Serien-Besprechung: „Doctor Who“ Season 10 & „The Crown“ Season 1

Posted by in Review, Serienlandschaft

Es wird mal wieder Zeit für ein paar Serien-Reviews. Und die heute ausgesuchten habe ich besonders lange vor mir hergeschoben, weil ich mir bei beiden Staffel lange nicht sicher war wie ich sie fand. Der gemeinsame Nenner der heute besprochenen Serien ist außerdem, dass sie auf ihre ganz eigene Art very british sind. 🙂 Und eine frühere Inkarnation des Doctors spielt tatsächlich in „The Crown“ eine tragende Rolle. Reviews sind spoilerfrei.

„Doctor Who“ Season 10

In der neunten Staffel ab es gleich an mehreren Ecken und Enden Stoff zum Nachdenken für den Doktor (Peter Capaldi). Was Clara (Jenna Coleman) passiert ist, war sicherlich nicht seine Schuld, aber wäre sie nicht Companion des Doctors, währen ihre einige Dinge nicht widerfahren. Impossible Girl hin oder her und vielleicht auch gerade deswegen. Auch die Begegnung mit Ashildr (Maisie Williams) dürfte den Doktor nachdenken lassen wie sich seine Taten auf die Sterblich(er)en um ihn herum auswirken. Vielleicht ist das der Grund, warum der Doktor anfangs nicht im Traum daran denkt mit Bill (Pearl Mackie) zu Abenteuern aufzubrechen. Er hat sich als Professor an einer Universität quasi zur Ruhe gesetzt und geschworen etwas (oder jemanden?) zu bewachen. Aber wie das eben so ist … auch wenn der Doktor nicht zu den Unruhen in Zeit und Raum kommt, dann kommen diese eben zu ihm.

„Doctor Who: Official Series 10 Trailer – BBC One“, via BBC (Youtube)

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Ein Wiedersehen gibt es übrigens auch mit Nardole (Matt Lucas), den man aus dem Christmas Special „The Husbands of River Song“ kennt und der sowas wie der Sidekick des Doctors wird. Nardoles kritische Stimme und Schrulligkeit, sowie Bills spritziges und quirliges Gemüt geben der Staffel mehr frischen Wind als der Doctor selber. Der fällt leider in alte Muster und begeht damit eventuell den einen oder anderen kapitalen Fehler. Aus Humanismus und Mitgefühl – wofür wir ihn ja auch wiederum lieben. Die Grumpy-Grandpa-Mentoren-Beziehung, die er zu Bill pflegt macht Spaß anzusehen und Bill setzt den Fokus auf angenehme Weise auf die LGBT-Community, Rechte der Frauen und noch viel mehr und gibt der Staffel damit eine zeitgemäßere Note als so ziemlich alle Vorgänger-Staffeln. Aber irgendwie fühlt es sich nicht so an als ob man ihre Geschichte zu Ende erzählt hätte. Zu plötzlich und leider auch schockierend ist wie die Reise für sie ausgeht. Der Doctor hingegen tut das, was seine 12. Reinkarnation seither getan hat: reagieren so gut wie es geht, auch wenn die Chancen ausweglos scheinen. Sehr viel Spaß macht das Aufeinandertreffen der Doktoren im Christmas Special „Twice upon a Time“, in der David Bradley seine Rolle als erster Doktor aus dem wirklich tollen Film An Adventure in Space and Time fortsetzt und der fließende Übergang scheint extrem gut gelungen.

Ein Charakter, der viel Raum bekommt ist außerdem Missy (Michelle Gomez). Kein Wunder, ihr loses und raffiniertes Mundwerk hat der Serie viel Schwung gegeben. Es ist einfach zu witzig zuzuschauen wie der Doktor es sich zur Aufgabe gemacht hat zu missionieren – sorgt für einige der genialsten Lacher der Staffel. Der Zuschauer wird bei ihr v.A. Krokodilstränen vermuten. Ob oder ob sie nicht gut werden kann ist eine weitere Frage, die aber den Doktor ins Hintertreffen geraten lässt und Peter Capaldi tatsächlich an die Wand spielt. Mal abgesehen von den Charakteren ist die Staffel storytechnisch durchwachsen. Sie bietet weniger Schocker und Twists als andere Staffeln, führt mit den „Mönchen“ neue Gegner ein und bedient die Rituale der Serie mit einigen gruseligen Folgen. Aber auch mit einigen, die aus der Zeit gefallen und trashig wirken. Durchwachsen! Das ist das Wort mit dem man die Staffel beschreiben könnte. Die Einführung Jodie Whittakers als 13. Doctor findet endlich statt und mit einer gebührenden Einleitung, die doppelt und dreifach dick unterstreicht, dass sich Doctor (und Zuschauer!) eine Veränderung wünschen und brauchen. Die ersten Sekunden des neuen Doctors sind aber durchaus nicht glamourös.

(7/10)

Sternchen-7

„The Crown“ Season 1

The Crown ist die teuerste Netflix-Serie bisher. Und wenn man die Serie schaut, dann fällt es einem leicht das zu glauben. The Crown ist vordergründig die Geschichte von Queen Elizabeth, der Zweiten, d.h. der auch jetzt noch amtierenden Königin von Großbritannien. Gespielt wird sie von Claire Foy als eine junge Frau adliger Abstammung, die gerade eine Familie gegründet hat. Ihr Mann Philip (Matt Smith) und sie genießen das Jetset-Leben, werden im Ausland ansässig und haben trotz zwei Kindern eine jugendlich wirkende Beziehung. Aber King George VI (Jared Harris) ist krank, Ärzte geben ihm nur noch Tage. Und so trifft Elizabeth scheinbar fast unvorbereitet die Trauer um den Verlust ihres Vaters und gleichzeitig die Bürde und das Gewicht der Krone.

„The Crown | Official Trailer [HD] | Netflix“, via Netflix (Youtube)

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Und obwohl Elizabeth im Zentrum der Handlung steht, ist eindeutig der Titel Programm. Die Serie heißt nicht Elizabeth, sondern The Crown und behandelt somit nicht nur wie Elizabeth sich mit ihrer Rolle auseinandersetzt, sondern was für Auswirkungen es hat das weltliche Oberhaupt der Kirche zu sein und wie sich Politik und der Dienst für das Volk auf das persönliche Leben auswirkt. So spielt Elizabeths Onkel, Prinz Edward – Duke of Windsor (Alex Jennings), eine Rolle. Der gab einst die Krone auf um mit einer mehrfach geschiedenen Frau (Wallis Simpsons) zusammen sein zu dürfen. Der Stoff wurde schon mehrfach verfilmt, bspw in Form von Madonnas „W.E.“ aber die Dramatik entbehrt für uns vielleicht der Logik. Als Vertreter der Kirche unterliegt man den religiösen Ansichten. Und die halten es für unmoralisch mit jemandem verheiratet zu sein, der den heiligen Bund bereits mit jemand anderem eingegangen ist (der noch lebt). Scheidung war zu der damaligen Zeit noch ein heißes Pflaster. Und bevor wir uns wundern: das ist es in manchen Teilen der Welt immer noch. So musste Edward im Exil leben und seine Frau wird grundsätzlich nicht zu Anlässen der Familie eingeladen. Auswirkungen dieser Art muss auch Elizabeth spüren, als ihre Schwester heiraten möchte oder auch in Hinblick auf ihren Mann, der in dem was er tut nun plötzlich Regeln und Gepflogenheiten unterliegt. Will er fliegen lernen, stimmt darüber plötzlich der Senat ab. Und sagt der Senat nein, dann darf er eben nicht. So befremdlich das aus Sicht der Personen sein mag, doppelt befremdlich ist es für den Zuschauer. Damit gaben sich Politiker ab?

Diese Einschränkung der Persönlichkeitsrechte bringt die Frauen- und Männerrollen der damaligen Zeit für Philip noch empfindlicher durcheinander und beschränkt ihn stark. Wirklich schockierend ist aber wie unvorbereitet Elizabeth wirklich war. Kam niemand auf die Idee einem Mädchen, das wahrscheinlich eines Tages mal Königin wird dieselbe Schulbildung zu gönnen wie einem Jungen, der mal König wird? Das ist es auch, was Elizabeth interessanterweise später beschränkt, wenn es darum geht die Zügel in die Hand zu nehmen. Der Handlungsspielraum der Königin wirkt erschreckend gering. Und so fragt man sich auch: wie ist der Wahrheitsgehalt der Serie? Wenn das wahr ist, dann ist das Gewicht der Krone ein anderes als vermutet. Und wie mag es sich für die Personen anfühlen, die dort auf dem Bildschirm portraitiert wurden? Die Elizabeth und den Philip der Serie konnte ich anfangs nicht mit meinem Bild der nach außen immer etwas unzugänglich wirkenden älteren Herrschaften vereinbaren, die ich aus Fernseh- und Zeitungsberichten kenne. Vielleicht nach der Serie etwas mehr. Anfangs ist v.A. auch Churchill der heimliche Star. Mit einer historischen Ausstrahlung und raubeinig-störrischem Charme gespielt von John Lithgow (Garp und wie er die Welt sah, Dexter). Allerdings muss man auch sagen, dass etwas comic relief fehlt. Der Stoff ist eine politisch-angehauchte und teilweise bitterernste Seifenoper.

(7/10)

Sternchen-7

Tatsächlich habe ich mich also mit beiden Staffeln etwas schwer getan. „The Crown“ hätte ich sogar nach den ersten paar Folgen abgebrochen, weil mir die ersten paar Episoden zu schwermütig waren. Aber ich bin sehr froh, dass ich es wieder aufgenommen habe die Serie zu schauen, weil alles was in den ersten Episoden vorbereitet wird, deutlich an Profil gewinnt. Eine meiner Lieblingsepisoden war die, in der London im Smog versinkt und die, in der Churchill sich portraitieren lässt – gezwungenermaßen. Die „Doctor Who“-Staffel hingegen hat sich sehr untypisch angefühlt, weil der Doctor für mein Empfinden sehr von Missy an die Wand gespielt wird. Ich hoffe wir sehen sie wieder. 😉 Wie haben euch die Staffel gefallen? Habt ihr sie ähnlich empfunden oder ganz anders?