angelesen: „Last Hero Inuyashiki“ Band 5-7

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Hups. Es gab 2019 so viele gute und spannende Comics und Manga zu lesen, dass ich etwas vergessen habe. Eigentlich hatte ich es mir zum Ziel gesetzt den Action-Manga „Last Hero Inuyashiki“ zu Ende zu lesen. Naja, … mir fehlen ja eigentlich auch nur sechs Bände. ^^‘ „Vielleicht ist das sogar noch schaffbar?“ dachte ich mir. Ob es das immer noch ist, weiß ich nicht – aber wir können es ja mal drauf ankommen lassen. Jedenfalls habe ich bisher drei Bände gelesen, die sehr mit meinen Erwartungen gespielt haben. o_o Naturgemäß können die kurzen Besprechungen Spoiler beinhalten, ich verzichte aber auf große Offenbarungen.

„Last Hero Inuyashiki“ Bd. 5, Hiroya Oku (EMA)

Wir erinnern uns: der handelte vom Familienvater Inuyashiki, der etwas älter und gebrechlicher wirkt als andere Altersgenossen, wenig von seiner Umwelt geschätzt und ständig nur runtergemacht wird. Und dann auch noch erfährt, dass er todsterbenskrank ist. Kurze Zeit später wird er von einem aus dem All herabfallenden Stück Irgendwas erschlagen. Was auch immer es ist, es ist intelligent und setzt ihn wieder zusammen. Als Cyborg. Nachdem er seinen jetzigen Zustand verkraftet hat, beschließt er seine Fähigkeiten für das Gute einzusetzen. Aber er ist nicht der einzige, der nach einer „Wunderheilung“ zu übermenschlichen Fähigkeiten gekommen ist.

Solide! Im fünften Band ist Inuyashikis Antagonist, der Schüler Shishigami, Titelfigur. Es geht ausschließlich darum wie er nach seinem Amoklauf und Bekanntwerden dessen weitermacht. Dass sich der Fokus von unserem Protagonisten Inuyashiki zum Amokläufer verschiebt, mag dem einen oder anderen nicht schmecken. Aber ich bin recht positiv was das betrifft. Das Reinweiß und Reinschwarz-Malen war mir etwas zu einseitig und tatsächlich dreht sich ein bisschen was am Bild. Aber Hiroya Oku wäre nicht Hiroya Oku, wenn er nicht früher oder später für Überraschungen sorgen würde. Die meisten seiner Manga beweisen auch, dass es fast unmöglich ist nur „gut“ zu sein. Und wenn doch, dass es einem nicht nur Happy-Ends gibt. Auch bei diesem trügerischen Frieden bleibt es nicht. Und ob man den will bezweifle ich auch, denn so bewegt sich der Manga trotz seiner entlarvenden gesellschaftskritischen Note von einer Plattitüde (rein-guter Protagonist, rein-böser Antagonist) eventuell in eine andere (Bösewicht wird plötzlich Samariter?) Mal schauen was im nächsten Band geschieht. Obwohl die Motive ausgelutscht wirken mögen, bin ich enorm gespannt wo die wahnwitzige Reise wohl hingeht. Vielleicht liegt es auch daran, dass sich Hiroya Oku die Fähigkeiten seiner Cyborg-gewordenen Protagonisten zunutze macht um die Anonymität von Internet-Trollen zu brechen … auf die blutige Weise. Oku schnappt sich immer Themen, die die Menschen spalten und tut im Manga das, was im echten Leben nicht geht oder sich niemand traut, weil es zu kontrovers ist. Und treibt es dann auf die blutige Spitze. Hier werden Web-Trolle mit ihren eigenen Waffen geschlagen.

„Last Hero Inuyashiki“ Bd. 6, Hiroya Oku (EMA)

Der sechste Band ist in wahnsinniger Geschwindigkeit von vielleicht maximal einer halben Stunde lesbar, wenn überhaupt. Ursache ist, dass er hauptsächlich aus Actionszenen besteht, die beeindruckend gezeichnet sind und auch gern mal „epische“ Momente einer Totale von zwei Seiten festhalten. Das bietet aber eben entsprechend wenig Lesefutter. Und auch leider sehr wenig Inhalt. Die Handlung wird fortgesetzt, indem Shishigami einen Rachefeldzug gegen die Polizei führt und später sogar noch krassere Aktionen ankündigt, was wohl hoffentlich bald Inuyashiki auf den Plan ruft. Leider hat der Manga es grob verpasst zu zeigen, wie weit der mit seinem „Training“ fortgeschritten ist. Eine etwas seltsame Parallelhandlung ist die um Inuyashikis Tochter Mari, die plötzlich um dem Nachbarn eins auszuwischen Mangazeichnerin und viel bekannter als er und sein Sohn werden will. Das ist der Drive … nicht. Man fragt sich wo das hinführt. Auch wenn der Inhalt des Bandes mich eher befremdet, erkennt man wieder wie Hiroya Oku die Verrohung der Gesellschaft adressiert. Mari wird hier beispielsweise mal kurz als Kind gezeigt, die offenbar sehr an ihrem Papa hing – wovon heute nichts mehr zu merken ist.

„Last Hero Inuyashiki“ Bd. 7, Hiroya Oku (EMA)

Endlich tritt Inuyashiki auf den Plan und versucht Shishigamis neusten, grausamen Amoklauf zu verhindern. Und der hat wirklich ein katastrophales Ausmaß. Mir ging ein bisschen die Düse bei den Bildern. Auch das ist der Hiroya-Oku-Effekt. Interessant ist die Realisierung Shishigamis, dass er in der Geschichte der Schurke ist. Vielleicht fühlt er sich sogar als Opfer? Zumindest beteuert er, dass er nur deswegen mit den Morden angefangen hat, weil er sich dann lebendig fühlt. Eine billige Ausrede für einen beschädigten Moralkompass. Das interessante dabei ist für mich Shishigamis Vorname: Hiro. Das spricht und schreibt sich wie die „japanisierte“ Form des englischen Wortes „Hero“, Held. Auch „kami“ steckt in seinem Namen, was meine ich „Gott“ heißt. Der Titel des Manga erzählt etwas anderes. Ist das bloße Satire auf die selbstverliebte Jugend? Immerhin war Shishigami ja sowas wie der Klassenschönling? Oder kommt da noch was? Ich bin hin- und hergerissen. Auch dieser Band war etwas vorhersehbarer als ich es von Oku gewöhnt bin, aber ähnlich schockierend wie erwartet. Bei Oku ist es angebracht vor dem Ende Angst zu haben. o_o Aber ich wusste ja, was ich tue als ich angefangen habe die Reihe zu lesen. Normalerweise würde ich an der Stelle eine Empfehlung aussprechen, weil in dem Band jede Menge Orte in Tokyo, z.B. die Stadtteile Shinjuku und Odaiba zu sehen sind. Aber andererseits sind die hier Schauplatz von Katastrophen …

Bei dem Tempo und dem ausgedehnten Showdown lässt sich erahnen, dass sich die verbliebenen drei Bände des Manga wohl einzig und alleine dem finalen Kampf zwischen Shishigami und Inuyashiki widmen. Da gibt es hier ehrlich gesagt wohl nicht so viel zu besprechen und ich werde mir die Betrachtung des Endes entweder ganz knicken oder dann in einem ausgelesen-Beitrag. Die letzten drei Bände waren zum Teil doch etwas vorhersehbar. Müsste ich drauf tippen, wer den Kampf gewinnt, würde ich auf Shishigami tippen. Aber ich hoffe, dass Inuyashiki das Ruder rumreißt. Vielleicht durch smart-talking? Aber Band 6 hat bewiesen, dass Shishigami schon mal probiert hat einer von den „Guten“ zu sein. Und das hat ja so mäßig geklappt. Irgendwie hoffe ich auf eine Deus ex Machina. Im siebten Band wurde etwas angedeutet, das entscheidend sein könnte. Wie wäre es wohl, wenn Inuyashiki und Shishigami zack von jetzt auf plötzlich wieder Menschen wären? Bis dahin denke ich, dass Hanako, der süße Hund, plötzlich auch zum Cyborg mutiert und Shishigami platt macht … . Andererseits will uns Oku mit der Figur Shishigamis ja was mitteilen. Hach … mal schauen wo die Reise hingeht.

In „angelesen“ sammle ich die Eindrücke von Buchreihen, die ich lese. D.h. insbesondere von Manga, Comics und Graphic Novels, die ich noch nicht abgeschlossen habe und deswegen nur als Teil eines Ganzen betrachten kann. Wer andere Literatur sucht und die Meinung zu abgeschlossenen Reihen, findet die in ausgelesen, einer weiteren Rubrik hier im Blog. 🙂