Serien-Besprechung: „The Expanse“ Season 3

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So startet das Jahr gut! „The Expanse“ ist für mich eine der Science-Fiction-Serien der letzten Jahre, die man gesehen haben muss. Und wahrscheinlich eine der besten, die ich je gesehen habe. Warum? Das verrate ich mal in wenigen Worten und schließe mit mehr Worten eine Besprechung der dritten Staffel an. 🙂

Science und Fiction

The Expanse bietet sowohl Raum für Science, aber auch Fiction hat. In The Expanse haben die Menschen längst das Sonnensystem besiedelt und zwischen ihre galaktischen Nationen einen Keil getrieben. Belter (die am bzw vom Asteroidengürtel nahe Jupiter leben), die Bevölkerung des Mars und der Erde sind sich nicht in allen Belangen grün aufgrund der knappen Ressourcen im All und jahrzehntelangen Status-Gerangels. Dazu kommt die multi-kulti Besatzung des (gestohlenen) Raumfrachters Rocinante mit einem Mix aus Marsianern, Erdlingen und Beltern, die bestens miteinander auskommen, die aber in einen politischen Konflikt nach dem anderen geraten. Dann nehme man noch das Protomolecule, eine gefährlich Substanz, die der eine oder andere zu fragwürdigen Zwecken einsetzen will. Und dann hat man etwas, dass man gut und gerne als Game of Thrones unter den Science-Fiction-Serien bezeichnen darf. In der dritten Staffel eskaliert all das. Die nachfolgende Besprechung der dritten Staffel ist spoilerfrei, allerdings nicht für vorherige Staffeln. Wer neugierig geworden ist, findet hier im Blog auch Besprechungen zur ersten und zweiten Staffel.


„The Expanse – Opening Title (Season 1) [HD]“, via Matheus Maggi (Youtube)

„The Expanse“ Season 3

In den vorherigen Staffeln gab es durchaus mal längliche Nebenhandlungen, die aber stets zum großen Ganzen beigetragen haben und ich darf sagen: das Durchhalten wird belohnt. In der dritten Staffel kumuliert all das und führt zum befürchteten intra-galaktischen Krieg. Wir hatten ja alle die Vermutung, dass der „Krieg der Sterne“ mal nicht zwischen Menschen und grünen Männchen mit Antennen stattfinden wird, sondern zwischen Menschen und Menschen. Denn offenbar sind wir „gut“ im Krieg führen oder einige Individuen denken das zumindest. Die Handlung setzt nahtlos da ein, wo die zweite Staffel endete. Errinwright (Shawn Doyle) hat die UN dahingehend manipuliert zu tun, was er sich so sehnlichst wünscht und die Erde erklärt dem Mars den Krieg. Avasarala und Bobbie (Frankie Adams) sind einige der wenigen, die die Wahrheit kennen und müssen im All um ihr Überleben kämpfen. Für Avasarala (Shohreh Aghdashloo) höchst ungewöhnlicher. Schließlich bleibt sie normalerweise mit beiden Beinen auf (dem) Erdboden und muss nun mit Zero-G (und schlimmer) zurechtkommen. Mittendrin ist die Crew der Rocinante, die tief gespalten ist bei der Frage wie sie sich jetzt verhalten sollen, wo das Sonnensystem einem Pulverfass gleicht und bei jeder Handlung kurz vor dem Explodieren steht. Sie beschließen zu tun, was sie immer tun, worin sie aber grundsätzlich schlecht sind: sich bedeckt halten. Ihr Versuch dem Pulverfass inneres Sonnensystem fern zu bleiben endet damit, dass sie Prax‘ (Terry Chen) Tochter suchen und dabei mitten im Konflikt landen.


„The Expanse Season 3 Official Trailer (HD)“, via TV Promos (Youtube)

Ja irgendwie scheint es immer so für die Crew der Rocinante zu laufen, die hier das erste Mal tief gespalten auftritt. Kein Wunder, schließlich gehören sie Nationen an, die jetzt offiziell im Krieg miteinander sind. Obwohl das Thema und die Willkür der Einzelnen (Errinwright!!) höchst ärgerlich ist, ist es unfassbar gut zu sehen wie all das ineinander greift, was Stück für Stück in den Staffeln davor aufgebaut wurde. Durch Prax Tochter, die von Mao als Versuchskaninchen für das Züchten von Protomolecule-verseuchten Super-Kindersoldaten benutzt wird, kommt noch eine weitere bedrohliche Nebenhandlung hinzu. Auch neue Figuren werden eingeführt wie die der Pastorin und Ärztin Anna Volovodov (Elizabeth Mitchell), die quasi als Reden-Schreiberin für die UN agiert und sich in einem politischen Sumpf sondersgleichen wiederfindet. Volovodov bringt eine weiche, humane Note in die Reihe der harten Hunde. The Expanse ist dennoch in einigen Belangen gnadenlos und überraschend wie eh und je. So hatte ich nicht erwartet, dass die dritte Staffel eine Art „Cut“ in der Mitte hat und in seiner zweiten Hälfte einen kompletten Themenwechsel. The Expanse ist wohl aber auch die einzige Serie, die sich hier so fließend weiterentwickelt, dass das nicht unangenehm auffällt. Man hat nicht Thema eins gegen Thema zwei getauscht, sondern eins führt zum anderen und spielt beim Fortgang stets eine Rolle. Und der zweite Teil wird deutlich mehr Scifi, denn soviel sei gesagt: auf der Venus, wo die Protomolecule-infizierte Eros Station aufschlug, tut sich was.

Sowohl im ersten politik-lastigen Teil wie auch im zweiten Sci-Fi-lastigeren Teil der Staffel schraubt sich die Spannung so auf, dass man fast schwitzige Händchen beim Zuschauen bekommt. Das funktioniert aber eben auch nur, wenn man es durchhält zwei Staffeln lang dem Aufbauen der Handlung zuzuschauen. Nicht, dass das nicht spannend gewesen wäre, aber die dritte Staffel toppt das. Besonders charmant ist aber wohl, dass in der ersten Hälfte ein so ehrenhaftes Ziel wie das Finden von Prax‘ Tochter im Zentrum steht. Die sympathischen Nebencharaktere und einige der Bromance-Momente von Amos (Wes Chatham) und Prax lockern die Stimmung angenehm auf. Umso härter treffen einen Serientode oder das abrupte Aussteigen von Charakteren, deren Geschichte hier eben zu Ende erzählt zu sein scheint. Nicht so blutig wie die von George R. R. Martin komponierten Ausstiege, aber dennoch schmerzhaft. In der zweiten Hälfte kommt eine leichte metaphysisch-anmutende Note hinzu, die zusammen mit Holden (sorry Steven Strait, nichts gegen die schauspielerische Leistung) als für mich blassesten Charakter in einer Hauptrolle nicht ganz passen will. Vielleicht rein subjektiv, aber: das muss man mögen und es wird definitiv die Meinungen etwas spalten. Nichtsdestotrotz eine herausragende Serie(nstaffel) und wir können schön froh sein, dass Amazon die Serie gerettet hat, wo man sie nun auch im Programm findet. Wie konnte Syfy die canceln? Da waren wohl die zwei Staffeln Investment in Story zuviel für viele Zuschauer. Oder zuviel für Syfy.

(9/10)

Sternchen-9

Yeah, ich bin gerade schwer angefixt und werde direkt mit der vierten Staffel weitermachen. Übrigens ist es sehr angenehm dem Cast auf den sozialen Netzen zu folgen. Das macht in etwa soviel Spaß wie ihre Chemie in der Serie selber. Kennt ihr „The Expanse“? Habt ihr vielleicht nicht bis zur dritten Staffel durchgehalten? Wie habt ihr den Bruch in der Staffel empfunden? So großartig ich die Serie empfinde, die Trailer wirken leider immer „billig“.