für zart-besaitete. Es gibt Zitate und Passagen, an die ich mich noch heute erinnere – sogar Newspeak hat sich in mein Hirn gebrannt.

Niemalsland (Neil Gaiman) Leider hat mich die Handlung nicht so abgeholt wie Gaimans American Gods, das immer noch eins meiner Lieblingsbücher ist. Dafür sind die Charaktere zu stereotyp, obwohl die Welt eigentlich sehr kreativ ist. Allerdings funktioniert das Buch extrem gut, wenn man London liebt oder gerade da war (Knightsbridge/Nightsbridge und so).

Eleanor & Park (Rainbow Rowell) Was für eine schöne Geschichte über zwei Menschen, die ein bisschen anders sind als alle anderen und die sich finden. Zum Einen ist das Buch ein Plädoyer dafür zu sich selbst zu stehen, zum anderen eine bittersüße Liebesgeschichte. Und der Stil ist so locker-flockig – ein Beispiel für ein grandioses Young-Adult-Buch.

Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt (Haruki Murakami) Ich muss gestehen, dass ich das Buch nur wegen „Das Ende der Welt“ in die TOP 5 aufgenommen habe und weniger wegen dem anderen Teil der Geschichte „Hard-Boiled Wonderland“. Die zuletzt offenbarten Zusammenhänge zwischen den beiden Teilen der Geschichte sind zwar stark, aber ich habe vieles an „Hard-Boiled …“ ganz und gar nicht gemocht. Dafür fand ich „Das Ende der Welt“ sogar ziemlich poetisch und ging mir irgendwie nahe.

Harry Potter and the Cursed Child, Parts 1 & 2 (J.K. Rowling, Jack Thorne, John Tiffany) Gute Unterhaltung, die nicht an den schönen Genremix der Harry-Potter-Bücher rankommt. Wenn man aber ohne zu hohe Erwartungen rangeht und sich bewusst macht, dass es kein Roman, sondern Epik/ein Transkipt eines Theaterstücks ist, dann wird man damit wenig Probleme haben. Es ist eben keine Harry-Geschichte, auch keine Hogwarts-Geschichte, sondern eine über Missverständnisse.

Monster 1983 Staffel 2 Wieder eine sehr gelungene Staffel des Hörspiels, die einige creepy Momente hat. Was ich sehr gut finde: es werden wirklich viele Rätsel gelöst und Handlungen abgeschlossen. Was ich nicht gut finde: der Cliffhanger deutet an, dass es wieder weitergehen wird.

Die Känguru-Chroniken und Das Känguru-Manifest (Marc-Uwe Kling) Dazu muss ich wahrscheinlich kaum etwas sagen. 😉 Ein schönes kurzweiliges Hörbuch, dessen subversiver (Wahn)Witz richtig Spaß macht. Hat mir besser gefallen, dass es im Manifest dann eine lose Storyline gab und mehr Nebencharaktere.

The Psychopath Test (Jon Ronson) Ein interessantes Buch, dass die sogenannte Madness-Industry auseinander nimmt und von allen Seiten beleuchtet. Jon Ronson macht das wie ein Gonzo-Journalist und lässt seine subjektive Wahrnehmung einfließen, was das ganze locker, witzig und manchmal auch sehr ernst macht. Wirklich wertvoll ist aber der Effekt, dass es alle geschilderten Personen und Ereignisse gab und man viel recherchieren kann, obwohl es sich stellenweise wie ein Roman anfühlt.

Unheimliche Geschichten (Edgar Allen Poe, Benjamin Lacombe) Zwar kannte ich die meisten Geschichten von Poe schon, aber es hat mich gereizt so eine liebevoll gestaltete Ausgabe zu haben. Benjamin Lacombe hat die Illustrationen zu den Geschichten beigesteuert. Ihn kenne ich ja v.A. durch Kathrin und seine Bilder passen manchmal extrem gut von der Atmosphäre, wobei ich mich bei anderen etwas daran gestört habe, dass sie nicht so sehr das wiedergeben, was in der Geschichte beschrieben wurde.

Death Note (Takeshi Obata & Tsugumi Ōba) Death Note ist ja quasi ein Klassiker unter den Manga, die flächendeckend und v.A. verschiedene Altersgruppen begeisterten. Zu Recht – das Detektivspiel ist sehr spannend. Nur die Mitte hatte einen Durchhänger, in dem mir das Gesehene etwas zu over-the-top vorkam.

Alice’s Adventures in Wonderland and Through the Looking Glass (Lewis Carroll) Endlich habe ich es auch gelesen 🙂 Tatsächlich ist der Wortwitz und der Fantasiereichtum großartig. Was mich aber etwas erstaunt, sind die Worte über Lewis Carroll im Vorwort etc. und der Umstand, dass Alice und ihre Umgebung sehr viel reservierter und streitlustiger aufeinander reagieren, während in Filmen und anderen Medien Alice wie eine Retterin, Erlöserin oder Prinzessin behandelt wird.

Goodreads Reading Challenge

I did it! 😀 Ich hatte mir für das letzte Jahr vorgenommen 30 Bücher zu lesen und habe das Vorhaben übertroffen und 32 gelesen. Das funktionierte aber v.A. deswegen so gut, weil ich viel Manga gelesen habe. Ansonsten komme ich zwar immer noch auf mehr Bücher als letztes Jahr, aber es sind selten mehr als zwei Bücher pro Monat. In meinem Rückblick auf 2015 habe ich noch gesagt, dass mein Schnitt wohl bei einem Buch pro Monat bleiben wird, von Manga mal abgesehen. Aber da habe ich mich wohl doch übertroffen. 😀 Cool, das freut mich ja sehr. Dem kann man auch entnehmen, dass ich 2015 deutlich dickere Wälzer gelesen habe. Ein Trend zu dem ich nicht unbedingt zurückgehen muss. Für das aktuelle Jahr habe ich nochmal erhöht und möchte 35 Bücher schaffen. Ich weiß, dass das lachhaft ist im Vergleich zu dem was die anderen da draußen lesen, aber mehr ist nicht drin. Was den Spaß und die Freude am lesen aber nicht schmälert. 😀

Vorsätze gehalten? 6 Bücher für 2016

I did it! 😀 Auch das. In 6 Buchvorsätze für 2016 habe ich Anfang des Jahres festgelegt, was ich lesen möchte. Um mir überhaupt ein Bild davon zu machen, worauf ich Lust habe, habe ich aber eine Weile gebraucht Anfang 2016. Schließlich wurde es dann Lewis Carolls „Alice“, Orwells „1984“, Murakamis „Hard-Boiled Wonderland und das Ende der Welt“, „Solaris“, „The Psychopath Test“ und Gaimsn „Niemalsland“. Aber irgendwie ist mein Buchliebhaber-Herz gewachsen. Ende 2016 hatte ich schon die Bücher zusammen, die ich 2017 lesen möchte. Aber darüber gibt es dann einen eigenen Artikel.

Höhepunkte eines Lesejahres

Oh da gab es einige. Vor Allem das Gemeinsame Lesen mit Kathrin, in denen wir uns Lees „Gehe hin, stelle einen Wächter“ (auf Twitter nachvollziehbar unter #ZurückNachMaycomb) und Orwells „1984“ (#WinstonsDiary) gewidmet haben. Außerdem hatte ich die Freude Kathrin wieder auf der Leipziger Buchmesse zu begegnen, genauso wie Sani. Das wird schon eine Tradition und es hat mich sehr gefreut alle wieder zu sehen. Ich würde euch ehrlich gern öfter sehen 😀 Die Buchmesse selber war auch sehr toll – was ja ausgiebig im Blog hier und hier besprochen wurde 😉 Ich freue mich schon auf die diesjährige Messe. Im Blog hatte ich dieses Jahr außerdem viel Spaß daran die literarischen Vorlagen mit ihren Verfilmungen zu vergleichen. Da kommen wahnsinnig interessante Visionen und sehr seltsame Abweichungen zustande. Manche sehr verblüffend profit- und massenmarkt-orientiert, andere geben Aufschluss über die Gesellschaft zur Zeit des Drehs. Da wären beispiels Vergleiche zu Lems „Solaris“, „1984“, „Miss Peregrines Home for Peculiar Children“ oder auch Stephen Kings „Der Anschlag“. Ich könnte auch noch weitermachen – Alice würde sich dafür ja sehr anbieten, fällt mir gerade ein.

Eine Entwicklung des letzten Lesejahres ist, dass ich mein Vorhaben in die Tat umgesetzt und sehr viele englische Ausgaben gelesen habe. 2015 habe ich damit noch gehadert und wo jetzt ein Ausrufezeichen ist (Mehr englische Bücher!) war da Ende 2015 noch ein Fragezeichen (Mehr englische Bücher?) aber inzwischen ist das längst keine Frage mehr. Wann immer mir die englische Ausgabe mir mehr bietet als die Deutsche, sei es ein schöneres Cover oder ein längeres Vorwort, greife ich zu der Ausgabe. Das Vorhaben mehr Manga zu lesen habe ich dieses Jahr auch das erste Mal seit ca. zwei Jahren wieder geschafft in die Tat umzusetzen und das Langzeit-Projekt „Die große Auslese“ hat einen großen Sprung nach vorn gemacht. Neben 20th Century Boys und Pluto habe ich also einen weiteren Manga zu Ende gelesen, den ich schon mal halb fertig hatte und dann aus irgendwelchen Gründen liegen gelassen habe. Bei Death Note hat mir damals ein derber Spoiler den Spaß verdorben. Aber jetzt macht mir der Gedanke enorm Spaß, dass ich es endlich zu Ende gelesen habe. Und es wurde gegen Ende nochmal richtig richtig gut.

Und was kommt 2017?

Wo wir gerade beim Thema waren … für das neue Jahr nehme ich mir wieder vor eine, bestenfalls zwei Mangareihen auszulesen, die schon zu lange darauf warten. Zur Auswahl stehen Gipfel der Götter und Bakuman. Ich hadere auch etwas mit mir, ob ich es irgendwie hinkriege Monster von Naoki Urasawa zu Ende zu lesen. Aber das wird hart, denn der Manga hat soweit ich weiß 18 Bände und weil es so lange her, müsste ich von vorn anfangen. Mal sehen wie mutig ich bin. Die nächste Schwierigkeit ist auch, dass der Manga in Deutschland irgendwann aufgehört wurde zu veröffentlichen. Aber die Geschichte würde mich sehr reizen. Urasawa ist einer meiner Lieblings-Mangaka. Schätze bis zum 7 Bücher für 2017 Artikel habe ich mich entschieden. 😉 Ansonsten möchte ich natürlich gerne in diesem Jahr wieder eine bunte Mischung haben. Ein paar Klassiker, ein bisschen was Modernes, wahrscheinlich auch mal Graphic Novels für Zwischendurch und sogar die Fachliteratur steht schon fest. Es gibt soviele Autoren von denen ich so gerne mal etwas lesen möchte … zum Beispiel Philip K. Dick, William Gibson, John Irving … und ein Jahr ohne Murakami macht ja gar keinen Sinn. Aber von den konkreten Vorsätzen erzähle ich euch demnächst 😉

Habt ihr Lese-Vorsätze für das (jetzt nicht mehr ganz so) neue Jahr? Und wie war euer Lesejahr? Seid ihr eher die Viel-Leser oder eher weniger? Gab es in diesem Jahr ein Buch, das euch in ganz besonderer Erinnerung bleiben wird? Habt ihr einen neuen Autor kennen gelernt oder ein neues Genre für euch entdeckt?