Neulich im Kino … Review zu „Sieben Minuten nach Mitternacht“

Posted by in 2016, Drama, Film, Literaturverfilmung, Review, Spanien, Spielfilm, UK, USA

Patrick Ness‘ Jugendbuch ist total an mir vorbei gegangen. Erst als bereits der Trailer zum Film draußen war, wurde ich darauf aufmerksam, habe es aber nicht mehr geschafft es zu lesen. Dass ich nicht darauf aufmerksam wurde, ist seltsam, denn normalerweise klappt das meistens dank der Blogosphäre. 😉 Dass ich es trotzdem irgendwann der Sammlung hinzufügen werde, steht aber schon fest, denn die Illustrationen sehen wunderbar aus. Und wird der Film dem gerecht? Kritik ist spoilerfrei.

Regiesseur Juan Antonio Bayona dürfte den meisten durch seine Filme Das Waisenhaus und The Impossible bekannt sein. Jetzt versuchte sich der Spanier an der Verfilmung des populären Young-Adult-Romans „A Monster Calls“ von Patrick Ness (der das Buch auch illustrierte) nach einer Idee der früh verstorbenen Siobhan Dowd. Film und Erzählung handeln von Conor O’Malley (Lewis MacDougall), der mit seiner krebskranken Mutter (Felicity Jones) zusammenlebt. Er liebt sie über alles aber neben der Sorge um sie und ob sie die Krankheit besiegt, wird er in der Schule gehänselt und verprügelt. Zu all den Sorgen und der Last auf seinen Schultern kommt aber noch mehr. Als sich der Zustand seiner Mutter verschlechtert, bringt sich seine Großmutter (Sigourney Weaver) ins Spiel. Connor soll von nun an erstmal bei ihr leben, damit seine Mutter für weitere Behandlungen ins Krankenhaus kann. Sein Vater (Toby Kebbell), der inzwischen mit seiner neuen Familie in den USA lebt, nimmt zwar Anteil, kann ihn aber nicht zu sich nehmen. Als all das über Conor zusammenbricht und er fürchten muss, dass es seiner Mutter schlechter geht, ruft er ein Monster herbei. Und das erscheint immer pünktlich sieben Minuten nach zwölf.

Das Monster, im Original gesprochen von Liam Neeson, kann auf verschiedene Weise gedeutet werden. Connor selber ist ein schlaues Kerlchen und weiß von Anfang an, dass es nur ein Traum ist, in dem er das Monster sieht. Aber was das Monster wirklich ist, darauf geben Fotos im Film Aufschluss: also genau hinsehen. Und wenn das Monster auftritt, dann macht das ziemlich Eindruck. Die Erde bebt, die Häuser zittern, es ist wie ein Ausbruch, wenn die alte Eibe sich aus dem Boden hebt und als Monster in Erscheinung tritt. Und das wirkt gewaltig und wie eine Eruption, ein Naturereignis, ein Unwetter und alles zusammen, obwohl das Monster eigentlich ganz freundlich aussieht und nicht mal so düster wie im Buch. Es hat etwas märchenhaftes und gewaltiges so wie der ganze Film. Nimmt man alleine die Schauplätze und die restliche Ausstattung erweckt das alles den Eindruck einer zufriedenen kleinen Familie, voller kleiner Individualisten. Die vollgestopfte Wohnung von Conor und seiner Mutter beispielsweise, in der es in jeder Ecke etwas zu entdecken gibt, was entweder nach wunderbaren, bunten Erinnerungen aussieht oder nach einer ‚echten‘ Wohnung, wo ‚echte‘ Menschen leben. Ihr wisst schon, da steht das Öl zum Kochen auf der Anrichte neben ganz viel Krimskrams, Conor dreckt seine Gummistiefel ordentlich ein und irgendwo mitten in der Wohnung steht das Waschmittel. Und das gibt ganz gut wieder wie sich der Film anfühlt: sehr echt. Und das transportieren die Darsteller meisterlich und ungeschönt. Felicity Jones in der Maske einer von der Krankheit ausgezehrten zu sehen, macht auf grausame Art greifbar wie machtlos man ist, wenn die Gesundheit auf dem Spiel steht. Selbst Sigourney Weaver verzichtet in dem Film auf schönen Pomp und kommt zuerst als toughe Oma daher, aber später als Frau, die fast einknickt unter dem Verlust ihrer Tochter und auf allen Tünef verzichtet. Make-Up und Hairstyling. Alles nicht wichtig im Angesicht eines solchen Verlusts. Auch hier wieder: echt.

Was ich an der Optik des Films außerdem bewundere ist das raue. Bayona und das Team spielen stark mit den Elementen. Wind der den Abhang in Conors Albträumen entlangweht und das dröhnende Beben, wenn sich das Monster erhebt. Sound und Bild waren selten so eindringlich und auf den Punkt. Gut: die wunderschön animierten Sequenzen mit den Geschichten, die das Monster erzählt, hätten ruhig aus der analogen statt der digitalen Feder kommen können. Aber sie sind trotzdem sehr gelungen. Und zu guter letzt: die Handlung, denn bisher klang alles ja sehr perfekt, oder? Auch die Handlung kann gut mithalten. Zwar ist diese etwas vorhersehbar (und das tut weh), aber nichtsdestotrotz rührend. Ist der Film ein Tränenzieher? Aber hallo. Und was für einer. Aber das ist auch richtig so, denn wenn Conor sich das letzte Mal dem Monster stellt und ans Licht kommt, weshalb er das Monster braucht, bleibt kein Auge trocken. Denn das ist eine der grausamsten Wahrheiten, die es gibt, wenn geliebte Menschen krank werden.

Sieben Minuten nach Mitternacht (OT: A Monster Calls), USA/UK/Spanien, 2016, Juan Antonio Bayona, 109 min, (8/10)

Sternchen-8

„SIEBEN MINUTEN NACH MITTERNACHT Trailer German Deutsch“, via KinoCheck (Youtube)

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Habt ihr den Film schon gesehen? Wenn ja, wie hat er euch gefallen? Kennt ihr das Buch? Und wenn ja, wie schneidet der Film im Vergleich zum Buch bei euch ab?