Game-Besprechung: „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“ (Switch)

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Wer mich kennt, weiß, dass ich ein mäkeliger Spieler bin. Zu lange Spiele sind doof. Zuviel Gemetzel ist doof. Zuviel Heiteteiti ist doof. Zu gleiche Quests sind doof. Doofe Grafik ist doof. Das ist jetzt natürlich etwas überzogen, aber sagen wir es mal so: es muss schon viel passieren, damit ich über 130 Spielstunden durchhalte. 😉 Die Besprechung ist spoilerfrei.

„It’s dangerous to go alone!“

Unser Held Link wacht auf – ohne jegliche Erinnerung. Eine Stimme scheint ihn in der Ferne zu rufen, ein paar Hinweise verdichten sich, ein paar Menschen leiten uns. Sie alle (und wir) wissen, dass Link der Recke der Hylianer ist, der seither in stetigen Reinkarnationen Prinzessin Zelda zur Seite steht und das Land vor der Verheerung Ganon beschützt. Aber vor hundert Jahren ist etwas schief gegangen. Ganon hat die Königsfamilie unterjocht, zahlreiche Recken und Zivilisten getötet, das Schloss teilweise zerstört. Dass Hyrule noch nicht komplett in Schutt und Asche liegt, ist der Prinzessin zu verdanken, die Ganon seit hundert Jahren im verwüsteten Schloss in Schach hält. Link erlitt so schwere Verletzungen, dass nur ein hundertjähriger Schlaf ihn retten konnte. Nun ist es Zeit aufzuwachen und Hyrule zu retten, Zelda von dem Kampf zu erlösen und Ganon zu besiegen.


„The Legend of Zelda: Breath of the Wild – Nintendo Switch Presentation 2017 Trailer“, via Nintendo (Youtube)

„But go“

Der Umstand, dass der Recke von Hyrule, Link, und die Prinzessin immer wiedergeboren werden und sich immer wieder Ganon stellen und jetzt mal was schief ging, unterstellt, dass wir in Zelda-Spielen der Vergangenheit versagt haben. Oder eben dieses mal das erste Mal, je nachdem wie man es dreht. So funktioniert das Spiel sowohl für Zelda-Kenner als auch für -Neulinge. Zwar bin ich kein Zelda-Neuling, aber spielte doch nun das erste Mal mit einer Audiosausgabe, die über 8-Bit-Sounds hinausgeht und weiß, dass Hyrule nicht mehr „Hürule“ ausgesprochen wird, sondern „Highrul“. Wie das eben so ist, wenn man sich sein ganzes Leben lang etwas anders erklärt hat. Auch Oktoroks und vor Allem Leunen hatte ich knuffiger in Erinnerung. Und letztere wesentlich einfach zu besiegen. Aber es gibt auch angenehme Überraschungen. Und davon eine übergroße Masse. Man begegnet einigen aus dem Zelda-Franchise bekannten Charakteren und Orten. Manchmal als Referenz, manchmal in Natura. Und gerade sehr berühmte Charaktere bekommen einen angemessen epischen Auftritt. Ich greife vorweg und sage: Breath of the Wild (BOTW) ist bunt, ausschweifend, wunderbar, spannend und das wohl beste Zelda-Spiel, das ich bisher gespielt habe.

Zum Einen ist es einfach nur wunderbar nostalgisch Hyrule in dem neuen Gewand zu entdecken. Die Grafik ist große Klasse und hat viel in realistisches Oberflächenmapping, dynamisches Laden und Ray-Tracing investiert. An manchen vor grafischen Finessen überbordenden Orten wie dem Wald der Krogs merkt man allerdings auch, dass die Grafik ein bisschen zuviel für die Switch ist, da werden schon mal einige Frames verschluckt. Zwar sind die Charaktere einigermaßen stilisiert, elfenhaft und toon shaded, aber die Umgebung ist realistisch. Man fühlt sich stellenweise wie in einem Wander-Simulator vor soviel realistisch anmutender Natur. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus und investiert freiwillig gut und gerne seine Zeit ins Rumlaufen und einfach angucken. Weil es so unglaublich schön ist. Es gibt zahlreiche an die Realität angelehnte Orte (das an Edo-Japan erinnernde Kakariko, die Wüste von Gerudo, Affenbrotbäume und Vulkane) wie auch Fantasie-Orte (große steinerne, pilzartige Bäume in Tabanta oder der Wald der Krogs mit Erbsenschoten-Lampen), Witterungsbedingungen (von Aurora borealis über Regenbogen bis Blitz und Donner alles dabei) und Möglichkeiten sich fortzubewegen. Die Steuerung ist für die Komplexität an Moves, Aktionen und Optionen umwerfend intuitiv, leicht gelernt und gut behalten. Und vor Allem: stabil. Sie nutzt die Switch außerdem auf allen Ebenen, spätesten in den Herausforderungen in den Schreinen. Man könnte manchmal meinen, dass BOTW ein Konzept-Spiel für die Switch ist, weil es alle seiner Features ausschöpft.


„The Legend of Zelda: Breath of the Wild – Official Game Trailer – Nintendo E3 2016“, via Nintendo (Youtube)

Links bodenlose Todo-Liste

Selbst wenn man die ganze Ganon-Story schon kennt, wird einem in Breath of the Wild wohl kaum langweilig werden aufgrund der schieren Masse an Möglichkeiten die das Spiel bietet. Man ist angehalten eine gewisse Menge an Haupt- und Nebenzielen im Spiel zu erreichen. Im Grunde kann man quasi alle auslassen und auch so zu Ganon gelangen, aber man erlebt einiges und viel wundervolles, wenn man es durchzieht. Die Hauptziele sind dabei überschaubar, die Nebenziele hingegen Unmengen. Will man sich selber nochmal etwas pushen und pumpen, bevor man zu Ganon geht, kann man beispielsweise Schreine besuchen und sich dort den Herausforderungen stellen, um mehr Leben oder Ausdauer (für Kämpfe, Sprinten, Klettern, Reiten, …) zu gewinnen. Um Schreine zu finden, muss man wiederum viel Reisen. Um zu Reisen bietet es sich an Teile der Karte freizulegen. Und so werden die TODOs mehr und mehr. Und man nimmt sie gerne an. Nebenbei kann man unzählige Waffen finden, die sich – Achtung: auch abnutzen und mal kaputt gehen. Man kann Verpflegung kochen: allein an der Masse möglicher Gerichte offenbart sich wieviel Liebe zum Detail in dem Spiel steckt. Ob Honigapfel, Crépe, Eierpudding, Schmorbraten, Wildcurry … Link lernt wie jeder Junggeselle auf sich zu achten. Früher oder später. 😉 Man kann Titanen zähmen, um mehr Unterstützung im Kampf gegen Ganon zu haben und vielleicht die eine oder andere Rechnung mit anderen Völkern wieder glatt zu bügeln oder besondere Waffen suchen. Oder auch einfach die Nebenaufgaben von Passanten annehmen, die wiederum alle so unterschiedlich sind, dass es den Rahmen hier absolut sprengt auch nur annäherungsweise aufzuzählen, was man alles machen kann. Was aber nicht ungenannt bleiben darf ist die liebevolle Weise mit der Charaktere entworfen wurden. Sie alle haben Schrullen genauso wie viele liebenswerte Eigenschaften. Es ist schön in Hyrule. Und offenbar nie langweilig.

Wenn du 100 Jahre gewartet hast, Zelda, dann schaffst du noch weitere 5 Monate …

Neben all dem Lob für eine komplexe Open World, wahnsinnig viele Spieloptionen, die großartige Grafik der Switch und die Steuerung, kann man schon darüber hinwegsehen, dass die Handlung eigentlich etwas „mäh“ ist. Das Spielprinzip und Ziel ist bekannt, da gibt es keine Komplexität mehr. Man hat versucht das zu modernisieren, indem die Prinzessin nicht mehr nur eine Damsel in Distress ist, mit vielen Side-Quests und Nebenaufgaben, vielen Boni und Minispielen, wünschenswerten Details (zahlreiche Kostüme und Möglichkeit zum Anpassen nach Belieben um nur ein Beispiel zu nennen), aber sie bleibt eben etwas flach und bekannt. Das Spiel kann ausgezeichnet darüber hinwegtäuschen. Man ist einfach überwältigt von soviel Welt und soviel schön und soviel liebevoll modelliert und soviel … zu tun, dass man darüber vielleicht nicht mal mehr nachdenkt. Die Spielmechanik hat eine eigentlich überschaubare Anzahl an Moves und Optionen, aber weil die elementar sind, entdeckt man selbst nach über hundert Stunden spielen immer noch neue Kombinationsmögchlickeiten und Kniffe. Tatsächlich habe ich für meine 130 Spielstunden rund fünf Monate gebraucht. Das liegt aber vorrangig daran, dass ich mehr so der Wochenende-Spieler bin. BOTW hat mich trotz der etwas eindimensionalen Geschichte aber tatsächlich so gefesselt, dass ich insbesondere im letzten Drittel fast täglich gespielt habe. Und vor dem Ende bekommt man schon etwas schwitzige Händchen und Vorfreude, wenn man zu Ganon aufbricht.

Kann ich noch etwas bleiben?

Fun fact: wenn einem all das zuviel ist, kann man auch direkt am Anfang zu Ganon. Die Macher scheinen an quasi alles gedacht zu haben. Kennt man das schöne grüne, mal regnerische, mal brüllend heiße Hyrule, dann wird einem schon mulmig, wenn man im von fiesen Wächtern belagerten Gebiet rings um das Schloss unterwegs ist und die wüste Landschaft dort sieht. Das Ende hat tatsächlich etwas episches, auch wenn Schloss Hyrule mit richtiger Vorbereitung, etwas Übung und Erfahrung mit dem Combat-System dann nicht mehr so die große Herausforderung darstellt. Das Ende hingegen hinterlässt einen etwas bitteren Beigeschmack aufgrund der Tatsache, dass man nach der langen Reise nicht mehr in Hyrule verweilen darf, um zu sehen wie sich das Land nach dem Sieg gegen Ganon rehabilitiert. Oder mit anderen Worten: das Spiel setzt zwar einen Flag (erkennbar am Sternchen neben dem Save Game), wenn man zu Ende gespielt hat, aber Ende heißt Ende. Will man doch nochmal spielen, dann ist es immer vor dem Kampf gegen Ganon und in einem Land, dass das Böse immer noch fürchtet. Ich muss gestehen, dass ließ mich mit einer gewissen Bitterkeit zurück. Ich will noch nicht gehen, Hyrule.

Fazit

Das beste Spiel mit Langzeit-Gameplay und Open World, dass ich je gespielt habe. BOTW schafft den Spagat zwischen Wandersimulator, Monster-Slasher und liebevollem Storytelling und dürfte damit eine breite Masse von Spielertypen begeistern.

Link(s )liste mit hilfreichen Ressourcen

(Ja, ich habe Dinge im Internet nachgeschaut – ich wäre dumm, wenn ich es nicht gemacht hätte 😉 oder jetzt noch beschäftigt.)

stopkidsmagazin.de: Karte der Schreine
ign.com: Karte mit Fundorten der Krog-Samen, Quests, Schreinen, etc.
giga.de: Kampftaktiken – So meistert ihr die Kämpfe
Brickette @ Youtube: PERFECT DODGE Tutorial (Combat-System, Kontern & Blocken)
Gamespot @ Youtube: How to Defeat Breath of the Wild’s Mini-Bosses
eurogamer.de: Erinnerungsfotos – Fundorte Erinnerungen
spieletipps.de: Rüstungen: Fundorte und Zusatzeffekte
Dorkly @ Youtube: The Legend of Zelda: Breath of the Wild’s Rarest Details
Gamespot @ Youtube: 7 More Amazing Things I Wish I Knew In Zelda: Breath Of The Wild
Dorkly @ Youtube: 28 Versteckte Details in Zelda: BotW Die du vielleicht übersehen hast
Watchmojo @ Youtube: Top 10 Secrets in Zelda: Breath of the Wild

Habt ihr BOTW gespielt oder plant noch das zutun? Von mir gibt es ja offensichtlich eine dicke Empfehlung. Vielleicht kennt ihr aber auch andere Zelda-Spiele? Habt ihr einen großen Favoriten? Was hat euch an Hyrule und den Spielen in der Vergangenheit begeistert? Und falls ihr BOTW gespielt habt, wie lange habt ihr euch in Hyrule aufgehalten? Und wusstet ihr, wie man Hyrule spricht?? ^^“