Titelhelden

Posted by in Informatik, Internet

Titelhelden ist ein Service der Deutschen Post, bei dem Zeitungen/Hefte individuell gestaltet werden können. Dazu zählen sowas wie Geburtstags- oder Hochzeitszeitungen aber auch Bewerbungen o.Ä.
Leider wird der Service am 31.10. eingestellt. Und ich sage „leider“, weil es vielleicht einer der besten Web-Services ist, die man derzeit antrifft in den Untiefen des www.

Ein paar Freunde und ich haben wiederum für den Geburtstag eines Freundes mal so eine Geburtstagszeitung gemacht. Das mag altbacken erscheinen, wenn man das so hört aber es kommt eben drauf an wie man das ganze auslegt. Wir haben unseren Kumpel ganz schön auf die Schippe genommen, haben Fotomanipulationen von ihm gemacht und dort reingepappt usw. Es war lustig die Zeitung zu gestalten und ich glaube dem Geburtstagskind hat es ganz gut gefallen. Ich meine wer sieht sich schon sonst in der Matrix oder gegen sein Idol kämpfen?

Jedenfalls ist das Tool ziemlich ideal.
Man meldet sich an und kann sofort mit den Gestalten beginnen – sogar verteiltes arbeiten und Gruppenlogins sind möglich.
Damit hat Titelhelden den meisten Fotobuch-Services u.Ä. schon jede Menge voraus. Unter anderem kann man auch jederzeit den Status der Bestellung verfolgen, nachdem man fertig gestaltet hat.
Bei anderen Anbietern muss man um das rauszubekommen teilweise echte Anstrengungen unternehmen.

Was Gestaltung und Bedienung betrifft, ist das ganze recht selbsterklärend. Die Steuerung ist relativ intuitiv. Könnte evtl. besser sein. Dadurch, dass es aber in keinem Fall überfrachtet, sondern eher sehr logisch angeordnet ist, dauert es maximal 10 Minuten bis man alles gesehen hat und weiß wie man alles bedienen muss.
Man kann jeweils Templates in Anspruch nehmen: für ganze Zeitungen, für Seitenlayouts, Bildervorlagen, sogar Textvorlagen – falls man gar keine Ahnung hat wie man rangehen soll.

Titelhelden

Titelhelden

Der Funktionsumfang ist absolut ausreichend.
Man kann Bilder, Texte und farbige Flächen beliebig anordnen und mit Inhalten füllen, der dann durch bestimmte Werkzeuge formatiert werden kann.
Bei Text sind es die üblichen Optionen (wobei hier mehr Fonts nett gewesen wären): italic, bold, Schriftgröße manipulieren, Blocksatz, linksbündig usw.
Man beschränkt sich hierbei auf grundlegende Optionen wie das Skalieren von Bildern, Schrift usw. und verzichtet auf Rotation oder irgendwelche Effekte. Elemente können weiter nach hinten versetzt werden bei Überdeckung oder eben weiter nach vorn. Wie gesagt alles sehr grundlegend aber absolut ausreichend. Durch die Vorlagen sind auf die Leute ohne künstlerische Ambitionen oder tiefergehende Photoshop-Kenntnisse in der Lage eine sehr gut aussehende Zeitung/Heft zu fertigen. Die Stile bei der Gestaltungen und den Templates gehen von klassisch über schlicht bis hin zu comic-haft, modern oder auch kitschig. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Wenn man sehr versiert mit Bildbearbeitungsprogrammen ist, kann man alles was einem zum Glück fehlt, noch selber zusammenbasteln und anstandslos hochladen. Beispielsweise waren mir die Möglichkeiten die Titelseite zu gestalten zu langweilig und stattdessen habe ich alle Komponenten durch eine leere Seite ersetzt und mit einem via PS gestalteten Bild ersetzt. Hierbei kann man Bilder der gängigen Formate wie jpg, png o.A. hochladen aber nur bis zu einer bestimmten Größe. Verständlich, denn die einmal hochgeladenen Bilder bleiben vorerst gespeichert.

Auf allen Systemen, auf denen ich den Service bisher genutzt habe, lief es einwandfrei. Von Web-Interfaces kennt man oft lange Ladezeiten, Abstürze usw. Davon kann hier aber nicht die Rede sein. Die Deutsche Post wollte sicherlich nicht unangenehm auffallen und den guten Ruf nicht riskieren und hat anscheinend in eine zeitgemäße und gut programmierte und geplante Schnittstelle investiert.
Von allen Platformen, die ich nutze, egal ob Windows oder Linux, lief der Service anstandslos. Kein Flash notwendig, kein Java und dann auch noch angenehme Ladezeiten. Eigentlich alles, was das Herz begehrt. Man kann es sogar testen, bevor man sich anmeldet und muss nicht erst eine Software herunterladen und installieren wie im Falle von Fotoservices verschiedener Ketten… .
Schade, dass das alles anscheinend nicht belohnt wurde.

Was den Preis betrifft, spielt es in der Liga der Fotobücher mit.
Wer sich also sagen wir mal 1-3 Exemplare bestellen will, bezahlt nicht viel mehr als bei anderen Services.
Man kann verschiedene Versandmöglichkeiten wählen, die Seitenzahl ist natürlich auch anpassbar (wobei sie wegen dem Druck immer durch 4 teilbar sein sollte, worauf man auch hingewiesen wird), verschiedenes Papier und unterschiedliche Druckqualität (s/w, 4-farbig (CMYK?), …).
Auffällig ist, dass der Dienst augenscheinlich auch für Großaufträge ausgelegt ist. Das Wort „Auflage“ springt einem öfter ins Auge. Man kann Auflagengrößen bis zu tausenden Exemplaren bestellen, wobei der Preis pro Heft dann auf einige Cent sinkt wie man das von Druckereien gewohnt ist. Da habe ich keine wirklichen Vergleichsmöglichkeiten aber die Vermutung liegt nahe, dass auch hier der Service preislich den üblichen Methoden in nichts nach steht.

Was ist also das Problem?
Hat niemand den Service wahrgenommen – wurde er zu wenig genutzt und hat zu wenig Geld in die Kassen gespült? Die Betriebshaltungskosten sind auf jeden Fall an Server und nicht wenig Speicherplatz gebunden. Wie kann es sein, dass so ein guter Dienst eingestellt werden muss? Es ist jedenfalls sehr sehr schade, denn dieser Service ist hinsichtlich Usability sicherlich das Beste, was es derzeit überhaupt gibt. Beziehungsweise gab.