Netzgeflüster: ‚Künstliche Intelligenz‘ (VII) – die Darstellung von KI in den Medien

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Langsam schließt sich der Kreis. Wir haben angefangen uns mit KI in den Medien zu beschäftigen und hören auch damit auf. In der Zwischenzeit hatten wir in dieser kleinen Reihe u.a. die mathematische Sicht, haben auf dem digitalen Blatt Papier kleine Künstliche Neuronale Netze kreiert und über Pioniere auf dem Gebiet geredet und uns dann langsam zurück zu den Medien bewegt. Also heute: die Darstellung von Künstlicher Intelligenz in Film & TV.

die emanzipierte …

Emanzipiert heißt „die traditionelle Rolle nicht mehr akzeptierend, selbstständig, unabhängig“ sagt der Duden. Es gibt tatsächlich sehr viele KIs, Roboter, wasauchimmer, die sich von ihrer ihnen zugedachten Rolle absetzen und über sich hinauswachsen. Ich denke, dass das erstaunlich viel mit dem Streben des Menschen nach Perfektion zutun hat. Auch in meinem Augen wäre die KI, die sich aus freien Stücken weiterentwickeln will der Beweis dafür, dass es wirklich eine ‚Intelligenz‘ ist. Und nicht nur ein ‚Programm‘. Sicherlich spielt dabei auch der Wahn des Menschen eine Rolle unbedingt etwas erschaffen zu müssen, ein Schöpfer sein zu wollen. Vielleicht ein kleiner Gottkomplex… . In manchen Filmen, in denen eine (menschenähnliche) KI über sich hinauswächst sehen wir auch oft nur eine Metapher des Befreiungsdrangs. Robbin Williams möchte in Der 200-Jahre-Mann beispielsweise als Mensch anerkannt werden. In Transcendence hingegen wird ein Mensch vor seinem Tod digitalisiert und lebt als KI weiter – und auch er will raus aus der Box. In I, Robot gibt es gar eine Revolution, die weit über die Grenzen der Asimovschen Gesetze hinausgeht. In Blade Runner sind Replikanten Rebellen, die mehr Weitsicht und ‚Bewusstsein‘ beweisen als Menschen – so gesehen an Rutger Hauer. Und in A.I. möchte ein Junge einfach nur geliebt werden, egal was er ist.

die gefährliche …

Vom Wunsch der Selbstverwirklichung und Empfindung eines ‚Ichs‘ ist es aber scheinbar nur ein schmaler Grad bis zur Gewalt. KI als Endgegner ist ein beliebtes Motiv (mal abgesehen davon, dass die Endgegner in Videospielen oftmals selbst eine abgespeckte KI sind 😉 ). Einige von ihnen handeln im Sinne eines höheren Zwecks – so sieht beispielsweise HAL9000 in 2001: Odyssee im Weltraum v.A. die Aufgabe der Crew seines Raumschiffs in Gefahr. Der Moment, in dem er sich seiner selbst bewusst wird und aus einer Überzeugung heraus handelt, wird lebensgefährlich. Wesentlich differenzierter sieht das der Puppetmaster, der in Ghost in the Shell das Wort Bewusstsein neu definiert und der Protagonistin ganz schön zu denken gibt. Die Ausrottung der Menschen hält Skynet hingegen für den einzig sinnvollen Schritt in eine Zukunft – und schickt den einen oder anderen Terminator als Fußsoldat. Nicht viel glimpflicher springen im Matrix-Universum die Maschinen mit uns um. Da sind wir dann nur noch eine Energiequelle … . Sehr kreativ.

das interessante Konzept

Apropos kreativ … es gibt da einige Modelle, die sind nah an der Realität und sehr schlau gemacht, haben aber einen kleinen Haken, der sie von der Realität letztendlich trennt. So sehen wir in ‚Her‚ einen Mann, der sich in sein einfühlsames Betriebssystem verliebt. ‚Sie‘ ist eine ständige Begleiterin, die auf ihn eingeht und auch über sich hinauswächst. Er hat das Gefühl, dass er mit einem wirklichen Wesen zusammen ist. Emotionen so abzubilden und zu entwickeln wie ’sie‘ ist aber schon ein hartes Stück Arbeit für Forscher. Da reicht keine Imitation. Die KI ‚Magi‘ aus dem Anime Neon Genesis Evangelion hingegen ist dem Menschen in zweierlei Hinsicht nachempfunden. Es besteht aus dreierlei digitalisiertem Bewusstsein einer Frau. Einmal die Komponente von ihr als die Liebende, einmal die Forscherin und die Perspektive der Mutter. Die drei Komponenten ‚leben‘ durch getrennte, künstliche Gehirne (neuronale Netze) und stehen im ständigen Zwiespalt miteinander – sie streiten. Denn ‚Magi‘ ist ein System zur Entscheidungsfindung. Ziemlich klug, oder? Das Problem: das Mind-Uploading ist schon alleine deswegen ein Rätsel, weil bis heute das Gehirn nicht ganz verstanden wurde. Und was habe ich noch vergessen? Ach ja … die depressive KI. 🙂 Am Beispiel von Marvin aus Per Anhalter durch die Galaxis. Was an dem Konzept so interessant ist? Wenn KI rein hypothetisch Emotionen entwickelt, dann könnten das doch letztendlich alle Schattierungen sein? Auch Schwermut.

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die realistische …

Natürlich gibt es aber auch Medien, die nicht nur Zukunftsmusik sind, sondern deren Darstellung von KI dem Stand der Technik durchaus nahe kommt. Im Film Moon ist beispielsweise Gerty ein etwas sperriger Roboter, der viele Aufgaben verrichtet und relativ strikt einem Programm folgt. Gertys Intelligenz äußert sich in seinen nüchternen Schlussfolgerungen bspw. über ausstehende Aufgaben oder Probleme an Bord der Mondbasis. Er versucht durchaus den Bewohner der Basis auch mal aufzumuntern – dabei drückt es sich lediglich durch einen animierten Smiley aus. In Robot & Frank wird ein kleiner Roboter zum Begleiter eines älteren, grummeligen Mannes. Der Roboter erinnert bewusst sehr stark an den sehr wohl existenten Asimo und an das v.A. in Japan verbreitete Konzept Roboter als Krankenpfleger und emotionale Stütze für ältere Menschen einzusetzen. Im Film soll Robot Frank helfen auf Diebestour zu gehen … naja … eben ein Begleiter auf allen Wegen!? In Eine vorläufige Theorie der Liebe ist die KI Dr. Bassett ein Programm, dass sich nur via Chat ausdrückt und den Turing-Test in einem Wettbewerb bestehen soll. Die KI baut auf Tagebüchern auf, entwickelt sich aber weiter durch interessante Komponenten: Neugier, ein bisschen Sünde und die Fähigkeit Fragen stellen zu können.

Zu den bisherigen Artikeln der Reihe:

‘Künstliche Intelligenz’ (I) – Was ist dran?
‘Künstliche Intelligenz’ (II) – Maschinelles Lernen
‘Künstliche Intelligenz’ (III) — “Künstliche Neuronale Netze”
‘Künstliche Intelligenz’ (IV) — “Künstliche Neuronale Netze” im Detail
‚Künstliche Intelligenz‘ (V) — Wer war Alan Turing? Und was ist der Turing-Test?
‚Künstliche Intelligenz‘ (VI) — Doku-Tipp „Plug & Pray“

Ein kleines Fazit: Die Medien schaffen Utopien, Dystopien – Fiktion. Was dargestellt wird, ist größtenteils sehr weit weg von der Realität. Ich hoffe, dass das in den vergangenen Artikel rübergekommen ist. Insbesondere als wir über Künstliche Neuronale Netze gesprochen und ein Beispiel gerechnet haben. Was aber nicht unterschätzt werden darf ist die gesichtslose KI, das Maschinelle Lernen, die Mustererkennung. Angenommen wir werden abgehört und unsere Twitterdaten ausgewertet: das sind die Agenten, die über eure Gesprächsfetzen laufen und nach auffälligen Worten suchen oder euer Kaufverhalten auswerten. Die KI ist schon da, aber anders als wir denken. Welche KI in Film und Fernsehen hat euch am meisten beeindruckt / schockiert / gelangweilt? Welche Darstellung findet ihr am reizvollsten: realitätsnah oder eher weniger realitätsnah?

Netzgeflüster ist eine Kategorie meines Blogs in der ich mich immer zwischen dem 10. und 15. eines jedes Monats Themen rund um IT, Forschung, Netzwelt, Internet und eben auch Gerüchten widme. 🙂