7ème art: Disney-Animationsfilme

Posted by in 1941, 1950, 1981, 1989, 1994, 2002, 2010, 7ème art, Abenteuer, Animationsfilm, Fantasy, Feelgood-Movie, Film, Komödie, Märchen, Review, USA

In den letzten zehn Jahren hat mich das Animationsstudio Ghibli in seinen Bann gezogen, ich kenne alle Filme und habe bittere Tränen geweint als es hieß, dass keine Filme mehr von dem Studio zu erwarten sind. Aber natürlich gab es da früher für mich die Disney Studios und ihre märchenhaften Geschichten. Irgendwann (und ich erinnere mich ganz genau wann) bin ich aber etwas aus den Filmen herausgewachsen. Und das obwohl ich ein großer Fan des Gedankens bin ein bisschen Kind zu bleiben. Immer wieder wird in der Presse Studio Ghibli mit den Walt Disney Studios verglichen und „Disney Japans“ genannt. Nach all den Jahren ist es schwer geworden das zu bewerten. Außer man schaut Disneyfilme. Warum nicht? Das gibt mir auch die Gelegenheit mal ein paar Klassiker nachzuholen, die ich noch gar nicht kannte. Daher haben die sieben Film der Werkschau heute den gemeinsamen Nenner, dass sie von den Walt-Disney-Studios produziert wurden.

„Dumbo (Theatrical Trailer) [1941]“, via The Disney Resource Channel (Youtube)

Dumbo

Ist es zu fassen, dass „der fliegede Elefant“ Dumbo schon 78 Jahre alt ist? Der kleine Elefant, dessen sehr große Schlappohren anfangs der Grund für Hänseleien sind und ihn später zum Held machen, war einer der ganz frühen Filme der Walt-Disney-Studios und somit auch einer bei dem Walt Disney noch selbst Produzent ist. Der Film war dazu „gemacht“ ein größerer finanzieller Erfolg als seine Vorgänger zu werden und das Verhältnis Herstellungskosten vs Einspielergebnis zu kitten. Einer der Gründe, warum der Film mit nur 64 Minuten Spielzeit also auch sehr kurz ist. Was einem schnell mal entfällt, wenn die letzte Sichtung schon etwas her ist: der fliegende Elefant wird erst verhältnismäßig spät in dem Film fliegen und er heißt auch eigentlich nicht Dumbo, sondern Jumbo wie sein Realwelt-Vorbild. Der Film beginnt mit Jumbos Mama, die unendlich glücklich ist als der Klapperstorch auch bei ihr ein Baby abliefert und tauft den Kleinen auf den Namen Jumbo junior. Wegen seiner sehr langen Ohren wird er aber von den anderen Elefanten verspottet und Dumbo genannt, weil er angeblich dumm aussehen würde. Wenn einem das nicht schon die Tränen in die Augen treibt, dann spätestens, wenn Dumbos Mama wegen der Hänseleien so aufgebracht ist, dass sie Besuchern zu Nahe kommt und deswegen als angeblich gefährlicher Elefant weggesperrt wird. Der am Boden zerstörte kleine Dumbo bekommt unerwartet Hilfe von der Maus Timothy bei der Mission seine Mutter zu befreien.

Es ist einfach süß und herzzerreißend wie sich Maus und Elefant (laut anderer Quellen haben Elefanten ja „Angst“ vor Mäusen 😉 ) zusammentun. Bei der Art und Weise wie sie die Außenseiter-Grenze ziehen, eine sehr lange und erstaunlich bittere Exposition für den kleinen Dumbo und seine Mama aufbauen und dann mit wehenden Fahnen auf ein Happy-End zusteuern, wird schnell klar, dass Walt Disney und seine Kollegen es schon vor über siebzig Jahren verstanden wie man Spannung und Erwartungshaltungen aufbaut und mit den Gefühlen seiner Zuschauer Achterbahn fährt! Und es funktioniert. Immer noch. Selbst die Animation ist zum Großteil noch eine, die ihren Zweck erfüllt. Perspektivisch manchmal etwas flach und manchmal etwas zu schräg 😉 Aber im Großen und Ganzen zeitlos. Tim Burton muss wohl dieses Jahr beweisen, ob das sein animierter Dumbo auch kann. Aber das eine oder andere befremdet doch. Beispielsweise, dass der aus Versehen betrunken gemacht Dumbo übermäßig lange von rosa Elefanten träumt und dass so ein Zwischenspiel in Filmen der damaligen Zeit überhaupt möglich war ohne von Sittenwächtern gestrichen zu werden. Was überrascht mich mehr?

Dumbo, USA, 1941, Ben Sharpsteen, 64 min, (8/10)
Sternchen-8

Cinderella

Cinderella ist einer der ungeschlagenen Klassiker der Walt-Disney-Studio und quasi der Grundstein späterer Prinzessinenfilme. Er basiert auf Charles Perraults Adaption der Märchenfigur und erzählt von Cinderella, die im Haushalt ihrer bösen Stiefmutter arbeiten muss und von ihr und ihren beiden Stiefschwestern Anastasia und Drizella drangsaliert wird. Sie versucht mit stoischer Gelassenheit all die Erniedrigungen hinzunehmen und wünscht sich nichts sehnlicher als auch zum Ball des Königs zu gehen.  Der will dringend seinen Sohn verheiraten und lädt kurzerhand alle heiratsfähigen jungen Frauen des Landes ein in der Hoffnung, dass es zwischen seinem Sohn und einer Dame funkt. Und wir wissen ja wie die Geschichte weitergeht 😉 Cinderella ist einer der wenigen Filme, der auch heute noch in einer seiner früheren Fassungen ausgestrahlt wird (d.h. nicht Neu-Synchronisierung) und daher noch ein (stark in der Kritik stehendes) Intro besitzt, indem erklärt wird, dass Cinderella ja nur die Übersetzung von Aschenputtel sei. 🙂 Nicht ganz abwegig das zu erklären, aber irgendwie auch überflüssig. Diese Cinderella hat eine sehr erwachsene und elegante Art mit der sie die Unausweichlichkeit der Dinge annimmt und ist damit einerseits bewundernswert, lässt einen aber auch realisieren wie eventuell das Frauenbild der 1950er Jahre war. Aus heutiger und feministischer Sicht gibt es sicherlich andere Empfehlungen an eine junge Frau als ihr ganzes Leben lang nur auf den Ball des Prinzen zu warten oder es sich als Ziel zu setzen den zu heiraten. Aber auch der Prinz kommt nicht unbedingt gut weg 😉 Auch in Anbetracht des Alters will ich also nicht hart richten, sondern bewundere wie unglaublich gut der Film gealtert ist. Er ist wirklich märchenhaft. Lediglich die Rolle der Mäuse und der schlecht getroffenen, bösartigen Katze Luzifer hätte etwas geringer sein dürfen.

Cinderella, USA, 1950, Clyde Geronimi/Wilfred Jackson/Hamilton Luske, 74 min, (8/10)

Sternchen-8
„DISNEY LIEBLINGE: Cinderella | Disney Deutschland“, via Disney Deutschland (Youtube)

Cap und Capper

Es war mal wieder ein Jäger. Die Witwe Tweed nimmt ein verwaistes Fuchsjunges bei sich auf und nennt es liebevoll Cap. Da so ein kleiner, tollender Fuchs in Hühnerstall und Hof nicht bei allen beliebt ist, streunt der kleine viel rum und lernt so den Jagdhund-Welpen Capper kennen. Beide spielen zusammen und schwören sich für immer Freunde zu sein. Davor, dass sie eigentlich „Feinde“ sein müssten, warnen sie die anderen Tiere. Auch Capper soll von seinem Herrchen zur Jagd abgerichtet werden und Füchse wie Cap vor seine Flinte treiben. Eine Freundschaft, die zum Scheitern verurteilt ist? Cap und Capper, die im Original übrigens eigentlich Tod und Copper heißen, sind die Protagonisten einer rührenden Geschichte um Freundschaft und angebliche Hackordnungen. Letzten Endes sind es Missverständnisse, die ihre Freundschaft mehr auf die Probe stellen als die aufdiktierte Rolle im etwas anderen „Circle of Life“. Letzten Endes beweist aber Cap und Capper mit mehr als nur zwei knuffigen Tieren wie dieses Klassendenken und angebliche Feindschaften aus dem Weg geräumt werden können. Indem man so handelt wie das Herz vorgibt. So ganz kann man es sich aber nicht den Eindruck verkneifen, dass Cap und Capper insbesondere am Beginn der Geschichte Bambi ähnelt und sehr auf den Niedlichkeitsfaktor setzt. Die beiden sind aber auch knuffig! Trotzdem oder gerade deswegen wird der Film aus dem sogenannten Dark Age bzw Bronze Age der Walt Disney Studios als eher düsterer Film angenommen. Zu hart seien die Szenen wie Cap und Capper später miteinander kämpfen. Dabei traut sich der Film einfach nur mehr als seine Vorgänger. Denkt man zurück an Bambi und Dumbo, dann waren die früheren Disney-Filme ähnlich mutig und schonungslos.

Cap und Capper (OT: The Fox and the Hound), USA, 1981, Ted Berman/Richard Rich/Art Stevens, 83 min, (8/10)

Sternchen-8

„The Fox and the Hound (1981) – Best of Friends“, via Zoidberg51 (Youtube)

Arielle, die Meerjungfrau

Mit der Geschichte von Arielle, der kleinen Meerjungfrau, kehrten die Walt Disney Studios zu den Prinzessinnen zurück. Seit dem 1959er Film Dornröschen, der bis dahin teuersten Produktion, die zudem ihre Produktionskosten nicht einspielte, hatte man sich an die Prinzessinnen nicht mehr herangetraut. Das Märchen der Meerjungfrau, die sich in einen Menschen verliebt und ihre zauberhafte Singstimme aufgibt, um ein Mensch zu sein, basiert lose auf Hans Christian Andersens wesentlich tragischerer Geschichte. Der Film gibt der Nixe und dem Menschen aber ein schöneres Ende und spickt die Botschaft zudem mit einer sympathischen Heldin, die weniger prinzessinnenhaft ist, sondern abenteuerlustig und neugierig. Arielle hat großes Interesse an dieser fremden Welt der Menschen. Und zeitgleich gewährt uns der Film spielerisch Einblick in eine zauberhafte Unterwasserwelt. Die versteckte Botschaft der Toleranz dem Fremden gegenüber zieht sich perfekt durch den Film und vermittelt seine Botschaft ohne erhobenen Zeigefinger. Das Musicalformat und die Songs aus Arielle wie Unter dem Meer, In deiner Welt und Küss sie doch brennen sich ein, gehen ins Ohr und bleiben im Kopf. Man kann sich dem Charme und der Botschaft der Geschichte schwer entziehen. Aus heutiger Sicht befremdet mich die überschlanke Gestalt der Prinzessin und dass sie sich in den ersten Menschen(mann) verliebt, den sie sieht ebenso wie ihr blinder Gehorsam. Aber das hält jeder wie er oder sie mag – letzten Endes hat hier auch die Prinzessin zur Abwechslung mal den Prinzen gerettet.

Arielle, die Meerjungfrau (OT: The Little Mermaid); USA, 1989, John Musker/Ron Clements, 83 min, (8/10)

Sternchen-8

Der König der Löwen

Der König der Löwen läutete zusammen mit anderen Filmen wie Arielle die Renaissance der Disney Studios ein, die Kassenerfolge und positiveren Kritikerstimmen. Stand der Konzern einige Jahre zuvor noch vor der Frage, ob man das Trickfilmsegment, was die Studios ja eigentlich initial groß gemacht, einstampft, konnte davon nun keine Rede mehr sein. Eine neue Generation wurde bezaubert mit Geschichten, die allerdings nach ähnlichen Mustern wie früher funktionierten. Die kreativen Köpfe des Studios arbeiteten jahrelang an dem Konzept eines in Afrika angelegten Films, das u.a. durch das Mitwirken Elton Johns einen musicalhaften Einfluss bekam. Der König der Löwen handelt von dem Löwenjungen Simba, der als der Sohn des Rudelanführers Mufasa geboren wird und damit quasi ein kleiner Prinz ist. Den Kreislauf des Lebens lernt er auf die harte Tour kennen als durch die Rivalität seines Vaters und dessen Bruders Mufasa stirbt und Simba aus Scham Reißaus nimmt.

Der König der Löwen zeigt hier einen frechen und aufrechten Helden, der sicherlich schnell die Herzen aller Zuschauer auf seiner Seite hat. Den Wert des Lebens lernt er schnell zu schätzen und auch Verantwortung zu tragen – aber erst nachdem er weggelaufen ist und geläutert wurde. Eine Botschaft, die lehrreich ist, emotional und empathisch für Kinder aufbereitet wurde. Das Miteinander der Tiere im „Reich des Königs der Löwen“ stellt eine beneidenswerte Einheit dar und wird insbesondere anfangs stimmungsvoll inszeniert. Allerdings kommen die Songs im letztendlichen Film fast etwas kurz. Vielleicht bin ich als erwachsener Zuschauer auch verwöhnt durch die Ausschnitte zum Lion King Musical!? Tatsächlich wächst der Film nicht ganz so gut mit und weiß erwachsene Zuschauer nicht mehr in denselben Punkten zu überzeugen wie junge. Disneys damals neues und innovatives Animationssystem CAPS wurde bei König der Löwen erstmalig eingesetzt. Es beinhaltet die digitale Verarbeitung von Einzelbildern. Einzelne Frames werden dafür eingescannt und auch digital koloriert. Ein System, das heute schmerzhaft überholt wirkt. Damals sicherlich effektvoll, setzen sich die Figuren unangenehm deutlich von ihrem Hintergrund ab und die Farbübergänge wirken wie es einem billigen Bildbearbeitungsprogramm. Digitale Animation altert seit jeher schlecht. Vor Allem, wenn sie versucht real auszusehen. Aber die Szenen in der Simba mit seinem Vater herumtollt und kurze Zeit später verliert, lassen auch heute noch niemanden kalt – egal in welchem Alter.

Der König der Löwen(OT: The Lion King), USA, 1994, Roger Allers/Rob Minkoff, 88 min, (7/10)

Sternchen-7

„Lilo & Stitch – Lilo meets Stitch [HD]“, via Jaime DioGuardi (Youtube)

Lilo & Stitch

Disney Lilo & Stitch fühlt sich nicht nach einem Disneyfilm an, worin gleichzeitig der größte Vor-, aber auch ein kleiner Nachteil liegt. Zum Einen: es gibt keine Prinzessinen, zum Anderen: es gibt keine Tiere. Es sei denn man zählt Stitch. Aber eines sollte man wissen: wenn alle sagen, dass ein Tier nicht wie ein Hundebaby aussieht, dann ist es vielleicht auch keins. 😉 Das glauben aber Nani und ihre kleine Schwester Lilo noch als sie Stitch aus dem Tierheim mitnehmen. Lilo braucht dringend einen Freund und Nani eigentlich, dass etwas Ruhe einkehrt. Seit dem Tod ihrer Eltern bemüht sich Nani um das Sorgerecht für ihre kleine Schwester. Lilo ist ein aufbrausendes Kind, das Elvis mag und auch ansonsten andere Interesse als ihre Mitschüler hat. Einer der Gründe, aus denen sie gemieden oder gehänselt wird. Ihr Temperament macht es auch Nani nicht leicht, die vor dem Sozialamt stets auf dem Prüfstand steht. Als sie Lilo ein Haustier kaufen will, damit sie nicht mehr so einsam ist, ahnen beide nicht dass der angebliche „Hundewelpe“ Stitch in Wirklichkeit ein Außerirdischer auf der Flucht ist. Und das, was ihn jagt, steht bald bei ihnen auf der Matte.

Und das zwischen Lilo und Stitch funktioniert. Lilo fällt es schwer Verständnis für ihre Umwelt aufzubringen oder nachzuvollziehen, warum jetzt jemand mit ihr schimpft. Sie setzt andere Prioritäten als andere Kinder und begegnet man ihr mit Unverständnis gibt sie das tausendfach zurück. Genauso wie Stitch, der das Ergebnis eines Experiments und eigentlich auf Zerstörung getrimmt ist. Er agiert trotz oder gerade wegen seiner unglaublichen Fähigkeiten wie das Chaos auf sechs Beinen und lässt keinen Stein auf dem anderen. Als aber Lilo ihm Aufmerksamkeit schenkt und Nani und sie ihm ʻOhana demonstrieren, das hawaiianische Verständnis von Familie und starkem Zusammenhalt, lernt der kleine Alien richtig was. Und ab dann macht der Film spätestens allen Spaß. Bis dahin hat Lilo & Stitch eine 50/50-Chance, dass Zuschauer sich entweder total abgeholt fühlen oder so gar nicht und eher verzweifeln angesichts der Spur an Chaos, die die beiden hinterlassen. Aber wer kann der Botschaft vom Suchen und Finden einer Familie schon widerstehen? Ebenso 50/50 steht die Chance, dass das Character Design ankommt. Hier gibt es Menschen mit (größtenteils) glaubwürdigen Proportionen statt Prinzessinnen, die eigentlich anatomisch nicht lebensfähig sind. Tatsächlich sind es noch viele Aspekte des Designs mehr, die den Film nicht wie einen Disneyfilm aussehen lassen. Beispielsweise die Rückkehr zu handgemalten Hintergründen statt generischem CGI, was auch viel besser zu hawaiianischen Himmeln passt. Stellt sich eben die Frage was die Sehgewohnheiten der Zuschauer sind. Sehr löblich ist, dass der Film Anfang der 2000er bereits die hawaiianische Kultur und damit mal eine andere als die weißgewaschene in den Fokus rückt.

Lilo & Stitch, USA, 2002, Dean DeBlois/Chris Sanders, 85 min, (8/10)

Sternchen-8

Rapunzel – neu verföhnt

Wer hat sich das nur ausgedacht? Neu verföhnt? Ernsthaft? Aber fangen wir am Anfang an. Die kleine Prinzessin Rapunzel (wird ihr Name eigentlich im Film genannt? Ich habe nicht darauf geachtet, aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke!?) hat magische Haare, die Wunden heilen und Zeichen der Zeit verblassen lassen. Die Hexe Gothel will diese Eigenschaft Rapunzels für sich um ewig jung und schön zu bleiben. Sie entführt das Kind und versteckt sie in einem hohen Turm. Nur sie weiß von Rapunzel und gibt sich als ihre Mutter aus. Die inzwischen 18-Jährige Rapunzel will aber die Welt entdecken, wofür Gothel kein Verständnis hat. Da kommt dem Mädchen der Dieb Flynn Ryder ganz recht, der durch Zufall auf ihren Turm stößt. Die beiden machen einen Deal und Rapunzel verlässt den Turm – was Gothel nicht auf sich sitzen lassen wird. Und auch Flynn wird gesucht. Und das nicht nur von Maximus, dem blitzgescheiten Pferd der königlichen Garde.

„Disney – RAPUNZEL – Neu verföhnt – Offizieller Trailer #1“, via Disney Deutschland (Youtube)

Ein bisschen seltsam ist ja schon, dass quasi jeder Trailer hauptsächlich von Flynn handelt …

Generische Knautschgummi-Gesichter mit massig Weichzeichner überzeugen weniger als die fantastisch animierten und realistisch wirkenden Haare. 3D-Animation altert aber generell schlecht und was heute genial aussieht, kann bald übertrumpft werden. Das kreative Auge stört sich eventuell jetzt schon an Rapunzels Bohnenstangen-Taille und zu gleichmäßigen Wimpern. In seinen hundert Minuten Spielzeit gelingt zwar eine schöne Charakterentwicklung Flynns, der obwohl (oder gerade weil er kein Prinz ist) einen prima Helden abgibt. Aber trotz der verhältnismäßig langen Spielzeit, erzählt der Film sehr wenig. Das Motiv der Hexe Gothel ist beispielsweise herrlich unausgearbeitet. Zwischen Gut und Böse gibt es wenig Schattierungen – das kennenzulernen wäre aber ein spannender Kniff. Auch für Kinder. Wie wäre es beispielsweise gewesen, wenn Gothel eben doch in Rapunzel eine Tochter sieht und nicht nur Mittel zum Zweck oder eben irgendwie zwischen den Stühlen sitzt? Wenn schon die Geschichte ändern, warum dann mit Zauberblumen und anderen deus ex machina kommen? Zentrale Themen wie Träume und Wünsche sind da, spielen aber nur kurz eine Rolle bei dem Film, der sehr auf Action und Witz setzt. Das kann der Film aber auch gut! Durch ihre langen Haare, die sie als Lasso einsetzt ist Rapunzel quasi eine Actionheldin. Und auch der Witz funktioniert! Sehr gut sogar! Somit hat der Film eher in die suboptimalen disney-typischen Muster investiert, kann aber immer noch gut, was die meisten Disneyfilme gut können. Er unterhält, er rührt. Und er hat einen Maximus.

Rapunzel – neu verföhnt (OT: Tangled), USA, 2010, Nathan Greno/Byron Howard, 100 min, (7/10)

Sternchen-7

Für mich selber war eine Abkehr von Disney fällig, als sie Rapunzel entgegen erster Berichte doch mittels 3D-Animation umsetzten. Denn digital alter immer schlecht und für mich wird einer der schönsten Animationsfilme aus dem Hause Disney immer der traditionell animierte Robin Hood aus dem Jahr 1973 bleiben. Nicht nur die Abkehr von der traditionellen Zeichentrickfilmkunst, sondern auch das Franchising und Profitabilitätsdenken ließ mich meinen Stoff bei anderen Studios suchen. Aber die Legende Disney ist unabstreitbar. Rapunzel habe ich dann tatsächlich erst für diese Werkschau gesehen, während ich fast alle der älteren Disneyfilme aus meiner Kindheit kenne.

Obwohl man allen Geschichten etwas gutes und eine schöne Lehre abgewinnen kann, mangelt es einigen Filmen an Spannungspotential. Und damit meine ich nicht Spannung wie in „Ach wie ist das spannend“, sondern Spannung wie in „Reibungspotential“, heißt: Stoff zum Nachdenken. Fast alle Geschichten werden verglichen zu ihrer Quelle (Cap und Capper, Arielle, …) stark verfremdet, damit sie kindertauglich sind. Zum Einen eventuell aus Intention von schönen Dingen zu erzählen und Werte zu vermitteln, die allgemein hin als gut betrachtet werden und zum Happy-End führen. Zum Anderen vielleicht auch weil Kontroversen schädlich sind. Das sorgte aber auch dafür, dass Disney seit jeher ein Filmstudio war, was in Vision und Technik trumpfte, aber nicht darin den Ruf der Gesellschaft, Politik und sozialen Themen zu empfangen und aufzugreifen. Das erkennt man schmerzhaft in Disney-Produktionen wie „Songs of the South“, das Sklaverei fatal verkennt oder ist auch in dem Umstand begründet, dass Prinzessinen, die keinen Prinzen brauchen, erst in den 2010ern Thema wurden (Merida, Frozen). Disney stützt sich auf alte Muster und auf Gewinne, traut sich seit jeher thematisch wenig Neues zu, obwohl es technische Neuerungen in der Animationstechnik stets antrieb und erfand. Zudem macht sich das Studio durch die zahlreichen Akquisitionen anderer Unternehmen zunehmend unbeliebt – und somit Charaktere wie Gamora zu Disney Prinzessinnen.

Aber der Geist Walt Disneys lebt weiter, das Unternehmen erinnert sich immer mal wieder daran. Und die Filme berühren auf lange Sicht immer noch gleich. Sie wachsen nur nicht unbedingt mit, da sie sich eben an ein sehr junges Publikum richten und ohne größere Spannungen und Moral auskommen. Daher findet man hier keine 10-Sterne-Bewertungen (obwohl Arielle für mein Kinder-Ich eine klare 10 war! Vor Allem in der älteren Synchro), aber auch keine schlechten Bewertungen. Denn der disney-eigene Charme unterhält eben gut, ist süß und witzig oder verleitet zum Träumen. Die vermittelten Werte sind Klassiker, erziehen spielerisch zu Aufrichtigkeit, Mut und Gewissenhaftigkeit. Hat sich euer Blick auf Disney auch im Laufe der Zeit gewandelt?

„7ème art“ (Sprich: septième art) heißt „siebte Kunst“. Gemäß der Klassifikation der Künste handelt es sich hierbei um das Kino. In dieser Kategorie meines Blogs widme ich mich also Filmen – evtl. dehne ich den Begriff dabei etwas. Regulär stelle ich zwischen dem 1. und 5. jeden Monats jeweils 7 Filme in kurzen Reviews vor.