Neulich im Kino … Review zu „Der Marsianer“

Posted by in Film, Review

Den Untertitel „Rettet Mark Watney“ verkneife ich mir mal, den braucht kein Mensch. Und wie ich gerade beim Artikel schreiben merke, habe ich scheinbar den Trailer nie gesehen. Also scheinbar nicht gebraucht, um zu wissen, dass ich den Film sehen will. Das ist selten. Spoilerfrei – wie immer.

Ein Team von 6 Astronauten der sogenannten Ares-3 Mission ist auf dem Mars stationiert und erhält die Meldung, dass ein Sturm aufzieht, der sie gefährdet. Als sie aufbrechen wollen, wird ihr Kollege Mark Watney (Matt Damon) von einem Trümmerteil getroffen und das System meldet, dass sein Anzug beschädigt ist. Seine Überlebenschancen sind quasi Null und die Kollegen verlassen den Planeten und retten damit geradeso sich selbst. Was bleibt: Erschütterung und Trauer. Was sie nicht wissen: Watney hat überlebt. Er ist vollkommen allein auf dem Planeten, versorgt seine Wunden und nach einigen Momenten zwischen Resignation und Was-wenn-Gedanken, beschließt er nicht auf dem Planeten zu sterben, sondern dass er sich stattdessen „mit Wissenschaft aus der Scheiße zieht“. Er versucht anzubauen, versucht Kontakt herzustellen, versucht zu überleben.

Die Verfilmung basiert auf dem Buch von Andy Weir, den ich mal als Informatik-Wunderkind bezeichnen würde. Er arbeitete und programmierte schon mit 15 Jahren und interessiert sich für Astrophysik. Das war ihm beim Schreiben des Buches garantiert eine große Hilfe. Anfangs blieb der Erfolg aus und niemand hatte Interesse an der Veröffentlichung, weswegen er The Martian (so der Originaltitel) auf seiner Webseite kostenlos zur Verfügung stellte. Er bekam auch konstruktive Kritik und Feedback zu den Details seines Buches und wie realitätsnah das Geschilderte ist. Die Anmerkungen haben das Buch also nahezu wasserdicht gemacht und Buch wie Film bekommen viel Lob für das realistische Szenario. Das einzige was für Stirnrunzeln sorgt ist der Sturm, der in so einem Ausmaß auf dem Mars wohl nicht auftreten kann. Nach und nach wuchs das Interesse an dem Buch, er stellte es letztendlich bei Amazon als Ebook ein und zum Schluss wurden Verleger auf das Buch aufmerksam. Der Rest ist Geschichte, undzwar eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. 2009 fing er an das Buch zu schreiben, 6 Jahre später ist es bereits verfilmt worden, obwohl er anfangs nicht mal einen Verlag dafür fand. Dranbleiben und an die Sache glauben ist eben doch sehr sehr viel wert. Wer übrigens den Trailer schaut, nachdem man den Film gesehen hat, erkennt wieviele falsche Hinweise durch den Schnitt gestreut werden. So erweckt es beispielsweise den Eindruck, als ob Whatney mit seinen Kollegen Kontakt per Video aufgenommen hätte oder auch dass er Frau und Kind hat, was nicht stimmt. Achtet mal drauf.

Ridley Scott war schon immer der Typ für große Stoffe und wusste schon immer wie man diese ebenso groß und massentauglich inszeniert, der Originalgeschichte dabei mal mehr mal weniger treu bleibt. Hier lässt er sich nicht lumpen. Der Marsianer ist eine vereinnahmende Geschichte und spannend bis zur letzten Minute. Watneys Gespräche mit dem Computerlog, seine Monologe und seine selbstironische Art sind vereinnahmend, die Situation beklemmend. Vollkommen allein auf einem Planeten, ohne Hilfe, wenn er nichts dagegen tut bald ohne Nahrung in einer absolut menschenfeindlichen Umgebung – das ist auch eine Form von Horror. Wie er versucht sich aus der Misere zu befreien und das nicht nur mit Muckis, sondern v.A. mit Wissenschaft ist beeindruckend. Er braucht Physik, Chemie, Botanik, Informatik, Maschinenbau – wer Argumente für Bildung für seine Kinder braucht, dem kann ich nur sagen: schaut zusammen den Film. Die parallele Handlung um seine Crew und das Team der NASA fand ich ebenso spannend. Wieviel Politik und Moral ins Spiel kommt, bringt einen fast dazu auszuflippen. Die Nasa wird hier nicht nur als Verein toller Kumpel dargestellt – es wird haarig, wenn die großen Männer in den teuren Anzügen erstmal diskutieren. Nicht schlecht Ridley Scott, ich habe nichts zu meckern. Eine Kontroverse wiederholt er aber immer und immer wieder. Bei Exodus – Götter und Könige musste er sich bereits den Kritikern stellen und erklären, warum er immer wieder nicht-westliche Rollen mit amerikanischen, weißen Darstellern besetzt (white washing, so der Begriff). Er begründete das damit, dass man Filme bei Studios schlechter durch bekommt, wenn man keine namhaften und in den USA bekannten Darsteller vorzuweisen hat und auch das Publikumsinteresse verhalten bleibt. Was zu beweisen wäre. Immer wieder traurig. So wurden wohl auch im Buch ursprünglich asiatisch-stämmige Charaktere sogar ganz offensichtlich mit amerikanischen Figuren ausgetauscht. (9/10)

Sternchen-9

Klick auf den Button, um Inhalte aus YouTube zu laden.
Lade Inhalte

PGlmcmFtZSBjbGFzcz0neW91dHViZS1wbGF5ZXInIHR5cGU9J3RleHQvaHRtbCcgd2lkdGg9Jzk2MCcgaGVpZ2h0PSc1NDAnIHNyYz0naHR0cHM6Ly93d3cueW91dHViZS1ub2Nvb2tpZS5jb20vZW1iZWQvN3VtbHRwdmV0aTQ/dmVyc2lvbj0zJicgYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuPSd0cnVlJyBzdHlsZT0nYm9yZGVyOjA7Jz48L2lmcmFtZT4=

Habt ihr den Film schon gesehen? Oder das Buch gelesen? Ich wäre erledigt, wenn ich alleine auf dem Mars landen würde. Allerdings würde ich auch erst gar nicht dorthin kommen 😉 Wie stehts um eure Kernkompetenzen?