Japanreise: Tag 10 – Sensō-ji und Asakusa, spazieren am Sumida, Wiedersehen mit Hachikō

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Das war’s. Wir sind beim letzten Reisebericht angekommen und beim letzten Tag unserer Reise. Alles was danach folgte, war dann „nur noch“ Abreise. Wie wir wissen, dauert die quasi auch einen Tag. Mit dem Gedanken daran (und v.A. an den langen Rückflug) mussten wir im Laufe unseres zehnten und letzten Tages in Tokyo mehrmals schwer seufzen. Auf dem Plan stand der Sensō-ji Tempel in Asakusa und ein paar kleinere Ziele. Da Sensō-ji der scheinbar bekannteste und größte Tempel Tokyos ist (oder eher mit dem größten Gelände), gilt er als sehr überlaufene tourist trap und es wird empfohlen sehr früh da zu sein. Das waren wir, aber es machte keinen Unterschied.

Sensō-ji in Asakusa

Am bereits morgens mit über 30° bisher heißesten Tag unserer Reise machten wir uns also früh auf zum Sensō-ji, der passenderweise direkt neben dem Bahnhof Asakusa im namensgebenden Viertel im Stadtteil Taito liegt. Taito umfasst übrigens auch ein Ufer des Flusses Sumida, der durch Tokyo fließt und man kann von hier aus den Skytree sehen. 🙂 Was mir neben dem vertrauten Anblick aber etwas das Gesicht einfrieren ließ, waren die Menschenmassen. Schon morgens tummelten sich hier soviele Menschen, dass ich auch angesichts der glühenden Hitze dachte „brace yourself …“. Es war fast unmöglich Fotos zu machen, auf denen sich keine Menschen tummeln – zumindest an den imposanten Toren des Sensō-ji oder vor der Haupthalle – dankbarerweise verläuft es sich etwas auf dem Gelände des Tempels, das so groß ist, dass es als Tempelbezirk bezeichnet werden kann.

Sensō-ji ist einer der ältesten Tempel Tokyos, wurde auch im Laufe seiner Geschichte zerstört und neu errichtet und wird in zahlreichen Quellen als der schönste Tempel bezeichnet. Auch wir waren von den Ausmaßen des Tempels sehr begeistert. Zwar ist Sensō-ji ein buddhistischer Tempel, aber auf dem Gelände befindet sich auch der Asakusa-Schrein, ein shintōistischer. Da man außerdem den Sensō-ji auch als Asakusa-dera bezeichnet (Asakusa-Tempel), verschwimmen die Begrifflichkeiten stark. Man betritt das Gelände klassischerweise durch zwei große Tore mit immensen, tonnenschweren Lampions. Zuerst das Kaminarimon („Donnertor“, ein Lampion) und dann das Hōzōmon („Schatztor“, drei Lampions). Zwischen beiden erstreckt sich eine Einkaufsstraße, die Nakamise. Hoffnungslos überfüllt – die Fotos von der Nakamise sind von früh morgens. Es bietet sich an einfach außen um die Nakamise drum rum zu laufen, dort war es zumindest morgens noch relativ leer. Hat man das geschafft gibt das Gelände den Blick auf die Haupthalle und eine fünfstöckige Pagode frei. Wenn man dachte, dass es bis jetzt noch nicht eindrucksvoll genug war, dann weiß man mitten im Tempelbezirk gar nicht wo man hinschauen soll. Eine ausführliche Beschreibung des Sensō-ji und seiner vielen Anlaufstellen gibt es übrigens bei Tessa. Sollte es mich nochmal zum Sensō-ji verschlagen, dann würde ich gern abends die Beleuchtung (und hoffentlich auch Ruhe?) genießen. Der Tempel ist u.a. der Gnadengottheit Kannon gewidmet und wir nutzten hier unsere vorerst wohl letzte Gelegenheit um uns von den Göttern etwas zu wünschen und dieses Mal auch einen Talisman zu kaufen.

Schatten suchen, Abkühlung finden

Nachdem wir das Gelände des Sensō-ji weitestgehend abgelaufen waren, Buddha-Statuen und kleine Gärten und Wasserfälle bewunderten, zog es uns immer mehr in den Schatten. Obwohl erst Anfang Juni, war das Klima eine trockene, sengende Hitze. Ich frage mich wie sich die Besuchern gefühlt haben, die von der Möglichkeit Kimonos zu leihen Gebrauch gemacht haben? Scheinbar hatten einige direkt einen Fotografen dabei und ließen sich oftmals ablichten, v.A. vor einer Wand mit lauter Windrädern. Den Hinweis diese nicht anzufassen, ignorierten leider viele. Dicht am Tempelbezirk gab es eine überdachte Einkaufsstraße, deren Geschäfte erst so nach und öffneten und die noch nicht ganz so viele Besucher anzog. Wir fanden dort etwas, dass wir schon ewig während der Reise essen wollten: Shaved Ice. Im Grunde ist es einfach Kratzeis bzw Wassereis, das man als „Schneeberg“ überreicht bekommt und zwischen verschiedenen Geschmacksrichtungen wählen kann, die als Sirup darüber gegossen werden. Aber Junge, es war eine fantastische Abkühlung. Die gibt es übrigens genauso wie sagenhaft aussehendes Meronpan bei der Bäckerei Kagetsudou. Wer es etwas traditioneller und weniger süß mag, kann die Variante mit Grünem Tee und gesüßten roten Bohnen nehmen, war auch sehr gut. Wir waren so fertig von der Hitze, dass wir sogar mangels Sitzmöglichkeiten unser Ziel aufgaben Bilderbuch-Touris zu sein und uns auf die Stufe eines Geschäfts setzten, obwohl direkt über unseren Köpfen stand, man dürfe sich dort nicht hinsetzen. ^^‘ Rebel 4 life … *hust*.

Einkaufen in der Nakamise

Wieder einigermaßen abgekühlt und ausgeruht wagten wir dann den Rückweg durch die Nakamise, um uns die Souvenirs anzuschauen. Wie oben bereits erwähnt stammen die Fotos vom Morgen, d.h. es war nochmal wesentlich voller. Angesichts der Mittagshitze wurde das eine relative Geduldsprobe. Viele Japaner schützen sich übrigens vor der Sonne mit einem Sonnenschirm – das ist schlau, aber wirkt auch etwas anstrengend, den die ganze Zeit zu halten, während man durch so eine Menschenmasse wandert. Neben viel Tand und Souvenirs, die man in der Form an zig anderen Ständen sieht, gibt es auch Kunsthandwerk zu deftigen Preisen. Die Mischung war aber irgendwie doch recht cool und wir haben nochmal das eine oder andere eingekauft. Oder uns wegen der Klimaanlage in die kleinen Geschäfte gezwängt. ^^

Spazieren am Sumida, wundern über „golden poo“ und Hochhäuser, die wie Bierkrüge aussehen (sollen)

Die Straßen Asakusas weisen noch viele Gebäude mit traditioneller Fassade auf und wecken in mir Erinnerung an Filme, die in Japans 60er und 70er Jahren spielen. Zahlreiche Lokale und Gaststätten ließen wir hinter uns, weil die Wärme den Hunger vertrieben hat. Unser Ziel war der Park am Ufer des Flusses Sumida, indem wir Schatten suchten, fanden und entlang flanierten und unsere Reise Revue passieren ließen. Dabei genossen wir den Blick auf den Tokyo Skytree und die Hochhäuser der Asahi Brauerei. Eins davon stellt einen Bierkrug dar – goldgelb mit weißer Schaumkrone. Ich muss gestehen, ohne Erklärung aus Reiseblogs und Resieführern wäre ich wohl nicht darauf gekommen. ^^‘ Daneben gibt es ein weiteres Gebäude von Asahi, das international wegen seiner Häufchen-förmigen Dekoration liebevoll „the golden poo“ genannt wird. Gestaltet wurde es vom französischen Designer Philippe Starck im Jahr 1989. Ich konnte mir nicht wirklich einen Reim darauf machen, was die Architektur des Gebäudes mit Bier zutun hat oder was sie aussagen soll, aber laut einer Quelle stellt es „Asahi Beer’s burning heart as it leaps into the new century“ dar. Okay. Gut. Lassen wir das mal so stehen. Wir ließen uns weiter am Sumida eine leichte Brise um die Nase wehen und genossen den Park mit Skulpturen. Übrigens sahen nun an unserem letzten Tag etwas, von dem man fast hätten glauben können, dass es das in Japan nicht gibt: Obdachlose.

Enden, wie es anfing: mit Hachikō

Die letzte Attraktion, die wir uns anschauen wollten, schließt quasi den Kreis. An unserem ersten „richtigen“ Tag in Tokyo besuchten wir als erstes die Statue Hachikōs in Shibuya. Am 80. Todestag  des treuen Akita im Jahr 2015 wurde auf dem Gelände der Universität zu Tokyo eine Statue in unmittelbarer Nähe von Hidesaburo Uenos Institut im Stadtteil Bunkyo eingeweiht, die zeigt wie er und Hachikō wiedervereint werden. Man erreicht die Statue am ehesten über die Haltestelle am Bahnhof Todai-mae (übersetzt quasi „vor der Todai“), wo der Weg sogar freundlicherweise ausgeschildert ist. Leider hat es diese Statue im Gegensatz zu der in Shibuya noch nicht in Google Maps und Konsorten geschafft, aber die Adresse ist laut einem hilfreichen Artikel: 1-chōme-1 Yayoi Bunkyo City, Tōkyō-to 113-0032. Wir waren ganz perplex, das nach so kurzem Fußweg die Statue vor uns steht und sehr gerührt. Wir hatten ein bisschen mit den Tränen zu kämpfen, weil die beiden so glücklich aussehen. Vielleicht auch ein bisschen weil das nun das Ende unserer Reise war.

Das letzte Abendmahl … in Tokyo

Nachdem wir ins Hotel zurückgekehrt waren, wagten wir das Abenteuer „packen“. Angesichts der Menge an Souvenirs eine logistische Meisterleistung 😉 Ein kulinarisches TODO stand aber noch aus. Wir wollten in so eine richtige, traditionelle Sushibar oder Gaststätte. So eine ohne Bezahlen an Automaten, so eine wo die Einheimischen hingehen. Und wir fanden eine in der Nähe unseres Hotels. Das Erlebnis war so authentisch wie man es bekommen kann. Der charismatische und urige Sushi-Chef kannte offenbar seine anderen Gäste und hat freundlich mit ihnen rumgepöbelt und Scherze gemacht. Alte Leutchen trafen sich dort zum Plausch, die Salarymen becherten ordentlich und zelebrierten den Feierabend. Das Lokal war klein und hat sicherlich keine Raumausstatter gesehen, aber es fühlte sich echt an. Und schön. Es wurde geraucht, getrunken, gescherzt. Wir wurden auf Japanisch begrüßt, befragt, antworteten nach bestem Wissen und Gewissen und versuchten die rein in Japanisch gehaltenen Aushänge mit dem Angebot zu entziffern. Es war unser schwierigstes Abendessen, aber es war lecker. Und es war unser letzter Abend in Tokyo, ein Traum hat sich erfüllt, jetzt müssten wir es nur noch nach Hause schaffen. Zwar wurde ich vom Chef für mein Japanisch gelobt, aber was die alten, sympathischen Leutchen uns versucht haben über Frankfurt zu erzählen, habe ich leider nicht verstanden. Der Opa, der scheinbar schon sehr sehr alt war, hat uns zum Abschied zugewunken. Und plötzlich wird mir das Herz beim Schreiben ganz schwer. Das ist wohl Fernweh.

Sayonara Tokyo

„Re:Re:“, via ASIAN KUNG-FU GENERATION Official YouTube Channel (Youtube)

 

Bisherige Artikel zur Japanreise: Reisevorbereitung | Reiseführer-Reviews | Tag 1 (Anreise, Minato) | Tag 2 (Shibuya & Harajuku) | Tag 3 (Miyajima) | Tag 4 (Hiroshima) | Tag 5 (Kyoto) | Tag 6 (Roppongi, Shinjuku) | Tag 7 (Ghibli Museum in Mitaka, Setagaya und Tokyo Skytree) | Tag 8 (Kanda, Akihabara und Odaiba) | Tag 9 (Ikebukuro, Sunshine City)

Keine Fotos mehr bearbeiten, Wasserzeichen setzen und Gesichter unkenntlich machen für ein paar Wochen. Yasss. Das ist das Gute daran, dass es der letzte Reisebericht ist. Ich muss gestehen, es hat doch ordentlich viel Arbeit gemacht die Artikel zu schreiben und zu bebildern. Aber natürlich war es auch sehr schön – man erinnert sich automatisch an die Stadien der Reise und kann in Nostalgie, Erinnerungen und Fernweh schwelgen. Aber: es war nicht der letzte Beitrag zum Thema Japan. Da kommt noch ein bisschen was. 🙂 Ihr dürft gespannt sein.