Szenen für die Ewigkeit: Weihnachts-Sonderausgabe – zwischen gut und böse

Heute geht es nicht unbedingt um gute oder böse Kinder, auch wenn man bei dem Titel auf die Idee kommen könnte. 🙂 Viel mehr handeln die drei ausgewählten Szenen von der Härte der Welt und was wir dem entgegen setzen können. Die „Szenen für die Ewigkeit“ sind heute leider nicht spoilerfrei, zumal zwei davon das Ende von Filmen beinhalten. Vielleicht überzeugt aber gerade das euch die Filme, falls noch nicht bekannt, zu Gemüte zu führen. Zur Einordnung: der erste Clip ist spoilerfrei.


The Night of the Hunter (Best Scene)- Duality of Good and Evil, Bobzeda, Youtube

Den muss man vielleicht ein bisschen erklären. In Charles Laughton fantastischem Die Nacht des Jägers aus dem Jahr 1955 jagt Robert Mitchum als mörderischer Landstreicher und Smooth Talker Harry Powell zwei Waisen, um aus ihnen herauszubekommen, wo ihr verstorbener Vater einen Batzen Kohle versteckt hat. Lillian Gish spielt Rachel Cooper, eine gute Seele, die zahlreiche Kinder aufgenommen hat. So auch die beiden Waisen, die Powell verfolgt. Rachel ahnt sofort, was für ein Mann Powell ist. Ihre Habachtstellung mit Gewehr zeigt wiederum wie wehrhaft sie ist. „Duality of Good and Evil“ ist ein sehr treffender Titel für die Szene. Verkörpert durch Rachel und Powell, sitzen sich Gut und Böse hier wortwörtlich gegenüber, einander vollkommen gewiss. Sie singen sogar ein bitteres Duett. Das Beute-Jäger-Sinnbild wird perfekt verdeutlicht von der Tier-Metapher und wie Lilian Gish bedauernd und kühl bemerkt: It’s a hard world for little things. Wird Powell die Kinder kriegen? Oder gewinnt das Gute?

Apropos gut und böse. Während die Seiten oben klar aufgeteilt sind, ist das im Film The Railway Man schon etwas schwieriger zu sortieren. Der Film handelt von dem Ehepaar Patti und Eric Lomax (Nicole Kidman, Colin Firth), deren Ehe fast an dem Kriegstrauma Erics zerbricht. Er wurde während des Zweiten Weltkriegs von den Japanern gefangen genommen und gezwungen bei der Errichtung der Thailand-Burma-Eisenbahnstrecke zu helfen. Ein Knochenjob, verbunden mit Folter durch Mitglieder der japanischen Militärpolizei, allen voran Takashi Nagase (Tanrō Ishida). Lomax reist in dem Film Jahrzehnte später nach Thailand und will Nagase (jetzt: Hiroyuki Sanada) stellen, zwischenzeitlich plant er sogar ihn umzubringen. The Railway Man ist kein perfekter Film (was ist schon perfekt?), aber sein Ende hat etwas, dass an den Tagen als ich ihn geschaut habe, meinen Glauben in die Menschheit wieder hergestellt hat. Er basiert auf einer wahren Begebenheit und gewinnt viel durch das Ende, in dem etwas erstaunliches passiert – Versöhnung.


The Railway Man (2013) – Final Scene, Gato Felino, Youtube

Mit sich selber versöhnt ist auch Bill Murray als Fernsehmogul Francis Xavier Cross, der in dem Weihnachtsklassiker Die Geister, die ich rief …, einer Nacherzählung von Dickens Weihnachtsgeschichte in den 80er Jahren, seine Geister trifft und danach zu einer festlichen Rede im Fernsehen ansetzt. Vor der Begegnung mit seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (und der seiner Mitmenschen), wollte er Mäusen zum Zwecke der Show Geweihe ankleben lassen, notfalls antackern. Danach kommt er zu dem Schluss, dass sich das Leben anders anfühlt, wenn man gibt, wenn man seine Mitmenschen achtet und dass sich nicht nur Weihnachten so anfühlen muss; sondern dass man das jeden Tag fühlen kann. Bravo! Deswegen gibt’s den Clip auch schon jetzt in der Vorweihnachtszeit und nicht erst Heiligabend. Ich will nicht sagen, dass Nächstenliebe da zu spät kommt, aber ihr wisst schon. 😉


Scrooged – 1988 – the final last ending scene (1080p 60fps), Child of the 80s, Youtube

Übrigens spielte oben erwähnter Robert Mitchum in „Die Geister, die ich rief …“ eine Nebenrolle. 😉 Hier schließt sich der Kreis nicht nur thematisch. Obwohl christliche Motive und Glaube einige Male erwähnt werden (im gesungenen Lied im ersten Clip und durch die Blume in den Weihnachtsmotiven in „Scrooged“), ist es nicht mein Ziel hier Religion als Allheilmittel darzustellen. Glaube ist eine Individualentscheidung. Ich mag einfach sehr, dass die Weihnachtszeit für Versöhnung und Nächstenliebe steht. So wie Francis Xavier Cross das auch für sich entdeckt und sagt: so kann sich jeder Tag im Jahr anfühlen, du musst es nur leben. Der Artikel ist das nun inzwischen 12. Türchen des Booleantskalenders. Ich hoffe, dass ihr mit den Clips Spaß hattet. 🙂 Welche Botschaft aus einem Film findet ihr in diesen Tagen besonders wichtig?

Eine Antwort

  1. […] schon eine Ausgabe mit „Szenen für die Ewigkeit“. Dort unter dem Motto Gut und Böse, Vergebung und Versöhnung. Letzteres klingt für mich sehr weihnachtlich. Heute kommen wir Weihnachten noch näher mit […]

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