Serienlandschaft: Wiedergefundene Serien – „Frau Pfeffertopf“

Es gibt sie eben, diese Serien, die man irgendwann als Kind geschaut hat und sich nicht mehr an den Titel erinnern kann. Dank des Internets kriegt man den Titel heute relativ schnell raus, wenn man sich wenigstens an ein kleines bisschen Handlung der Serie erinnern kann. Die Serie, an die ich mich heute erinnere, wollte ich mich gar nicht erinnern. Als Kind fand ich sie anfangs gar nicht toll, später schon etwas mehr. Ich stolperte über sie, weil ich zu Animationsstudios recherchierte. In diesem Fall über Studio Pierrot. Als ich „Frau Pfeffertopf“ las, dachte ich: warte, ist das etwa …

„Die Dings … die Serie, ihr wisst schon. Mit der kleinen, älteren Dame und dem Löffel, der äh … sie schrumpft??“

Frau Pfeffertopf handelt von einer älteren Dame, die auf Löffelgröße schrumpft, wenn sie niest. Sie erlebt als geschrumpfte Frau Pfeffertopf erwartungsgemäß einige Abenteuer und kann mit Tieren sprechen. Dabei versucht sie es vor ihrem Mann und allen anderen zu verheimlichen. Wenn sie nochmal niest, wird sie wieder normal groß. Ich weiß es nicht mehr genau, aber ich glaube sie heißt Frau Pfeffertopf und hat den Löffel dabei, damit sie sich Pfeffer klauen kann um damit das Niesen zu erzwingen, damit sie wieder wächst. Vielleicht ist aber auch der Löffel schuld, dass sie schrumpft und entsprechend auch notwendig, um wieder groß zu werden. Ich hatte überhaupt nicht erwartet Frau Pfeffertopf in der Liste eines japanischen Animationsstudios zu finden und hätte mich auch gar nicht an den Titel erinnert, wenn er mir nicht auf dem Präsentierteller serviert worden wäre. Es ist also ein Anime! Vom Zeichenstil hatte ich das so gar nicht erwartet.

Der ist zwar liebevoll animiert, aber lässt doch klassische Anime-Characterdesigns vermissen. Vermutlich, weil die Serie auf einem Kinderbuch des Norwegers Alf Prøysen basiert und man sich in einem eher europäischen Stil versucht hat? Anfangs war ich kein so großer Fan von Frau Pfeffertopf, weil ich eben den besagten Stil nicht so recht mochte. Die Animation der Tiere hat mir dabei am allerwenigsten gefallen. Damals schon ein Animations-Snob fand ich die Tiere zu unrealistisch und andererseits leider auch zu un-niedlich. ^^‘ Und um ehrlich zu sein gefällt mir die Darstellung heute noch nicht. Aber jetzt kommt es viel dicker. Ich gestehe, ich fand es auch irgendwie nicht so cool, dass eine Oma Hauptcharakter einer Serie ist. Aber zu meiner Verteidigung: ich war sehr jung. Ein Grundschulkind, ich vermute 1. Klasse. Und da ich meine Omas sehr liebe, leider weilen sie inzwischen nicht mehr unter uns, wurde irgendwann auch mein Herz für Frau Pfeffertopf weich und ich mochte sie sehr, schaute die Serie weiter und fieberte sehr mit ihr mit. Heute finde ich es fantastisch, wenn eine ältere Dame zur Abwechslung mal (Anti)Heldin einer Geschichte ist und denke, dass es das viel öfter geben sollte. Puh Glück gehabt, bin ich wohl doch etwas gereift. ^^“ (hoffentlich).


„Frau Pfeffertopf-German Opening“, via Helmut Oberhase (Youtube)

Wo kommt Frau Pfeffertopf aber her? Der Autor der Literaturvorlage Alf Prøysen lebte von 1914 bis 1970 und wie man an den Daten sieht, hat er zwei Weltkriege überlebt. Prøysen war ein echter Allrounder, arbeitete als Journalist, veröffentlichte Bücher, dichtete und Musiker war er auch noch. Er gilt als wichtige norwegische Persönlichkeit. 2019 erschien sein Die fabelhafte Frau Löffelchen im Verlag Urachhaus in erster Auflage. Der Anime aus dem Hause Gakken & Pierrot wurde im Jahr 1983 das erste Mal ausgestrahlt und umfasst 50 Episoden. Nach Deutschland schaffte es der Anime so um 1995/96. Da soll mal keiner mehr meckern, dass man heute so lange auf die Veröffentlichung von Serien warten muss, damals dauerte das noch über zehn Jahre. Der Originaltitel der Serie ist スプーンおばさん („Supūn Oba-san“) und ist gut für Japanischlerner geeignet. 😉 Wie man dem Titel entnehmen kann, heißt sie hier nicht etwa おばさん = Oma, sondern おばさん = Tante Löffel. Kleiner aber feiner Unterschied. Die Namen variieren aber wild – in den USA heißt sie offenbar Madame Peppermint! Wie immer hat die Recherche einige Erinnerungen zu tage gefördert. So frage ich mich jetzt, was es eigentlich mit dem Mädchen im Wald auf sich hatte, die das Geheimnis von Frau Pfeffertopf kennt?

Andere wiedergefundene Serien: Land of the Lost | Die Königin der tausend Jahre | Rock’n’Cop | Ernest, der Vampir | Adolars phantastische Abenteuer

Übrigens funktionieren die „wiedergefundenen Serien“ für mich überraschend gut. Seitdem ich den Beitrag zu „Adolars phantastische …“ geschrieben habe, vergesse ich den Titel nicht mehr! Dasselbe bei „Ernest, der Vampir“. 😀 Wer hätte es gedacht? Kennt ihr eigentlich Frau Pfeffertopf oder den Autor Alf Prøysen? Wie hat euch die Serie gefallen? Und für welche eurer Einstellungen aus der Kindheit schämt ihr euch heute?

4 Antworten

  1. Hach, ich mag diese Rubrik so und bin immer wieder überrascht, wie viele Serien ich doch vergessen habe. Frau Pfeffertopf hatte ich nur gelegentlich gesehen, aber bei deinem Blogartikel klingelte sofort wieder was im Hinterkopf,

    Mit älteren Menschen als Protagonisten hatte ich tatsächlich nie so große Probleme – zumindest nicht im Zeichentrick/ Anime. Ich mochte z.B, auch „Dr. Snuggles“ und „David der Kabauter“.

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Na Mensch, das freut mich sehr. 🙂 Das motiviert mit der Reihe weiterzumachen, vielen Dank. ^^ Frau Pfeffertopf war aber auch in meiner Erinnerungen total verschütt gegangen … bis dahin jedenfalls. Was mich nur jedes Mal wieder flasht ist woher die ganzen Vorlagen kommen und was man dank des Internets heute alles noch über die Serien rauskriegt. Bis jetzt war keine der Serie „unauffindbar“

      Ich würde auch nicht sagen, dass ich Probleme mit älteren Menschen hatte, aber mein naives, unwissendes KInder-Ich fand die einfach nicht cool … das änderte sich ja aber. 🙂 Dr Snuggles sagt mir auch was vom Namen her.

    2. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Aaaaah „David, der Kabauter“! So hieß das! Daran erinnere ich mich auch noch, nur auf den Namen wäre ich ohne Internetrecherche im Leben nicht gekommen. Vermutlich sind das halt einfach irre viele Serien, deren Titel einem entging, weil (Überraschung) man damals noch nicht lesen konnte. XD
      Die habe ich jedenfalls auch immer sehr gemocht. Danke fürs Erinnern 😉 Die sahen immer so knuffig aus.

  2. […] spürt Miss Booleana regelmäßig nach. Im Juni hat sie für sich und uns die schrumpfende „Frau Pfeffertopf“ […]

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