Japanreise: Kulinarische Impressionen – Essen in Japan

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Vor unserer Reise wurden wir das eine oder andere Mal gefragt, ob wir uns dann in Japan nur von rohem Fisch ernähren. ^^‘ Nein, das voraussichtlich nicht. Die japanische Küche, der landestypische Perfektionismus und die Verlockungen der Weltmetropole Tokyo würden schon einiges dazu beitragen, dass wir wir uns sehr vielfältig ernähren würden. Aber als Sushi-Fans würde sicherlich auch ebendas auf dem Speiseplan stehen. Ein Querschnitt durch zehn Tage essen in Japan. Achtung: Der Beitrag könnte ein akutes Gefühl von Appetit erzeugen.

früh …

Wir hatten ein sehr gutes Hotel mit einem sehr reichhaltigen Frühstücksbuffet, das quasi alles hatte. Pasta, Curry zum Frühstück(!), Salate, Suppen, Brötchen und die interkontinentalen Klassiker wie Rührei und Würstchen. Es gab auch ein extra Buffet mit typisch asiatischem Frühstück und einer kurzen Anleitung für die „Wessis“ wie man es sich anrichtet. An das halbrohe Ei, dass viele zu ihrem morgendlichen Reis aßen, konnte ich nicht ran. Aber durch alles außer Pasta und Curry habe ich mich mal durchprobiert.

Ich gestehe: wir haben auf die Reise ja eine Weile gespart und haben uns das Hotel was kosten lassen. Lag es an der Anzahl an Sternen, die über dem Eingang hingen oder wird in allen japanischen Hotels die Keramik an das Essen angepasst? Das Design war eine Augenweide. Die Schüsseln spiegelten beispielsweise der Farbe der Tagessuppe wider. Mein Favorit: Süßkartoffelsuppe. Die Süßkartoffeln scheinen hier vorrangig lila zu sein und ebenso sah die Suppentasse aus. Ansonsten gab es u.a. Matcha-Brötchen und natürlich auch mal Matcha-Latte. Das japanische Frühstück an dem ich mich probiert habe war Reis mit Soja, Pilzen, Sesam und Frühlingszwiebeln mit einem Soja-Hühnerbrühe-Sud. War wirklich gut. Bei soviel Auswahl: was gab es nicht? Alles was mit Milch zutun hat fehlte, ein scheinbar typisch asiatisches Phänomen. Dementsprechend gab es wenig Auswahl bei Cornflakes und Müsli. Kann aber wo anders anders sein.

mittags …

Unser größter Fehler während der Reise war, dass wir ständig etwas bestimmtem zu Essen hinterherjagten. Am besten ist immer noch zu nehmen, was da ist und einigermaßen in das Beuteschema passt. So erspart man sich viel Frustration. Was beispielsweise tun, wenn der Hieper auf Ramen so groß ist, aber weit und breit kein Ramen? Erwachsen sein und sich auf was anderes einlassen. Wir sind teilweise mehr gelaufen als gut für uns war, um etwas ganz bestimmtes zu essen. Das oben erwähnte Sushi gönnten wir uns tatsächlich erst am letzten Tag in einer kleinen Sushi-Bar in der Nähe. Und es war sehr gut, wenn mich auch nicht alle der Fischarten abgeholt haben.

Zwischen Klassikern der japanischen Küche und des Tokyoter Streetfood wie Yakitori (Gebratene Hähnchenspieße), Yakisoba (Gebratene Nudeln), Ramen (Nudelsuppe), Curry mit Reis und Takoyaki (Gebratene Tintenfischbällchen) war es ein besonderes Erlebnis Okonomiyaki („die japanische Pizza“) selber am heißen Tisch zu braten. So ist auch der Name des Ladens hängen geblieben: Sakuratei. Coole Sache. Es gibt also weitaus mehr als rohen Fisch. Und wenn es nichts landestypisches sein musste, haben wir uns den einen oder anderen guten Burger schmecken lassen.

abends …

Die Barszene ist äußerst komfortabel. Man bekommt quasi immer etwas zu knabbern, ein Glas Wasser und ein kleines Handtuch gereicht. Sehr viel Service – und umso mehr wirkt Deutschland wie eine Service-Wüste auf mich, seitdem wir zurück sind. Neben den japanischen Klassikern, dem Reisschnaps Sake und dem Süßkartoffelschnaps Shōchū gibt es auch reichlich Bier in Japan. Auch die Craft Beer-Szene hat hier jede Menge Zuspruch. Hoppy ist übrigens eine Limonade mit Biergeschmack, die auch täuschend echt wie Bier aussieht. Schmeckt eben wie Radler. 🙂 Japan hat außerdem den typischen Whisk(e)y-Regionen Konkurrenz gemacht und einige ausgezeichnete und preisgekrönte Marken vorzuweisen. Wenn sich Japan eines Themas annimmt, dann wird es auch perfektioniert.

… und dazwischen

Wenn es aber etwas gibt, womit man mich kriegt, dann mit Süßem. Die abgepackten und aufgewärmten Pancakes im Coffeeshop lassen wir mal außen vor (obwohl selbst die gut waren). Aber regionale und landestypische Köstlichkeiten wie Momiji Manju (gefülltes Ahornsirup-Gebäck aus der Region um Miyajima und Hiroshima) und gerade „trendiges“ Streetfood wie Windbeutel mit Vanillefüllung – wo das Auge hinschaut perfekte Desserts und Süßigkeiten. Kuchen haben wir sehr gut bei Harps gegessen. Eis mit Süßkartoffelgeschmack gibt es beispielsweise bei Blue Seal (z.B. unter der Sunshine City oder im Venus Fort in Odaiba). All das hat dafür gesorgt, dass ich während des Urlaubs garantiert nicht abgenommen habe. Was ich bisher nur aus Japan kenne ist Shaved Ice. Es ist quasi Wassereis bzw Kratzeis, das man als riesigen Schneeberg bekommt. Als Geschmacksträger dient Sirup.

Allerdings hat die Sache wie auch das trendige Streetfood abseits der Süßigkeiten einen Haken. Und der ist nicht mal Karies und Kalorien, sondern Limitierung. Die japanische Küche setzt auf frische Zutaten und das scheint auch für Streetfood zu gelten. Vieles war einfach aus, wenn wir den Laden oder Stand erreicht hatten. Eine Sache, der ich immer noch nachhänge sind Crêpe brûlée. Oh boy. Alles ausverkauft.

Eine echte Fundgrube, die die Reise noch abwechslungsreicher und experimentierfreudig gestaltet, sind die Snacks aus dem Konbini. Leider habe ich eindeutig zu wenig Fotos gemacht. Neben Meronpan waren die getrockneten Tintenfischsnacks, die witzigerweise oftmals als Cheese verkauft werden, meine Favoriten. Nicht nur, weil sie so aussehen … Stichwort Laktose und Fehlen von Milchprodukten. Wie man an der Frequenz von Minz-Desserts schon merkt: ich mag die sehr. Aber zusätzlich waren die auch noch „Trend“ im Sommer 2019 in Tokyo. Überall lächelte einen etwas mit Minzgeschmack und Schokostreuseln an. Ich konnte mich quasi gar nicht wehren …

Verdursten werdet ihr nicht

Als wir wieder in Deutschland landeten und ich Durst hatte, bekam ich böses Fernweh. Aus einem Automaten zog ich am Flughafen mit Kleingeld mühsam eine Flasche Limo, die lauwarm war. Ich hätte das Ding am liebsten gleich gegen den Automaten gedonnert und den nächsten Flug zurück nach Japan genommen. Dort kann man mit Prepaid-Karten wie der suica sehr bequem kontaktlos an Automaten zahlen und vielfältige Getränke ziehen. Die Automaten stehen quasi überall, die Getränke sind im Sommer gekühlt. Das vermisse ich definitiv noch heute. Ich habe daraus ein Spiel gemacht mich durch alle möglichen Wasser mit Geschmack und Fanta-Sorten zu probieren. Da war u.a. Traube, Gartentraube(?), Grapefruit, Pfirsich .. not bad! Aber eben alles sehr süß. Ebenso wie die Cola mit Pfirsichgeschmack(!) – habe ich hier noch nie gesehen. Zu Mineralwasser, Wasser mit Geschmack und Säften muss ich wohl nichts sagen. Das definitiv seltsamste war aber „Salty Litschi“. Hat sich bei mir nicht durchgesetzt. Brrr.

Must-Do: Bento im Shinkansen

Alles da oben ist sicherlich Geschmackssache. Und Geschmäcker sind verschieden. Aber ein „Must-Do“ gibt es doch. Wenn eine längere Fahrt mit dem Shinkansen bevorsteht, kann ich nur sagen: Do it like a Japanese. Kauft unbedingt am Bahnhof ein Bento, d.h. eine Lunchbox. Die sind erschreckend gut. 🙂

Bentō

Bisherige Artikel zur Japanreise: Reisevorbereitung | Reiseführer-Reviews | Tag 1 (Anreise, Minato) | Tag 2 (Shibuya & Harajuku) | Tag 3 (Miyajima) | Tag 4 (Hiroshima) | Tag 5 (Kyoto) | Tag 6 (Roppongi, Shinjuku) | Tag 7 (Ghibli Museum in Mitaka, Setagaya und Tokyo Skytree) | Tag 8 (Kanda, Akihabara und Odaiba) | Tag 9 (Ikebukuro, Sunshine City) | Tag 10 (Sensō-ji, Asakusa, Sumida, Hachikō)

Die Verpflegung in Japan war vielfältig – und im Grunde schön einfach. Schwierig wurde es, wenn wir mit mittelmäßigen bis kaum vorhandenen Japanischkenntnissen versucht haben Smalltalk mit dem Sushi-Chef zu machen. Aber auch das war eine Erfahrung wert 🙂 Geklappt hat es alles irgendwie. Und es war sehr lecker. Vielleicht räumt mein Beitrag mit dem einen oder anderen Vorurteil oder Unsicherheiten über die japanische Küche auf? Vielleicht macht er euch einfach Appetit? Welches japanische Gericht haltet ihr für Pflicht? Was war das seltsamste, dass ihr jemals probiert habt? Egal ob in Japan oder japanische Küche außerhalb Japans. Ich habe mit den Gerichten weitestgehend die Reiseberichte verlinkt, falls euch interessiert wo genau wir gegessen haben.