Neulich im Kino … Review zu „Die Liebe seines Lebens“ („The Railway Man“)

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Ihr wisst ja gar nicht wieviele Schauspieler ich wirklich fangirle. Es sind nicht wenige. Und es sind garantiert welche dabei, von denen ihr denkt: ?? wieso der ?? Oder: ist der nicht ein bisschen zu alt? Oder zu jung? Oder zu … was auch immer. Beispielsweise muss ich mir ständig Serien und Filme angucken in denen der großartige Hiroyuki Sanada (Last Samurai, Ringu, Sunshine) verheizt wird, wie beispielsweise in Helix, Extant oder 47 Ronin. Und er hätte eigentlich auf diese Liste gehört. Ja, ich geb es zu: neben der Handlung hat mich Hiroyuki Sanada maßgeblich dazu bewegt den Film jetzt zu sehen und nicht erst, wenn er auf DVD erscheint. Spoilerfrei.

Worum gehts?

Patti (Nicole Kidman) und Eric (Colin Firth) lernen sich auf einer Zugfahrt kennen. Zwischen dem spröden, bekennenden Zug-Narr und der wieder allein lebenden Patti funkt es und der Rest geht eigentlich ganz schnell. Bald bemerkt Patti aber, dass Eric unter einem tiefen Trauma leidet. Schreie in der Nacht, abwesendes Verhalten, irrationale Handlungen, Schweigen. Sie dringt nicht zu ihm durch. Eric war im zweiten Weltkrieg ein Kriegsgefangener – Patti sucht Rat bei seinen Freunden, ebenfalls ehemalige Kriegsgefangene. Sie erfährt, dass sie alle damals am Bau der Eisenbahnstrecke zwischen Thailand und Birma beteiligt waren und Eric gefoltert wurde. Und sie erfährt noch mehr: Takashi Nagase (Hiroyuki Sanada), einer der Männer, die ihn folterten ist noch am Leben. Würde eine Begegnung Eric helfen oder schlimmeres auslösen?

Hintergrund

The Railway Man ist der Titel von Eric Lomax‘ Buch. Der Film basiert auf wahren Begebenheiten und trägt im englischen Original auch den Titel des Buches. In Deutschland wurde der Film unter dem irreführenden Titel „Die Liebe seines Lebens“ veröffentlicht. Erwartet keinen reinen Liebesfilm, sondern einen Kriegsfilm und ein Drama. Das Buch hat mehrere Preise gewonnen und ich spiele bereits mit dem Gedanken es zu lesen. Wer noch mehr über den echten Lomax und Nagase wissen möchte, kann übrigens auch zu dem Dokumentarfilm Enemy, My Friend? von 1995 greifen. Die Geschichte der Beiden offenbart noch mehr als der Film andeutet. (Links enthalten Spoiler zum Film)

Fazit

Handwerklich ist The Railway Man ein solider Film. Erzählerisch eigentlich schon weniger als nur noch solide. Die große Stärke des Films sind die Darsteller. Allen voran Colin Firth und Hiroyuki Sanada mit einem großen Ausrufezeichen. Von Colin Firth sind wir es ja gewohnt. Außerdem war es erfrischend Sanada wieder in einer seiner Leistung angemessen anspruchsvollen Rolle und ernsthaften Inszenierung zu sehen. Auch Nicole Kidman hat mich beeindruckt, weil ich sie schon lange nicht mehr in so einer natürlichen und bodenständigen Rolle gesehen habe. Die Aussage des Films und die vereinnahmende Darstellung aller Schauspieler hallt noch ziemlich bei mir nach und bin schwer begeistert. Würde ich diese Review einige Wochen später schreiben, gäbe es wahrscheinlich keine so hohe Punktzahl mehr. Aber es war sehr beklemmend diesen Film zu schauen mit der Gewissheit, dass er auf einer wahren Begebenheit beruht. Vielleicht geht es euch ja auch so: Wenn ich bei der Geschichte höre, dass Lomax erfährt, dass einer seiner Peiniger noch lebt und er ihn aufsucht, dann denke ich eigentlich an das schlimmste. Was sich in dem Film zuträgt, ist aber anders und hat bei mir tiefen Eindruck hinterlassen. (Also ich habe geweint.)

Der Film lebt und profitiert sehr von seinen Darstellern und Lomax‘ und Nagases Geschichte. Wie der Film erzählt ist eher unterdurchschnittlich, verschleiert und unterschlägt viel. Es ist etwas mühsam für den Zuschauer – man muss ich Details zusammenpuzzeln. Dass Nagase vorrangig Übersetzer hätte sein sollen, aber die Folter zugelassen hat, rafft man beispielsweise nicht sofort. Auch das Verheizen von Stellan Skarsgård als Finlay finde ich nicht gelungen. Durch das Nachlesen habe ich Details über die wahre Geschichte erfahren, bei denen es mir unter den Nägeln brennt: warum war das nicht im Film? So. Wem gibt man für soviel verschenktes Potential die Schuld? Es ist irgendwas zwischen Drehbuch, Regie, Schnitt. Was den historischen Wahrheitsgehalt betrifft, ist der Film laut Aussagen besser als der Durchschnitt, schrammt aber nur ganz knapp daran vorbei nur eine Seite als die Schuldige zu zeigen. Sehr loben muss ich allerdings Soundschnitt, Score und Ton, die mir auch noch im Ohr nachhallen. Trotz allem: manchmal gibt es diese Filme, die in einem genau den richtigen Punkt treffen und tief rühren.

(9/10)

Sternchen-9

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Kennt ihr die Geschichte von Lomax und Nagase? Habt ihr den Film vielleicht sogar schon gesehen? Oder etwa gar nicht auf dem Radar gehabt?