Rückblick auf das Lesejahr 2017

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Rückblicke sind was schönes. Wie sonst führt man sich vor Augen, was das Jahr einem an großartigen Geschichten gegeben hat, was man dazugelernt hat und wie die Reise durch das vergangene Jahr war. 2017 hatte für mich einige gute Bücher und Erlebnisse parat. Aber natürlich auch einige Enten. Womit ich nicht gerechnet hätte ist, dass das Lesejahr SO produktiv werden würde.

Die Grafik zeigt nur die Romane, die ich 2017 gelesen habe. Es ist etwas mehr als im Vorjahr geworden – eine schöne Entwicklung. 🙂 Einige von euch folgen mir bei Goodreads und wissen daher, dass das meine Wahl ist um ein bisschen aufzuzeichnen und zu verfolgen, was ich wann gelesen habe und wie gut es mir gefallen hat. Vom Listen machen und Autoren sowie Freunden folgen will ich gar nicht erst sprechen. Inzwischen bin ich auch etwas besser geworden Goodreads regelmäßig zu pflegen. Es hilft mir dabei einen Überblick zu bewahren und meine Stimmung einzufangen, was mich wann genau bei welchem Buch beeindruckt oder abgestoßen hat. Das ist nicht nur zum Besprechungen schreiben hilfreich, sondern sagt mir noch Jahre später welche Eindrücke ich beim Lesen hatte. Müsste ich sagen, was mich am meisten beeindruckt hat, würde das wie folgt aussehen …

Meine Top-10 Bücher, gelesen im Jahr 2017

  1. Kafka am Strand, Haruki Murakami
  2. Animal Farm, George Orwell
  3. Stories of your life and others, Ted Chiang
  4. Alias Grace, Margaret Atwood
  5. Garp und wie er die Welt sah, John Irving
  6. The Machine Stops, E.M. Forster
  7. Der Gipfel der Götter, Jirō Taniguchi & Baku Yumemakura
  8. Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß, Hiromi Kawakami
  9. Last Hero Inuyashiki, Hiroya Oku (noch nicht beendete Reihe)
  10. Das Ding auf der Schwelle & Die Ratten im Gemäuer, H.P. Lovecraft (Hörbuch)

Dieses Jahr hat es tatsächlich für eine TOP-10 gereicht, während es mir letztes Jahr schwer fiel eine TOP-5 zu machen. 2017 habe ich nämlich einiges mehr an Literatur verschlungen, nicht zuletzt weil es mehr Manga waren und ich inzwischen oft Hörbücher höre. So waren es 42 Bücher, die ich gelesen oder gehört habe. Weil ich mir zwei davon zwei Mal gegönnt habe, zählt Goodreads insgesamt 44 Bücher und (zumindest mich verblüffende) 10638 gelesene Seiten. Das mag für die Hardcore-Lit-Freaks da draußen gar nicht so viel sein, aber ich bin schon irgendwie sehr glücklich darüber, denn soviel habe ich noch nie in einem Jahr gelesen. Auch nicht, wenn man die Hörbücher wegrechnet. Denn unter den 44 Büchern befindet sich zwei Mal Fachliteratur für den Job, eine Graphic Novel („Monstress“ Band 1), ein Sachbuch, wunderbare elf Manga und 12 Hörbücher (quasi 14, weil ich welche doppelt gehört habe) und das bedeutet es waren immerhin fünfzehn Romane.

Das kürzeste, was ich 2017 gelesen habe, war für den Job: der Scrum Guide mit bescheidenen 21 Seiten. Ich war aber wirklich froh, dass jemand das wichtigste zu Scrum auf so wenig Seiten gepresst hat. Ich wünschte ich hätte mein Lernmaterial zur Vorbereitung auf eine Zertifizierung hinzufügen können, das war glaube ich um einiges dicker. Apropos dick … mit 1008 Seiten war Thomas Manns Der Zauberberg das dickste Buch. Und ihr wisst aus meiner Besprechung und meinem Stöhnen auf Instagram vielleicht noch, dass ich ziemlich dran zu knabbern hatte. Es fühlte sich so an als ob ich sieben Jahre gelesen hätte. Ansonsten steigt meine durchschnittliche Bewertung konstant um 0,1 XD Denn meine Durchschnittsbewertung liegt jetzt bei 4,3. Das ist doch schön. 🙂 Letztes Jahr um die Zeit habe ich es noch geschafft zu jedem Buch drei Sätze zu schreiben, das würde heute wohl den Rahmen sprengen, weswegen ich etwas zusammenfasse.

Belletristik

Insgesamt war es ein ziemlich cooles Lesejahr mit vielen guten Romanen. Was mich besonders abgeholt hat, sieht man ja der TOP-10 an. 🙂 Insgesamt war erstaunlich viel Sci-Fi dabei. Ted Chiangs Stories of your life and others allen voran, aber auch das kurze aber gute The Machine Stops und Naomi Aldermans The Power. Mit dem Aufkommen eines bestimmten Muskelns, der elektrische Ladung verursacht, werden Frauen in ihrem Buch nun zum „starken Geschlecht“ und das ganze Gesellschaftsgefüge verändert sich. Das Ende ist genial, aber die Charaktere sind mir zu einfach gestrickt, zu vorhersehbar und zu gewollt. Eine Politikerin, eine Gangstertochter, ein religiöse Führerin. Ich verstehe, warum sie das so gewählt hat wie sie es gewählt hat, aber die Form ist nicht mein Fall. Da mag ich es doch etwas subtiler. Es gab auch wieder Bücher von Autoren, die Pflicht sind: Haruki Murakami (mit Kafka am Strand) und Stephen King (mit Mr Mercedes). Letzteres war auch nicht mein Fall, ich fand es war verglichen mit anderen Büchern von ihm irgendwie 0815. Dafür war der Murakami ein Volltreffer, der mich sehr berührt hat. Autoren, die ich das erste Mal gelesen habe waren John Irving (Garp und wie er die Welt sah, feinsinniger schwarzer Humor, tolle Verwicklungen in der Geschichte), Hiromi Kawakami (Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß) und Margaret Atwood (Alias Grace). Und ich denke letztere werde ich von jetzt an auch jedes Jahr lesen, so wie ich das bei Murakami pflege.

Dann gab es da noch Bücher, die mir auf die unangenehme Art Kopfzerbrechen bereitet haben. Der Zauberberg war ein schweres Stück Arbeit von teilweise lähmender Dekadenz. Als gesamtes Werk ist es sicherlich ein herausragendes Buch, aber der Anfang (und damit meine ich ca. 500 Seiten) fühlt sich wie eine triviale Verballhornung neureicher Menschen an. Was solls. Das Buch hat mir eben einfach nicht gegeben, was ich gesucht habe, obwohl viel Wahrheit drin steckt. Besonders in der zweiten Hälfte. Wenn ich es in 20 Jahren nochmal lese, denke ich wahrscheinlich anders darüber. Ein schwieriges Thema ist Das Zimmer. Der Roman spielt sehr mit dem Leser. Man weiß kaum, was man denken soll. Ist der Protagonist ein unsensibler, arroganter Arsch, der es verdient hat oder ist er ein Opfer seines eigenen Charakters geworden? Wie lange war er schon psychisch krank? Selbst die Deutung, dass er nicht krank ist, ist möglich. Ansonsten habe ich mit Der Lavagänger viel Zeit verbracht, weil das Buch es mir am Anfang nicht sehr einfach gemacht hat. Es fühlt sich etwas bieder an und hat zu verzweifelt versucht den „Helden“ als Helden zu platzieren. Nach hinten raus wird es aber sehr cool. Manchmal lohnt sich das durchhalten.

Manga und Graphic Novels

Eigentlich hatte ich mir für 2017 vorgenommen zwei Reihen auszulesen. Ich habe ja irgendwann den Begriff Die große Auslese ins Leben gerufen und erklärt, dass ich jetzt jedes Jahr mindestens eine Reihe zu Ende lesen will, die ich vor Jahren angefangen und nie beendet habe. Irgendwie bin ich kein Reihen-Leser, ich verliere da einfach die Lust. Manchmal sogar, wenn der Stoff gut ist. Oftmals bei Manga deswegen, weil ich Monate auf den nächsten Band warten muss und dann … ja … passieren andere Dinge in der Zwischenzeit. 2017 hatte ich mir vorgenommen Gipfel der Götter zu lesen und Naoki Urasawas Monster. Gipfel der Götter habe ich beendet und es ist einer der besten Manga, die ich gelesen habe. Aber Monster habe ich nicht geschafft wie schon 2017 befürchtet. Schließlich sind es 18 Bände. Hui. DAS wäre ein Spaß für die Statistik. Ich habe mich an eine englische Reihe gehalten, die die Bücher statt in 18 in ich glaube 9 Ausgaben zusammenfasst, habe davon aber nur einen Band geschafft. Gut abgelenkt hat mich auch der Manga Last Hero Inuyashiki, den ich nahezu verschlungen habe. Abgebrochen habe ich (nach nur einem Band) Die Braut des Magiers. Ich denke, dass das für mich besser als Anime passt, da ich den Zeichenstil nicht mag. Monstress Volume 1 war die einzige Graphic Novel, die ich gelesen habe und wahrscheinlich nicht beende. Kommt darauf an wie lang die Reihe wird. An und für sich finde ich die Idee genial: eine Fantasy-Welt und eine Graphic Novel, die quasi nur von Frauen bevölkert ist und einen starken Hauptcharakter hat. Das ist mal so richtig schön in-your-face im Gegensatz zu den üblicherweise reichlich männlich besiedelten Fantasy-Stoffen. Aber das durchaus sehr coole World Building wird mir zu wenig erklärt und ist mir zu konfus erzählt.

Das „gehörte“ Jahr

Ja … was soll ich sagen. H.P. Lovecraft. Irgendwann bin ich auf der Suche nach einem gruseligen Hörbuch bei Audible über die H.P. Lovecraft-Hörbücher der Reihe H.P. Lovecrafts Bibliothek des Schreckens von LPL Records gestolpert. Daraufhin habe ich im Sommer mit dem ersten angefangen und seitdem mindestens eins pro Monat gehört. Hier gibts meine Besprechungen der H.P. Lovecraft-Hörbücher im Blog. Das war eine ganz besondere Reise, die mich mit Begriffen vertraut gemacht hat, die ich sonst nur vom Hörensagen und aus Hemators Blog kenne. Lovecrafts Kosmos und Gedankenwelten zu ergründen, war definitiv spannend und interessant, auch wenn mich nicht alle Werke in gleicher Form abgeholt haben. Trotz der Vorhersehbarkeit der Erzählungen, waren er mit seinen Theorien und Gedanken seiner Zeit voraus. Allerdings gab es auch eine Zeit vor H.P. Lovecraft dieses Jahr … Anfang des Jahres habe ich noch die Känguru-Offenbarung gehört, aber leider bisher verpeilt zu besprechen. Vielleicht hole ich das nach. Es war jedenfalls ein würdiger (und knuffiger) Abschluss der Reihe. Die Vegetarierin gab es bei Spotify zu hören und ich war sehr berührt von der gesellschaftlichen Enge, durch die sich die Protagonistin kämpft und die einfühlsame Darstellung. Genau genommen ist sie ja nicht die Einzige im Buch, die von der Welt um sie herum entrückt ist. Das Buch möchte ich definitiv auch nochmal lesen. Und dann war da auch noch die Hörbuchvariante von Neverwhere mit James McAvoy, Natalie Dormer und Benedict Cumberbatch. Gaimans Buch hat mir ja leider nicht besonders gefallen, aber die Hörbuchfassung gibt den Charakteren irgendwie mehr Profil und hilft der Atmosphäre sehr auf die Sprünge.

Goodreads Reading Challenge

I did it! Und wie! Ich hatte mir 35 Bücher für die Goodreads Challenge vorgenommen. D.h. in 2017 35 Bücher zu lesen. Und ich habe das gesetzte Ziel übertroffen und 44 gelesen. Das ist mir noch nie passiert, dass ich das Ziel so arg übertreffe. Wenn ich überlege, dass mein Schnitt in den Vorjahren bei ca. ein Roman pro Monat lag und ich mir 2015 noch süße 20 Bücher als Ziel gesetzt habe. Das essen ja andere zum Frühstück. Dass ich die Challenge so übertreffen konnte, liegt aber natürlich zu großen Teilen auch an den Manga und den Hörbüchern. Denn auch wenn ich inzwischen mehr als einen Roman pro Monat schaffe und die Tendenz steigend ist, so lese ich immer noch nicht so irrsinnig viel, weil ich mich auch gut vom echten Leben, Filmen und Serien ablenken lasse. Dass es 2017 soviel wurde, liegt aber auch daran, dass ich sehr Bücher-hungrig geworden bin. Ich überschlage mich jetzt schon wieder fast bei dem Gedanken, was ich als nächstes lesen will …

Vorsätze gehalten? 7 Bücher für 2017

Auch das! Ich habe alle sieben Bücher gelesen, die ich mir für 2017 vorgenommen hatte und bin schon am Überlegen, wer 2018 zu meinen acht Herzblättern gehören soll. Eine richtige Pleite war 2017 unter den sieben nicht dabei. Es hat mich alles begeistert, witzigerweise Das Orakel vom Berge etwas weniger als die anderen. Dabei hatte ich von dem besonders viel erwartet. Die anderen Bücher waren Kafka am Strand (ein Murakami ist Pflicht), Alias Grace (Margaret Atwood ab jetzt auch), Animal Farm (wollte ich schon ewig lesen), Garp und wie er die Welt sah (Besprechung ist noch nicht online), The Lottery and other Stories (durchwachsen, eben ein Kurzgeschichtenband) und Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß (wunderbare, unverkitschte und ungewöhnliche Liebesgeschichte, die etwas ‚ältlich‘ geschrieben ist).

Höhepunkte eines Lesejahres

Da wiederhole ich mich jetzt … natürlich war einer der Höhepunkte die Leipziger Buchmesse 2017, von der ich hier und hier berichtet habe. Und was mich besonders freut ist, dass ich Kathrin, Sani und Sabine getroffen habe. Bei Sabine war es das erste Mal und ich finde es jedes Mal wieder großartig die Gesichter hinter den Blogs zu treffen. Natürlich war auch das erneute gemeinsame Lesen sehr cool! Diesmal waren wir viele. 🙂 Kathrin, Voidpointer, Sabine und ich. Und ich überlege schon, was sich 2018 für ein gemeinsames Lesen anbieten würde. Ich habe da immer noch dieses andere Buch von Ted Chiang hier 😉 Ein kleines Highlight war aber auch die intensive Auseinandersetzung mit H.P. Lovecraft in Form der zahlreichen Hörbücher. Allerdings war es auch ein wenig ein feministisches Jahr. Das Thema spiegelten viele Bücher wieder: The Power, Alias Grace, Monstress. Und ich sage: gern mehr und gern wieder.

Und was kommt 2018?

Apropos … da wären wir an der Stelle, wo ich mir überlege wie 2018 aussehen soll. Bei der Goodreads Challenge habe ich mal optimistische 45 Bücher angegeben. Mal schauen, ob ich das halten kann. Obwohl es dieses Jahr fast geklappt hat, halte ich das immer noch für sportlich. Natürlich wird es auch wieder 8 Buchvorsätze für 2018 geben, aber ich schwanke immer noch … soll ich lieber dieses Buch weglassen und dafür stattdessen definitiv dieses in 2018 lesen? Das sind wirklich wunderbare first world problems. Die Liste ist also noch etwas wackelig, es stehen im Moment mehr als 8 Bücher drauf. Ansonsten möchte ich aber mit der großen Auslese weitermache und halte an Monster fest. Dieses Jahr muss es werden, denn ich möchte auch nicht, dass die englischen Sammelausgaben eines Tages mal vergriffen sind, denn die Machart gefällt mir gut. Und warum immer etwas auslesen, was schon jahrelang rumliegt!? Ich rechne damit, dass dieses Jahr Last Hero Inuyashiki endet und nehme mir einfach vor das zu Ende zu lesen. Scheinbar wird der letzte und zehnte Band im Juli in Deutschland veröffentlicht. Nach dem Ende meines Lovecraft-Hörens wäre es auch mal Zeit für einen Vergleich zum gelesenen Wort. Irgendeine Geschichte von Lovecraft sollte ich mal lesen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob mir seine Geschichten auch in geschriebener Form gefallen. Dass ich mich in diesem Jahr nochmal einem Autor so stark widme, halte ich aber für unwahrscheinlich. Ein bisschen Abwechslung kommt mir ganz gelesen.

Hui … das war’s. Ein ganz schöner Ritt durch das Lesejahr. Wie behaltet ihr einen Überblick über das was ihr gelesen habt? Seid ihr bei Goodreads oder anderen Plattformen? Und wie war euer Lesejahr 2017? War etwas lebensveränderndes dabei? Welche Buch sticht besonders heraus? Wann brecht ihr Bücher eigentlich ab? Brecht ihr Bücher überhaupt ab? Habt ihr auch Lesevorsätze für 2018? Ich stelle ja immer wieder fest, dass ich nicht wirklich Neuerscheinungen lese. Was darf man eurer Meinung nach aber 2018 nicht an Neuerscheinungen verpassen?