Netzgeflüster: Game-Review ‚Oxenfree‘ (PS4)

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Was wäre der Halloween-Monat Oktober ohne ein Special im „Netzgeflüster“ 😉 ? Während es letztes Mal empfehlenswerte auf verschiedenste Art unheimliche Podcasts waren, soll es heute ein PS4-Spiel sein, dass einem das Blut in den Adern gefrieren lässt und gleichzeitig sehr bewegt: „Oxenfree“.

„Ja genau, lasst uns in diese Höhle gehen! Was soll schon passieren?“

Mir begegnete witzigerweise das inzwischen auf vielen Plattformen verfügbare Spiel aus dem Haus Night School Studio zuerst im Microsoft App Store. Einige Zeit später entschied ich mich aber dafür es lieber auf der PS4 zu erleben. In Oxenfree begleiten wir die Teenager Alex, Ren, Nona, Jonas und Clarissa, die sich auf Edwards Island treffen, einer kleinen verlassenen Insel in der Nähe ihrer Heimatstadt. Während Edwards Island an ihre Kindheit und glückliche Tage am Strand und in den anliegenden Wäldern erinnert, ist die Gruppe selber inzwischen auseinander gewachsen seitdem Alex‘ Bruder Michael bei einem Unfall starb. Clarissa war mit Michael zusammen und gibt Alex die Schuld an Michaels Tod. Jonas ist nun, einige Jahre nach dem Unfall, Alex Stiefbruder und stößt neu zu der Gruppe hinzu ebenso wie Nona, eine Freundin Clarissas. Ren hingegen ist seit jeher ein enger Kumpel von Alex‘. Aber die Gruppe will nicht mehr so recht zusammenwachsen. Da erzählt Ren Alex und Jonas, dass in einer Höhle in der Nähe des Strands angeblich ein seltsames Phänomen ausgelöst werden kann, wenn man eine bestimmte Radio-Frequenz einschaltet. Alex tut das prompt und sie beobachten, wie in der Höhle seltsame Lichter und Töne entfesselt werden. Jonas geht tiefer in die Höhle und Alex folgt ihm und reizt das Phänomen aus. Damit öffnet sie eine Tür, die sie besser verschlossen gelassen hätte.

„Oxenfree Official Launch Trailer“, via IGN (Youtube)

Ohne zu wissen, was sie tun, haben die Teenager die Aufmerksamkeit einiger Seelen auf sich gezogen, die gefangen sind und um jeden Preis freikommen wollen. Die Radiowellen sind ihre Verbindung zu Außenwelt und sie spielen mit Alex und ihren Freunden. Verfolgen sie, lassen sie in Zeitschleifen laufen, sie werden sogar besessen. Vor Allem letzteres ist fatal, denn die Geister lassen die Teenager Dinge sehen, die nicht da sind und pfuschen in ihren Köpfen rum. Sie lassen sie furchtbare Erinnerungen durchleben. Furchtbar, weil sie an bessere Zeiten erinnern. Oder ist es gar keine Erinnerung, sondern der Moment selbst? Ist die Geschichte noch änderbar? Die Grenzen, die man zu kennen glaubte, werden mit dem Tor in die Welt der zornigen Seelen gesprengt.

Loslassen

Vielleicht leiht Oxenfree seinen Namen von dem englischen Kinderreim Olly Olly Oxenfree, denn hier hat der Spieler die Wahl. Man spielt Alex und kann bei den Interaktionen mit den anderen Charakteren meistens zwischen mehreren Antworten wählen oder sogar passen und nichts sagen. Wer das spiel „stumm“ meistert, wird sogar mit einer extra Trophäe belohnt. 🙂 Natürlich haben die Antworten Konsequenzen. Man kann beispielsweise entweder Ren und Nona zusammenbringen oder verhindern, dass die beiden sich näher kommen. Man kann zum neuen Stiefbruder Jonas eine enge Verbindung aufbauen oder sich von ihm entfremden. Wie sich letzten Endes herausstellt, trifft man auch Entscheidungen über Leben und Tod.

Ähnlich wie im Klassiker „Life is Strange“, bekommt man am Ende des Spiels angezeigt wieviele andere Spieler bisher zu denselben Ergebnissen gekommen sind bzw. bekommt einen Eindruck welche Ausgänge des Spiels möglich sind. Und da man einige Zeit mit den Charakteren verbringt, kann das umso mehr schocken, was man fabriziert hat. Als Alex hat man mit jedem der Charaktere während des „walk and talk“-Gameplays Zeit um sich zu beschnuppern. Alte Geschichten auszutauschen, die eingestaubte Freundschaft zu entstauben und Missverständnisse zu kitten oder alles nur noch schlimmer zu machen. Oxenfree gibt dem Spieler eine bittersüße Lehre mit auf den Weg: Entscheidungen haben Konsequenzen, manchmal geht es so aus wie wir uns wünschen, manchmal nicht. Aber Entscheidungen sind unausweichlich und es ist wichtig so mutig zu sein, sie zu treffen. Ansonsten ist man selbst wie in einer Schleife gefangen, unfähig weiterzuleben und sein Schicksal zu beeinflussen.

Copyright: Night School Studio

Substanz, Design und Fazit

Oxenfree hätte bei einem anderen Look and Feel sicherlich ein durch und durch fröhliches, bonboniges Spiel sein können, aber es wählt einen bewusst dunklen Ton in jeglicher Hinsicht, was aber auch das bittersüße an den Entscheidungen im Leben wesentlich besser unterstreicht. Die Charaktere sind stilisiert und werden als sehr kleine Avatare mit ein paar Freiheitgraden in einer 2D-Landschaft dargestellt. D.h. besser gesagt 2.5D, denn während man sich scheinbar auf einer 2D-Fläche bewegt, ist diese durchaus in 3D gerendert und etwas abstrakt gehalten. Der Look ist reduziert und geometrisch, aber cool. Man schleicht durch verlassene Häuser, dunkle Wälder und entlegene Funkstationen. Dabei ist das Spiel schaurig, in einer dunklen Farbpalette gehalten und mit dem grandiosen Synthie-Soundtrack von scntfc unterlegt. Sobald Alex & Co. in Anomalien wie andere Dimensionen oder Zeitschleifen geraten, scheinen Bild- und Tonstörungen um sich zu greifen, die aber gewollt sind und zur Atmosphäre stark beitragen. Was Oxenfree ebenso gelingt und ich persönlich sehr schön bei Spielen finde ist, dass man etwas schlauer wird. Da bestimmte Radiofrequenzen Ereignisse auslösen, ist man immer auf das Radio von Alex angewiesen und lernt einiges über Radiotechnik.

Das Gameplay von Oxenfree ist eigentlich simpel. Man schleicht ca 5 Stunden durch diese Welt und versucht das Unheil wieder rückgängig zu machen, was man ausgelöst hat. Dabei sammelt man ein paar Informationen, spricht mit störrischen Geistern, löst das eine oder andere Ereignis aus und spricht vor Allem die ganze Zeit mit seinen entfremdeten Freunden, neuen Freunden, Vielleicht-bald-Freunden. Aber die Narrative mit den verschiedenen möglichen Ausgängen und Dialogen ist genial. Das und das Design machen das Spiel zu einem das Gänsehaut erzeugt, entweder wegen der herrlich schaurigen Atmosphäre oder wegen der Erkenntnis wie unscharf die Entscheidungen, die wir treffen und ihre Auswirkungen, sind. Aber wie wichtig. Somit ist Oxenfree ein großer Geheimtipp und eins der besten Spiele, die ich bisher gespielt habe. Das einzige was an dem Spiel zu bedauern ist, ist die Kürze des Gameplays und dass das 2016 veröffentlichte Spiel u.a. auf der PS4 einen gewaltigen Bug hat. Sobald man das Spiel pausiert und versucht in das Hauptmenü zu gelangen, wird einem angezeigt, dass die Spielstände defekt seien. Das ist nicht der Fall. Einfach raus aus dem Spiel und neu starten und dann kann es weitergehen. Hätte man in den Jahren, die vergangen sind, gerne mal fixen können.

Habt ihr vielleicht auch Oxenfree gespielt? Und wie hat es euch gefallen? Was hat euch am meisten zugesetzt? Die schaurige Atmosphäre oder die Auswirkungen eurer Entscheidungen? Habt ihr Empfehlungen für schaurig-gute Games?

Netzgeflüster ist eine Kategorie meines Blogs in der ich mich immer zwischen dem 10. und 15. eines jedes Monats Themen rund um IT, Forschung, Netzwelt, Internet und eben auch Gerüchten widme. 🙂