#Japanuary 2024 – Besprechungen „Hell Dogs“ & „Spätherbst“, Fazit

Das war es schon wieder! Der Japanuary endete gestern für mich, kalendarisch wohl für uns alle – aber mit dem Schauen japanischer Filme müssen, nein sollten, wir deswegen dieses Jahr keinesfalls aufhören. 😉 Heute bespreche ich meine zwei letzten Challenge-Filme.

Hell Dogs

Ich tu gar nicht so als ob: den Film habe ich v.A. in meine Liste aufgenommen wegen Jun’ichi Okada und Miyavi. Aber gegen einen guten Krimi oder Gangsterfilm habe ich bestimmt nichts einzuwenden. Das fand ich auch in dem Film. Okada spielt hier einen ehemaligen Polizisten, der Rache an Verbrechersyndikaten nehmen will und die Grenzen des Gesetzes dehnt. Er übt Selbstjustiz. Das reicht der Polizei um ihn Undercover bei der Yakuza selber zu platzieren. Dort arbeitet er mit Hideki Murooka (Kentarô Sakaguchi) zusammen, der unberechenbar wird, aber zumindest für ihn ein vertrauensvoller Partner, der seinem Geheimnis am ehesten auf die Schliche kommen könnte. Irgendwann gelingt es beiden sich in der Hierarchie hochzuarbeiten und dem neuen Chef Toake (Miyavi) gefährlich nah zu kommen.

Kannst (fast) nicht meckern. Das Gangsterfilm-Flair kann alles von dekadent bis schmutzig. Die Action ist gewohnt gut. Neben denen haben mir die Kulissen besonders gefallen: die mit Pflanzen überwucherte Halle, der graue Treppenaufgang an dessen Ende ein bunt gefliester Boden Tod oder Erlösung verspricht. Dramatische, inszenatorische Entscheidungen inklusive. Alles sieht fantastisch aus und entbehrt Quatsch-Entscheidungen, die nur gefällt werden, um zu dramatisieren. Es war eindrucksvoll zu sehen wie die Yakuza eine „geheime Beerdigung“ ausrichten. Trotzdem ist das alles eben sehr glatt und emotional wenig untermauert. Man könnte fast vergessen, dass der Protagonist aus Rache handelt, sondern es für Gewohnheit halten. Bis auf einen kleinen Rückblick, gibt es da wenig bis gar nichts wo Emotionen fallen. Wo andere Filme zu viel machen, tut Hell Dogs in den Belangen zu wenig und überlässt das scheinbar alles Kentarô Sakaguchi, der am Ende (so muss man zumindest annehmen) einen weiteren Vertrauensbruch in seinem Leben nicht mehr ab kann.

Hell Dogs (OT: ヘルドッグス), Japan, 2022, Masato Harada, 138 min, (7/10)

Sternchen-7
Hell Dogs (2022) Japanese Movie Trailer English Subtitles (ヘルドッグス 予告編 英語字幕), Panap Media, Youtube

Spätherbst

Die drei Freunde Mamiya (Shin Saburi), Taguchi (Nobuo Nakamura) und Hirayama (Ryūji Kita) nehmen am Gedenk-Gottesdienst ihres vor vielen Jahren verstorbenen Freundes Miwa teil und treffen dort dessen Witwe Akiko (Setsuko Hara) und ihre Tochter Ayako (Yōko Tsukasa). Nach den Gesprächen kommt den drei Herren der Gedanke, dass sie doch sowohl Tochter als auch Mutter verkuppeln könnten. Man spricht direkt von Heirat und sorgt damit für einiges an Chaos.

In den Ruhe ausstrahlenden Filmen Ozus von Chaos zu reden, erscheint erstmal viel. Chaos in Ozu-Filmen ist in erster Linie emotionaler Natur und wird durch die japanische Mentalität und Kultur bedingt mit Fassung getragen – nur damit wir uns nicht falsch verstehen. Das Grundkonzept, dass drei Herren im besten Alter eine junge Frau zuerst ausfragen, was für ein Mann ihr denn gefalle und ihr dann einen vorstellen und sofort die Beiden miteinander verheiraten wollen, ist schon schwer für heutige Gewohnheiten anzuschauen. Dass sie dann aber auch hinter dem Rücken der Mutter beschließen, dass auch diese verheiratet werden muss, noch mehr.

Natürlich ist auch gerade dieser Paradigmenwechsel zwischen den Generationen Thema. Die junge Ayako will aus Liebe heiraten und sieht mit Bestürzung wie einfach die Erwachsenen darüber hinwegsehen. Aber auch an ihr selber wird die traditionalistische Denke demonstriert – sie selber will nicht, dass ihre Mutter nochmal heiratet. Sie soll lieber allein bleiben und das Andenken Ayakos verstorbenen Vaters ehren? Frischen Wind und herrlich forsche Ansprachen bringt Ayakos Freundin Yukiko (Mariko Okada) in den Film. Sehr bezeichnend, was das alles am Ende für Setsuko Haras Figur bedeutet, da sie doch oftmals ein Symbolbild der tugendhaften, japanischen Frau darstellt. Trotz der langen Exposition und ernsten Themas hat der Film viele heitere und nachdenklich machende Momente.

Spätherbst, Japan, 1960, Yasujirō Ozu, 128 min, (7/10)

Sternchen-7

Fazit

Das war ein großartiger Japanuary! Die Filmauswahl traf für mich genau ins Schwarz. Den Podest des Lieblingsfilms müssen sich zwei teilen: Perfect Days und Inu-Oh. 👑 Die größte Überraschung war für mich Shinya Tsukamotos Vital. Vor Allem auch eine positive, weil der Film anfangs so angenehm düster und nach hinten raus so unerwartet lebensbejahend ist. Warum ich aber Der Junge und der Reiher nicht von Anfang an auf meine Liste gesetzt habe, weiß ich auch nicht. Vielleicht wollte mich nicht drauf verlassen es im Januar gleich zu zwei Filmen ins Kino zu schaffen. Aber wie oben schon angeteasert bin ich noch längst nicht mit dem Japanuary fertig. Es gibt noch einige Podcasts und Blogs zu lesen. Auch hätte ich mir gewünscht, dass ich es schaffe in Social Media aktiv(er) zu bleiben. Aber zur Monatsmitte hatte mich dieses Real Life im Griff und ich habe dort zu wenig mitverfolgt. Was ich aber sehr wohl mitbekommen habe: 50 Filme innerhalb eines Japanuary scheint ein neuer Rekord zu sein. Krass. 😅

Zu den bisherigen Artikeln

Ankündigung
Besprechung zu „Perfect Days“
Besprechung zu „Der Junge und der Reiher“
Besprechungen zu „Pompo: The Cinéphile“ & „Vital“
Besprechungen zu „Ichi the Killer“ & „Dead End Run“
Besprechung zu „Inu-Oh“

Header Image Photo Credits: Andre Benz

Was war das Highlight eures Japanuary? Habt ihr mitgemacht? Und wenn nein: „Japanuary“ ist ja eigentlich auch irgendwie immer, richtig?

Eine Antwort

  1. Hab mitgemacht. Kannst also noch auf meinem Blog ein bisschen lesen, um den Japanuary nicht enden zu lassen. 😀

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