Serien-Besprechung: „Eine fröhliche Familie“

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Als ich in meiner Kindheit immer nach der Schule Eine fröhliche Familie (oder war es der Kindergarten?) schaute, wusste ich weder, dass es ein Anime ist, noch dass er auf einem Buch von Louisa May Alcott (der Originaltitel ist „Little Women“) basiert oder Teil des World Masterpiece Theatre ist. Auf Sindys Blog habe ich erfahren, dass die Serie auf Watchbox zum freien Streaming bereitstand. Bis 2017 war das der Fall und ich habe rund um Weihnachten und Silvester kaum etwas anderes geschaut. Aber jetzt ist der Anime wieder auf Watchbox verfügbar und das nehme ich mal als Anlass darüber zu schreiben 🙂 Wenn euch gefällt, was ihr lest, könnt ihr es also direkt kostenfrei und legal streamen … das nenne ich Service! Review ist spoilerfrei.

Der 48-teilige Anime mit der angenehmen Lauflänge von ca. 23 Minuten pro Episode handelt von der Familie March und spielt zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs. Die Familie muss von Südstaaten in die Nordstaaten fliehen und sich ein neues Leben aufbauen, als ihre Heimat in Schutt und Asche zerlegt wird. Der Vater kämpft seitens der Nordstaaten und die Frauen sind auf sich allein gestellt. Die Mutter bleibt hierbei immer stark und ein Vorbild für ihre vier Töchter. Meg ist die älteste und übernimmt stets viel Verantwortung, sie beginnt als Hauslehrerin zu arbeiten, um der Familie finanziell in den schweren Zeiten unter die Arme zu greifen. Jo ist die Zweitälteste und ein echter Wildfang. Sie hat einen schlauen Kopf und möchte Schriftstellerin werden. Beth hingegen ist sehr ruhig und schüchtern und die gute Seele, die immer für alle Verständnis hat. Amy ist die Jüngste, hat ein großes Talent zum zeichnen, ist aber etwas egoistisch.


„Eine fröhliche Familie intro (german)“, via fualter17 (Youtube)

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Die Serie schildert wie sie an einem fremden Ort ihren Lebensunterhalt bestreiten und auch angesichts schwieriger Situationen und Sorgen immer hohe Werte aufrecht erhalten wie Nachsicht, Nächstenliebe, Aufopferung und dabei manchmal sogar noch ein Lächeln auf dem Gesicht haben. Mit ihrer Attitüde und Einstellung zum Leben begeistern sie selbst die grimmigsten Zeitgenossen von sich. Mit diesem Charme hat die Serie auf mich als Kind eine große Wirkung ausgeübt. Zwar fiel es mir nie leicht bei Sorgen und Problemen noch zu lächeln und optimistisch zu sein, aber die humanistischen Ansichten, die die Serie vermittelt, sind in meinem Kopf und Herzen geblieben.

Auch hatte ich immer den Eindruck, dass die Serie dafür dass sie Mitte des 19. Jahrhunderts spielt, ein sehr fortschrittliches Frauenbild zeigt. Sie gehen arbeiten und nehmen ihr Schicksal selber in die Hand. Jo war für mich immer das beste Beispiel einer emanzipierten Frau. Sie ist stark, erlaubt sich aber auch zart zu sein. Wenn man sich näher mit der Vorlage beschäftigt und seinen diversen Fortsetzungen wie Good Wifes, bin ich mir nicht mehr sicher, ob das moderne Frauenbild eine Intention Alcotts war oder ob es eine Erfindung des Anime ist, der in einigen großen Punkten stark von der Vorlage abweicht. Inhaltlich bringt einen der Anime in den ersten vier bis fünf Folgen stark zum Stirnrunzeln. In Anbetracht des nahenden Krieges wirkt es dann doch etwas zu trivial ob die Mädchen Mietzi (die Hauskatze) überzeugen können stubenrein zu werden und sich dessen fast eine ganze Folge widmen. Andererseits ist das eben die Sicht der Kinder auf den Krieg. Sie gehen mit Sorgen und Unsicherheiten anders um und nehmen ihre Umwelt anders wahr. Auch ist der Anime aus dem Jahr 1987 aus heutiger Sicht nicht gut gealtert. Die Synchronisation wirkt etwas hölzern und gestelzt – oder sollte ich viel mehr sagen die Dialoge und ggf die Übersetzung? Auch ist es sehr schade, dass die originalen Vor- und Abspannsongs fehlen. Alles in allem ist Eine fröhliche Familie ein wirklich schöner Anime, der einem ein warmes Gefühl zurücklässt bei all den Werten, die er vermittelt. Und sicherlich auch Erinnerungen an die Nachmittage nach der Schule oder dem Kindergarten, in denen man gespannt war wie es mit Beth weitergeht, was Amy jetzt wieder ausgefressen hat.

(8/10)

Sternchen-8

Man hört es meiner Review an: ich hatte anfangs ein paar Schmerzen mit dem Rewatch und musste erkennen, dass „Eine fröhliche Familie“ nicht so gut gealtert ist. Fairerweise muss man sagen, dass die Serie eben 1987 entstand und den damaligen Ansprüchen genügte. Es ist aus heutiger Sicht nicht mehr für jederman etwas. Hätte ich den Anime heute im Alter von 29 Jahren das erste Mal gesehen, hätte er nicht die Gefühle in mir wecken können, die er beim rewatch ausgelöst hat. Aber es ist eben so: die Stoffe versetzen uns zurück in unsere Kindheit und erinnern uns daran wie wir mit den Protagonisten mitgefiebert haben. Und gerade der Anime bietet eine Menge Identifikationsfiguren und vermittelt eigentlich großartige Werte. Bei der Gelegenheit habe ich dann übrigens auch mal „Little Women“, den Film mit Wynona Rider als Jo und Kirsten Dunst als Amy geschaut, der gegen Ende sehr cool ist, aber die Kindheit und Jugend der ‚little women‘ für meinen Geschmack viel zu schnell erzählt. Da fehlen wir viele Episoden wie die Annäherung zwischen den Mädchen und der Tante, die zeigt, dass hinter manchem grimmigen Gesicht nur eine schwierige Geschichte steckt. Dafür schließt der Film, die Lücke zwischen den Anime „Eine fröhliche Familie“ und „Misses Jo und ihre fröhliche Familie“. Kennt ihr den Anime auch noch aus eurer Kindheit? Oder sogar die Literaturvorlage? Vielleicht könnt ihr mir sogar sagen, was das Buch verglichen zu Anime und Film anders macht?