Neulich im Kino … Review zu „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“

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© 2014 Egoli Tossell Film

© 2014 Egoli Tossell Film

Worum gehts?

Der Londoner Psychiater Hector (Simon Pegg) hadert mit seiner Aufgabe. Er tut alles was er tun kann und arbeitet nach bestem Gewissen, versucht seine Patienten glücklich zu machen. Es scheint ihm aber nicht zu gelingen und er verliert die Geduld. Kurzum beschließt er sich auf eine Reise zu begeben und in Erfahrung zu bringen, was die Menschen glücklich macht. Seine Freundin Clara (Rosamund Pike) hingegen muss sich fragen, ob Hector mit seinem Leben und ihrer Beziehung unzufrieden ist, während Hectors Reise ihn zuerst nach China führt.

Hintergrund

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück basiert auf dem gleichnamigen Buch von Francois Lelord, das sich einst verkaufte wie geschnitten Brot. Ein Indikator dafür, dass viele Menschen das Glück noch suchen müssen? An der einen oder anderen Stelle weicht die Verfilmung von dem Buch ab und interpretiert sehr viel. So wird die naiv-kindliche Sprache des Buches scheinbar so ausgelegt, dass Hector ständig an sein kindliches Ich erinnert wird. Ein Junge, der immer mit seinem Hund im Schlepptau unterwegs ist und vom Fliegen träumt. Auch Hectors Kritzeleien werden sehr lebendig interpretiert – man sieht ihn viel zeichnen und seine Bilder werden als 2D-Animationen ab und zu Teil des Films. Das ist schön kreativ, wenn auch nicht ganz neu. Es erinnert ein bisschen an das nur kurz vorher gestartete „Die Karte meiner Träume“. So oder so zwei Filme mit ähnlichen Motiven, auch was die Reise an sich betrifft.

Andere Probleme des Buches wurden im Film ganz smart gelöst. Beim Lesen habe ich mich oft gefragt, ob es seiner Freundin Clara nicht ausmachen würde, wenn sie wüsste, dass Hector während der Reise mit anderen Frauen schläft. Und ob Hector keine Gewissensbisse bekommt, wenn er es ihr nicht erzählt. Dass das so ganz unkommentiert im Buch bleibt, fand ich etwas seltsam. Im Film hingegen, spricht Clara ihm ihre Erlaubnis aus. Insgesamt werden einige Geschichten etwas abgeändert. So verschmelzen die Personen Charles und Edouard zu einem Charakter. Das ist noch ein guter Kompromiss, denn beide sind Geschäftsmänner, etwas schade finde ich es aber schon. Im detail haben die Geschichten und Schicksale der Personen im Film etwas an Tiefe verloren. So kommt bei Edouard nicht wirklich die Verzweiflung durch. Als Hector Agnes besucht, finde ich den Unterschied am krassesten. An ihrem Beispiel wird im Buch beschrieben, dass sie das Glück gefunden hat und sie sagt das auch sehr selbstbewusst, obwohl sie sich gerade erst heftig mit ihrem Ehemann gezofft hat. Sie sagt, dass das dazugehört und das das ihrem Glück nicht schadet. Eine wichtige Aussage, die fehlte.

Was der Film aber besser kann ist das Schildern der Lage der Personen und der Umstände in den verschiedenen Ländern. Was im Buch durch den naiven Schreibstil trivialisiert wird, kommt in Bild und Ton etwas krasser rüber. Man bekommt ein besseres Gefühl für die fernen Ländern und auch Situationen wie Hectors Gefangennahme in Afrika wirken wesentlich bedrohlicher.

© 2014 Egoli Tossell Film

© 2014 Egoli Tossell Film

Fazit

Das ist einer der seltenen Fälle, in denen mir der Film einen Tick besser gefallen hat als das Buch. Auch wenn ich mit der Aussparung der Geschichten der Charaktere nicht in jedem Punkt einverstanden bin, verleiht das Visuelle der Geschichte eine Greifbarkeit, die man sich im Buch hineininterpretieren musste. Für so manche Veränderungen und beantwortete Frage, bin ich dankbar. Bei wieder anderen ist mir die Umsetzung zu dünn. Die schauspielerischen Leistungen sind solide. Obwohl viele große Namen auftreten (Christopher Plummer, Toni Collette, Jean Reno), finde ich dass es sich eher um sehr viel Typecasting handelt. Jean Reno ist ein Haudrauf-Gangster-Typ, Christopher Plummer ein weiser, grooviger, alter Mann, Stellan Skarsgard ein abgeklärter, rauer Geschäftsmann usw. Veronica Ferres ist eine spleenige Hellseherin … mh, was sagt uns das? 😉 Am positivsten sind mir Simon Pegg und Stellan Skarsgard aufgefallen. Simon Pegg spielt hier mal einen teilweise grantigen Psychiater und ist nicht der Witzbold wie wir ihn aus der Blood-and-Icecream-Trilogie kennen. Am meisten dürfte das auffallen, als er um sein Leben fürchten muss. Nebenbei sei gesagt, dass mir die Musik des Films sehr angenehm aufgefallen ist und das Kinoerlebnis ähnlich kurzweilig wie das Buch war – ich habe den Film sehr gemocht.

(7/10)

Sternchen-7

Habt ihr den Film schon gesehen? Wie hat er euch gefallen? Was sagt ihr zu dem kleinen 2014-Trend im Blockbuster-Kino – von wegen Sinnsuche und so? In welchem der jüngsten Filme wurde das Thema eurer Meinung nach am besten umgesetzt?

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