Zeichnen!

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Als ich Neujahr meinen Timer mit den wichtigsten Terminen des Jahres ausgerüstet habe, wurde es auch Zeit mal was das Zeichnen betrifft einen Plan zu machen.
Ich hatte gerade ein paar freie Tage, Zeit zum Zeichnen und für die Uni. So bekamen einige Projekte, auf die ich schon lange Lust hatte klare Umrisse.

Besonders wichtig war es mir „zum warm werden“ einige farbige Artworks zu produzieren. Leider habe ich im vergangenen Jahr sehr wenige farbige Bilder gemacht. Grund dafür war tatsächlich das Desinteresse der Verlage bei Mappensichtungen. Kolorierte Bilder erschienen mir immer als eine Art Aushängeschild. Wenn ich die Galerien von Zeichnern durchblättere sind es meistens diese Artworks die Aufsehen erregen und in denen man versucht zu zeigen was man alles kann.

Für Verlage sind die sicherlich nicht uninteressant aber werden eben nur zu Werbezwecken mal verwendet oder als Cover. Wichtiger und aussagekräftiger sind eben wohl doch einfach die Comicseiten. Darauf mussten mich aber erst Redakteure bringen – wie abwechslungsreich sind die Seiten? Wie gut die Proportionen? Es ist schon schön ein stimmiges Bild zu produzieren aber 10 Seiten zusammenhängender Comic/Manga sagen einfach viel mehr aus. Und das ist nur eine der Erkenntnisse die ich von der Leipziger Buchmesse 2011 mitnahm.

Nach den verschiedenen Meinungen realisierte ich, dass ich auch vielleicht nicht mehr unendlich Zeit habe mich bei Verlagen zu bewerben. In absehbarer Zeit gehe ich arbeiten – das muss mich bei der Ausübung meines Hobbys nicht zwingend stören (denke ich zumindest jetzt). Aber eventuell werde ich zu alt für die gängigen Zielgruppen? Das fiel mir auf, als ich die anderen Teenies bei den Mappensichtungen gesehen habe. Mädels von 14 Jahren, die so nervös sind, dass sie fast heulen. Andere, die schwindeln und vordrängeln, weil ihr Zug kommt – und dann doch beim nächsten Verlag wieder da stehen. Welche die rumulken und über die Redakteure herziehen. Ein paar Andere waren ganz stolz, weil sie an ihrer gemeinsamen Story schon 3 Monate (!) entwickeln. Oh je … ich entwickle an „Morphin“ schon fast 4 Jahre. Jedenfalls war das schon irgendwie ein kleiner Jahrmarkt der Eitelkeiten, in dem ich mitten drin stand und mir das alles mal angesehen habe und auf die Mappensichtung wartete. Da schaute ich mir die Jahrmarktsteilnehmer mal genauer an und bemerkte, dass ich vermutlich die Älteste bin… . Finde ich jetzt überhaupt nicht schlimm. Aber eine Sache fiel mir auf: der Mangamarkt scheint sehr jung zu sein. Und die Probleme, Wünsche, Hoffnungen und Träume der Zielgruppe sollte man ja auch ansprechen. Wenn ich es nicht bald in den Griff kriege, dann dauert es nun schon fast 10 Jahre, dass ich einen Manga an einen Verlag bringe möchte. Geschweigedenn der Traum davon Menschen mit meinen Bildern und Geschichten zu begeistern. Und „Morphin“ ist im Prinzip 4 Jahre alt.

Da hörte ich irgendwie eine Uhr ticken und dachte „hier muss was passieren“. So nahm ich alle Hinweise bei den Mappensichtungen sehr ernst und habe 2011 viel an mir gearbeitet. Proportionsstudien u.a. Nur zeigbares habe ich nicht viel produziert, außer etliche Wettbewerbsbeiträge.

Deswegen das „Warm-up“. Habe die Gelegenheit gleich genutzt, um meinem Lieblingskünstler aus der Epoche des Art Nouveau etwas nachzueifern: Alphonse Mucha.
I <3 "Work In Progress".

Unten sieht man die drei Hauptphasen des Entstehungsprozess' von "Nightfall". Die Skizze, die mit Tusche und Zeichenfeder nachgezogene Variante und zuletzt die ausradierte und kolorierte. Wobei es mir trotz soviel "Übung" bisher nicht gelungen ist das Bild perfekt am Computer nachzubearbeiten (Helligkeit, Kontrast, Farbverhältnis), sodass es wie das analoge Original aussieht. Im Fall von Nightfall sieht einfach alles etwas zu hell und gesättigt aus. Wobei das bloße dunkler machen die Farben letztlich komplett verzerrt. Dabei bin ich beim Herstellen des Originaleindrucks mit Bildbearbeitung eigentlich nicht sooo schlecht… .

Insgesamt sind meine Jugendstil-Versuche was die Farben betrifft zu gesättigt. Vermutlich müsste vieles noch wesentlich fragiler aussehen. Nightfall kam auf DeviantArt beispielsweise besser an, obwohl ich es als etwas zu kitschig empfinde.

Mein anderes Werk „Daybreak“, das thematisch zu „Nightfall“ passen soll, ist mir besser gelungen, finde ich.

Das zweite thematisch passende Bild zu zeichnen ist offensichtlich das größere Problem. An der ziemlich blütenreinen Skizze von Nightfall sieht man, dass der Anfang nicht zwingend schwer sein muss. Bei Daybreak hatte ich mindestens 3 Skizzen und man kann ziemlich deutlich sehen, dass ich beim Abpausen der ersten Skizze vieles verändert habe. (Da wünsche ich mir manchmal wirklich einen Leuchttisch…)

Und wie gehts weiter?
Bei der kommenden Leipziger Buchmesse möchte ich es also wieder versuchen und brauche etwas zeigbares. Außerdem war es ursprünglich immer mein Plan jedes Jahr mindestens ein Kapitel von Morphin zu zeichnen. Also: zeichne ich jetzt das überfällige dritte Kapitel.

Meine Planung ging sogar so weit, dass ich im Januar vorzeichnen wollte, im Februar tuschen und Anfang März rastern. Diese langen Zeiträume wähle ich deswegen so mit Bedacht, da die letzten Vorlesungswochen im Januar und die darauffolgenden Prüfungen es nicht zulassen, dass ich 24/7 zeichne (mein Biorhythmus läßt das auch nicht zu …). Hauptsächlich abends oder morgens vor der Uni wollte ich zeichnen – das hat nicht funktioniert. Aber über den Stress der letzten Wochen habe ich ja letztens erst gejammert.

Alles in allem war es großartig mal wieder ein paar Seiten von „Morphin“ zu zeichnen. Es macht zwar Arbeit und sorgt immer für kräftige Rückenschmerzen sich abends den Buckel über dem Papier krumm zu machen aber es ist wie ein paar Stunden Urlaub.
Für das Architektur-Panel auf der Seite unten habe ich zwar allen ernstes fast 2 Stunden gebraucht aber Zeichnen rettet mich oft durch fiesen Stress. Zumal es auch nicht viel gesünder wäre, abends was für die Uni zu tun oder zu programmieren. Dagegen war ich schon immer, auch wenn ich Programmieren liebe.

Im Moment zeichne ich immer noch und auch wenn ich den Plan nicht eingehalten habe, bin ich mit dem bisherigen Werk sehr zufrieden. 🙂
Außerdem bin ich gerade an einer Stelle der Handlung angekommen, die ich schon lange plane und die für den Gesamtverlauf sehr wichtig ist. Das Kapitel ist sogar ein echter Wendepunkt.

Außerdem gibt es noch ein anderes Projekt, dass ich aufnehmen werde, sobald das Kapitel fertig ist.
Weil Kontinuität wichtig ist, wird es vermutlich monatlich erscheinen. Aber dazu ein anderes Mal.