Serienlandschaft: Kurzreviews – u.a. Schuld nach Ferdinand von Schirach, Sailor Moon Crystal, Peaky Blinders Staffel 1, unvm

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Es wird mal wieder Zeit euch meine Meinung über ein paar Serien mitzuteilen – ich hab über die letzten Monate „gesammelt“ kann man sagen. Und übrigens: spoilerfrei (für die jeweils besprochene Staffeln, nicht zwingend für alles was davor geschehen ist).

‚Schuld nach Ferdinand von Schirach‘

Oliver Berben produzierte für das ZDF die 6-teilige Krimiserie, die bereits vor Ausstrahlung in der ZDF-Mediathek verfügbar war. Für das stets dem Trend hinterher hinkende deutsche Fernsehen ein großer Schritt, den ich nur begrüßen kann. Die Krimiserie basiert auf dem Buch des bekannten Strafverteidigers und Autors Ferdinand von Schirach – ein Name, den jeder zumindest schon mal irgendwie irgendwo gehört hat. Ich muss zugeben, dass mich das alles erst so wirklich überzeugt hat, als ich die Castingliste gesehen habe. Moritz Bleibtreu spielt den Anwalt Friedrich Kronberg, das Bindeglied der Episoden, in denen es vorrangig um seine Klienten geht und die unterschiedlich hellen und dunklen Schattierungen von Schuld. So erlebt man u.a. Anna Maria Mühe, Hans-Michael Rehberg und Aylin Tezel im Fokus einzelner Episoden.

Meine Erwartung war übrigens, dass man viel mehr von Kronbergs (Bleibtreu) Einstellung zu den einzelnen Fällen erfahren würde und dass er mehr Screentime hätte. Tatsächlich wird er erst in der letzten Episode zur Hauptfigur der Serie. Das ist eine Stärke und gleichzeitig eine Schwäche, denn so muss sich jede Episode selber tragen. Als in der ersten Folge die relativ belanglosen Luxusprobleme eines gut situierten Pärchens in einem Übergriff münden und die Leistung mir eher blass vorkam, fühlte ich mich an eine Tatort-Folge erinnert und war eher zum abschalten geneigt. Als ich dann aber weitergeschaut habe, war ich doch ganz froh dank einiger Perlen wie der Episoden Schnee, Ausgleich und der letzten Folge Volksfest. Für mich die Highlights der Serie, in denen das Niveau der Umsetzung, schaupielerischen Leistung und des Drehbuchs vollends zur Geltung kommt. Erstaunlicherweise erschien mir Moritz Bleibtreus Darstellung des Anwalts zwar nett, professionell, aber auch irgendwie aufgesetzt. Gehört das letzten Endes vielleicht sogar dazu? Wer weiß. In jedem Fall hat Schuld einige Episoden, die meinen Geschmack so gar nicht getroffen haben, aber auch welche, die ich sehr mitreißend empfand. Deutsche Eigenproduktionen, die nicht von irgendwelchen ausländischen Formaten abgekupfert sind, verdienen Aufmerksamkeit und gute Formate müssen dringend gefördert werden, um in Zukunft besseres Fernsehen zu haben – so simpel es klingt. Daher kann ich Krimifans die Serie ruhigen Gewissens empfehlen.

(7/10)

Sternchen-7

‚Sailor Moon Crystal‘

Sailor Moon Crystal ist das Remake des beliebten Anime Sailor Moon aus den Jahren 1992-1997. Als angekündigt wurde, dass 2014 ein Remake ansteht, was man kostenfrei und legal im Internet auf Nico Nico Douga streamen dürfte, war das für mich ein Hammer. Sailor Moon ist meine Kindheitsheldin – klar, dass ich reinschauen würde. Leider war ich alles andere als überzeugt von der Animeserie. Die Geschichte wird sehr mädchenhaft-naiv erzählt, vielleicht naiver als die ‚alte‘ Serie von 1992. Damit meine ich beispielsweise, dass die Charaktere noch weniger hinterfragen was sie tun und woher plötzlich ihre Kräfte kommen. Außerdem sind alle Charaktere sehr ähnlich und werden nur oberflächlich betrachtet. Es gibt keine Extreme mehr. Das ist das, was ich an der Ursprungsserie mochte. Rei und Bunny waren beispielsweise immer etwas zerstritten – eben Freunde, die kritischer miteinander umgingen. Das ist auch eine Form von Freundschaft. Makoto war eine hoffnungslose Romantikerin, aber superstark. Amy wurde in der alten Serie oft von Bunny daran erinnert auch mal Spaß zu haben und nicht immer nur zu lernen. All diese unterschiedlichen Charaktere kamen nur sehr dünn zum Vorschein. Warum die Mädchen so eng miteinander befreundet sind, tritt ebenso in den Hintergrund und bleibt unverständlich. Die Botschaft des Anime allgemein leidet sehr darunter. Dazu kommt, dass sehr viel wert darauf gelegt wurde früh eine Romanze zwischen Usagi und Mamoru zu entwickeln und das als den Kern der Geschichte zu zeigen. Undzwar in so einem starken Ausmaß, dass Usagi mehrmals mit dem Gedanken spielt sich das Leben zu nehmen, weil es ohne Mamoru keinen Sinn macht. Eine sehr schwierige Botschaft, die mir vorkommt, als ob man erzieherisch und moralisch 100 Schritte zurück gemacht hätte.

Und da mir dann nicht mal der Zeichenstil gefallen hat, ist es eigentlich aus mit mir und Sailor Moon Crystal. Die Figuren waren mir auf zu erwachsen getrimmt, die älteren Figuen wiederum auf zu jugendlich. Die Proportionen waren noch extremer auf Barbie-Idealmaße abgestimmt als in anderen Anime und die Verwandlungssequenzen sind 3D-animiert und im toon-shading-look. Das ist deshalb nicht schlau, da ihr Look von den üblichen 2D-Animationen abweicht und gummipuppenhaft wirkt. Haare wurden auch sehr sehr schwach animiert. Alles in allem wirken die Sequenzen sehr befremdlich auf mich, wobei die früher immer eins meiner Highlights der Serie waren. Das ist sicherlich Geschmackssache, aber für mich war der Animationsstil ein Rückschritt im Vergleich zur mehr als 20 Jahre alten Originalserie. Für mich war die Serie ein Reinfall. Allerdings bin ich noch gerade so weise zu erkennen, dass ich stets die ursprüngliche Serie als Maßstab nutze. Und die fand ich ja schon ziemlich gut. Ziemlich Hürde für das Remake. Außerdem kommt hinzu: ich bin nicht mehr die Zielgruppe. Die alte Serie hat zuviele Kindheitsboni bei mir. Nostalgie! Ich kann mir vorstellen, dass Sailor Moon Crystal durchaus bei sehr jungen Zuschauern funktioniert – aber empfehlen würde ich selbst denen immer noch die alte Serie. 2 Punkte gibts für das Aufgreifen von Sachverhalten aus dem Manga wie die Herkunft von Jedite & Co. und die schönen Einblende-Standbilder im Jugendstil-Look.

(2/10)

Sternchen-2

坂道のアポロン (Sakamichi no Aporon), engl. Titel: ‚Kids on the Slope‘

Kids on the Slope ist ein Coming-of-Age und Slice-of-Life-Anime, der sich um den zurückgezogenen und vom Leben enttäuschten Kaoru dreht, der an seiner neuen Highschool vollkommen unerwartet ausgerechnet mit dem coolen Schulrüpel Sentarou Freundschaft schließt. Ihr Bindeglied ist die Musik – Sentarou liebt Jazz, will jammen und Sessions spielen und dazu fehlt ihm noch was. Nämlich eine Band. 🙂 Kaoru spielt Klavier, Sentarou Schlagzeug, der Rest der Gruppe steht in den Startlöchern. Als Kaoru Anschluss findet, nimmt sein Leben eine Wendung. Es wird allerdings nicht unbedingt einfacher, als er sich in Sentarous Kindheitsfreundin Ritsuko verliebt. Der geneigte Leser weiß sofort Bescheid. Die Story des Liebesdreiecks ist nicht neu. Probleme und Unsicherheiten des Erwachsenwerdens, Missverständnisse, das volle Paket erwartet uns in Kids on the Slope, das etwa in den 1960er Jahren spielt. Dadurch ist auch gewährleistet, dass Kaoru und Co. nicht mit Smartphones um sich werfen. Außerdem thematisiert der Anime auch die Studentenproteste – ein Kapitel der japanischen Geschichte, dass gerne noch etwas stärker im Fokus stehen könnte. Besonders wird die 12-teilige Serie v.A. aber auch durch die sehr lebhaften und anspruchsvollen Animationen. Wenn Sentarou Schlagzeug spielt, sieht man, dass die Animateure hier viel Arbeit und Zeit investiert haben, denn soviele Bewegungen in kurzer Zeit zu zeigen, das ist nicht einfach. Auch wenn da mit Sicherheit Wiederholungen im Spiel sind, ist das ein Qualitätsmerkmal. In anderen Serien wird an dieser Stelle einfach die digitale Kamera weggeschwenkt. Für Musikfans ist der ab und zu etwas schnulzige Anime bestens geeignet, denn Jazz spielt eine große Rolle. In fast jeder Episode gibt es eine lange Band-Sequenz, viele eingespielte Jazz-Stücke, die Charaktere philosophieren über Arten des Jazz und berühmte Interpreten. Ich kanns nicht oft genug sagen: ich mag Serien, bei denen man noch was lernt. In dem Sinne haben sich die Figuren in Kids on the Slope tatsächlich ein wenig in mein Herz gespielt.

(8/10)

Sternchen-8

‚The Good Wife‘ Staffel 5

In Staffel 4 wurde Alicia (Julianna Margulies) damit konfrontiert wie bereitwillig die Menschen die sie einmal bewunderte, Will (Josh Charles) und Diane (Christine Baranski), selbst ihre eigenen Mitarbeiter in die Pfanne hauen. In Staffel 5 zieht sie daraus Konsequenzen: sie plant zusammen mit Cary (Matt Czuchry) und einigen anderen Kollegen auszusteigen und eine eigene Kanzlei zu eröffnen. Dabei wollen sie natürlich ihre Klienten mitnehmen und wissen, dass das böses Blut geben wird. Daher gilt es anfangs den Plan geheim zu halten.

Die fünfte Staffel der Anwaltsserie dreht extrem auf. In der Vergangenheit wurden Alicias Konflikte, egal ob privater oder beruflicher Natur, meist im Stillen ausgetragen. Julianna Margulies ist eine Königin wenn es darum geht ihrem Gesichtsausdruck abzulesen, was in ihr vorgeht und wie tief sie verletzt ist, aber versucht eine würdevolle Außenwirkung aufrecht zu erhalten. Die Inszenierung der Serie hat stets ihr übriges dazu beigetragen. Aber mit Würde ist jetzt Schluss. Staffel 5 ruft nach Schlammschlacht. Alicia ist sich selbst zwar noch treu, ist aber nicht mehr nett, sondern gibt etwas von dem an die Welt zurück, wie sie behandelt wurde. Der Kleinkrieg zwischen den Kanzleien Lockhart & Gardner und Florrick & Argos wirkt manchmal wie Kindergarten, manchmal wie ein bitterböser, existenzbedrohender Krieg. Zu was insbesondere Will in der Lage ist, macht einen als Zuschauer traurig. Ich konnte mich selber kaum entscheiden, ob ich diesen Stimmungswandel in der Serie jetzt gut finden soll oder nicht. Ich weiß es immer noch nicht. Aber eins weiß ich genau: es war extrem spannend. Denn in der Staffel kommen noch längst vergessene, unaufgearbeitete Themen auf den Tisch und alte Laster. Man könnte fast meinen, dass in der Handlung die ganzen 4 Staffeln lang auf diesen Konflikt hingearbeitet wurde. Sehr spannend. Und mit einer bitteren Wende. Die Schlammschlacht geht übrigens so weit, dass ich das dynamische Duo Florrick & Argos zum Schluss etwas weniger leiden konnte, obwohl ich ihren Zusammenschluss sehr begrüßt habe. The Good Wife Staffel 5 ist verdammt kompromisslos.

(9/10)

Sternchen-9

‚Peaky Blinders‘ Staffel 1

Peaky Blinders – das ist eine in Birmingham angesiedelte Gang, deren Erkennungsmerkmal in ihre Schirmmützen eingenähte Rasierklingen sind. In der Zeit nach dem ersten Weltkrieg sind die Oberhäupter der Gang die Familie Shelby, allen voran Thomas „Tommy“ Shelby (Cilian Murphy). Und sie verstehen sich tatsächlich als ein Familienunternehmen. Tommys Pläne sind nicht immer durchschaubar – und er lässt seine Familie bewusst nicht immer daran teilhaben. Er will sich von kleinkriminellen Gaunereien hocharbeiten und fährt dabei teilweise schwere Geschütze auf. Als er dann sogar Churchill auf sich aufmerksam macht, wird C.I. Chester Campbell (Sam Neill) nach Birmingham geschickt, um die Unruhen zu klären.

Für mich funktioniert Peaky Blinders. Eigentlich erstaunlich, denn das ist nicht mein übliches Beuteschema. Viele der Charaktere sind überzeichnet und haben eben die Eigenschaften die man Gangs so zuschreibt. Eine schnoddrige Dreckschnauze, rau, fragwürdige Sitten und sie sind gewaltbereit. Aber irgendwie haben diese Shelbys etwas an sich, dass sie zu den Helden dieser Serie macht. Sie würden einen sinnlosen Tod für ihre Sache sterben – eigentlich nichts was man gut finden sollte. Keiner darf ihre Familie beleidigen, sie haben verflucht viel Mut und zumindest einige von ihnen wollen noch glauben, dass ihr Vater ein guter Mann ist. Und wenn Tommys obercoole Fassade mal ein bisschen bröckelt und sein Kriegstrauma durchkommt, dann bin ich ein Fan. Die Rolle der Frauen ist in dieser Serie übrigens ziemlich groß und vielschichtig. Die Mütter, die Lebensretter, die Spitzel, die Zarten und die Harten. Und manchmal alles gleichzeitig. Wie Grace (Annabelle Wallis), die neue Barkeeperin, Tommy nach und nach weichklopft war vorhersehbar, aber still, rührend und sexy. Filmisch lässt sich die Serie als ein Gangsterdrama einordnen, dass verhältnismäßig ruhig und taktisch inszeniert ist. Man muss schon ein bisschen aufpassen und mitdenken. Geprügelt und geschossen wird natürlich auch. Nicht ganz so oft, aber wenn dann richtig. Leider war nicht jeder Fall und jedes Vorhaben der Shelbys gleich spannend, aber die Blinders selbst sind es allemal. Kein Wunder, dass Sam Neills Darstellung dagegen irgendwie blass und getrieben wirkt. Die ganze Coolness der Shelbys wird mit (zeitgenössischer) Musik begleitet, u.a. von Nick Cave und Jack White, was den Szenen einen ganz eigenen Drive gibt. Über die nicht besonders originalgetreuen Haarschnitte und andere kleinere Mängel kann ich bei sovielen guten Zutaten leicht hinwegsehen. Wen die Gangs of Birmingham interessieren, der kann sich hier bei Arte eine grafische Hommage ansehen oder bei der Birmingham Mail über die historischen Hintergründe lesen. Da freue ich mich gleich nochmal mehr auf Staffel 2, denn ab da ist Tom Hardy Teil des Casts. 😉

(8/10)

Sternchen-8

‚Death Parade‘

Die Nachwelt. Das Leben nach dem Tod führt als erstes in eine Bar. Decim ist der Barkeeper, ein ruhiger, blasser Typ, der wenig redet und nie lächelt. Seine Bar: das Quin Decim. Wer dort zu Gast ist, kann sich an nichts erinnern und nimmt unwissentlich an einem Spiel um die eigene Seele teil. Wo soll die Reise hingehen? Fix zur Wiedergeburt oder in das bodenlose Nichts? Welche Seele welchen Weg verdient hat, sollen die Spiele entscheiden, in denen Decim als Schiedsrichter fungiert und mit Tricks versucht das schlechteste aus den Menschen herauszuholen. Warum? Die Annahme ist: man kann einen Menschen erst beurteilen, wenn man seine dunkelste Seite gesehen hat. Decim wird als Assistentin eine namenlose, dunkelhaarige Frau zur Seite gestellt wird, die das Verfahren in Frage stellt und Decim bald zu denken gibt.

Wie urteilt man über einen Menschen? Eine vielschichtige Frage, die anhand von 12 Episoden auseinander genommen wird. Im Zentrum stehen dabei die jeweiligen Gäste, deren Leben nach und nach offen gelegt wird. Was hat sie zu dem gemacht was sie sind? Insbesondere am Anfang der Serie wirken nicht alle Fälle gleich spannend, aber einige sind wirklich markerschütternd oder sehr rührend. Der Zeichenstil ist ein zweischneidiges Schwert und wie immer höchst subjektiv. Die Serie hat insgesamt eine sehr hohe Animationsqualität über die gesamten 12 Episoden. Die Umwelt ist fantastisch und detailreich gestaltet. Es ist fast gemein, dass Decims Bar, Noonas Haus und das gemeinsame Billiardspiel mit Ocolus so verdammt cool aussieht. Schließlich spielt sich alles in dem Leben nach dem Tod ab. Die Charaktere glänzen durch sehr unterschiedliche Styles und Eigenschaften – aber warum nur muss das Charakterdesign so einen Hang zu sehr tief sitzenden Mündern haben? Das soll vermutlich realistischer sein, da im Manga und Animesektor eher eine Tendenz zu zu weit oben sitzenden Mündern herrscht. Allerdings wirkt das Gegenteil davon auch nicht besser. Die Extremsituationen in die die Charaktere versetzt werden wirken manchmal überzogen und so als ob man mit psychologischer Folter Zuschauer anziehen möchte, aber der Eindruck verschwindet nach 1, 2 Folgen, wenn auch mal andere Töne angestimmt werden. (Episode 6 ist so lustig!) Die Frage, wer die dunkelhaarige Frau an Decims Seite ist, wird nach und nach geklärt und weiß trotz der frühzeitigen Auflösung zu überraschen. Death Parade kann alles: grausam und rührend und lustig sein. Die prozeduralen Elemente und die seriellen sind perfekt gemischt. Die Charaktere spannend und die Animationsqualität hoch. Es werden tiefschürfende Fragen aufgeworfen und es wurde eine faszinierende Welt entworfen. Ich bin ein Fan. Mehr davon, bitte!

(10/10)

Sternchen-10

‚Pretty Little Liars‘ Staffel 5

Mir kam selten eine Staffel so lang vor. Nachdem Alison (Sasha Pieterse) zurückgekehrt ist und sich für ihr Verschwinden eine hanebüchene Geschichte hat einfallen lassen, sitzen Aria (Lucy Hale), Spencer (Troian Bellisario), Emily (Shay Mitchell) und Hanna (Ashley Benso) praktisch in der Falle. Sie werden durch Alisons Belange wieder zu ihrem Spielzeug – und wir haben alle gewusst, dass das so enden würde. Zwar lassen sich die Mädchen davon nicht unendlich lange beeinflussen, aber das befreit sie nicht aus der misslichen Lage für Alison mehrmals gelogen zu haben. Und was wir ebenfalls alle wussten: A is back. Mal wieder. Und genau das ist das offen bekannte Problem der Serie. Immer und immer wieder gibt es eine angebliche Auflösung um A, die darin mündet, dass trotzdem A wieder auftaucht oder sich herausstellt, dass es nicht wirklich A war. Oder zumindest nicht Big A. Bis dahin wird man mit Handlungsfäden vertröstet, die mehr und mehr Brotkrumen streuen und das Privatleben der Mädchen wird durch A terrorisiert. Die Formel ist dieselbe und für mich bewegt sich die Serie auf einer Talfahrt mit der erneuten Versprechung, dass im Finale aufgedeckt wird, wer A ist. Das ist eine maßlose Übertreibung, die wieder mit unseren Erwartungen spielt. Allerdings gibt es einige spannende Episoden und Wendungen (Stichworte: Mona oder auch: Entführung), aus denen die Serie gern mehr hätte schöpfen können. Für mich ist PLL ein mal gewesenes Guilty Pleasure, dass ich inzwischen schaue um endlich zu erfahren wie es weitergeht, das aber kurz davor ist zu einem Ärgernis zu werden. Ich weiß wirklich nicht, wozu wir noch 2 weitere Staffeln brauchen, aber ich wünsche mir, dass sie wesentlich stärker werden und man mal auf leere Versprechungen verzichtet.

(4/10)

Sternchen-4

‚Marvels Agents of S.H.I.E.L.D.‘ Staffel 1

Agent Phil Coulson (Clark Gregg) stellt sich ein Team aus S.H.I.E.L.D.-Agents zusammen, darunter die kampfkunsterprobte Agentin Melinda May (Ming-Na Wen), der operative Agent Grant Ward (Brett Dalton), sowie die Wissenschaftler Fitz & Simmons (Elizabeth Henstridge, Iain De Caestecker). Ihre Aufgabe ist es allen Vorkommnissen nachzugehen, die irdischen Terror übersteigen. Das schließt beispielsweise außerirdische Artefakte ein und ist eine Konsequenz aus den Angriffen auf New York durch Loki und die Chitauri (siehe Marvels The Avengers). Dabei kreuzen sich die Wege des Teams und der Aktivistin und Hackerin Skye (Chloe Bennet), die eigentlich gegen S.H.I.E.L.D. ermittelt. Als sie aber auf kriminelle Energien stoßen, die mit dem Leben unschuldiger Menschen spielen, sieht Skye was Shield bewegen kann. Sie wird mit dem Agentenalltag konfrontiert und v.A. den wahnsinnigen Fällen.

Agents of Shield ist eine von diesen seichten Action-Unterhaltungsserien, die es sich konstant sehr sehr einfach macht. Figuren wie das Aktivisten-Mädchen, das natürlich alles hacken kann, bin ich etwas leid. Genauso wie die tausenden unheilvollen Andeutungen über Coulson Auferstehung. Genau das war für mich in der ersten Hälfte der Serie der Motor um weiterzuschauen. Die Auflösung fand ich nur halb befriedigend. Immerhin waren sie aber so schlau, es bis zu einem bestimmten Grad aufzulösen. Skyes Herkunft wird zu einem weiteren Thema, das offensichtlich wieder das große Geheimnis wird, was uns in die nächste Staffel begleitet. Die Fälle des Teams sind durchwachsen. Manche fesseln mich mehr, die meisten eher wenig. Wie viele muss auch ich berichten, dass ich die zweite Hälfte wesentlich spannender fand. Die Fälle der ersten Hälfte fand ich eher schlecht geskriptet und trashig. Insgesamt profitiert die Serie von zwei Dingen, die mich über viele Schwächen hinwegschauen lassen. Zum Einen ist das Marvel-Cinematic-Universe (MCU) hilfreich. Dass in der Serie über Thor und Tony Stark gesprochen wird, macht irgendwie Spaß. Ist eigentlich ein billiger Trick, aber es scheint ja zu funktionieren. Die Geschehnisse der Filme (insbesondere Captain America: Winter Soldier bzw. dt. Titel The Return of the First Avenger) werden hier nochmal von der anderen Seite betrachtet. Nämlich der, der Agenten, die versuchen in dieser Zeit des Umbruchs zu bestehen (zweite Hälfte!). Inwiefern Agents of Shield eine Funktion für den Rest des MCU hat, muss noch geklärt werden. Bis jetzt sehe ich keine. Das zweite Plus der Serie sind die Charaktere und der offensive, nerdige, gewitzte Humor. Die Dialoge zwischen den Charakteren machen wirklich richtig Spaß. Egal ob die Gefechte zwischen Skye und Ward oder das herrliche geekige Auftreten von Fitz & Simmons, die so zusammengeschweißt sind, dass sie einfach nur Fitzsimmons genannt werden. Und übrigens danke, dass die Wissenschaftler diesmal nicht ungepflegt, weltfremd und mit aschenbecherboden-dicken Brillengläsern daherkommen. In dem Sinne ist Agents of Shield eine Serie, die ich (mal wieder) wegen der angeteaserten Rätsel geschaut habe. Aber mir nicht sicher bin, ob das genug Anreiz ist, um weiterzuschauen. Ich denke Fans von Action-Comedy und dem MCU haben ihre Freude uns insgesamt die etwas jüngeren Zuschauer und/oder Comicfans.

(6/10)

Sternchen-6

‚Constantine‘ Season 1

Constantine – das ist John Constantine, ein kettenrauchender Exorzist und Spezialist auf dem Gebiet der dunklen Künste. Ein Humanist, ein Zyniker, einer der die Gefahr liebt. Verkörpert wird er hier durch Matt Ryan – und diesmal wesentlich originalgetreuer als in der Verfilmung mit Keanu Reeves. Die Figuren stammen aus dem Universum der Hellblazer Comics und einige bekannte Charaktere sind mit von der Partie. So beispielsweise Constantines Freund Chas (Charles Halford) oder auch Papa Midnite (Michael James Shaw). In der Handlung lernen wir Zedd (Angélica Celaya) kennen, eine junge Frau die Visionen hat und ihre Fähigkeiten bald in den Dienst von Constantine stellt, um Menschen zu helfen, die in Okkultes verstrickt sind. Beobachtet und hinterfragt wird Constantine dabei oft von dem Engel ‚Manny‘ (Harold Perrineau), denn die Zeichen stehen auf Sturm: das Böse ist auf dem Vormarsch.

Ich kenne die Hellblazer-Comics nicht, war aber damals sehr begeistert von dem Ton des Films und von der düsteren Machart und dem Look. Das Vermischen dessen was man aus Mythologie, Religion und Schauermärchen kennt und die Modernisierung der Motive war ein großes Plus für mich. Constantines blinder Aktionismus kommt sowohl im Film als auch in der Serie zur Geltung. Leider läßt die Serie spannende Fälle schmerzlich vermissen. Die Monster-of-the-week sind überwiegend konventionelle trashige Monster, bei denen viel auf Ekel gesetzt wird. Sind die Fälle von den Comics inspiriert? Kann ich nicht sagen. Ich habe hier und da etwas nachgelesen und versucht mir einen Überblick zu verschaffen. Die Serie ist stärker an die Comics angelehnt als der Film, aber die Vorlage blieb meines Erachtens nach noch zu ungenutzt. Allein schon der Unterschlupf von Constantine und seinem Team voller Relikte eignet sich für geniale Easter Eggs, verkommt aber zu einem Lager von Problemlösern, das immer dann herhalten muss, wenn Constantine nichts einfällt. Pfff. An und für sich sind die Darsteller Gold wert. Matt Ryan gibt den zynischen Constantine richtig richtig gut und man wünscht ihm eigentlich, dass das Drehbuch genauso gut wäre und man viele Staffeln mit ihm drehen würde. Chas und Papa Midnite sind ebenso stark wie auch der uns aus LOST bekannte Harold Perrineau als Manny. Aber aus all den Vorlagen wurde kaum geschöpft. Außer einige wenige Andeutungen wurde aus all dem nichts gemacht, was die Hellblazer Comics hergeben und die Hintergrundgeschichten der Charaktere werden mal einfach so in wenigen Sätzen abgearbeitet. So viele verpasste Chancen. Kein Wunder, dass die Serie nach der ersten Staffel abgesetzt wurde. Wieder eine Serie die die Mischung zwischen seriellen und prozeduralen Konflikten nicht geschafft hat. Dabei gibt es doch mehr als genug Vorlage. Bitter.

(6/10)

Sternchen-6

Mal als Beispiel The Good Wife betrachtet, fallen euch noch mehr Serien ein, deren Stimmung plötzlich stark umgeschwungen ist? Habt ihr irgendeine der hier besprochenen Serien gesehen und wie haben sie euch gefallen? Die Animedichte ist ja heute relativ groß … was ist euer zuletzt gesehener Anime? Und haltet ihr es smart, wenn Serien von einem Universum abgeleitet werden wie die Agents of Shield? Denkt ihr, dass das das Marvel Cinmeatic Universe bereichert? Oder findet ihr es eher schädlich und zu umständlich noch allen Handlungsfäden zu folgen?

Immer zwischen dem 5. und 10. eines jeden Monats mache ich einen kleinen Ausflug in die Serienlandschaft. Ob aktuelle Serien, all-time-favorites, irgendeine TOP-5 oder einfach ein paar zerstreute Gedanken: alles dabei 🙂 .