Fantastischer Film: Rififi

Der Titel Rififi mag selbst für diejenigen, die des (Alltags- oder Tourismus-)Französischen mächtig sind, nicht besonders aussagekräftig sein. Der französische Originaltitel ist Du rififi chez les hommes und bedeutet soviel wie „Krawall zwischen den Männern“. Die Zeile kommt in einem Song vor, der von der Nachtclub-Sängerin Viviane (Magali Noël) zum Besten gegeben wird, in die sich sofort einer unserer Hauptcharaktere, César (gespielt von Regisseur Jules Dassin), verliebt. Er gehört zu einer Gruppe von „Spezialisten“, die sich für einen vielleicht legendären Raubzug zusammentun. Im Zentrum der Handlung steht der „sanfte Tony“ (Jean Servais), der gerade erst fünf Jahre abgesessen hat und noch vom Knastaufenthalt gezeichnet ist. Ebenso Teil der Truppe ist sein Kumpel Jo (Carl Möhner), den er damals nicht ausgeliefert hat und der dem Gefängnis dadurch entgangen ist. Ebenso mit von der Partie sind Mario (Robert Manuel), ein Kumpel von Jo und César, ein italienischer Safeknacker, den sie extra kontaktieren, weil der geplante Beutezug es in sich hat. Nicht nur, dass der Safe des ins Auge gefassten Juweliers besondere Herausforderungen an sie stellt, es ist auch das Alarmsystem. Kann der Raub gelingen?

„Rififi – Trailer“, via Rialto Pictures (Youtube)

 

Dassin war scheinbar ein echter Tausendsassa. Der Regisseur hat auch in seinem Film eine Rolle übernommen und am Drehbuch mitgewirkt. Der geniale Raubzug ist inspiriert durch den „stummen“ Raubzug in Asphalt-Dschungel und setzt noch eins drauf. Man sieht in dem Schwrazweißfilm die Schweißperlen auf der Stirn der Vier und ist minutenlang in tiefer Anspannung dabei und fragt sich nervös, ob sie entdeckt werden und gleichzeitig fasziniert davon mit welchen einfachen Mitteln sie den minutiös geplanten Raub ausführen. Rififi kann was die Spannung und Charaktermomente betrifft leicht die geistige Vorlage für die Oceans-Filmreihe gewesen sein, beeindruckt aber durch die bodenständigen Mittel und den Kraftakt des Bruchs, den Tony und seine Kollegen vollführen.

Den Noir-Charakter und auch das Mitgefühl bekommt der Film v.A. dadurch, dass die Charaktere alle vorher ihre fünf Minuten bekommen, um ihr Dilemma zu erläutern, ihre Geschichte und ihren Charakter zu erklären. Man wünscht es ihnen regelrecht, dass sie mit wehenden Fahnen und dicken Juwelen in der Tasche davonkommen. Aber es wäre kein film noir, wenn das so einfach wäre. Eine Wucht von einem Film. Schlau, gekonnt inszeniert, wunderbare Mise en Scène und tiefgründige Charaktermomente. „Krawall zwischen den Männern“ ist demzufolge die charmanteste Untertreibung des vergangenen Filmjahrhunderts 😉

Rififi (OT: Du rififi chez les hommes), Frankreich, 1955, Jules Dassin, 115 min

Jeden Monat stelle ich einen Film vor, den ich für einen fantastischen Film halte – losgelöst von Mainstream, Genre, Entstehungsjahr oder -land. Einfach nur: fantastisch. 😆

Eine Antwort

  1. […] Mehrwert neben der Unterhaltung und Assanes smarten Plänen, die sich neben Genrekollegen wie Rififi oder Oceans nicht verstecken müssen. Zu den wenigen Mankos der Serie zählt, dass die Episoden […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert