unmöglich

Posted by in Alltag, Studium

Meine Blog-Abstinenz der letzten Wochen weist zart darauf hin, dass einiges los war. Es kommt mir auch wie eine Ewigkeit vor, dass ich die Collectibles ankündigte.

Nachdem die freien Tage zu Weihnachten und Neujahr vorüber waren, ging der übliche Stress weiter. Die letzten 4 Wochen Uni in der Vorlesungszeit des Wintersemesters 11/12 hatten es ziemlich in sich und haben die ganze Gelassenheit, die ich mir angeeignet habe, einfach aufgegessen. Man kennt das ja: alle Seminare, Projekte, Arbeiten und Vorlesungsthemen wollen beendet werden. Die Aufgaben häufen sich nochmal richtig an. Teilweise hatte ich dafür kein so großes Verständnis. Insbesondere in Seminaren/Modulen, in denen ich eigentlich von Anfang an konstant gearbeitet habe. und Aufgaben von Woche zu Woche erledigte (was nicht immer lustig war). Ausgerechnet da noch viele Aufgaben zu bekommen, fand ich doch sehr schade. Zum Ende des Semesters ist Zeit eine derbe Mangelware und es herrscht Ausnahmezustand. Ich meine sogar, zu erkennen, dass die Menschen unfreundlicher werden. Logisch, es ist bei allen ähnlich. Zu dem Zeitpunkt hatte ich vor allem deswegen eine miese Laune, weil die Prüfungen bei mir sofort nach Vorlesungsende beginnen sollten und ich mich eher damit hätte beschäftigen sollen. Dazu kommt noch die Unzufriedenheit, wenn man das Gefühl hat, das über das Tun (oder eben Nicht-Tun) der Anderen hinweg gesehen wird.

Da frage ich mich doch: lohnt es sich eigentlich das Unmögliche möglich machen zu wollen?
Viele sind bereits daran gescheitert: von Semesterbeginn zu Semesterende für jedes Modul stetig nebenher etwas zu lernen, Aufgaben zu lösen, nach- und vorzubereiten. Das eben geschilderte ist eigentlich das, was man als Student machen soll. Man könnte sagen, dass es die Definition von „Studieren“ ist. Der Mythos existiert allerdings schon sehr lange … ich kann mich noch an Diskussionen mit Freunden (und Kommilitonen) erinnern, ob man das schon jemals geschafft hätte? Die Antwort nein. Warum überhaupt darüber nachdenken? Weil man (ich) sich davon versprechen kann, dass es dann eben alles geschmeidiger läuft, insbesondere am Ende des Vorlesungszeitraums. Außerdem sollten dann die Gedächtnislücken kleiner sein, wenn man anfängt für die Prüfungen zu lernen. Es sollten keine da sein. Deshalb der Idealfall. Und der Mythos.

Allerdings kenne ich eigentlich niemanden, der das schafft. Zu Zeiten von Bachelor und Master würde dann nebenher vermutlich keine Zeit mehr bleiben, um zu Essen oder zu Schlafen. Gott sei Dank kann man bestimmte Sachen nebenher machen. Atmen zum Beispiel.
Das war jetzt natürlich etwas übertrieben 😉 . Es entspricht aber dem Eindruck, den ich gewonnen habe. Ich kenne einfach niemanden, der das zur Perfektion durchziehen kann und bin der Meinung, dass das auch gar nicht funktioniert. Das denke ich eigentlich erst, nachdem mein Versuch dieses Semester gescheitert ist.

Wie das?
Zu Beginn des Semesters hatte ich ja im Prinzip einen Neustart. Auch wenn es ein etwas müder Neustart war.
Nach Abschluss des Bachelors habe ich mit neuen Vorlesungen in einem neuen Studiengang in ein neues Semester gestartet. Keine Altlasten wie aufgeschobene Prüfungen oder ähnliches. Einfach neu. Zwischen Abschluss und Anfang lag allerdings nur eine Woche freie Zeit und das war dann doch etwas wenig. Deswegen ein „müder Start“, weil ich müde war. Haha 🙂
Nun hatte ich mir vorgenommen: dieses Semester läßt du das alles ganz „smooth“ laufen. In deinem eigenen Interesse. Kein Stress mehr. Schön stetig alles nebenher zeitnah abhandeln und schon wird das ganz einfach.

Das hat ja eigentlich sogar erstaunlich gut geklappt. Bis Weihnachten lief es jedenfalls und das war ein gutes Gefühl. Tatsächlich war das „immer vorbereitet sein“ etwas stressfreier, weil man nicht diese Zeitpunkte hatte, in denen man urplötzlich für jedes Modul ranklotzen musste. Und in jedem Fall war es ein gutes Ruhekissen. Und keine Einschränkung der Freizeitbeschäftigung. Ins Kino gehen, Weihnachtsmarkt, mal Shoppen gehen, mit den Freunden in den Pub – läuft.
Allerdings wurde der Plan auch etwas gestört. (Die Lehre bei uns ist eigentlich sehr gut, muss ich dazu sagen) Was tun bei einem Modul, in dem der Übungsstoff dem Vorlesungsstoff mind. einen Monat voraus ist? (Das muss man erstmal schaffen…) Oder wo es kein Vorlesungsskript gibt? Zwei Kandidaten unter den Modulen habe ich also auch ausgelassen.
Ansonsten profitiert man als Informatiker vielleicht auch ein wenig davon, dass man eben Informatik studiert. Während andere lange Protokolle schreiben und viele Stunden im Praktikumslabor stehen, gehen wir eben nach Hause, setzen uns an den Rechner und programmieren bis das Programm eben funktioniert. Das kostet natürlich trotzdem viel Zeit. Aber das Mittagessen kann nebenher kochen. (Was ich damit sagen will: man kann sich die Zeit besser einteilen, weil wir für unsere „Praktika“ nicht in der Uni glucken müssen.) Und wer’s nicht macht…der hat später Grund sich zu ärgern.

Pah.
Trotz allem war das Ende des Semesters wieder so eine Aneinanderreihung von blankem Wahnsinn.
Warum? Weil es eben nicht geht. Es ist unmöglich. Und warum? Weil nicht jeder daran Interesse hat, das es so läuft. Weil es Vielen einfach egal ist.
Ich bin nicht der Oberstreber aber es ist eben so. Ade du Mythos. Zeit sich damit abzufinden, dass es den Idealzustand nicht gibt: ein stressfreies Semesterende.

Stattdessen sind nun Prüfungen und befürchte fast, das wird fast lässiger als das ganze letzte Semester…(wenn die Prüfungen jetzt auch noch alle gut ausfallen, wird das am Ende noch ganz toll :))

Insgesamt fand ich es ganz interessant jetzt mal zu Ende der Vorlesungszeit darüber nachzudenken, was aus meinem Plan eigentlich geworden ist. Das Fazit steht im Prinzip im Absatz hier oben drüber … während des Semesters wäre es sinnlos gewesen sich darüber den Kopf zu zerbrechen wie man das besser machen kann. Oder ob überhaupt. Das wäre vielleicht deprimierend gewesen. Stattdessen habe ich lieber einer neuen Staffel von BBC Sherlock entgegengefiebert, habe meinen 1400-Seiten-Wälzer über Java-Programmierung ausgelesen (mit großzügigen Sprüngen ;)), das Album „21“ von Adele gehört, die Bands „Tennis“, „Young The Giant“, „Biffy Clyro“, „Gruff Rhys“ und „Chapel Club“ für mich entdeckt, sensationelle Filme geguckt und an den ruhigeren Abenden gezeichnet.
Bloß gut, dass es das alles gibt: das Zuhause, Bücher, Freunde, Kneipen, Manga, Musik und Filme. Und Java. Aber das ist ein anderes Thema.