Fantastischer Film: Metropolis

Posted by in 1927, Deutschland, Expressionistischer Film, Fantastische Filme, Film, Review, Science-Fiction, Spielfilm

In Fritz Langs Schwarzweiß- und Stummfilmklassiker wird die titelgebende Stadt Metropolis von einer Zweiklassengesellschaft bewohnt. Damit die feinen Herrschaften der Oberstadt in Saus und Braus leben können, müssen die armen Leute der Unterstadt bis an den Rand der Erschöpfung arbeiten. Freder (Gustav Fröhlich) ist der Sohn des Magnaten, der Metropolis lenkt und beherrscht. Als er die gutherzige, unschuldige Unterstadt-Bewohnerin Maria (Brigitte Helm) kennenlernt und ihr folgt, lernt er das System kennen und beschließt etwas zu ändern. Die Revolutionsgedanken bringen aber ausgerechnet Maria in Gefahr, die als Spielball zwischen Reich und Arm endet.

Fritz Langs Metropolis hat viele schlagkräftige Beinamen. So wird er als erster Science-Fiction-Film in Spielfilmlänge gehandelt. Wer sich fragt, warum das Label Science-Fiction hier gerechtfertigt ist, dem sei zur Vermeidung von Spoilern nur ein Stichwort gegeben: Roboter. Dass er dem deutschen Expressionismus zugeordnet werden kann, lässt sich an den Kulissen erkennen, die einerseits sehr geometrisch und plakativ sind, andererseits etwas grotesk angeordnet sind. Der Größenwahn der Oberen lässt sich am Stadtbild erkennen, während die Umstände in der Unterstadt grotesk dargestellt werden. Zusammen mit der Anprangerung der Zweiklassengesellschaft und den revolutionistischen Gedanken vermittelt der Film eine starke Botschaft und ist vielleicht die erste filmisch umgesetzte Dystopie. Die visuellen Tricks und Kniffe, die eingesetzt wurden, sind ihrer Zeit voraus und beeindrucken noch heute aufgrund ihrer Einfachheit, aber Wirksamkeit. Das Drehbuch ist opulent, ja geradezu monumental, in mehrere Abschnitte gespalten: Auftakt, Zwischenspiel und Furioso. Mit sieben millionen Mark gilt er als der teuerste Film der frühen Filmgeschichte. Trotz des Gesamtpakets konnte er die Massen allerdings nicht überzeugen, die Einspielergebnisse blieben stark hinter den Erwartungen zurück. Noch weniger begeistert waren die Kritiker. H.G. Wells schrieb beispielsweise über Metropolis „Ich habe letztens den albernsten Film überhaupt gesehen“. Das führte dazu, dass gekürzte Fassungen erschienen und das Material, das der Schere zum Opfer fiel, einfach vernichtet wurde. Und wie so oft in der Filmgeschichte, gilt der Film heute als ein Meisterwerk. Es gab mehrere Versuche die Originalfassung wiederherzustellen. Der wahrscheinlich größte Fortschritt war dabei 2008 der Fund einer Kopie des Originals in Buenos Aires.

Ich hatte das Glück den Film mit musikalischer Begleitung durch die Mittelsächsische Philarmonie zu hören. Das war ein ganz besonderes Gänsehaut-Erlebnis, an das ich mich noch lange erinnern werde. Metropolis selber ist ein echter Jahrhundert-Film, der eine humanitäre aber auch Kapitalismus-kritische Botschaft vermittelt. Mit der Aussage, den Anleihen in Literatur und Religion und den visionären Ideen ist der Film einzigartig und richtungsweisend. Das lange Nachwirken des Films ist vor Allem deswegen so erstaunlich und bewundernswert, weil Fritz Lang damals noch lange nicht über die technischen Möglichkeiten verfügte, die es heute gibt. Kaum zu glauben, dass der Film so verrissen wurde, wo er doch Botschaften vermittelt wie

„Mittler zwischen Hirn und Händen muss das Herz sein.“

Metropolis, Deutschland, 1927, Fritz Lang, mehrere Versionen – zwischen 117 bis 153 min

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Jeden Monat stelle ich einen Film vor, den ich für einen fantastischen Film halte – losgelöst von Mainstream, Genre, Entstehungsjahr oder -land. Einfach nur: fantastisch. 😆