ausgelesen: Joe Hill, Jason Ciaramella & Zach Howard „The Cape“

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The Cape

The Cape

Inhalt

Der Achtjährige Eric ist ein Held, wenn er seine blaue Kuscheldecke mit dem roten Blitz umlegt: sein Cape. Er spielt mit seinem Bruder und kennt keine Angst. Eines Tages fällt er jedoch vom Baum und wird schwer verletzt. Das Cape verschwindet in der Versenkung, er muss lange behandelt werden, es bleiben physische und seelische Narben und die Kopfschmerzen machen ihn fertig. Viele Jahre später tritt er immer noch auf der Stelle. Kein Job und keine Aussicht auf einen, eine Freundin die nörgelt und einen Bruder der Arzt ist und den sowieso alle lieber mögen. Eines Tages findet er sein altes Cape und stellt geschockt fest: wenn er es umlegt, kann er tatsächlich fliegen! Und er nutzt seine neu gewonnene Fähigkeit direkt um sich an denen zu rächen, die ihm weh getan haben.

Hintergrund

The Cape habe ich kurz nach Erscheinen in einer Bahnhofsbuchhandlung gefunden, als ich irgendwann mal die Wartezeit auf den Zug abbummeln musste. Als ich den Klappentext las, dachte ich eigentlich Eric würde sich an Leuten rächen die ihm bspw. die Schulzeit schwer gemacht haben oder ähnliches. Ich habe nicht weiter nachgeforscht oder Rezensionen gelesen, ich war eben angefixt. Ehrlich gesagt war ich dann etwas enttäuscht, als ich feststellen musste, dass Eric sich nicht etwa an Bullys rächt, sondern an seiner Familie. Soviel zu meinem Hintergrund mit dem Buch.

Und jetzt zu echtem Hintergrundwissen ;). Was uns der Name Joe Hill auf dem Cover nicht sofort verrärt: es handelt sich bei ihm um den Sohn von Stephen King. Manchen schon bekannt von dem Horrorroman Blind oder der Reihe Lockey & Key. The Cape basiert auf einer Kurzgeschichte von Joe Hill und wurde von Jason Ciaramella und Zach Howard als Graphic Novel umgesetzt.

Meinung

Ich bin Storytelling gewöhnt, dass sich Zeit nimmt. Manga beispielsweise sind teilweise 150-200 Seiten-Schinken und erzählen die Story in vielen Bildern auf viele Seiten verteilt. Diesen Luxus haben Graphic Novels nicht und so entsteht dort ein relativ schnelles Erzählen. Noch schlimmer im Comic in dem durch das Tempo die Handlungen oftmals verzerrt und unglaubwürdig erscheinen – zumindest für mich. The Cape hat dasselbe Problem: es wirkt zwar anhand von Erics Kindheits- und Jugenderlebnisse schlüssig, warum er sich benachteiligt fühlt. Er hat in seinem Leben etwas fantastisches entdeckt: das Cape. Eine Superkraft. Er fühlte sich als zum Superheld berufen. Der Unfall änderte aber alles und von diesem Zeitpunkt an wurde er zum Freak und ihm blieben auf seinem Werdegang viel zu viele Türen verschlossen. Aber letztendlich wirkt auf mich sein Austicken immer noch extrem übertrieben und nicht gänzlich nachvollziehbar. Eric ist ein Antiheld in einer anderen Definition des Wortes. Der Definition, die nicht mehr viel positives zuläßt. Für den Superheldenmythos ist hier kein Platz – das Wunschdenken vom Streben nach Heldentum wird in eine düstere Realität versetzt, in der Macht missbraucht wird und damit leider wahrscheinlicher wirkt als Heldentum und gute Taten. Worin die Graphic Novel sehr gut ist: die Allegorien. Eric fühlt sich ‚fallen gelassen‘ und läßt seine ehemals geliebten Menschen ebenso fallen, nur eben wörtlich und tödlich. Die Zeichnungen sind außerdem allererste Sahne.

Fazit:

Für Fans von Graphic Novels, die blutige Rachestorys nicht scheuen

„ausgelesen“ ist eine Kategorie meines Blogs, in der ich immer zwischen dem 15. und 20. eines jeden Monats ein Buch unter die Lupe nehme. Der Begriff „ausgelesen“ ist sehr dehnbar. So wie die Themenvielfalt meines Blogs. Ein „Buch unter die Lupe nehmen“ schließt Belletristik, Sachbücher, Manga, Comics unvm mit ein. 🙂