Animeserien-Besprechung: „After the Rain“ & „Die Braut des Magiers“ Season 1

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Wenn ich mir die Liste der Anime so anschaue, die ich dieses Jahr gesehen habe, dann sind das v.A. „Naruto Shippuuden“-Staffeln, um die Serie endlich mal zu beenden 🙂 , und ein paar verstreute Klassiker unter den Anime, die ich ewig schon mal sehen wollte und ein paar relativ aktuelle Neuerscheinungen. Um zwei davon soll es heute gehen. Reviews sind selbstverständlich spoilerfrei.

„Die Braut des Magiers“ Season 1

Die 16-Jährige Japanerin Chise hatte sich und ihr Leben schon aufgegeben. Nachdem ihr Vater die Familie überraschend verließ, beging ihre Mutter Selbstmord und ließ Chise allein zurück, die sich zudem noch mit der Fähigkeit rumplagen muss Geister zu sehen. Da ihr Leben und sie selbst ihr egal sind, verkauft sie sich in die Sklaverei um ein neues Zuhause zu finden und nicht den sehr endgültigen Weg zu gehen, den ihre Mutter gewählt hat. Bei einer entsprechenden Auktion ersteigert sie der Magier Elias Ainsworth – ein Hüne mit einem Tierschädel, der nicht klar als Mensch oder Dämon einzuordnen ist und Chise mit mehr Wohlwollen begegnet als sie erwartet. Er klärt sie auf, dass sie eine Slay Vega ist, ein Wesen dessen Fähigkeit ist Magie und dadurch auch andere magische Wesen anzuziehen und ihre Fähigkeiten zu kanalisieren. Das bedeutet aber auch, dass sie unfreiwillig die Beute gefährlicher, megalomanischer Geister und Monster werden kann. Er vereinbart mit ihr, dass er sie zu einer Magierin ausbildet und sie ihm mehr über das Leben beibringt, denn vieles an Menschen und ihren Gefühlen versteht er nicht. Die Herkunft Elias‘ wird dabei zu einem mindestens genauso großen Mysterium wie die Wunder der Welt der Magier.

„The Ancient Magus‘ Bride – Trailer 2 (OmU)“, via Crunchyroll Deutschland (Youtube)

Die Braut des Magiers basiert auf dem im Original 魔法使いの嫁 (Mahō Tsukai no Yome) betitelten, bisher noch nicht abgeschlossenen Manga von Kore Yamazaki und vermittelt durch das fetisch-artige anmutende Thema der Sklaverei und der in Ketten gelegten Chise ein ganz anderes Bild als es das in späteren Episoden und Bänden tut. Es ist eine Zauberlehrling-Geschichte, die in Grundzügen der von Harry Potter & Co. nicht unähnlich ist, da auch Chise die ihr bisher unbekannte Welt der Zauberer und Magier erkunden muss und dabei in einige Fallen tappt und ihre eigene Fähigkeiten verstehen lernen muss. Der Faktor Natur und Umwelt spielt dabei aber eine immens größere Rolle. Fasst man die Geschichte zusammen, wirkt es so, als ob es unangenehm viele Parallelen zu J.K. Rowlings Zauberlehrling gibt, so trifft Chise beispielsweise Drachen und muss sich einen Zauberstab anfertigen lassen. Letztendlich sind aber all diese Erlebnisse so stark anderer Natur, dass es sich nicht wie ein Abklatsch anfühlt. Dadurch, dass sie wie ein Peilsender für übernatürliche Wesen funktioniert, gerät sie schneller und härter in gefährliche Situationen als ihr und Elias lieb ist, der schon in der ersten Episode ankündigt, dass er sie heiraten wird. Tatsächlich gibt er einen passablen Gentleman ab, der durch seine Ausfälle ins Dämonische auf eine abgründige Art umso interessanter wird. Das alles ist wirklich eine gute Mischung, die viel Tiefe durch die Nebenhandlungen und -charaktere mitbringt und durch das Thema Selbstwertgefühl, das quasi der Aufhänger, die Lehre und Chises Trauma ist. Wobei es aber schmerzlich hängt ist, dass Chise teilweise blind von einem Dilemma in das nächste rennt und so oft fast stirbt, dass man sich fragt wie sie denn überhaupt einigermaßen ein normales Leben führen geschweigedenn ihre Magierausbildung fortsetzen soll, wenn sie fast alles tötet und auszehrt? Geschmackssache sind die pseudo-erotischen Darstellungen von bspw. der Wald-Göttin Titania oder der einen oder anderen Fee. Riesentitten? Ehrlich? Hätte man auch geschmackvoller umsetzen können, egal wer die angebliche Zielgruppe ist. (7/10)

Sternchen-7

„After the Rain“

Der Anime basiert auf dem Manga 恋は雨上がりのように (Koi wa Ameagari no Yō ni, zu Deutsch: „Liebe ist wie nach dem Regen“) und war ein Kassenschlager in Japan, der recht schnell eine Umsetzung als 10-teilige Animeserie und Filmadaption (Live Action) erhielt. Der Titel, im Englischen verkürzt auf „After the Rain“, gibt schon einen Hinweis darauf, dass es sich am ehestem dem Genre Romantik zuordnen lässt. Aber After the Rain kann mehr. Er handelt von der Schülerin Tachibana Akira, die immens schnell sprinten konnte und auch ein gefeiertes Mitglied des Leichtathletik-Clubs ihrer Schule war. Wettbewerbe, sogar Rekorde, ein Team, das auf sie zählt – all das gehört der Vergangenheit an, seitdem sie sich verletzte. Sie schafft es nicht zum Sport zurückzukehren und distanziert sich auch von ihren ehemaligen Teammitglieder. Man kann sagen, dass das der Regen in Tachibanas Leben ist. Kurze Zeit später beginnt sie ihre unfreiwillig neu gewonnene Freizeit zu investieren und beginnt im Café Garden zu arbeiten und verliebt sich in den Leiter des Restaurants Masami Kondō. Eine Beziehung, die man nicht über einen Schulhof-Flirt zum Laufen kriegt und bei der es alleine schon auf denkwürdige Weise schwierig ist um ein Date zu bitten. Kondō ist nicht nur ihr Chef, sondern dementsprechend auch einige Jahre älter.

„After the Rain trailer 3 anime Любовь похожа на прошедший дождь трейлер аниме 2018“, via ParadiseTV Trailers Movies Games (Youtube)

After the Rain hat einige gute und markante Eigenschaften, über die man lange reden kann und die Zuschauer, die RomComs nicht grundsätzlich abgeneigt sind, regelrecht abhängig machen. Es ist der Witz, mit dem wir beispielsweise in das Innenleben des unsicheren Kondō blicken und gleichzeitig das Selbstbewusstsein Tachibanas, die ihn damit nicht selten herausfordert. Die Situationen die daraus entstehen sind zum Teil golden. Andererseits ist es der angenehme „Slice of Life“-Aspekt und der Umstand, dass jeder in seinem Leben sicherlich schon mal eine Dauerregen-Phase erlebt hat. Damit hat der Anime das bisschen Mehr neben der Romanze mit Altersunterschied, die der Geschichte ihre Substanz gibt. Auch in Kondōs Leben gab es jede Menge Regen und später wird klar, dass ihn und Tachibana damit etwas verbindet. Dass sie sich vielleicht gegenseitig weiterhelfen. Aber Ignorieren wir nicht den elephant in the room. Natürlich stellt sich schnell die Frage, ob Tachibana nach ihrem Unfall, nicht einfach ihre Aufmerksamkeit auf den ersten Mensch richtete, der danach nett zu ihr war? Oder, so naiv es klingt: ist ihre Liebe nicht nur eine Ablenkung von vielen lästigen Fragen und ein gutes Mittel zur Verdrängung? Soll ich Reha machen und versuchen wieder zu laufen? Soll ich mich mit dem Leichtathletik-Team wieder zusammenraufen und stillschweigend den Schmerz über den verlorenen Sport runterschlucken? Der Anime umschifft dieses Thema so glaubwürdig und leichtfüßig wie verhängnisvolle Fragen wie: Haben sie Sex?? Aber er ist soviel älter!!! Nutzt er sie nicht aus???? Indem der Anime beide Hauptcharaktere ernst nimmt und ihnen und ihren Gedanken Raum gibt, befreit er sich von den üblichen Plattitüden und ist mehr als angenehm. (8/10)

Sternchen-8

„The Ancient Magus Bride“ kann man beispielsweise auf Crunchyroll schauen und Katzen- oder H.P. Lovecraft-Fans erleben die eine oder andere Überraschung. Klingt seltsam? 🙂 Nicht so sehr, wenn ihr die H.P. Lovecraft-Geschichte „Die Katzen von Ulthar“ kennt. Auch der Hype um „After the Rain“ schwappt bis zu uns und v.A. bis zu gewissen Streamingplattformen. Auf Amazon Instant Video kann man seit geraumer Zeit „After the Rain“ abrufen. Dieses Jahr ist auch auf den nicht auf Anime ausgelegten Streamingplattformen einiges passiert. Man muss nur wissen, dass es da ist. Kennt ihr die beiden Anime oder sogar die Manga? Wie haben sie euch gefallen? Übrigens ist in beiden das Character Design und der Zeichenstil der menschlichen Figuren so gar nicht mein Ding … scheinbar kann es trotzdem gefallen. Zumindest fällt es mir bei Anime leichter darüber hinwegzusehen als bei Manga. Wie ist das bei euch?