Serien-Besprechung: Heute ist Science-Fiction-Tag („Dark Matter“ S1, „The Expanse“ S2, „Orphan Black“ S4)

Posted by in Review, Serienlandschaft

Heute ist Science-Fiction Tag. Bei meinem Genre-Fokus „Science Fiction“ vor ein paar Wochen habe ich den Reviews der Serien hier teilweise schon etwas vorgegriffen, aber die richtige Besprechung steht noch aus. Insgesamt muss ich sagen, dass ich dieses Jahre ein, zwei Staffeln zuviel gesehen habe, die an Bord eines Raumschiffs spielen, obwohl ich die Wiederbelebung des Genres sehr begrüße. 🙂 Und weil ich weiß, dass ihr lange Artikel nicht mögt … TLDR; Die beste Sci-Fi-Serie war wohl „The Expanse“, da mit Staffel zwei nochmal ordentlich rangeklotzt wird und dem Genre viel hinzufügt, woran andere Serien gescheitert sind. Reviews sind spoilerfrei. für die besprochene Staffel, nicht aber für frühere Staffeln.

„Dark Matter – Trailer“, via IGN (Youtube)

„Dark Matter“ Staffel 1

Die kanadische Sci-Fi-Serie hat eine zwar nicht neue, aber athmosphärisch spannende Grundidee. An Bord eines Raumschiffs wachen sechs Menschen auf, haben aber keine Erinnerung daran wer sie sind. Auch der Bord-Android (Zoie Palmer) kann ihnen keinen Hinweis geben, da ihr Speicher gelöscht wurde. Die sechs wissen nichts besseres als sich durchzuzählen, „Eins“ heißt derjenige, der zuerst aufgewacht ist (Marc Bendavid). Unter den Sechs ist außerdem die kampferprobte „Zwei“ (Melissa O’Neil), „Drei“ (Anthony Lemke) der mit seinen subversiven Meinungen ständig aneckt, der wortkarge „Vier“ (Alex Mallari junior) der offensichtliche asiatische Kampfkunst beherrscht, ein junges Mädchen „Fünf“ (Jodelle Ferland) und der gutmütige „Sechs“ (Roger Cross). In der Ratlosigkeit zurückgelassen, halten sie erst einmal zusammen, nur um sehr schnell festzustellen, dass einige von ihnen gesuchte Kriminelle sind.

Die Gruppe ist von diesem Fakt so ziemlich erschüttert. Klar: so hatte sich ja niemand, der ohne Erinnerung aufwacht für einen Mörder oder gesuchten Gangster gehalten, obwohl man es sich bei „Drei“ ganz gut vorstellen kann. So beschließt die Gruppe erstmal zusammenzubleiben, nach den Gründen für ihren Gedächtnisverlust und ihre gemeinsame Fahrt zu suchen und möglichst nicht geschnappt zu werden. Aus dem anfangs spannenden Grundgedanken entwickelt sich aber schnell ein abgedroschenes Case-of-the-week-Szenario, zu dessen größeren Schwächen zählt, dass es kein ordentliches World Building betreibt. Man kann die Serie eine Staffel lang schauen ohne wirklich ein Gefühl dafür zu bekommen, was das für eine Welt ist, in der sie Güter von A nach B transportieren. Die Hinweise über die Vergangenheit der Sechs werden aber immerhin in schöner Regelmäßigkeit gestreut und so manche Geschichte auch in der ersten Staffel bereits enthüllt. Tatsächlich gibt es aber noch eine Menge Rätsel, auf deren Auflösung man wartet. Das große Plus der Serie sind die Charaktere, die schnell eine gewisse Eigendynamik entwickeln – „Eins“ und „Drei“ können sich wunderbar streiten und es macht Spaß dabei zuzuschauen. Man kann also getrost sagen, dass die Serie von ihren Charakteren lebt. Die deutsche Synchro wirkt außerdem low budget und lässt an einigen Stellen Lippensychronität vermissen.

(6/10)

Sternchen-6

„The Expanse Season 2 Trailer #3 (HD)“, via TV Promos (Youtube)

„The Expanse“ Season 2

enthält Spoiler für S1

Nach dem fulminanten Finale der letzten Staffel, dreht die Serie auf und vereint einige der in Staffel eins noch parallel nebeneinander existierenden Handlungsfäden. Nachdem der Verbleib von Julie Mao (Florence Faivre) und ihr grausamer Tod durch Joe Miller (Thomas Jane) und die Crew der Rocinante entdeckt wurde, konnten sie fliehen, müssen aber aufgrund einer Strahlenvergiftung behandelt werden. Die grausame Realität rund um das Protomolekül ist, dass es ein aus dem Ruder gelaufenes Experiment ist, dass einfach auf die Eros Station losgelassen wurde. The Expanse macht die Crew der Rocinate zu denjenigen, die versuchen die Moral zu wahren und sich irgendwie in dieser Welt zurecht zu finden, wo Menschenleben durch milliarden Kilometer getrennt sind und deswegen scheinbar weniger wert. So treffen James Holden (Steven Strait), Nagata (Dominique Tipper) und viele andere Entscheidungen, um die sie nicht gebeten haben. Selten war eine Science-Fiction Serie so konsequent und hat einfach mal einen Asteroiden aus dem Canon der Geschichte radiert.

Ein bisher unterrepräsentierter Akteur in dem interplanetaren Polit-Thriller, der The Expanse nun ist, bekommt außerdem eine Plattform: Mars. Nachdem auf Ganymed eine Gruppe von Mars-Marines rund um Bobbie Draper (Frankie Adams) angegriffen und fast ausgelöscht wird, bahnt sich ein interplanetarer Konflikt an: wer waren die Angreifer? Waren es Truppen von der Erde? Wer hat den ersten Schritt gemacht? Und was war das für ein Wesen ohne Raumanzug? Damit wird die Serie noch konsequenter und entwickelt eine politisch, schwerwiegende Dramatik und Atmosphäre, die glaubhaft macht, dass es jede Sekunde zu einem Krieg galaktischen Ausmaßes kommen könnte. Anfangs sehr einfach skizzierte Figuren wie Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) bekommen deutlich mehr Profil und Grauschattierungen. Gut und Böse wird weicher gezeichnet und lässt den Zuschauer nicht selten mit der unschönen Frage zurück: Was hättest du in ihrer/seiner Situation getan? Was ein schöner Nebenaspekt ist: die Serie tut auch etwas für ihr World Building und verneigt sich mit einer nicht minder dramatischen Episode vor der Technologie ihrer Zukunftsvision, indem der Erfinder des Epstein-Antriebs, Solomon Epstein, seine Erfindung testet – mit verheerenden Folgen.

(9/10)

Sternchen-9

„Official Orphan Black Season 4 Trailer – Thursday, April 14th 10/9c on BBC America“, via BBC America (Youtube)

„Orphan Black“ Season 4

enthält Spoiler für S1-S3

Staffel vier wirkt ein wenig so, als ob sie die Verwirrungen und Verzögerungen der dritten Staffel hinter sich lässt. Und das ist gut, denn die dritte Staffel ist die meiner Meinung nach schwächste der außerordentlichen Serie. Die vierte Staffel vereint stattdessen die losen Handlungsfäden und beginnt dafür in der Vergangenheit und zeigt die Verbindung des finnischen Leda-Klons M.K. und von Beth Childs, beide auf unterschiedliche aber wunderbar zerbrechliche und gleichzeitig starke Weise von Tatiana Maslany verkörpert werden. Die Konflikte von Beth, in die Sarah zu Beginn der ersten Staffel hineinrutscht, werden nun nach einer ganzen Weile erklärt und entführen den Zuschauer und die Sestras tiefer in die Verschwörungen. Sie stoßen zum harten Kern derer, die mit menschlichen Leben spielen. Diesmal geht es um das gentechnische optimieren und programmieren – und wieder sind es u.a. unschuldige Babys, die zu den Opfern der hoch angepriesenen Wissenschaft werden. Dabei gerät Sarah in einen Strudel, der beängstigende Parallelen zu Beth Childs zeichnet, v.A. dadurch dass sie sich von Fe (Jordan Gavaris) und ihrer Familie distanziert und ihre Schwestern eindeutig zu wenig um Hilfe bittet. Nicht zuletzt weil die ihre eigenen Probleme ausstehen müssen. Hinter Alison und Donnie (Kristian Bruun) sind Fahnder hinterher, während Helena (versucht) unauffällig bei ihnen zu wohnen und ihr Kind zur Welt zu bringen. Cosima geht es schlechter und sie muss die Botschaft verarbeiten, dass Delphine erschossen wurde. Doch trotz all dieser negativen Prämissen und Herausforderungen kommt die ausgewogene Mischung der Serie nicht zu kurz und lockert das Geschehen durch ihre herzigen Charaktere auf. Damit meine ich insbesondere Helena (die ganze Staffel über) und auch die von sich sehr überzeugte neue Sestra Krystal, die wir seit der dritten Staffel kennen. Wenn alles gut ist, warum dann der Punktabzug? Weil die Serie immer noch immer mehr neue Akteure und noch gefährlichere Gegner in das Geschehen einführt und es wird Zeit, dass die Serie ihren wohl verdienten Abschluss findet – bei der Meinung bleibe ich und bin eigentlich ganz froh, dass sie dieses mit der 5. Staffel finden wird.

(8/10)

Sternchen-8

„Orphan Black Season 4 BLOOPERS“, via BBC America (Youtube)

Stichwort Science-Fiction … welche Serien könnt ihr empfehlen? Und habt ihr die hier besprochenen schon gesehen? Wie haben sie euch gefallen? Stimmt ihr mir zu, dass Orphan Black ein Ende verdient, bevor sie ins Belanglose abrutscht? Das wäre schlimm, denn ich schätze den Cast und die Ideen der Serie sehr. Gibt es eine Sparte, die ihr im Science-Fiction Genre oder zumindest in aktuellen Produktionen vermisst?