ausgelesen: E.L. James „Shades of Grey – Geheimes Verlangen“

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Inhalt

Die Studentin Anastasia ‚Ana‘ Steele lernt bei einem Interview für die Zeitung ihrer Uni den schwerreichen, jungen Unternehmer Christian Grey kennen. Er sieht außerordentlich gut aus und sie ist schwer angetan von ihm, kann ihn aber nur schwer einschätzen und rennt zudem von ein Fettnäpfchen ins nächste. Ana ist sich vollkommen sicher, dass er eine wie sie in 5 Minuten vergisst und sich höchstens über ihre Schusseligkeit kaputt lacht. Aber die Wege der Beiden kreuzen sich noch öfter und das nicht nur zufällig. Und dann ist es nicht mehr zu leugnen – zwischen ihnen herrscht eine enorme Anziehung. Der Millionär dem alle zu Füßen liegen und die unauffällige Studentin … funktioniert das? Das wird nicht Anas einziges Problem bleiben, als sie beginnt zu begreifen, dass ihr Lebensstil sich noch in anderer Hinsicht unterscheidet. Während Ana keinerlei Erfahrungen in Beziehungen hat, sind BDSM-Praktiken Christians Welt. Passt dieses Bild von Liebe als völlige Unterwerfung und Lust am Scherz in Anas Weltanschauung?

Hintergrund

Die Neugier hat mich dazu getrieben dieses Buch zu kaufen. Wie ist dieser Roman über den so viele Leute sprechen und den Frauen so feiern? Die Kritiken waren so durchwachsen wie ich es selten gesehen habe. Als ich über den ‚Mythos‘ 50 Shades of Grey (so der englische Titel) mal einen Artikel in der Zeit gelesen habe, hätte es mich fast vom Stuhl gehauen: dieses Buch war zuerst eine FanFiction zu Twilight. FanFiction. Zu ‚Twilight‘. Genau: glitzernde Vampire und so.

Nachdem die FanFiction gefeiert wurde, hat die britische Autorin E.L. James die Geschichte selber im Web veröffentlicht, die Hauptcharaktere in Ana und Christian umbenannt und an Fortsetzungen gearbeitet. Zuerst wurde das Buch als BOD (book on demand) veröffentlicht und später durch einen australischen Verlag. Eine lange Geschichte und offensichtlich eine Erfolgsgeschichte. Mich hat der Gedanke begeistert, dass es eine ehemalige FanFiction und FanFiction-Schreiberin so weit gebracht hat. (Geständnis Nr. I: In meiner Teenie-Zeit habe ich auch zu Serien, Manga und Anime FanFictions geschrieben mit deren Ausgang ich nicht zufrieden war oder die abgesetzt wurden und ein offenes Ende hatten.) Das musste ich mir einfach mal genauer anschauen … außerdem haben mich die zahlreichen Konflikte gereizt die diese Story mit sich bringt. (Als Twilight-FanFiction kann ich es mir hingegen nur schwer vorstellen.)

Meinung

Meines Erachtens nach ist dieses Buch gehypter Trash. Es tut mir leid, wenn ich Fans jetzt vor den Kopf stoße aber ich gebe ja hier meine persönliche Meinung wieder. Shades of Grey Band 1 habe ich als sehr langweilig empfunden und es sogar immer mal wieder für ein oder zwei Wochen beiseite gelegt, um etwas anderes zu lesen. Die Welt in die Ana eintaucht ist eigentlich eine sehr verdreht naive. Dass ihr Christian nur mit seinem Geld wedeln muss und schon steht der Chauffeur vor der Tür und sie wird im Flugzeug in die erste Klasse geupgraded, banalisiert die Probleme und Dramen die das echte Leben mit sich bringt. Außerdem zögert das Buch über 600 Seiten verteilt die Entscheidung Anas für oder gegen den BDSM-Lebensstil hinaus. Ich bin weiß Gott kein Adrenalinjunkie aber das ist mir einfach zu wenig Handlung. Dabei hat die Geschichte Potential. Beispielsweise was Christians Vergangenheit betrifft. Das wird aber nur spärlich beleuchtet – ich an Anas Stelle hätte quälend viele Fragen. Figuren die das ganze Buch über Thema sind (‚Mrs. Robinson‘) treten nicht einmal auf und so keimte in mir die ganze Zeit über der Verdacht, dass es mit Absicht so geschrieben ist, dass noch Stoff für weitere Bände bleibt. Allerdings auf Kosten der Spannung.

Ein weiteres großes Manko ist für mich der Schreibstil von E.L. James, der mich auf den ersten Seiten regelrecht abgestoßen hat. Die Beschreibung von Gebäuden kam nie über die Wörter modern, Sandstein und Glas hinaus (wenn ich mir recht erinnere). Das bessert sich enorm und die die Autorin kommt in Fahrt aber die Wiederholungen bleiben. Der Wortschatz im Buch ist sehr klein, die Beschreibungen der Charaktere sind sehr eindimensional. ‚Kate ist die Inquisition in Person‘, ‚Christian hat tolle Augen‘, blablabla. Nach 300 Seiten denkt man nur: habe ich das jetzt nicht schon 20mal gelesen? Über all das könnte ich hinwegsehen aber der Zwiespalt zwischen Ich lieben diesen Mann und Er zieht BDSM vor und das nicht zu knapp… wird über das ganze Buch hinweg banalisiert. Damit spiele ich insbesondere auf Anas Innenleben an. Auf jeder 10. Seiten kommen ihre inneren Stimmen zum Einsatz. Entweder die innere Göttin oder ihr Unterbewusstsein. Vielleicht ist das ein Versuch den Zwiespalt mit rhetorischen Mitteln und Bildern darzustellen? Es wirkt aber einfach nur naiv wie ihre innere Göttin ‚verlockend mit der Zunge schnalzt‘ oder ‚einen Schleiertanz aufführt‘. Undzwar wortwörtlich. Damit kann ich nicht, sorry. Mit der Stänkerliese habe ich darüber auch schon mal gesprochen und sie hatte wohl mit dem ersten Band ähnliche Probleme. Anschließend ist sie auf die weiteren Bände auf Englisch umgestiegen und war von da an sehr begeistert. Liegt es also evtl. an der Übersetzung? Oder hat die Autorin in den Folge-Bänden dazu gelernt? Das kann ich nicht nachprüfen und werde es auch nicht nachholen, weil ich einfach unglaublich wenig Lust auf weitere Storys von Christian und Ana habe. Die einzige Spannung die verbleibt ist die auf die Besetzungsliste der Verfilmung die angeblich kommen soll … .

Fazit:

Muss man nicht gelesen haben.

„ausgelesen“ ist eine Kategorie meines Blogs, in der ich immer zwischen dem 15. und 20. eines jeden Monats ein Buch unter die Lupe nehme. Der Begriff „ausgelesen“ ist sehr dehnbar. So wie die Themenvielfalt meines Blogs. Ein „Buch unter die Lupe nehmen“ schließt Belletristik, Sachbücher, Manga, Comics unvm mit ein. 🙂